Soziale Ungleichheit durch Studiengebühren


Hausarbeit, 2008

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Soziale Ungleichheit
2.2. Bildung
2.3. Studiengebühren

3. Erfahrungen von anderen Ländern durch die Einführung von Studiengebühren
3.1. USA
3.2. Österreich

4. Studiengebühren in Deutschland
4.1. Argumente für und gegen Studiengebühren
4.1.1. Sozialverträglichkeit
4.1.2. Notwendigkeit
4.1.3. Verteilungsgerechtigkeit der Finanzen
4.1.4. Abschreckungseffekt
4.2. Finanzierung
4.2.1. Studienbeitragsdarlehen
4.2.2. Befreiung

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Studiengebühren – ein Thema, welches zurzeit in Deutschlands Medien allgegenwärtig ist. Nach langen Diskussionen und vielen Demonstrationen haben nun in Deutschland einige Bundesländeränder (Baden – Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein – Westfalen und Saarland) die Studiengebühren auch für Studienanfänger eingeführt. Sie erhoffen sich dadurch eine höhere Qualität von Forschung und Lehre und somit eine bessere Ausbildung der Studenten.

In Schwarz – Weiß gemalt könnte dies für die Zukunft folgendes bedeuten: Wer es sich leisten kann, studiert in einem der oben genannten Bundesländer und erfährt eine qualifizierte Ausbildung an gut ausgestatteten Hochschulen und nimmt die Gebühren in Kauf. Wer diese jedoch nicht bezahlen kann oder will, muss sich mit weniger zufrieden geben und schlechtere Lernbedingungen in Kauf nehmen.

Ist das sozial gerecht? Genau an diesem Punkt ergreifen die Gegner von Studiengebühren das Wort. Diese zusätzliche finanzielle Belastung kann dazu führen, dass Menschen aus unteren oder mittleren Einkommensschichten entweder mit schlechten Hochschulbedingungen vorlieb nehmen müssen oder sogar vollkommen auf ein Studium verzichten müssen. Laut dieser Meinung würden in Zukunft die deutschen Hochschulabsolventen sich nicht nur durch einen hohen Bildungsstand auszeichnen, sondern auch allesamt durch ein vermögendes Elternhaus.

In dieser schriftlichen Ausarbeitung möchte ich auf diese Punkte detaillierter eingehen und die verschiedenen Position, bei der Diskussion um die soziale Ungleichheit durch Studiengebühren, vorstellen.

Vorerst möchte ich beginnen die wichtigsten Begriffe – Soziale Ungleichheit, Bildung und Studiengebühren – zu definieren. Im folgendem werde ich Argumente für bzw. gegen die Einführung von Studiengebühren vorstellen, wobei ich mich auf die Hauptpunkte Verteilungsgerechtigkeit, Externe Effekte der Hochschulausbildung und den Abschreckungseffekt, konzentrieren werde.

Anschließend werde ich kurz die Erfahrungen der Länder Australien und Österreich darlegen, welche schon vor einigen Jahren Studiengebühren eingeführt haben.

Danach werde ich auf die Umsetzung in Deutschland eingehen, wobei ich mich auf das Land Hessen konzentrieren werde. Abschließen werde ich diese schriftliche Ausarbeitung mit einem Fazit, in welchem ich die These diskutiere, dass Studiengebühren zu sozialer Ungleichheit führen.

2. Definition wichtiger Begriffe

Um erläutern zu können, ob Studiengebühren zu sozialer Ungleichheit führen, müssen vorerst wichtige Begriffe definiert werden.

Im folgenden Abschnitt werden die Begriffe soziale Ungleichheit, Bildung und Studiengebühren detailliert erläutert, so dass im Folgenden eine spezifische Auseinandersetzung aus dem Zusammenspiel dieser prägnanten Begriffe möglich ist.

2.1. Soziale Ungleichheit

„Als ‘soziale Ungleichheit’ bezeichnet man (1) wertvolle, (2) nicht absolut gleich und (3) systematisch verteilte, vorteilhafte und nachteilige Lebensbedingungen von Menschen, die ihnen aufgrund ihrer Position im gesellschaftlichen Beziehungsgefüge zukommen.“[1]

Ursachen sozialer Ungleichheit sind Mechanismen und Bestimmungsgründe, durch welche diese Strukturen entstehen. Dies können beispielsweise soziale Vorurteile oder gesellschaftliche Funktionserfordernisse sein. Die soziale Ungleichheit ist auf verschiedenen Dimensionen einer Gesellschaft zu finden, die verschieden ausgeprägt sind. Als klassische Dimensionen sind Einkommen, Prestige und Macht zu sehen, doch in den letzten Jahren haben sich auch neuere Dimensionen herausgeprägt, welche in der Bildung, sowie den Wohn-, Umwelt-, Sicherheits-, Arbeits- und Gesundheitsbedingungen angesiedelt sind.[2]

Die Auswirkungen sozialer Ungleichheit werden nicht nur in den äußerlichen Lebensbedingungen deutlich – beispielsweise Reichtum/ Armut und Luxus/ Entbehrung – sondern auch in den alltäglichen Verhaltensweisen, Werthaltungen und Einstellungen. Hier ist ein Unterschied in verschieden Bereichen zu spüren, wo hier nur auszugsweise Optimismus/ Pessimismus, kulturelle Kompetenzen, Kontaktfreudigkeit/ Isolation und ein spezifischer Habitus genannt werden.[3]

Alle diese Auswirkungen sind logische Konsequenzen sozialer Ungleichheit, welche jedem Menschen im Alltag begegnen.

Da die Bundesrepublik Deutschland ein Sozialstaat ist, ist dieser verpflichtet staatliche Maßnahmen zu ergreifen, um soziale Ungleichheiten bis zu einer gesetzlichen Legitimation auszugleichen. Dieses geschieht durch den Artikel 13 des Grundgesetzes, welcher sich auf die Sozialpflichtigkeit des Eigentums bezieht, sowie den Artikel 20 des Grundgesetzes, in welchem die Staatsstrukturprinzipien festgelegt sind.[4]

Dass die staatlichen Maßnahmen nicht ausreichen, um sozialer Ungleichheit vorzubeugen, ist im Alltag ersichtlich und wird auch weiterhin im Laufe dieser Ausarbeitung deutlich.

2.2. Bildung

Bildung ist ein sehr umfassender Begriff, dessen Definition schwer fällt. Im Lexikon definiert sich Bildung folgendermaßen: „Bildung, die Formung des Menschen im Hinblick auf seine geistigen, seelischen, kulturellen und sozialen Fähigkeiten.“[5]

Der Bildungsbegriff hat religiös – mystische und philosophische Wurzeln und trat seit der Renaissance neben den herkömmlichen Terminus Erziehung. Im Gegensatz zu dem Begriff Erziehung, welcher hauptsächlich Hilfen für Heranwachsende auf ihrem Weg zur Lebenstüchtigkeit durch andere beschreibt, steht der Bildungsbegriff für eine lebenslange Leistung der Eigentätigkeit und Autonomie. Diese ist nie abschließbar für einen gezielt bemühenden Menschen.[6]

2.3. Studiengebühren

Der Begriff Studiengebühr wird synonym zu Studienbeitrag benutzt. Diese sind als Beträge zu definieren, welche ein Mensch zahlen muss, um ein Studium absolvieren zu können.

In Deutschland wurden die Studiengebühren überwiegend 2007 eingeführt, wobei dieses nur auf sieben Bundesländer[7] zutrifft. In den restlichen Bundesländern besteht zurzeit noch keine Gebührenpflicht. Dieses kann sich jedoch nach den kommenden Landtagswahlen ändern, da die einzelnen Landesregierungen für die Bildungspolitik zuständig sind.

Die Studiengebühr beträgt in Deutschlang 500 Euro pro Semester und soll

3. Erfahrungen von anderen Ländern durch die Einführung von Studiengebühren

Ein Argument für die Einführung von Studiengebühren war, dass auch andere Industriestaaten, mit welchen Deutschland häufig verglichen wird, seit Jahren Studiengebühren verlangen und sich dort die erhofften Wirkungen eingestellt haben. Ob dieses Argument zutrifft, wird sich im Folgenden zeigen, wo die Staaten Österreich und Amerika vorgestellt werden.

3.1. USA

Häufig wird bei den Vergleichen mit anderen großen Industriestaaten auf die USA verwiesen, wo schon seit jeher hohe Studiengebühren existieren. Die Amerikaner liegen mit Gebühren zwischen 3.900 und 23.000 Euro pro Jahr weltweit an der Spitze. Selbst Studenten aus den unteren Einkommensklassen bezahlen an den preisgünstigsten Universitäten noch ungefähr 3000 US – Dollar.[8]

Allerdings existieren in den USA eine Vielzahl von Stipendien, so dass die Begabtesten unabhängig vom Einkommen auf jeden Fall die Möglichkeit eines Hochschulstudiums besitzen. Diese Stipendien werden von Unternehmen, Privatleuten, Stiftungen und anderen gemeinnützigen Organisationen gestiftet.

Die wichtigste staatliche Unterstützung in den USA sind die Pell Grants, welche ausschließlich nach sozialen Kriterien vergeben werden. Mehr als 20% der Studenten beziehen diese.[9]

Die Frage bleibt, ob Studiengebühren in den USA zur sozialen Ungleichheit betragen. Hier zu lässt sich sagen, dass die Spitzenbegabten während der Hochschulausbildung tatsächlich unabhängig von ihrem finanziellen Hintergrund gefördert werden. Das Problem ist jedoch, je weniger Begabung vorliegt, umso mehr hängt es vom Geld ab, ob ein Studium möglich ist, oder nicht. Dieses kann wiederum nicht als sozial gerecht bezeichnet werden.[10]

Weiterhin steigen die Gebühren in den USA stetig, so dass sich die Studenten hoch verschulden müssen, um ein Studium zu absolvieren. Selbst bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2004 war diese Verschuldung Thema bei den Kandidaten Kerry/ Edwards. Sie führten an, dass in den drei vorangegangen Jahren ungefähr 220.000 Jugendliche das Studium nicht begonnen haben, weil sie es sich finanziell nicht leisten konnten – uns dieses, obwohl sich aus akademischer Sicht für eine Hochschulausbildung qualifiziert gewesen wären.[11]

Die hohe Verschuldung der Studenten der USA wirkt sich auch auf ihre Berufswahl aus. Um die Schulden schnellstmöglich zurückbezahlen zu können, entscheiden sich angehende Ätze immer häufiger für Facharztrichtungen mit höheren Verdienstmöglichkeiten, als beispielsweise als Hausarzt tätig zu werden.[12]

Anhand dieser Ausführungen wird deutlich, dass auch das Studiengebührenmodell der USA nicht sozial gerecht ist. Es haben nur bestimmten Bevölkerungsgruppen (die Jugendlichen aus finanziell gut gestellten Elternhäusern und die Spitzenbegabten) die Möglichkeit ein Studium ohne größere schädliche Folgen zu absolvieren. Die Jugendlichen auch der unteren und mittleren Einkommensklasse, die zwar für ein Studium qualifiziert sind, aber nicht zu den Begabtesten des Landes gehören müssen entweder auf eine andere Ausbildung ausweichen oder sich hoch verschulden, um einen akademischen Abschluss zu erreichen.

3.2. Österreich

Als zweites Staatenbeispiel habe ich mich für das Nachbarland Österreich entschieden, wo seit dem Wintersemester 2001 Studiengebühren von 726 Euro jährlich erhoben werden. Kurz danach sank sowohl die Zahl der Studierenden (-19,5%), als auch die Zahl der Erstsemester (-14,9%) beträchtlich. Der Rückgang der Gesamtstudentenzahl ist sicherlich damit zu erklären, dass einige Studenten nur an einer Universität formal eingeschrieben waren, um die Vorteile studentischer Vergünstigungen in Anspruch nehmen zu können. Doch trotz einer Minderung durch staatliche Förderung (Studiendarlehen), hat sich die Partizipation an der österreichischen Hochschulbildung innerhalb eines Studienjahres so drastisch verringert.[13]

Wesentlich schwerwiegender ist jedoch, laut Nagel, der Rückgang der Studienanfänger: „Die Anzahl der Studienanfänger ist bei der Einführung der Studiengebühren im Jahresvergleich um 15 % gesunken, obwohl sich das Potential für Hochschulbildung (die Maturanten bzw. Abiturienten) nicht verringert hat. Möglicherweise konnte ein Teil dieses Rückgangs von kürzeren, teilweise gebührenfreien, tertiären Ausbildungen (z.B. an Fachhochschulen und Colleges) absorbiert werden. (…) Die Anzahl der inländischen, ordentlichen Erstzugelassenen ist sogar von 21.196 (Wintersemester 2000/2001) auf 17.961 (Wintersemester 2001/2002) gesunken, ein Rückgang um 15,3 %. In den 3 Jahren davor stieg die Anzahl der Erstzugelassenen um jährlich rund 8 % an.“[14]

Ein deutlicher Abschreckungseffekt ist hier nicht zu leugnen. Da in Deutschland das Bildungssystem ähnlich aufgebaut ist, sind hinsichtlich der Abschreckung potenzieller Studienbewerber ähnliche Effekte zu erwarten. Es muss folglich damit gerechnet werden, dass die, von den Studiengebühren „abgeschreckten“ Abiturienten auf die Angebote der dualen Berufsausbildung ausweichen. Die Schlussfolgerung davon wäre wiederum, dass für die Haupt- und Realschüler weniger Ausbildungsplatz zur Verfügung stehen und ihre Chancen einen Beruf zu erlernen schwänden.

4. Studiengebühren in Deutschland

Im vorherigen Abschnitt wurde dargelegt, welche Erfahrungen die Staaten USA und Österreich durch die Einführung von Studiengebühren gemacht haben.

Da diese in Deutschland weitestgehend erst zum Wintersemester 2007/2008 eingeführt werden, kann man hier noch nicht von Erfahrungen sprechen. Deshalb werde ich mich in diesem Abschnitt auf die Aussagen von Experten stützen.

4.1. Argumente für und gegen Studiengebühren

Es gibt in Deutschland zurzeit drei große Gruppen, wenn es um die Diskussion um Studiengebühren geht – die einen, die diese befürworten; die anderen, die Studiengebühren ablehnen und den Rest, denen es gleichgültig ist (wahrscheinlich, weil sie nicht betroffen sind). Im Folgenden werde ich die Argumente der Befürworter von Studiengebühren denen der Gegner gegenüberstellen und mich dabei auf die wesentlich Fragen konzentrieren: Ist es sozial verträglich Studiengebühren einzuführen? Ist diese Gebühr notwendig oder gäbe es auch andere Wege? Führt die Studiengebühr zu einer größeren Verteilungsgerechtigkeit in der Finanzstruktur? Kommt es durch die Einführung der Studiengebühr zu einem Rückgang der einkommensschwächeren Studierenden, weil diese durch die hohen Kosten abgeschreckt werden?

4.1.1. Sozialverträglichkeit

Befürworter von Studiengebühren erwähnen immer wieder, dass diese sozial verträglich seien, da ja auch in anderen Ländern die Zahl der Studierenden nicht zurückgegangen sei.

Tatsächlich ist es aber so, dass die Studentenanzahl aus der Unter- und Mittelschicht sehr wohl gesunken, ist, da diese Menschen aus einkommensschwachen Verhältnissen eine geringere Verschuldungsbereitschaft aufweisen und ihnen daher der „Preis“ für eine akademische Ausbildung zu hoch sei. Dass der „Preis“ nämlich tatsächlich eine Rolle spielt, sieht man an den Studentenzahlen von 1999, welche aufgrund einer Erhöhung der BAföG – Sätze von 31,3% auf 37,1% angestiegen sind.[15]

Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) bezeichnet die Sozialverträglichkeit als den wunden Punkt der Befürworter und behauptet, dass sozialverträgliche Studiengebühren ein Widerspruch in sich sind. Sie begründen ihre Auffassung damit, dass alle Varianten der Studiengebühren Bildungsbeteiligung mit der „Primarverteilung des Sozialprodukts“[16] verkettet sind. „Diese ergibt sich aus der jeweiligen Stellung der einzelnen Menschen im System der gesellschaftlichen Produktion und spiegelt folglich dessen strukturelle Ungleichheiten wider. (…) Diese Primärverteilung lässt sich nicht allein so beschreiben, dass Menschen unterschiedlich viel Geld verdienen, sie ist auch ein Ausdruck von Machtbeziehungen und strukturell unaufhebbaren Ungleichheitsverhältnissen.“[17]

Diesen bildungsdiskriminierenden Effekten lässt sich, laut dem Aktionsbündnis gegen Studiengebühren, nur so entgegenwirken, dass jedem Menschen Bildung ermöglicht wird (beispielsweise durch ein gebührenfreies Studium) und indem die Bildung sozial gefördert wird, wie dieses durch das BAföG möglich ist. Aus diesem Grund stellt das Aktionsbündnis fest, dass es „deswegen per Definition keine sozialverträglichen Studiengebühren“[18] geben kann.

Weiterhin war schon vor der Einführung der Studiengebühren festzustellen, dass der Mittelstand von den Förderungen des Staates vernachlässigt wurde. Da der Freibetrag des BAföGs auf das elterliche Einkommen schon seit Jahren nicht mehr angeglichen wurde, besteht für viele Jugendliche, die auf diese Unterstützung angewiesen wären, kein Anspruch.[19] Dies bedeutet für diese Studenten, dass sie, um ihre Hochschulausbildung finanzieren zu können, nebenbei Geld verdienen müssen. So entsteht eine ewige Spirale, denn zum Geld verdienen benötigt man Zeit, welche wiederum von der Lernzeit abgezogen werden muss. Das hat zur Folge, dass das Studium länger dauert, so dass länger Gebühren gezahlt werden müssen. Die einzige Möglichkeit für Jugendliche, die keine Unterstützung durch ihr Elternhaus erhalten können, eine Vollzeit - Hochschulausbildung zu absolvieren ohne die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit liegt darin, einen Studentendarlehen zu beantragen. Die Folge davon ist natürlich, dass direkt bei Berufsanstieg mit der Rückzahlung vieler Schulden beginnen muss. Ausführlicher wird im Punkt 4.2. auf die Finanzierungsmöglichkeiten während des Studiums eingegangen.

4.1.2. Notwendigkeit

Es wird häufig davon gesprochen, dass es schlichtweg notwendig war, Studiengebühren einzuführen. In dem folgendem Abschnitt soll besprochen werden, auf welche Aspekte sich diese Notwendigkeit stützt und diskutiert werden, ob auch andere – sozial gerechtere – Möglichkeiten bestanden hätten. Dieses wird anhand verschiedener Thesen aufgearbeitet.

Die öffentlichen Kassen sind leer, deshalb gibt es keine Alternative zur Einführung von Studiengebühren.

Es stimmt, dass die öffentlichen Kassen leer sind. Der Grund dafür ist, dass durch die Politik seit Jahren Unternehmen entlastet werden, Liberalisierung betrieben wird und der gesellschaftliche Reichtum von unten nach oben umverteilt wird.[20] Das grundlegende Probleme liegt auf der Seite der Einnahmen. Unternehmen und vermögende Bürger mussten immer weniger Steuern bezahlen, so dass die Einnahmen weit hinter den Ausgaben zurückblieben.[21]

Außerdem sinkt der prozentuale Anteil des Staates am Hochschulewesen seit Jahren. Daraus folgt wiederum, dass die Gesamteinnahmen des Staates immer weiter sinken und auf die Schultern der unteren Bevölkerungsschichten umverteilt werden.[22]

Durch die Einführung von Studiengebühren werden die Ungerechtigkeiten im Bildungssystem abgebaut.

Mit der Ungerechtigkeit des Bildungssystems ist hier gemeint, dass Studienplätze im Vergleich zu Plätzen an anderen Bildungseinrichtungen teurer sind und hierdurch ein Ungleichgewicht besteht. Thorsten Bultmann schreibt 2002 dazu: „Das gesellschaftliche Bildungskonzept des aktivierenden Staates lässt sich im Prinzip auf eine Formel bringen: Am Beginn der Bildungsbiographie, d.h. in der Kindheit, wird in einem gewissen Umfang dem Anspruch nach sozialer Selektion abgebaut, um durch (Teil.)Privatisierung späterer Bildungsphasen Selektion umso effizienter stattfinden zu lassen. Es handelt sich, kurz gesagt, um eine Modernisierung von Auslesemechanismen.“[23]

Aus diesen Gründen wird jede Art von Studiengebühren wieder neue oder weitere Arten von Benachteiligung im Bildungssystem festigen.

Studiengebühren zwingen die Studenten dazu, zielgerichtet zu lernen und zügig einen Abschluss zu erreichen.

Bereits bei dem Punkt 4.1.1. zur Sozialverträglichkeit von Studiengebühren ist das Thema Eigenfinanzierung und Folgen kurz angeklungen, doch nun soll noch einmal explizit verdeutlicht werden.

Laut einer Studie begründeten schon vor der Einführung der Studiengebühren 56% der Studenten, dass sie neben der Hochschulausbildung arbeiten müssten, um das Studium finanzieren zu können. Da nun durch die Studiengebühren noch einmal 1000 Euro zusätzliche Ausgaben pro Jahr anstehen, wird sich dies noch weiter verschärfen. Um die 83 Euro monatlich bezahlen zu können, werden die Studierenden mehr Zeit für ihre Erwerbstätigkeit nutzen müssen und verlängern somit ihre Studienzeit.[24] Somit kann hier das Argument, dass ein zügigerer Abschluss erreicht werden könnte widerlegt werden.

Auch der Punkt, dass durch die Studiengebühren die Zielstrebigkeit der Studenten erzwungen wird, kann zu einem Scheinargument degradiert werden. „In Wirklichkeit geht es darum, die Individuen an die Interessen des Kapitals zu binden, diese also so zu „erziehen“, dass sie sich selbst „marktgerecht“ bilden, nominieren und verhalten.“[25]

Bevor man bei einem Studium von Effizienz und Zielgerichtetheit sprechen kann, muss vorerst geklärt werden, was man darunter versteht. Wenn man als effizient bezeichnet, an einer Hochschule anwesend zu sein, die Pflichtveranstaltungen zu besuchen, das Studium schnellstmöglich zu beenden und dann eine gute Position auf dem Arbeitsmarkt zu erlangen, mag dieses zutreffen. Doch wenn man den Anspruch hat, kreativ und kritisch gebildet zu werden, kann durch den Druck das Studium zügig zu beenden nicht von Effizienz gesprochen werden, sondern vielmehr von einem Zwang zur Oberflächlichkeit.

[...]


[1] Stefan Hradil (1993): „Schicht, Schichtung und Mobilität“, S. 148

[2] Vgl. Stefan Hradil (1993): „Schicht, Schichtung und Mobilität“, S. 148

[3] Vgl. Stefan Hradil (1993): „Schicht, Schichtung und Mobilität“, S. 148

[4] Vgl. http://www.datenschutz-berlin.de/recht/de/gg/gg1_de.htm letzter Zugriff am 16.09.07

[5] http://lexikon.meyers.de/meyers/Bildung zugegriffen am 26.09.07

[6] Vgl. http://lexikon.meyers.de/meyers/Bildung zugegriffen am 26.09.07

[7] Diese Bundesländer sind Baden – Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein Westfalen und das Saarland.

[8] Vgl. http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/astuecke/75222/index.html zugegriffen am 15.09.2007

[9] Vgl. http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/astuecke/75222/index.html zugegriffen am 15.09.2007

[10] Vgl. taz Nr.7432 vom 11.08.2004, Seite 18

[11] Vgl. http:www.studis-online.de/StudInfo/Gebuehren/warum_keine_studiengebuehren.php zugegriffen am 16.09.07

[12] Vgl. taz Nr. 7432 vom 11.08.2004, Seite 18

[13] Vgl. Hochschulbericht 2002 Band 1: http://archiv.bmbwk.gv.at/medienpool/8330/hb_2002_bd1.pdf

[14] Nagel, Bernhard, 2003: Studiengebühren und ihre sozialen Auswirkungen. S. 63

[15] Vgl. Lieb (2004): Studium als Privatinvestment.

[16] Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (2003): Argumente gegen Studiengebühren. S.8

[17] Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (2003) Argumente gegen Studiengenühren. S. 8/9

[18] Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (2003): Argumente gegen Studiengebühren. S. 9

[19] Vgl. http://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/studiengebuehren.php zugegriffen am 15.09.07

[20] Vgl. http://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/studiengebuehren.php zugegriffen am 15.09.07

[21] Vgl. Troost, Axel (2005): Die Strategie der roten Zahlen.

[22] Vgl. http://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/studiengebuehren.php zugegriffen am 15.09.07

[23] Bultmann (2002): Bildungpolitik und >>aktivierender Staat<<. www.streiflicht-online.de/protesthandbuch/background/Bildungspolitik_und_aktivierender_Staat.rtf zugegriffen am 24.09.07

[24] Vgl. http://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/studiengebuehren.php zugegriffen am 21.09.07

[25] http://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/studiengebuehren.php zugegriffen am 15.09.07

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Soziale Ungleichheit durch Studiengebühren
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V161733
ISBN (eBook)
9783640751075
ISBN (Buch)
9783640751655
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Ungleichheit, Studiengebühren
Arbeit zitieren
Katja Trümper (Autor:in), 2008, Soziale Ungleichheit durch Studiengebühren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161733

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