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Moskauer Deklaration. Ihre Instrumentalisierung durch die österreichische Politik nach 1945

Titel: Moskauer Deklaration. Ihre Instrumentalisierung durch die österreichische Politik nach 1945

Studienarbeit , 2024 , 36 Seiten

Autor:in: Rainer Krottenthaler (Autor:in)

Geschichte Europas - Europa Nachkriegszeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Am 1. November 1943 verkündeten die Alliierten, dass Österreich als erstes Opfer von Hitlers Aggressionspolitik als freies und unabhängiges Land wiedererrichtet werden soll. Die Inaussichtstellung staatlicher Souveränität sollte den Widerstand gegen das NS-Regime anfachen. Auch wenn die intendierten Auswirkungen marginal waren, sollte sich die Deklaration alles andere als politisch unwirksam erweisen. So wurde sie nach 1945 von der österreichischen Bundesregierung instrumentalisiert, indem diese das Opfernarrativ zum Fundament der Zweiten Republik machte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Moskauer Deklaration

2. Historische Grundlagen

2.1. Der Anschluss

2.2. Wiedererrichtung Österreichs

2.3. Österreich ist frei!

3. Lebenslügen der Zweiten Republik

3.1. Opfermythos

3.2. Widerstandsmythos

3.3. Juristische Aufarbeitung

Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Instrumentalisierung der Moskauer Deklaration durch die österreichische Politik nach 1945. Dabei wird analysiert, wie aus einem alliierten Instrument der psychologischen Kriegsführung ein zentraler Baustein des kollektiven österreichischen Selbstverständnisses wurde und inwieweit dieses Narrativ zur Verdrängung der eigenen Verantwortung für die Zeit des Nationalsozialismus beitrug.

  • Die historische Rolle der Moskauer Deklaration von 1943.
  • Die Entstehung und Etablierung des österreichischen "Opfermythos".
  • Der "Widerstandsmythos" als komplementäres Narrativ der Zweiten Republik.
  • Die selektive und halbherzige juristische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.
  • Die Funktion der Mythenbildung zur nationalen Identitätsstiftung nach 1945.

Auszug aus dem Buch

3.1. Opfermythos

Aufgrund der zweideutigen Formulierung der Moskauer Deklaration wurde Österreich sowohl zum Opfer als auch zum Täter erklärt und dementsprechend durch die Alliierten befreit und gleichzeitig von ihnen besetzt. Da Figl eine Streichung der Mitverantwortung gelang, war nach Ansicht vieler Österreicher die Fremdherrschaft der Nationalsozialisten nun durch eine Fremdherrschaft der Siegermächte abgelöst worden und die heimkehrenden Frontsoldaten verstanden nicht, warum ihre militärische Niederlage nun als Akt der Befreiung gelten sollte. Die ausschließliche Fokussierung auf die Opferrolle hatte dabei eine integrative Wirkung, denn diese beschränkte sich nicht auf die tatsächlichen Opfer wie Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Bibelforscher, Widerstandskämpfer oder hochrangige Politiker, auch andere Gruppen konnten sich nun als Opfer fühlen: Die Zivilbevölkerung war Opfer alliierter Bombardements, Wehrmachtsangehörige waren Opfer eines Regimes, unter dem sie unfreiwillig dienen mussten, ehemalige NS-Sympathisanten waren Opfer überzogener Entnazifizierungsmaßnahmen und alle zusammen waren Opfer der Besatzung.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Moskauer Deklaration als Instrument der psychologischen Kriegsführung und als Fundament der österreichischen Identität nach 1945 ein.

1. Die Moskauer Deklaration: Hier wird der historische Kontext der Konferenz von 1943 beleuchtet und die zentralen Punkte der Deklaration sowie ihre diplomatische Bedeutung für die spätere Wiederrichtung Österreichs dargestellt.

2. Historische Grundlagen: Das Kapitel analysiert den Anschluss Österreichs, die politische Neuausrichtung nach Kriegsende und den Weg zum Staatsvertrag, der die österreichische Souveränität besiegelte.

3. Lebenslügen der Zweiten Republik: Hier werden die zentralen Narrative wie der Opfer- und Widerstandsmythos sowie die Problematik der juristischen Aufarbeitung detailliert kritisch hinterfragt.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie durch die geschickte Instrumentalisierung der Geschichte ein nationales Identitätsbild entstand, das Österreich lange Zeit vor einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit schützte.

Schlüsselwörter

Moskauer Deklaration, Österreich, Zweite Republik, Opfermythos, Widerstandsmythos, Nationalsozialismus, Staatsvertrag, Entnazifizierung, Identitätspolitik, Verdrängung, Erinnerungskultur, Aufarbeitung, Zeitgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die österreichische Politik nach 1945 die Moskauer Deklaration von 1943 umdeutete, um ein nationales Narrativ zu schaffen, das Österreich primär als Opfer des Nationalsozialismus darstellte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Mythenbildung (Opfermythos, Widerstandsmythos), der juristischen Entnazifizierung und der Art und Weise, wie Österreich mit seiner NS-Vergangenheit in der Zweiten Republik umging.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Arbeit untersucht, wie es Österreich gelang, die Mitverantwortung für die Teilnahme am Krieg zu relativieren und stattdessen eine Identität als "erstes Opfer" Hitlers zu etablieren, um politische und moralische Kontinuität zu wahren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine zeithistorische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung historischer Quellen, diplomatischer Dokumente und der einschlägigen Forschungsliteratur zur österreichischen Zeitgeschichte basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Rahmenbedingungen, die spezifische Analyse der verschiedenen Lebenslügen (Opfer, Widerstand, Justiz) und zeigt deren Auswirkungen auf die österreichische Identität bis in die späten 1980er Jahre.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Zu den prägenden Begriffen gehören Opfermythos, Staatsvertrag, Entnazifizierung, Moskauer Deklaration, Erinnerungskultur und der Umgang mit der NS-Vergangenheit.

Welche Rolle spielt die "Opferklausel" der Moskauer Deklaration für das Selbstbild Österreichs?

Sie bildet das Fundament, auf dem die österreichische Politik aufbaute, um sich von der Mitverantwortung am Krieg freizusprechen und Österreich als von außen unterworfenes Opfer darzustellen.

Warum endete die Entnazifizierung in Österreich nach 1945 relativ schnell?

Dies war primär auf wahltaktische Gründe, den aufkommenden Antikommunismus im Kalten Krieg und das Bestreben zurückzuführen, die "Ehemaligen" schnell wieder in die Gesellschaft zu integrieren, da sie als Arbeitskräfte und Wähler benötigt wurden.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Moskauer Deklaration. Ihre Instrumentalisierung durch die österreichische Politik nach 1945
Hochschule
FernUniversität Hagen
Autor
Rainer Krottenthaler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2024
Seiten
36
Katalognummer
V1618682
ISBN (PDF)
9783389151495
ISBN (Buch)
9783389151501
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Instrumentalisierung Moskauer Deklaration Österreich Opfer Moskauer Konferenz Besetzung Befreiung Widerstand Opfernarrativ Declaration on Austria Opferklausel Mitverantwortung Beitragsklausel NS Hitler Nationalsozialismus Annexionstheorie Okkupationstheorie Kontinuitätsthese Zweite Republik Geist der Lagerstraße Österreich ist frei Neutralität Nikita Chruschtschow Leopold Figl Bruno Kreisky Besatzung Lebenslüge Opfermythos 1. April 2000 Widerstandsmythos Entnazifizierung NSDAP VdU
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Rainer Krottenthaler (Autor:in), 2024, Moskauer Deklaration. Ihre Instrumentalisierung durch die österreichische Politik nach 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1618682
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  36  Seiten
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