Konzept zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern in den Fächern Mathematik und Musik

Unter Berücksichtigung fachspezifischer Aspekte


Examensarbeit, 2008

57 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Motivation: Warum ein Konzept zur individuellen Förderung?
1.1 Das neue Schulgesetz
1.2 Individuelle Förderung als pädagogischer, erzieherischer und bildungspolitischer Grundsatz
1.3 Legitimation des Themas durch Bezug zum Kernlehrplan Mathematik und zu den Richtlinien im Fach Musik
1.4 Bedeutung des Themas für die Ludwig-Uhland-Realschule
1.5 Gedanken zur Vorgehensweise bei der Entwicklung des Konzeptes
1.6 Schwerpunktmäßig betrachtete Lehrerfunktionen

2. Dreizehn Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern für das zu entwickelnde Konzept
2.1 Vorüberlegungen
2.2 Dreizehn Möglichkeiten zur individuellen Förderung
2.2.1 Das Unterrichtsgespräch / Der Frontalunterricht
2.2.2 Die Partnerarbeit
2.2.3 Die Gruppenarbeit
2.2.4 Die individuelle Gestaltung der Hausaufgaben
2.2.5 Die gegenseitige Hilfe von Schülerinnen und Schülern
2.2.6 Das persönliche Gespräch
2.2.7 Die Förderung von Stärken
2.2.8 Die Berücksichtigung lernbiologischer Aspekte
2.2.9 Die individuelle Bewertung der Schülerleistung
2.2.10 Die Berücksichtigung des Migrationshintergrundes
2.2.11 Evaluation und Diagnose
2.2.12 Der Kontakt zu den Eltern
2.2.13 Die Kooperation mit Fachkolleginnen und -kollegen

3. Ist-Aufnahme und Abfrage der Bereitschaft zur Mitarbeit an dem Konzept
3.1 Tabellarische Auswertung der Fragebögen
3.2 Bemerkungen zu den fächerübergreifenden Fragestellungen
3.3 Bemerkungen zu den fachspezifischen Fragen zum Fach Mathematik
3.4 Bemerkungen zu den fachspezifischen Fragen zum Fach Musik
3.5 Organisatorische Möglichkeiten

4. Das Konzept
4.1 Tabellarische Darstellung
4.4 Möglichkeiten und Vorteile teamorientierter Ansatzpunkte
4.2 Fachspezifische Aspekte im Fach Mathematik
4.3 Fachspezifische Aspekte im Fach Musik

5 Bewertung des Konzeptes
5.1 Vorteile und Hemmnisse
5.2 Übertragbarkeit auf andere Fächer
5.3 Generalisierbarkeit für andere Schulen
5.4 Schlusswort

6 Anhang
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Briefe an die Kolleginnen und Kollegen
6.3 Fragebögen
6.4 Ergebnisse der Fragebögen

1 Motivation: Warum ein Konzept zur individuellen Förderung?

1.1 Das neue Schulgesetz

Im Schulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen vom 15. Februar 2005, zuletzt geändert durch Gesetz vom 25. Juni 2006, heißt es in § 1: „(1) Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage und Herkunft und sein Geschlecht ein Recht auf schulische Bildung, Erziehung und individuelle Förderung. [...] (2) Die Fähigkeiten und Neigungen des jungen Menschen sowie der Wille der Eltern bestimmen seinen Bildungsweg.“1

In § 2, Absatz 4 wird weiter ausgeführt: „(4) Die Schule vermittelt die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen und berücksichtigt dabei die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Sie fördert die Entfaltung der Person, die Selbstständigkeit ihrer Entscheidungen und Handlungen“2

Daraus ergibt sich eine entscheidende Zielsetzung für die an den Schulen Nordrhein-Wes- talens unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer: Die Berücksichtigung der Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler sowie des Willens der Eltern durch eine möglichst individuelle Förderung.

1.2 Individuelle Förderung als pädagogischer, erzieherischer und bildungspolitischer Grundsatz

Nun mag man sich fragen: Ist das nicht selbstverständlich? Ist es nicht schon immer die Grundlage jeglichen pädagogischen Handelns gewesen, die einem zur Bildung und Erzie- hung anvertrauten Menschen als eigenständige, individuelle Persönlichkeiten zu behandeln?

So beruht die Reformpädagogik auf dem Bestreben zur Reform von Erziehung, Schule und Unterricht entsprechend dem pädagogischen Grundkonzept: „Pädagogik vom Kinde aus, individuelle Selbsttätigkeit des Heranwachsenden, führte zu neuen schulischen Formen (u. a. Gesamtunterricht, Gruppenunterricht, Schülermitverwaltung, Arbeitsgemeinschaften, Werken, Gymnastik) und entwickelte zusätzliche Erziehungsfelder“.3

Das Ziel der durch Pädagoginnen und Pädagogen zu erfolgenden Erziehung ist die „Un- terstützung und Förderung des heranwachsenden Menschen, die ihn in seiner geistigen und charakterlichen Entwicklung befähigen soll, sich sozial zu verhalten und als selbstständiger Mensch eigenverantwortlich zu handeln. Der zu Erziehende soll die Verhaltenserwartungen (das heißt Normen oder Erziehungsziele) seiner sozialen Umwelt kennen, beurteilen, gegebenenfalls als begründet anerkennen und erfüllen lernen.“4

Während die Erziehung jedoch primär „die Hilfen bezeichnet, die dem Heranwachsenden auf seinem Weg zu Lebenstüchtigkeit und Mündigkeit [...] zuteil werden“,5 betrachtet die Bildung schließlich den Menschen im Hinblick auf seine geistigen, seelischen, kulturellen und sozialen Fähigkeiten. Bildung gilt heute „v. a. als lebenslange, nie endgültig abschließbare Leistung der Eigentätigkeit und Selbstbestimmung des sich gezielt bemühenden Menschen. Bildung (Allgemeinbildung) und Ausbildung (Berufsausbildung) ergänzen einander.“6

Eine öffentliche Diskussion „um grundlegende Fragen der Bildung und Bildungspolitik, beispielsweise die Neuformulierung von Bildungszielen und -inhalten, wird gegenwärtig in Deutschland geführt, wesentlich ausgelöst durch die Veröffentlichung (2001) der ersten PISA-Studie (PISA).“7

Damit wird klar, weshalb die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern in den letzten Jahren in der deutschen Bildungspolitik einen solchen Stellenwert erhalten hat, denn die Länder, deren Schülerinnen und Schüler bei der ersten PISA-Studie überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben, haben gerade die Bedeutung der individuellen Förderung bereits erkannt und mit viel Erfolg realisiert.

Finnland ist einer der großen Gewinner der ersten PISA-Studie, daher verweise ich zur Stüt- zung dieser These auf die Berichterstattung zu einer Weiterbildung, die am 10.05.2007 zum Thema „Was bedeutet individuelle Förderung im finnischen Schulalltag?“ stattgefunden hat.8

1.3 Legitimation des Themas durch Bezug zum Kernlehrplan Mathematik und zu den Richtlinien in Fach Musik

Im Kernlehrplan für die Realschule in Nordrhein-Westfalen für das Fach Mathematik heißt es, Schülerinnen und Schüler „erkennen [...], dass die Mathematik eine historisch gewachsene Kulturleistung darstellt. Zugleich erleben sie Mathematik als intellektuelle Herausforderung und als Möglichkeit zur individuellen Selbstentfaltung und gesellschaftlichen Teilhabe.“9 Diesem Anspruch wird insbesondere Genüge getan durch die Entwicklung von „Kompetenzstufen auf der Basis empirisch und fachdidaktisch geklärter Kompetenzstufenmodelle [...] Auf dieser Basis können dann das angestrebte Mindestniveau (Mindeststandards), der Regelfall und ein Exzellenzniveau ausgewiesen werden“.10

In den Richtlinien und Lehrplänen für Musik wird der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Realschule u.a. wie folgt beschrieben: „Entfaltung von Individualität und Aufbau sozialer Verantwortung: Die Schule geht von dem Recht der Schülerinnen und Schüler auf Anerkennung ihrer Individualität im erziehenden Unterricht aus. Die Realschule hilft ihnen, ihre Fähigkeiten und Interessen zu erkennen und zu entwickeln, sich ihrer Neigungen bewußter zu werden sowie Erfahrungen und Erkenninsse hinzuzugewinnen.“11

1.4 Bedeutung des Themas für die Ludwig-Uhland-Realschule

Der Aktualität des Themas „Individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern“ entsprechend wird es auch an der Ludwig-Uhland-Realschule disktutiert. In der Lehrerkonferenz vom 15.04.2008 wurde von der Schulleitung auf die Notwendigkeit der Entwicklung eines Konzeptes zu diesem Thema hingewiesen.12 Gerade im Hinblick auf eine in Bälde bevorstehende Schulinspektion kann meine Arbeit der Schulleitung und den Kolleginnen und Kollegen eine wichtige Hilfestellung an die Hand geben.

Bei den Fachkolleginnen und Fachkollegen der Fächer Mathematik und Musik besteht ein großes Interesse an diesem Konzept. Der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern einen breiteren Raum in der täglichen Lehrertätigkeit einzuräumen und die Bereitschaft, neue Ideen nach Möglichkeit zu berücksichtigen, wurde mir in persönlichen Gesprächen ausdrücklich bestätigt.

1.5 Gedanken zur Vorgehensweise bei der Entwicklung des Konzeptes

Das von mir angedachte Konzept soll den Kolleginnen und Kollegen der beiden Fächer eine unmittelbar umzusetzende Hilfestellung an die Hand geben. Somit möchte ich Ideen, die größere organisatorische Aufwendungen erfordern (z. B. Intergration außerschulischer Organisationen, fächerübergreifende Überlegungen), aussparen. Ich werde mich dabei auf Vorschläge beschränken, die sich mit vertretbarem Aufwand und unmittelbar, d. h. mit Be- ginn des Schuljahres 2008/2009, in die tägliche Arbeit der Kolleginnen und Kollegen integrieren lassen.

Vor dem Hintergrund meiner bisherigen Hospitationen und meiner eigenen Unterrichtserfahrung komme ich außerdem zu der Erkenntnis, dass alle Kolleginnnen und Kollegen in zugegebenermaßen unterschiedlichem Umfang ihre Schülerinnen und Schüler individuell fördern. Ich werde die verwendeten Methoden zusammenstellen und Verbesserungs- bzw. Erweiterungsmöglichkeiten darstellen.

Mit Hilfe eines Fragebogens für die Kolleginnen und Kollegen führe ich daher eine Ist-Auf- nahme durch und erfrage die Bereitschaft, insbesondere durch teamorientierte Ansatzpunkte weitere Möglichkeiten zur indivdiuellen Förderung zu nutzen.

Aus meinen bisherigen Hospitationen und eigener Unterrichtserfahrung komme ich wei- terhin zu der Erkenntnis, dass wesentliche Unterschiede bei den Fächern Mathematik und Musik im Hinblick auf die Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern bestehen. Im Fach Musik kann ich zusätzlich auf langjährige Erfahrungen als Instrumentallehrer zurückgreifen, die mir bei der Beurteilung fachspezfischer Überlegungen hilfreich sein werden.

Die Arbeit im Team wird, davon bin ich überzeugt, ungeahnte Möglichkeiten offenbaren. Daher wird mein Konzept vielfältige teamorientierte Ansatzpunkte berücksichtigen. Die Idee entstand im Übrigen durch die Zusammenarbeit mit meiner Musik-Kollegin Barbara Pradel. Im Rahmen des Unterrichtes unter Anleitung nutzte ich mit ihr gemeinsam die Mög- lichkeiten des Teamteachings. Ich zitiere diesbezüglich aus dem Gutachten, das Frau Pradel für den Zeitraum vom 02.03.07 bis 11.06.07 meines Unterrichtes unter Anleitung erstellt hat:

„Zum Abschluss seien mir noch einige persönliche Sätze gewährt: Während der Unterrichts- reihe »Wir gründen ein LUR-Klassenorchester« bot sich die sowohl für Herrn Bahr als auch für mich völlig ungewohnte - da im »normalen Unterrichtsalltag« leider fast nicht durchzu- führende - Unterrichtsform des Team-Teachings an. Die Schüler/innen erlernten in Grup- pen die Melodie und mögliche rhythmische Begleitformen des Liedes »Bruder Jakob« an in der Schule zur Verfügung stehenden Instrumenten. Den Schülerinnen, den Schülern und auch uns zwei Lehrkräften bereitete das gemeinsame Unterrichten und Musizieren große Freude. Es erschlossen sich ungeahnte Möglichkeiten! Der Lerngruppe war so konzentriert, motiviert und auf ihre Weise erfolgreich, dass man förmlich »musikalische Funken der Be- geisterung« spüren konnte.“13

Ein Konzept, das teamorientierte Ansatzpunkte berücksichtigt, bedarf nicht nur der Bereitschaft der betreffenden Kolleginnen und Kollegen zur Mitarbeit, sondern muss auch die schulinternen organisatorischen Möglichkeiten berücksichtigen. Diese wurden mit dem Konrektor der Schule ausführlich eruiert.

1.6 Schwerpunktmäßig betrachtete Lehrerfunktionen

Von den sieben Lehrerfunktionen besitzen bei der gewählten Thematik sicherlich die des Unterichtens, Erziehens, Beratens und Leistungmessens und Beurteilens eine große Bedeu- tung. Aus der Themenstellung selber ergibt sich aber ein besonderer Schwerpunkt für die Tätigkeit des Diagnostizierens und Fördern einerseits und des Evaluierens, Innovierens und insbesondere des Kooperierens. Somit wird den beiden letztgenannten Lehrerfunktion in den folgenden Überlegungen die entscheidende Aufmerksamkeit zukommen.

2 Dreizehn Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Schüle- rinnen und Schülern als Grundlage für das zu entwickelnde Konzept

2.1 Vorüberlegungen

„Lernen ist etwas unglaublich Individuelles!“ So formuliert es der Wissenschaftsjournalist Reinhard Kahl in dem Film „Das Wissen vom Lernen“.14 Der Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer verbreitet dort die Hoffnung, dass auch deutsche Kinder nach dem PISA-Schock durch geeignete Maßnahmen bessere Ergebnisse zu erzielen in der Lage sind: „Unser Gehirn lernt immer, es kann gar nicht anders und tut nichts lieber. Sie müssen es schon ins Koma legen, damit es damit aufhört. Wenn Sie jetzt sagen, der hat ja keine Ahnung, jeden Morgen habe ich dreißig Gegenbeispiele in meiner Schulklasse vor mir, dann muss ich sagen: Na ja, Sie meinen etwas ganz anderes. In ihrer Schulklasse lesen sie z.B. Goethes Faust und unter dem Tisch machen die SMS, und damit lernen die SMS. Das heißt, die lernen schon, vielleicht nicht gerade das, was sie wollen - aber gelernt wird.“15

Wenn man das gerade genannte Zitat von Reinhard Kahl überträgt auf den Menschen in seiner gesamten Persönlichkeit, so lautet es: Jeder einzelne Mensch ist etwas unglaublich Individuelles! Jeder Mensch ist individuell aufgrund seiner Begabungen, seiner Interessen und seines Lebensumfeldes, er ist integriert in eine Gesellschaft, die in Jahrhunderten ge- wachsenen sozialen, kulturellen und kirchlichen Grundsätzen unterworfen ist. Das macht doch auch ohne das Abdriften in die Tiefen der Philosophie die ungeheure Dimension der Problemstellung und die unglaublich große Anforderung an die Tätigkeit der Lehrerinnen und Lehrer deutlich.

Fragen auf diesem Hintergrund die Pädagoginnen und Pädagogen, die an den Schulen vor Ort ihrer bildungs- und erzieherischen Tätigkeit nachgehen, nicht mit großer Berechtigung: Inwieweit ist es mir bei der Vielzahl der mir anvertrauten Kinder und Jugendlichen überhaupt möglich, diesem Anspruch der individuelle Förderung gerecht zu werden?

Man denke an eine durchschnittliche Klassengröße von 25 bis 30 Schülerinnen und Schülern, die für eine mit 28 Wochenstunden in Vollzeit unterrichtende Lehrkraft eine Gesamtzahl von mindestens schätzungsweise 180 Schülerinnen und Schülern aus.

In Nebenfächern findet häufig nur eine Unterrichtsstunde wöchentlich statt. Wie soll man die Schülerinnen und Schüler dieser Klassen so gut in ihrer Individualität kennenlernen, um sie wie verlangt fördern zu können?

Man denke an die zunehmende Arbeitsbelastung von Lehrerinnen und Lehrern, u.a. durch permanent zunehmende organisatorische Aufgaben zur Erfüllung des Lehrauftrages. Als aktuelles Beispiel nenne ich die Einführung der Kopfnoten zu Beginn des Schuljahres 2007/2008. Diese Einführung geschah gerade im Hinblick auf die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern, indem jede Schülerin und jeder Schüler nicht nur in der fachlichen Leistung, sondern auch durch je drei verschiedene Noten zum Arbeits- und Sozi- alverhalten in seiner gesamten Persönlichkeit zu bewerten ist. Abgesehen von der Frage, wie fundiert eine solche Bewertung überhaupt sein kann, muss in diesem Zusammenhang vor allem auf die unglaublich große zusätzliche Arbeitsbelastung für die Lehrerinnen und Lehrer hingewiesen werden.

Man könnte weitere Missstände aufzeigen und vielfältige Forderungen stellen (z. B. Stunden- zahl reduzieren, kleinere Klassengrößen, Veränderung der Lehrpläne zugunsten der künst- lerischen und sportlichen Aktivitäten von Schülerinnen und Schülern). Das alles aber kostet Geld, welches die politischen Entscheidungsträger aufgrund des auf den öffentlichen Haus- halten lastenden Spardrucks weder bereit noch in der Lage sind, zur Verfügung zu stellen. Prof. Terhart fordert, die tatsächliche Situation zu akzeptieren und sieht daher die Notwen- digkeit, Bildungs- und Erziehungsprozesse sowie Lehr- und Lernaufgaben unter betriebs- wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten bzw. „aus dieser Sicht heraus Druck auf die entsprechenden Organisationen und ihr Personal auszuüben - geht es doch um grundsätzlich positive und notwendige Dinge wie individuelle Bildung, zeitgemäße Qualifizierung, soziale Solidarität und allgemeine Humanität -, so ist gleichwohl festzuhalten, dass aus der Bildungs- administration heraus schon immer besorgte und mehr oder weniger vorsichtige Fragen nach Effektivität und Effizienz gestellt worden sind.“16

Fazit: Die Lehrerinnen und Lehrer müssen sich in die Pflicht nehmen lassen! Es gilt, die vorhandenen Bedingungen, die zweifellos von Schule zu Schule sehr unterschiedlich sein mögen, zu evaluieren, zu diagnostizieren und Möglichkeiten ausfindig zu machen, die dem Ziel einer effektiven und effizienten individuellen Förderung dienlich sind.

In der Diskussion mit den Kolleginnen und Kollegen über dieses Thema stellte sich heraus, dass eigentlich alle bereits jetzt mehr oder weniger bewusst versuchen, ihre Schülerinnen und Schüler angemessen individuell zu fördern.

2.2. Dreizehn Möglichkeiten zur individuellen Förderung

Ich werde nun Möglichkeiten zur individuellen Förderung aufzeigen, die bereits von vielen Kolleginnen und Kollegen eingesetzt werden bzw. die in vertretbarem zusätzlichen Arbeits- aufwand zu realisieren sind und somit die Grundlagen schaffen für das später zu entwickeln- de Konzept.

2.2.1 Das Unterrichtsgespräch / Der Frontalunterricht

Viele Schülerinnen und Schüler arbeiten in dieser Unterrichtsform besonders effektiv und erfolgreich. Ein gutes Unterrichtsgespräch gehört also unbedingt auch in dieses Konzept! Aufgrund der Eindrücke aus meinen Hospitationen möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass es diese Unterrichtsform den Schülerinnen und Schülern besonders einfach macht, sich gedanklich aus dem Unterrichtsgeschehen zu entfernen.

2.2.2 Die Partnerarbeit

Diese Form der individuellen Förderung wird wohl von jeder Lehrerin und jedem Lehrer angewandt. In der Regel sitzen befreundete Schülerinnen und Schüler nebeneinander und helfen sich gegenseitig, indem sie Lösungen vergleichen, Meinungsverschiedenheiten diskutieren und sich zu einigen versuchen. Das meines Erachtens wichtige gelegentliche Tauschen der Partnerinnen und Partner sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Die Partnerarbeit sollte unbedingt auch zur Binnendifferenzierung genutzt werden, indem stärkere bzw. schwächere Schülerinnen und Schüler ein differenziertes Lernangebot erhalten oder stärkere Schülerinnen und Schüler schwächeren helfen.

2.2.3 Die Gruppenarbeit

Diese bedeutsame Form im Unterricht fördert insbesondere prozessbezogene Faktoren, in- dem Schülerinnen und Schüler gemeinsam die Lösung erarbeiten. Sie lernen das Argumen- tieren und Kommunizieren, indem sie sich kreativ austauschen und auch die Ergebnisse der Gruppenarbeit der Klasse vorführen. Möglichkeiten zur individuellen Förderung sind ge- geben, indem die Gruppen nach unterschiedlichen Kriterien zusammengestellt werden. Ich halte die Gruppenarbeit für eine besonders wichtige Unterrichtsform bei der individuellen Förderung!

2.2.4 Die individuelle Gestaltung der Hausaufgaben

Die Lehrerinnen und Lehrer der Ludwig-Uhland-Realschule legen großen Wert auf sorgsam und regelmäßig erledigte Hausaufgaben. Unter Berücksichtigung der Individualität der Schü- lerinnen und Schüler ist die differenzierte Gestaltung von Hausaufgaben von großer Bedeu- tung. Freiräume bei der Wahl des Umfangs und des Schwierigkeitsgrades der Hausaufgabe helfen dabei, sie nicht als notwendiges, zur Schule gehörendes Übel anzusehen, sondern sie als Chance zu begreifen, sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten mit dem Fach zu beschäftigen und sich als individuelle Persönlichkeit gefordert zu fühlen. Nur eine differenzierte Hausaufgabe kann sowohl schwächere als auch stärkere Schülerinnen und Schüler gleichermaßen motivieren, indem es weder zu einer Über- noch zu einer Unterfor- derung kommt.

Die einfachste Methode scheint mir zu sein, die Zeit der Hausaufgaben zu begrenzen und für stärkere Schülerinnen und Schüler Zusatzaufgaben vorzusehen. Die gewissenhafte An- fertigung der Hausaufgabe ohne Zusatzaufgabe durch eine schwächere Schülerin bzw. einen schwächeren Schüler mag einen viel größeren zeitlichen wie geistigen Aufwand bedeuten als die vollständige Bearbeitung inklusive der Zusatzaufgabe für eine stärkere Schülerin bzw. einen stärkeren Schüler und sollte somit eine mindestens so große Wertschätzung durch die Lehrerin oder den Lehrer erfahren!

Eine individuelle Förderung bedeutet auch die Benennung von Aufgabentypen verschiedener Schwierigkeitsstufen, bei denen die Schülerin und der Schüler selber entscheidet, welche Aufgaben sie/er lösen möchte.

Eine gute Möglichkeit stellen auch Langzeit- oder Wochenhausaufgaben dar. Hierbei wird der Individualität der Schülerinnen und Schüler insofern Rechnung getragen, als dass jeder für sich selber festlegen kann, zu welcher Zeit die Arbeit an der Hausaufgabe erfolgt.

2.2.5 Die gegenseitige Hilfe von Schülerinnen und Schülern

Jede Lehrerin und jeder Lehrer hat die Unterrichtsfächer als Neigungs- und Begabungsfächer gewählt und mit großer Wahrscheinlichkeit niemals die Verständnisprobleme einer Realschülerin oder eines Realschülers gehabt. Die fehlende Fähigkeit, sich in die Gedankengänge dieser Schülerinnen und Schüler hineinzuversetzen, erschwert allzu oft die nachvollziehbare Erklärung des mathematischen Sachverhaltes. Schülerinnen und Schüler sind daher meines Erachtens oft sehr gut geeignet, bei Verständnisproblemen von Mitschülerinnen und Mitschülern für die Lehrkraft einzuspringen.

Somit stellt diese Möglichkeit eine individuelle Förderung in zweifacher Hinsicht dar: Schwä- chere Schülerinnen und Schüler erhalten so Einblick in Sachverhalte, die ihnen möglicher- weise ansonsten verborgen geblieben wären, stärkere Schülerinnen und Schüler werden in ihrer Argumentations- und Kommunikationsfähigkeit gefördert und erhalten dadurch oft ein vertiefendes Verständnis. In einer funktionierenden Klassengemeinschaft wirkt sich diese Form gegenseitiger Unterstützung auch im Sozialverhalten positiv aus: Weder ist es negativ, eine Problemstellung nicht zu verstehen (Verlierer), noch ist es negativ, zu den besseren

Schülerinnen und Schülern zu gehören (Streber). Im Fach Musik ist eine gegenseitige Hilfe- stellung beim aktiven Musizieren sinnvoll: Schülerinnen und Schüler, die über instrumentale Vorkenntnisse verfügen, geben diese an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler weiter.

2.2.6 Das persönliche Gespräch

Eine Mutter, deren Sohn zu ihrem Bedauern von der Realschule auf die Hauptschule wech- seln musste, berichtete mir einigen Wochen später mit großer Begeisterung: „Ich habe einen ganz neuen Sohn. Er kommt motiviert nach Hause und stellt verwundert fest: An meiner neuen Schule reden die Lehrer mit mir!“ Natürlich ist für eine individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern das persönliche Gespräch unabdingbar. Zur individuellen, ge- zielten Hilfestellung für eine Schülerin oder einen Schüler gehört neben der Kenntnis der fachlichen Leistung die möglichst genaue Kenntnis ihres bzw. seines sozialen Hintergrundes. Sind beispielsweise schwache Leistungen oder ein unerwarteter Leistungsabfall auf fachliche Defizite oder eher auf familiäre Rahmenbedingungen zurückzuführen, die sich ungünstig auf die Leistung auswirken? Nur aus dieser Kenntnis heraus können individuell angepasste Entscheidungen getroffen und der Wille der Eltern berücksichtigt werden.

2.2.7 Die Förderung von Stärken

Ist es nicht selbstverständlich, dass Lehrerinnen und Lehrer auch Stärken ihrer Schülerinnen und Schüler fördern? Es sollte wohl so sein, aber seien wir mal ehrlich: Im Unterrichtsalltag liegt in der Regel der Schwerpunkt auf der Förderung der schwächeren Schülerinnen und Schüler! Planung und Durchführung von Klassenarbeiten geschehen vor dem Hintergrund, eine der Gaußschen Normalverteilung entsprechende Leistungsbreite mit möglichst wenigen mangelhaften Leistungen zu erhalten. Bei den Lernstandserhebungen und Zentralen Ab- schlussprüfungen gilt es in erster Linie für geringe Durchfallquoten zu sorgen.

Betrachte ich den Verlauf von Zeugnis- und Lehrerkonferenzen, an denen ich bislang teilgenommen habe, so finde ich meine Behauptung bestätigt. Es werden ausnahmslos Leistungen von Schülerinnen und Schülern diskutiert, deren Versetzung gefährdet ist. Außergewöhnlich gute Leistungen werden selten thematisiert.

Hier ist meiner Überzeugung nach eine große Notwendigkeit in der Auseinandersetzung der Kolleginnen und Kollegen mit dem Ziel der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern gegeben. Auch gute und herausragende Leistungen sind zu fördern!

2.2.8 Die Berücksichtigung lernbiologischer Aspekte

Der zu Beginn dieses Kapitels zitierte Film „Das Wissen vom Lernen“ beschäftigt sich als Schnittstelle zwischen Pädagogik und Hirnforschung mit der Fragestellung „Wie funktio- niert Lernen?“ Die für die lehrende Tätigkeit wichtige Grundaussage ist, dass jegliches Ein- prägen von Wissen immer und unmittelbar verknüpft ist mit dem emotionalen Umfeld zur Zeit des Lernens. Die Herstellung eines emotional angenehmen Lernklimas ist somit für den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern von herausragender Bedeutung. Gerade in dieser Hinsicht bieten die von mir später dargestellten teamorientierten Ansatzpunkte besonders erfolgversprechende Möglichkeiten.

2.2.9 Die individuelle Bewertung der Schülerleistung

Die verstärkte individuelle Förderung von Schülerleistungen erfordert neue Lernformen. Doch „neue Lernformen erfordern auch neue Formen des Beurteilens. [...] Neue Beurtei- lungsformen beziehen sich auf die Leistungen von Schülerinnen und Schüler, die über den fachlich-inhaltlichen Bereich hinausgehen - also auf soziale, methodische und/oder persön- liche Leistungen. [...]. Zur Entwicklung einer Bewertungskonzeption hat sich die Einteilung in dei Bausteine Prozessbewertung, Produktbewertung und Präsentationsbewertung als wichtiger Schritt erwiesen.“17

Die Realität sieht vielfach anders aus und ich empfinde die meines Erachtens übergroße Bedeutung der Ergebnisse der Klassenarbeiten in den Hauptfächern als ein großes Ärgernis. Hier scheint sich seit meiner Schulzeit - und die liegt nun schon einige Jahre zurück! - nicht viel verändert zu haben. Es reicht, sich gezielt auf eine Klassenarbeit vorzubereiten, eine kontinuierlich über das Halbjahr erbrachte Leistung ist nicht nötig: Bei drei gleichen Noten in den Klassenarbeiten steht die Zeugniszensur ja fest! Eine über das Halbjahr hinweg erbrach- te Leistung erfährt aber auch zugunsten einer Schülerin oder eines Schülers keine positive Würdigung, so sie es denn könnte. Diese Vorgehensweise bevorteilt die Schülerinnen und Schüler, die in schriftlichen Prüfungen gute Leistungen erzielen und benachteiligt diejenigen, deren Stärken in der mündlichen Mitarbeit liegen, die sich stark am Unterrichtsgeschehen beteiligen und die besonders sorgsam ihre Hausaufgaben erledigen. Im Sinne einer indivi- duellen Förderung ist eine andere, ausgewogenere Gewichtung der Leistung unabdingbar. Darüberhinaus kann eine solche Vorgehensweise die Schülerinnen und Schüler viel besser dazu motivieren, eine konstante Leistung über das gesamte Schulhalbjahr zu erbringen.

2.2.10 Die Berücksichtigung des Migrationshintergrundes

Eine weitere Herausforderung an die individuelle Förderung besteht darin, den vielen Schü- lerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund gerecht zu werden. Dieses erfordert al- lerdings eine sehr intensive Auseinandersetzung mit den vielfältigen Kulturen, die an den Schulen aufeinandertreffen. Hier scheint mir eine Grenze des Machbaren erreicht zu sein. Hilfreich wäre die Einstellung von Kolleginnen und Kollegen, die selber über die entspre- chenden Hintergründe verfügen und eine intensive Fortbildung der Kolleginnen und Kolle- gen ohne Migrationshintergrund.

2.2.11 Evaluation und Diagnose

Eine entscheidende Aufgabe kommt der umfangreichen Evaluation und Diagnose zu. Einer- seits gilt es, im Rahmen der Selbstreflexion die eigene Arbeit kritisch zu beleuchten, Schwach- stellen auszumachen und zu korrigieren. Andererseits ist damit die Auseinandersetzung mit der Frage gemeint: Wo gibt es positive und negative Faktoren, die das individuelle Lernen der Schülerinnen und Schüler fördern oder beeinträchtigen, und zwar sowohl schulisch als auch außerschulisch.

2.2.12 Der Kontakt zu den Eltern

Auch hier handelt es sich um eine grundsätzliche Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer. Es wird schon in §1 des neuen Schulgesetzes ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Eltern- wille bei der schulischen Ausbildung des Kindes und Jugendlichen zu berücksichtigen ist. Die Annahme, eine Lehrkraft könne bei der Vielzahl der ihm anvertrauten Schülerinnen und Schüler diese auch durch intensiven persönlichen Elternkontakt individuell fördern, erscheint unwahrscheinlich. Mir scheint es daher sinnvoll zu sein, durch eine enge Zusammenarbeit mit den Klassenleitungen der jeweiligen Schülerinnen und Schüler die nötigen Informati- onen zu erhalten und gegebenenfalls Absprachen mit den Eltern zu treffen.

2.2.13 Die Kooperation mit Fachkolleginnen und -kollegen

Besonders im Sinne teamorientierter Aspekte sind Absprachen untereinander natürlich von großer Bedeutung. Gerade hier liegt eine besondere Schwierigkeit - die Teamfähigkeit von Lehrerinnen und Lehrern setzt deren Bereitschaft dazu voraus - aber auch eine besondere Stärke: Im Team lassen sich viele Aufgaben durch gemeinsames Engagement leichter und effizienter lösen! Hierzu verweise ich auf meine ausführlichen Ausführungen im Kapitel 4.4: Möglichkeiten und Vorteile der Teamarbeit.

3. Ist-Aufnahme und Abfrage der Bereitschaft zur Mitarbeit an dem Konzept

3.1 Tabellarische Auswertung der Fragebögen

Ein Konzept zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern wird mit einer um so größeren Wahrscheinlichkeit von den betreffenden Kolleginnen und Kollegen in die Realität umgesetzt werden, je mehr sie ihre bereits praktizierten Methoden wiederfinden und je weniger sie sich in neue Methoden einarbeiten müssen.

Mit Hilfe fachbezogener Fragebögen habe ich die Kolleginnen und Kollegen an der Ludwig- Uhland-Realschule in den Fächern Mathematik und Musik gezielt befragt. Welche Möglich- keiten nutzen sie, um ihre Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern? Wie groß ist die Bereitschaft, bei der Umsetzung neuer Ideen insbesondere im Hinblick auf teamorientiertes Arbeiten mitzuwirken?18

Ich habe sechs Kolleginnen und Kollegen im Fach Mathematik und vier im Fach Musik befragt. Mit dem Konrektor, der u. a. für die Stundenplangestaltung zuständig ist, habe ich ausführlich erörtert, welche der von mir angedachten Ideen aus organisatorischen Überlegungen realisierbar erscheinen.

Im Folgenden werde ich die Auswertung der Fragebögen vornehmen.19 Die Antworten auf die Fragen, zu denen die Kolleginnen und Kollegen ihre persönliche Einschätzung in Form von Schulnoten abgeben sollten, stelle ich in tabellarischer Form dar. Anschließend werde ich die Stellungnahme der Kolleginnen und Kollegen zu folgenden drei offenen Fragen erörtern:

1) Folgende Möglichkeiten nutze bzw. sehe ich, um Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern.
2) Folgende Ideen habe ich, um Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, sehe aber angesichts der hohen Arbeitsbelastung, die ich bei der Ausübung meiner Lehrertätigkeit sehe empfinde, keine Möglichkeit der Umsetzung.
3) Folgende Gedanken kommen mir bei der Auseinandersetzung mit der Frage, wie denn eine Kooperation mit anderen Fachkolleginnen und -kollegen hilfreich bei der individu- ellen Förderung von Schülerinnen und Schüler sein könnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ergebnisse der fächerübergreifenden Fragen (getrennt nach den Einschätzungen der Kolleginnen und Kollegen für die Fächer Musik und Mathematik)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Ergebnisse der fachspezifischen Fragen zum Fach Mathematik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Ergebnisse der fachspezifischen Fragen zum Fach Musik

3.2 Bemerkungen zu den fächerübergreifenden Fragestellungen

Der Großteil der Kolleginnen und Kollegen räumt der Partnerarbeit einen deutlich breiteren Spielraum ein als der Gruppenarbeit. Diese Einschätzung deckt sich mit meinen Erfahrungen aus den Hospitationen bei den betreffenden Kolleginnen und Kollegen. Ich führe das darauf zurück, dass sich in der Unterrichtspraxis eine Partnerarbeit mit deutlich geringerem Vorbe- reitungsaufwand realisieren lässt („Die folgenden Aufgaben rechnet jeder für sich, vergleicht eure Ergebnisse und versucht, bei unterschiedlichen Lösungen die richtige zu finden.“) als eine Gruppenarbeit. Die meisten Klassen arbeiten in einer frontalunterrichtlich orientierten Sitzordnung,20 welche erst in eine für die Gruppenarbeit geeignete geändert werden müsste, zudem bedeuten Gruppenarbeitsphasen signifikant höhere Unterrichtsvorbereitungsbemü- hungen.

In einer Zusammenarbeit mit anderen Kolleginnen und Kollegen wird offenbar eine deut- liche Arbeitserleichterung vermutet, was auf eine große Bereitschaft zur Kooperation schlie- ßen lässt.

3.3. Bemerkungen zu den fachspezifischen Fragen zum Fach Mathematik

Die Bereitschaft, mit anderen Kolleginnen und Kollegen gemeinsame Unterrichtsreihen zu planen und durchzuführen und gemeinsame Klassenarbeiten schreiben zu lassen, ist sehr groß.21

Die Frage zur Bereitschaft, in einer parallel liegenden Wochenstunde die eigene Klasse und die der Kollegin oder des Kollegen nach individuellen Gesichtspunkten neu zusammenzu- stellen und auch mit den Schülerinnen und Schülern der Parallelklasse zu arbeiten, wurde - von einer Ausnahme abgesehen - gut benotet.

Die drei offenen Fragen in den Fragebögen erbrachten zusammenfassend folgende Ergebnisse:22 (Gemeinsamkeiten mit den in Kapitel 2 genannten dreizehn Möglichkeiten werden durch Fettdruck kenntlich gemacht)

1. Folgende Möglichkeiten nutze bzw. sehe ich, um Schülerinnen und Schüler im Fach Mathematik individuell zu fördern:

- Differenziertes Training mit Hilfe geeigneter Arbeitsblätter
- Differenzierte Arbeitsaufgaben und Hausaufgaben
- Eigenkontrolle und damit individuelles Tempo
- Partner- und Gruppenarbeit, die die Lehrperson für individuelle Hilfen freistellt
- Durchführung von Expertenrunden
- Handlungsorientierter Unterricht (praktische Mathematik)
- Schüler helfen Schülern im Unterricht
- Schülervermittlung aus oberen Klassen als Nachhilfeunterricht
- Hausaufgabenbetreuung während des Nachmittagsunterrichts
- Unterrichtsbegleitende Hausaufgabenfolie mit Präsentation durch Schüler und für Schüler
- Arbeit mit der Lernbox: Üben/Diagnose
- Mathematische Projekte, Entwicklung von eigenen Fragestellungen

2. Folgende Ideen habe ich, um Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, sehe aber angesichts der hohen Arbeitsbelastung, die ich bei der Ausübung meiner Lehrertätigkeit empfinde, keine Möglichkeit der Umsetzung:

- Erstellung von möglichst individuellen Förderplänen
- Freiarbeits- / Materialien-Schrank für sämtliche Unterrichtsthemen mit praxisnahen Experimenten bzw. handlungsorientierten Methoden

[...]


1 vgl.: Das neue Schulgesetz Nordrhein-Westfalen, S. 1, Bercker Graphischer Betrieb, Kevelaer

2 ebd.

3 vgl. Definition Reformpädagogik, aus: Meyers Lexikonverlag, Herausgeber: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Permanente URL: http://lexikon.meyers.de/index.php?title=Reformp%C3%A4dagog ik&oldid=152982, aktuelles Datum: 11.05.2008

4 vgl.: Erziehung, Autor: Meyers Lexikonverlag, Herausgeber: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Permanente URL: http://lexikon.meyers.de/index.php?title=Erziehung&oldid=159470, aktuelles Datum: 11.05.2008

5 ebd.

6 vgl.: Definition Bildung, Autor: Meyers Lexikonverlag, Herausgeber: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Permanente URL: http://lexikon.meyers.de/index.php?title=Bildung&oldid=112881, aktu- elles Datum: 11.05.2008

7 ebd.

8 vgl. Vortrag zum Thema: „Alltag und individualisiertes Lernen in der finnischen Schule“ von Katariina Ylikännö, M.A., Universität Turku, Finnlandinstitut Deutschland, http://www.sachsen-anhalt.ganztaegig- lernen.de/Sachsen-Anhalt/Berichte/Lehrerweiterbilding%20_Zwischen/10_05_2007%20Finnland.aspx, mit zugehöriger pdf-Datei „Protokoll der Weiterbildung“, aktuelles Datum: 11.05.2008. Die Nennung von Beispielen aus anderen Ländern erscheint im Rahmen dieser Hausarbeit entbehrlich.

9 vgl.: Kernlehrplan für die Realschule in Nordrhein Westfalen, Mathematik, Ritterbach Verlag, 1. Auflage 2004, S. 12

10 ebd., S. 10

11 vgl.: Sekundarstufe I Realschule: Richtlinien und Lehrpläne Musik, Schriftenreihe Schule in NRW, Nr. 3310, Ritterbach Verlag, 1. Auflage 1993

12 In dem Protokoll dieser Konferenz wurde die mündliche Ankündigung der Schulleiterin nicht vermerkt.

13 vgl. das im Anhang beigefügte Gutachten

14 vgl.: „Das Wissen vom Lernen“, Film von Erika Fehse, im Auftrag des ZDF und in Zusammenarbeit mit ARTE, 2005, www.wissenvomlernen.de, aktuelles Datum: 12.05.2008

15 vgl.: http://www.erika-fehse.de/wissenvomlernen/lesen.htm, aktuelles Datum: 12.05.2008

16 vgl.: Ewald Terhart: Nach Pisa, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, 2002, S. 46

17 vgl.: Thorsten Bohl: Von der Klassenarbeit zur Projektprüfung, in: Guter Unterricht, Friedrich Jahresheft

18 Die Fragebögen inklusive der anonymisierten Antworten finden sich im Anhang.

19 Von den 9 Fragebögen stehen mir 8 zurückgegebene Fragebögen zur Auswertung zur Verfügung.

20 Die frontalunterrichtlich orientierte Sitzordnung in fast allen Klassen lässt darauf schließen, dass auch in anderen Fächern die Gruppenarbeit nur selten durchgeführt wird. Diese Vermutung wird durch Äußerungen von Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer gestützt, wenn sie behaupten, Mathematik sei ja eines der wenigen Fächer, in denen überhaupt diese Unterrichtsform geeignet sei. Sofern ich in meinem bedarfsdeckenden Unterricht Gruppenarbeitsphasen durchführte, kam ich auch in höheren Klassen zu der Einschätzung, dass ihnen diese Unterrichtsform nicht sehr geläufig ist.

21 Ein Kollege vergab bei dieser Frage die Note 6. Auf meine Rückfrage gab er zu bedenken, dass die gemeinsame Durchführung von Klassenarbeiten doch gerade nicht individuell sei und dem möglicher- weise unterschiedlichen Leistungsniveau der verschiedenen Klassen nicht Rechnung tragen würde. Diesem plausibel erscheinenden Einwand möchte ich entgegen halten, dass gemeinsame Klassenar- beiten eine intensive Absprache der jeweiligen Kolleginnen und Kollegen voraussetzt und somit zumin- dest eine realistische und faire, da vergleichbare, Beurteilung der erbrachten Leistung ermöglicht.

22 vgl. Anhang: Fragebögen der Kolleginnen und Kollegen

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Konzept zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern in den Fächern Mathematik und Musik
Untertitel
Unter Berücksichtigung fachspezifischer Aspekte
Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Dortmund
Veranstaltung
Hauptseminar Sekundarstufe 1
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
57
Katalognummer
V161837
ISBN (eBook)
9783640762545
ISBN (Buch)
9783640763252
Dateigröße
2535 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Schulgesetz des Landes NRW vom 15.02.2005 heißt es in § 1: „Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage und Herkunft und sein Geschlecht ein Recht auf schulische Bildung, Erziehung und individuelle Förderung.“ Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie man Schülerinnen und Schüler unter Berücksichtigung der Möglichkeiten und Einschränkungen der Tagesschule individuell fördern kann. Fachspezifische Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fächer Mathematik und Musik werden dargestellt. Am Ende wird Übertragbarkeit auf andere Fächer eruiert.
Schlagworte
Individuelle Förderung, Mathematik, Musik, Teamteaching
Arbeit zitieren
Joachim Bahr (Autor), 2008, Konzept zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern in den Fächern Mathematik und Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161837

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