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"Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek - Psychogramm einer pathologisierten / pathologisierenden Mutter-Tochter-Beziehung

Titel: "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek - Psychogramm einer pathologisierten / pathologisierenden Mutter-Tochter-Beziehung

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2009 , 22 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Claudia Dewitz (Autor:in)

Geschlechterstudien / Gender Studies
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Folgenden soll es um die Mutter-Tochter-Beziehung in Elfriede Jelineks autobiografisch gefärbtem Roman oder - wie sie es nannte - eingeschränkter Biografie Die Klavierspielerin gehen. Die Vater-Mutter-Kind-Szene ist defekt und wird ersetzt durch eine pathologisierte Mutter-Tochter-Beziehung. Thematisiert wird zudem die schwierige Verbindung zwischen der Klavierlehrerin Erika Kohut und ihrem Schüler Walter Klemmer – diese soll in hier allerdings nur am Rande von Interesse sein und nur im Hinblick auf Disfunktionalitäten, die sich aus der Beziehung zur Mutter Kohut ergeben, herangezogen werden.
Mutterschaft ist ein als kulturelles Konstrukt, das mit vielen Idealen und Mythen behaftet ist. Die Liebe zwischen Mutter und Kind gilt – dem Klischee folgend – als rein und bedingungslos. Die Mutter sorgt und umhegt ihr Kind uneigennützig, mit dem Ziel, ein kompetentes erwachsenes Kind in die Welt zu entlassen. Jedoch wie so häufig haben Idealvorstellung und gelebte Realität selten etwas gemein. „Der Text legt seine innere Dialektik offen: Ein feststehendes kulturelles Ideal steht gegen die hartnäckige Materialität des Lebens.“ Es gibt kein Schema F für Mutterschaft, denn Frauen an sich sind keine homogene Gruppe. Jede von ihnen hat eigene Erfahrungen gemacht und ist einen eigenen Individuationsprozess durchlaufen. Auch sind die Gründe für Schwangerschaft und Mutterschaft mannigfaltig verschieden. Nicht jede Frau sieht in der Geburt ihres Kindes die vollkommene Erfüllung ihrer selbst und nicht jede Frau sieht ihr Kind als einzigen Lebensinhalt. Im Falle von Erika Kohut und ihrer Mutter scheint es oberflächlich betrachtet so, als wäre die Mutter-Tochter-Beziehung eng. Da die Leserschaft jedoch von der Autorin gleich am Anfang des Romans vor Augen geführt wird, dass das Ideal der Mutterschaft nur zur Institutionalisierung mütterlicher Macht und der Erhaltung des Dependenzverhältnisses der Tochter zur Mutter herangezogen, ist es evident, dass Mutter und Tochter aneinander kleben und sich nicht lösen können und/oder wollen.
Ich möchte zeigen, dass Erika durch die Erziehung ihrer Mutter zu einem sozial inkompetenten Wesen herangezogen wird und ferner die Beziehung zwischen Mutter und Tochter generell als krankhaft dargestellt wird. „Die Mutter hat Erika schließlich zu dem gemacht, was sie jetzt ist.“ (K17)

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erika Kohut – eine Tochter wird besessen

2.1 Kindheit und Jugend

2.2 Das Erwachsensein – wer oder was bin ich?

2.3 Beziehungsunfähigkeit und Gefühlskälte

3. Die Mutter

3.1 Die Rolle ihres Lebens

3.2 Mutter Kohut als Ehefrau

3.3 Identität: Mutterschaft

4. Zwei Damen gegen den Rest der Welt

4.1 Reziproke Evokation – Eins bedingt das Andere

4.2 Der Mutterleib als letzte Zuflucht

4.3 Bis das der Tod sie scheidet

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die pathologisierte Mutter-Tochter-Beziehung in Elfriede Jelineks Roman "Die Klavierspielerin". Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Protagonistin Erika Kohut durch die erdrückende, manipulative Erziehung ihrer Mutter in ein Leben der sozialen Inkompetenz und psychischen Abhängigkeit gezwungen wird, wobei die mütterliche Macht als zentrales strukturelles Element fungiert.

  • Die Analyse der gestörten Mutter-Tochter-Dyade als pathologisches Konstrukt.
  • Die Untersuchung der Identitätsbildung und der resultierenden Beziehungsunfähigkeit der Tochter.
  • Die Rolle der männlichen Abwesenheit und der mütterlichen Ersatzstrategien im Familiengefüge.
  • Die Bedeutung von Selbstverstümmelung und voyeuristischem Verhalten als Bewältigungsmechanismen.
  • Die Verknüpfung von autobiografischen Elementen Jelineks mit der fiktionalen Handlung des Romans.

Auszug aus dem Buch

2.1 Kindheit und Jugend

Nach mehr als 20 jähriger Ehe wird Mutter Kohut schwanger. „Sofort gab der Vater den Stab an seine Tochter weiter und trat ab. Erika trat auf, der Vater trat ab.“ (K7) Wie so vieles in dem Roman, ist auch diese Szene sehr ambivalent. Zum einen scheint der Vater nur allzu gerne abzutreten, es wirkt gerade so, als würde er der Tochter völlig erschöpft und in Hoffnung auf baldige Erholung der Tochter den Stab übergeben. Andererseits wird später im Roman auch klar, dass der Vater durch das Kind ersetzt wurde. Nachdem er seiner biologischen Verpflichtung zum Fortbestand der österreichischen Rasse nachgekommen ist, kann/muss er sich verabschieden.

Die Beziehung einer Mutter zu ihrem Kind beginnt schon während der Schwangerschaft. Die Mutter hofft auf ein gesundes Kind und das alles gut verläuft. Viele Frauen fragen sich wie ihr Kind wohl sein wird – natürlich muss es das schönste, klügste, tollste Kind der Welt werden. Auch Mutter Kohut imaginiert sich vorgeburtlich ihr kleines Wesen zu Recht – ihr „schwebte vorgeburtlich etwas Scheues und Zartes dabei vor Augen.“ (K27) Ein unschuldiges Wesen, das Schutz und Pflege bedarf. Jedoch wird dieses Wesen, sobald es den Mutterleib verlassen hat zu einem Klumpen Ton, an dem sich die Mutter abarbeitet. Es gilt das Kind den Anforderungen und Vorstellungen der Mutter anzupassen – und sei es mit Gewalt. „Das Kind wird mit der Geburt in den Kreislauf ökonomischer Zusammenhänge gebracht. Es darf sich nicht mit irdischem Groben auseinandersetzten, Schmutz und Kot werden ihm verboten und durch Tanz, Gesang und Musik ersetzt.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung thematisiert die defekte Mutter-Tochter-Beziehung bei Jelinek und ordnet Mutterschaft als kulturelles Konstrukt ein, das Machtverhältnisse zementiert.

2. Erika Kohut – eine Tochter wird besessen: Das Kapitel beleuchtet die totale Vereinnahmung Erikas durch die Mutter, ihre fehlende Privatsphäre und die daraus resultierende Identitätslosigkeit.

3. Die Mutter: Hier wird die Mutter als dominante, fast inquisitorische Figur analysiert, die ihren eigenen Ehrgeiz durch die Tochter auslebt und den Vater aus dem Familiengefüge verdrängt.

4. Zwei Damen gegen den Rest der Welt: Dieser Abschnitt beschreibt das symbiotische Machtgefüge zwischen Mutter und Tochter sowie die Versuche Erikas, durch voyeuristisches Verhalten und Selbstverletzung eine Art Autonomie zu finden.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Mutter-Tochter-Beziehung eine zerstörerische Eigendynamik entwickelt, die Erikas Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit unmöglich macht.

Schlüsselwörter

Elfriede Jelinek, Die Klavierspielerin, Mutter-Tochter-Beziehung, Pathologie, Mutterschaft, Abhängigkeit, Identitätsverlust, Machtstrukturen, Voyeurismus, Selbstverstümmelung, Narzissmus, österreichisches Kleinbürgertum, patriarchale Gewalt, Sozialisation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die pathologische Mutter-Tochter-Beziehung im Roman "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek und untersucht, wie diese Bindung die Protagonistin Erika Kohut psychisch formt und zerstört.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten gehören der Machtkampf in der Familie, die Unterdrückung der weiblichen Sexualität, die soziokulturelle Konstruktion von Mutterschaft und die Folgen von emotionaler sowie physischer Abhängigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die mütterliche Gewalt und die daraus resultierende Unfähigkeit Erikas zu einer autonomen Lebensführung als zentrales Motiv des Romans zu identifizieren und interpretativ darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die durch psychologische und biografische Ansätze sowie feministische Medientheorien zur Deutung des Jelinek-Werks ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden detailliert die Kindheit und Jugend der Protagonistin, die dominante Rolle der Mutter im Alltag, das komplexe Machtgefüge zwischen beiden Frauen sowie Erikas Versuche der Kompensation durch autoaggressives Verhalten beschrieben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Jelinek, Mutter-Tochter-Beziehung, Abhängigkeit, Identitätsverlust, pathologische Narzissten, Machtstrukturen und soziale Inkompetenz.

Inwiefern spielt der Vater im Roman eine Rolle?

Der Vater wird als impotentes, fast vollständig verdrängtes Schattenwesen dargestellt, dessen Entfernung aus dem Familienverband als eine Art Kastration der traditionellen Familienstruktur fungiert.

Welche Bedeutung haben die Selbstverletzungen der Protagonistin?

Die Schnitte mit der Rasierklinge werden als verzweifelter, jedoch erfolgloser Versuch gedeutet, sich von der Mutter zu lösen, sowie als Ausdruck einer Verbindung von Schmerz und Lust innerhalb ihrer gestörten Identität.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek - Psychogramm einer pathologisierten / pathologisierenden Mutter-Tochter-Beziehung
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
"Mütterlichkeit ein kulturelles Konstrukt im historischen Wandel"
Note
2,0
Autor
Claudia Dewitz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V161696
ISBN (eBook)
9783640753819
ISBN (Buch)
9783640753956
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klavierspielerin Elfriede Jelinek Psychogramm Mutter-Tochter-Beziehung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Claudia Dewitz (Autor:in), 2009, "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek - Psychogramm einer pathologisierten / pathologisierenden Mutter-Tochter-Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161696
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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