Stottern und Poltern stellen eine der Hauptvertreter von Redeflussstörungen dar, wobei sich das Poltern eher im „Schatten“ des Stotterns befindet, da mit dieser Störung in der Vergangenheit häufig negative Persönlichkeitsmerkmale sowie geringer Leidensdruck und wenig Therapieinteresse assoziiert wurden.
In dieser Arbeit sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Stottern und Poltern untersucht werden. Im theoretischen Teil liegt das Hauptaugenmerk auf den Unterschieden und Gemeinsamkeiten bezüglich Symptomatik, im empirischen Teil wird, u.a., psychosozialen Komponenten dieser Störungsbilder nachgegangen, wobei insgesamt neun Interviews geführt wurden mit Betroffenen, Angehörigen sowie einer Psychologin.
Diese stichprobenartige Untersuchung ergab einen hohen Leidensdruck seitens der Stotternden als auch der Polternden, sowie Anregungen für einen interdisziplinären Behandlungsansatz.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 STOTTERN
2.1 SYMPTOMATIK
2.1.1 Äußere Symptome
2.1.1.1 Kernverhalten
2.1.1.2 Sekundärsymptomatik
2.1.2 Innere Symptome
2.2 EPIDEMIOLOGIE
2.2.1 Beginn
2.2.2 Geschlechterverteilung
2.2.3 Remission
2.2.4 Verbreitung
2.2.5 Familiäre Häufung, Zwillingsstudien und Vererbung
2.3 WEITERE ASPEKTE DES STOTTERNS
2.3.1 Stottern – eine komplexe Störung
2.3.2 Stottern – eine Kommunikationsstörung
2.3.3 Stottern verändert das Interaktionsverhalten der Gesprächspartner
2.3.4 Stottern prägt die Person und ihren Lebensweg
2.3.5 Variabilität der Symptomatik
2.3.6 Die Kontextabhängigkeit des Stotterns
2.3.7 Angst und Vermeidung – zentrale Probleme bei Stottern
2.4 PSYCHODYNAMIK DES STOTTERNS
3 POLTERN
3.1 DEFINITION
3.2 SYMPTOMATIK
3.2.1 Erhöhtes und / oder irreguläres Sprechtempo
3.2.2 Phonetisch-phonologische Auffälligkeiten
3.2.3 Unflüssigkeiten
3.2.4 Sprachstörungen bei Poltern
3.2.5 Störungen im Bereich Kommunikation und Pragmatik
3.2.6 Prosodische Auffälligkeiten
3.2.7 Sprechpausen
3.2.8 Atmung und Stimme
3.2.9 Schriftsprachliche Auffälligkeiten
3.2.10 Selbstwahrnehmung und Sprechkontrolle (Monitoring)
3.2.11 Aufmerksamkeit / Konzentration / allgemeine Merkfähigkeit
3.2.12 Auditive Wahrnehmung und Verarbeitung
3.2.13 Visuelle Wahrnehmungsstörungen und Poltern
3.2.14 Kognition und Poltern
3.2.15 Grob- und Feinmotorik
3.2.16 Verhalten und Persönlichkeit
3.3 AUFTRETENSHÄUFIGKEIT UND VERLAUF
3.3.1 Auftretenshäufigkeit
3.3.2 Verlauf
3.4 HYPOTHESEN ZUR ÄTIOLOGIE
3.4.1 Erklärungsansätze
3.4.2 Poltern und Heredität
3.4.3 Neurophysiologische Befunde und Erklärungshypothesen
4 DIFFERENTIALDIAGNOSTIK STOTTERN – POLTERN
4.1 GEMEINSAMKEITEN ZWISCHEN STOTTERN UND POLTERN
5 METHODIK
5.1 INTERVIEWLEITFADEN
5.1.1 Betroffene
5.1.2 Angehörige
5.1.3 Frau Mag. Dr. Marianne Augustin
5.2 DURCHFÜHRUNG
6 ERGEBNISSE DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
6.1 INTERVIEWS MIT DEN BETROFFENEN
6.2 INTERVIEWS MIT DEN ANGEHÖRIGEN
6.3 FRAU MAG. DR. MARIANNE AUGUSTIN
7 INTERPRETATION UND CONCLUSIO
8 REFLEXION
9 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Redeflussstörungen Stottern und Poltern mit einem besonderen Fokus auf die psychosozialen Komponenten und den individuellen Leidensdruck der Betroffenen.
- Vergleich der Symptomatik von Stottern und Poltern
- Analyse psychosozialer Einflüsse auf die Entstehung und den Verlauf
- Untersuchung des Leidensdrucks bei Betroffenen und deren Angehörigen
- Evaluation eines interdisziplinären Therapieansatzes
- Differentialdiagnostische Abgrenzung der beiden Störungsbilder
Auszug aus dem Buch
2.1.1.2 Sekundärsymptomatik
Die Sekundärsymptomatik muss von dem, bereits beschriebenen, Kernverhalten abgegrenzt werden.
Die Sekundärsymptomatik entwickelt sich zeitlich nach und in Folge des Kernverhaltens und wird deshalb als individuell unterschiedlich erlernte Reaktion auf dieses angesehen. Um nur einige Verhaltensweisen der Sekundärsymptomatik anzuführen:
Schnappen nach Luft
Zukneifen der Augen
Vorstrecken der Zunge
Auf die Zunge Beißen
Vorstülpen der Lippen
Kopfnicken
Plötzliche ganzkörperliche Zuckungen
Krampfartige Bewegungen der Hände, der Arme oder des Kopfes
Einschieben bedeutungsloser Silben, Wörter oder Phrasen (vgl. ebd., S.17).
Die beschriebenen Verhaltensweisen lassen sich in zwei Kategorien einteilen:
I. Reaktionen auf das Kernverhalten selbst (Anspannung der am Sprechen beteiligten Muskeln, Fluchtverhalten)
II. Reaktionen auf die Antizipation des Kernverhaltens (Vermeidungsverhalten).
Demnach kann die Sekundärsymptomatik in Flucht- und Vermeidungsverhalten unterteilt werden (vgl. ebd., S.17 - 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Autorin legt ihre Motivation dar, die durch ihre Rolle als Angehörige geprägt ist, und führt in die Thematik der psychosozialen Komponenten bei Redeflussstörungen ein.
2 STOTTERN: Dieses Kapitel erläutert die Symptomatik, Epidemiologie und psychodynamischen Aspekte des Stotterns sowie dessen Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen.
3 POLTERN: Hier werden Definition, Symptomatik und Ätiologie des Polterns behandelt, wobei auch die Abgrenzung zu anderen Sprechstörungen und die Rolle der Selbstwahrnehmung thematisiert werden.
4 DIFFERENTIALDIAGNOSTIK STOTTERN – POLTERN: Das Kapitel vergleicht beide Störungsbilder, arbeitet Unterschiede in der Symptomatik heraus und beleuchtet deren Gemeinsamkeiten.
5 METHODIK: Hier wird das methodische Vorgehen der empirischen Studie beschrieben, einschließlich der Auswahl der Probanden und der Gestaltung des Interviewleitfadens.
6 ERGEBNISSE DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Dieses Kapitel präsentiert die Erkenntnisse aus den Interviews mit betroffenen Patienten, deren Angehörigen sowie einer klinischen Psychologin.
7 INTERPRETATION UND CONCLUSIO: Die Ergebnisse werden diskutiert und die Forschungsfrage beantwortet, wobei der Leidensdruck und die Bedeutung der Psychotherapie als Kernergebnisse hervorgehoben werden.
8 REFLEXION: Ein persönliches Resümee der Autorin, in dem sie ihre Erfahrungen als Angehörige und ihre Erkenntnisse aus der Arbeit reflektiert.
9 LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und weiterführender Literaturempfehlungen.
Schlüsselwörter
Stottern, Poltern, Redeflussstörung, psychosoziale Komponenten, Leidensdruck, Logopädie, Psychotherapie, Sprechtempo, Symptomatik, Differentialdiagnostik, Selbstwahrnehmung, Kommunikation, Angehörige, Sprechangst, Bewältigungsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem detaillierten Vergleich von Stottern und Poltern, wobei der Fokus gezielt auf den psychosozialen Auswirkungen für die Betroffenen und deren Umfeld liegt.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Betrachtung?
Neben der klassischen Symptomatologie stehen psychodynamische Aspekte, der individuelle Leidensdruck, Strategien zur Angstbewältigung sowie der Einfluss des familiären Umfelds auf die Sprechstörung im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Parallelen und Unterschiede zwischen Stottern und Poltern aufzuzeigen und insbesondere zu prüfen, ob auch Polternde unter ihrer Sprechstörung leiden, entgegen der oft in der älteren Literatur vertretenen Annahme.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt einen empirischen Ansatz, bestehend aus neun qualitativen Interviews mit Betroffenen, Angehörigen sowie einer klinischen Psychologin, um praxisnahe Erkenntnisse zu gewinnen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der das medizinisch-sprachwissenschaftliche Wissen zusammenfasst, und einen empirischen Teil, der die erhobenen Daten aus den persönlichen Lebensgeschichten der Interviewten auswertet.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlagworte sind Redeflussstörungen, psychosoziale Belastung, therapeutische Interventionen, Störungsbewusstsein, Kommunikation und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Logopädie und Psychologie.
Wie unterscheidet sich der Leidensdruck von Polternden laut der Studie?
Die Studie widerlegt die Annahme, dass Polternde keinen Leidensdruck empfinden. Die Autorin zeigt auf, dass der Druck durch die Sprechstörung bei beiden Gruppen vorhanden ist, bei Polternden jedoch oft durch eine scheinbar "schnellere" Kommunikation für Außenstehende weniger sichtbar erscheint.
Welche Bedeutung kommt der Psychotherapie bei der Behandlung zu?
Sowohl die befragten Betroffenen als auch die Expertin betonen, dass die begleitende psychologische Unterstützung essenziell ist, um nicht nur die Sprechweise, sondern auch den Umgang mit Ängsten und den eigenen Selbstwert langfristig zu verbessern.
Warum spielt das familiäre Umfeld bei der Entstehung eine Rolle?
Die Arbeit diskutiert, dass familiäre Dynamiken, wie z.B. hoher Leistungsdruck durch dominante Elternteile, eine Rolle spielen können, wobei die Autorin jedoch dazu mahnt, diese nicht als alleinige Ursache für Störungen zu sehen.
Welchen Stellenwert hat die "Arroganz" im Kontext des Polterns?
Die Autorin stellt fest, dass Polternde aufgrund ihres Sprechverhaltens (schnell, ungenau, wenig Sprechanteil in Kontakt mit Fremden) oft fälschlicherweise als arrogant wahrgenommen werden, was eine soziale Barriere darstellt und den Leidensdruck erhöht.
- Arbeit zitieren
- Anna Stenzel (Autor:in), 2010, Vergleich Stottern/Poltern, mit Fokus auf psychosoziale Komponenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161868