Wandel der Sexualität

Unter besonderer Berücksichtigung des Mittelalters


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. GRUNDBEGRIFFE
2.1. Ehe - Versuch einer Begriffsbestimmung
2.2. Sexualitat

3. WANDEL DER SEXUALITAT
3.1. Entwicklung der Sexualitat vom Mittelalter bis zur Industrialisierung
3.1.1. Weltanschauung im Mittelalter
3.1.2. Eheverstandnis und Partnerwahl im Mittelalter und der Fruhen Neuzeit
3.1.3. Kirchliche Sexualmoral und reales Sexualverhalten im Mittelalter
3.2. Sexualitat im 18./19. Jahrhundert bis heute

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Die Sexualitat beschaftigt den Menschen seit seiner Existenz, denn sie gehort zu einem seiner grundlegendsten Wesensmerkmale. In jedem von uns werden im Zusammenhang mit Sexualitat personliche Gefuhle und Gedanken wach gerufen. Auch ich habe mich des Themas angenommen und werde mich in der vorliegenden Hausarbeit auf das Mittelalter konzentrieren.

Zunachst werde ich mich aber mit grundlegenden Begriffen auseinander setzen. Dabei scheinen mir Ehe und Sexualitat besonders wichtig zu sein. Die Definitionen beziehen sich dabei hauptsachlich auf unser heutiges Verstandnis der beiden Begriffe.

Im Hauptteil widme ich mich dem Wandel der Sexualitat. Zu Beginn des Hauptteils mochte ich zuerst meine Problemstellung erlautern, damit die weiteren Ausfuhrungen in diesem Lichte erfolgen konnen. Die mittelalterliche Weltanschauung und das Eheverstandnis im Mittelalter und der Fruhen Neuzeit sind meines Erachtens wichtige Grundlagen fur das richtige Verstandnis der gelehrten und gelebten Sexualitat im Mittelalter.

In den Ausfuhrungen zur christlichen Sexualmoral und dem realen Sexualverhalten im Mittelalter mochte ich u.a. einzelne Vorschriften herausgreifen und genauer beleuchten. Im Anschluss daran wird sogleich eine Gegenuberstellung des realen Verhaltens erfolgen. Ebenfalls werde ich versuchen die Bedeutung und die Grunde fur die damals geltende Sexualmoral zu erlautern. Ich verspreche mir davon eine bessere Nachvollziehbarkeit von Gegensatzen und Ubereinstimmungen zwischen der geltenden Moral und dem realen Verhalten. Auch wissenschaftliche Kontroversen sollen Beachtung finden.

Am Ende des dritten Kapitels werde ich dann noch einen kurzen Uberblick uber die Entwicklung der Sexualitat vom 18. Jahrhundert bis heute geben. Ein kurzer Ausblick auf die moglichen Herausforderungen der Zukunft soll die Arbeit abrunden.

Die folgenden Ausfuhrungen konnen als grundlegend gelten und beleuchten Teilaspekte des Wandels der Sexualitat. Sie wollen den Leser zum Einholen von tiefergehenderen Informationen (Literaturverzeichnis) aber auch zum selbststandigem Weiterdenken anregen.

2. Grundbegriffe

2.1. Ehe - Versuch einer Begriffsbestimmung

Der Begriff Ehe unterliegt geschichtlichem Wandel und kulturellen Unterschieden. Auf dieser Grundlage ist eine genaue Abgrenzung schwierig. Ich werde mich im Folgenden an die Ausfahrungen von Rosemarie Nave-Herz (2004) halten. Sie schlagt auf Grund der eben beschriebenen Tatsache vor, „ein moglichst hohes Abstraktionsniveau - und damit ein[en] geringere[n] Konkretisierungsgrad“ - zu wahlen (Nave-Herz 2004, S. 23). Meines Erachtens sprechen zwei gewichtige Argumente, welche die Autorin in ihren Ausfiahrungen anfuhrt, far diese Vorgehensweise. Erstens ist ein solch weitgefasster Begriff fur „die Erfassung und Analyse von ehelichem [...] Wandel notwendig, weil durch eine zu enge Definition von Ehe [...] Wandlungsprozesse oder neu entstandene Eheformen [...] von vomherein ausgeblendet werden“ (Nave-Herz 2004, S. 23). Zweitens konnen somit „uber alle kulturell und historisch gebundenen Variationen hinweg die konstitutiven Merkmale von Ehe“ beachtet werden (Nave-Herz 2004, S. 24).

„Mit Ehe bezeichnet man (1.) eine durch Sitte und/oder Gesetz anerkannte, auf Dauer angelegte Form gegengeschlechtlicher sexueller Partnerschaft. Weiterhin ist (2.) ein wesentliches Strukturmodell aller Ehen, auch der heutigen, dass sie uber das Paarverhaltnis auf Familie hinausweist. [...] Dies kann sich auf die biologische Reproduktionsfunktion beziehen“ (Nave-Herz 2004, S. 24, 27). Aber ebenso werden mit der Eheschliefiung die Beziehungen zwischen den beiden Verwandtschaftslinien und den Herkunftsfamilien neu definiert und geregelt (vgl. Nave-Herz 2004, S. 27). Des Weiteren fuhrt Nave-Herz (2004) in ihrer Definition von Ehe aus, dass Emotionalitat, Intimitat und die relative Autonomie gegenuber der Herkunftsfamilie eher neuere Erscheinungen in Industrienationen sind und keinesfalls auf alle Kulturen zutreffen (vgl. Nave-Herz 2004, S. 24). In der Bundesrepublik Deutschland regelt das BGB in den §§ 1310-1312 die Eheschliefiung.

Der „Beginn einer Ehe [wurde] zu alien Zeiten rituell und offentlich (d.h. vor Zeugen), also durch die institution Hochzeit“, vollzogen“ (Nave-Herz 2004, S. 24f.) Aber uber die Frage wer einen gultigen Eheschliefiungsakt vollziehen darf gab es im Laufe der Geschichte immer wieder Auseinandersetzungen. „Bis zum Beginn der Neuzeit war die Heirat ein Vertag zwischen zwei Familien und damit ein privater, weltlicher Akt“ (Nave-Herz 2004, S. 25). Die kirchliche Trauung setzte sich erst langsam durch und erst 1563 wurde auf dem Konzil von Trient endgultig und dogmatisch „der Sakramentscharakter der Ehe betont und die kirchliche

Einsegnung generell vorgeschrieben“ (Nave-Herz 2004, S. 25). Luther lehnte den sakramentalen Charakter der Ehe ab und bezeichnete sie als eine weltliche Angelegenheit. In der katholischen wie der protestantischen Kirche wurde aber im 16. Jahrhundert ein Trauritus festgelegt und wurde seitdem vollig in die Kirche verlegt. 1875 wurde im Deutschen Reich die verbindliche Ziviltrauung eingefuhrt, nach der erst eine kirchliche Trauung moglich war (vgl. Nave-Herz 2004, S. 25f.). Fur die Autorin sind unter soziologischen Gesichtspunkten die Veranderungen in den Eheschliefiungsformen nicht relevant, sondem einzig „die Tatsache, ob die Ehe mit der Absicht der Dauer und durch eine offentliche Bekundung vor Zeugen sowie rituell begrundet wird“ (Nave-Herz 2004, S. 26). Da in den Nichtehelichen Partnerschaften dieses offentliche Bekenntnis eine dauerhafte Beziehung mit dem Partner oder der Partnerin einzugehen fehlt und sie sich zudem in Deutschland zu einer neuen Lebensform wahrend der Postadoleszenz entwickelt hat, unterscheidet sie sich von der Ehe. Des Weiteren fuhrt Nave- Herz an, dass sich ebenfalls gleichgeschlechtliche Partnerschaften soziologisch gesehen von einer Ehe unterscheiden (vgl. Nave-Herz 2004, S. 27).

Darauf mochte ich aber nicht genauer eingehen, sondem mich nun der Definition von Sexualitat widmen.

2.2. Sexualitat

Sowie der Begriff Ehe verweigert sich auch der Begriff Sexualitat einer einfachen Definition. Ich spreche in diesem Zusammenhang mit der Stimme der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Pan American Health Organization (PAHO), die sich in Zusammenarbeit mit der World Association for Sexology (WAS) auf einer Konsultation im Jahr 2000 mit den Moglichkeiten der Forderung sexueller Gesundheit auseinadergesetzt haben. Bei der Definition von Sexualitat muss ebenso wie beim Begriff Ehe beachtet werden, dass sie soziokulturellen Unterschieden und historischem Wandel unterworfen ist. Diese Position unterstreicht auch Sieder (1977) in seinen Ausfuhrungen zu diesem Thema, wenn er sagt, dass „sowohl ein Grofiteil der Libidoschwankungen als auch Unterschiede im Sexualverhalten selbst [...] emotional und sozial vermittelt [sind]“ (Mitterauer / Sieder 1977, S. 144). Aber „umgekehrt strukturiert [die Sexualitat] auch selbst Sitten und Gebrauche, Traditionen und Werte“ (WHO / PAHO / WAS 2001, zitiert nach Intemetseite HU Berlin 2006). Ein selbst gewahltes Beispiel soil zum besseren Verstandnis beitragen: Intimitat und korperliche Nahe sind in unserer Gesellschaft auf den Privatraum und eine Zweierbeziehung verwiesen. Aus diesem Grund wird unerwartete und unerwunschte verbale und korperliche Annaherung entweder moralisch verurteilt bzw. rechtlich verfolgt (z.B. sexuelle Belastigung). Dieses Beispiel zeigt meiner Meinung nach auf, wie eben auch Sexualitat Sitten, Werte und Verhaltensweisen beeinflussen kann. Trotz alle dem ist aber meiner Ansicht nach nicht immer eine klare Grenzziehung zwischen beeinflusster und beeinflussender Sexualitat moglich. Eine weitere Schwierigkeit bei der genauen Bestimmung von Sexualitat ergibt sich daraus, dass nicht immer zwischen „Sex“ und „Sexualitat“ unterschieden wird (vgl. Intemetseite Humboldt-Universitat zu Berlin). Ein Zitat soil dies veranschaulichen: „We learn very early on from many sources that ‘natural’ sex is what takes place with members of the ‘opposite sex’“ (Weeks 1986, zitiert nach Intemetseite HU Berlin 2006).

Die folgende Definition versucht all den beschriebenen Problemstellungen Rechnung zu tragen.

„Sexualitat (Geschlechtlichkeit) bezieht sich auf eine Kemdimension des Menschseins, die biologisches Geschlecht (Sex), Geschlechtsrolle (Gender Role) und Geschlechtsidentitat (Gender Identity), sexuelle Orientierung, Erotik, emotionale Bindung/Liebe und Fortpflanzung einschliefit. Sie wird erfahren und druckt sich aus in Gedanken, Phantasien, Wunschen, Uberzeugungen, Rollen, Beziehungen. Die Sexualitat entsteht im Zusammenspiel biologischer, psychologischer, soziookonomischer, kultureller, ethischer und religioser bzw. spiritueller Faktoren.

Wahrend die Sexualitat alle diese Aspekte beinhalten kann, brauchen nicht alle ihre Dimensionen immer erfahren oder ausgedruckt werden. [Sie] ist wahrend des ganzen Lebens vorhanden, aber ihre Manifestationen und die auf sie einwirkenden Einflusse wandeln sich im Laufe der Zeit. Zusammengefasst, wird unsere Sexualitat aber in allem erfahren und ausgedruckt, was wir fuhlen, denken und tun“ (WHO / PAHO / WAS 2001, zitiert nach Intemetseite HU Berlin 2006).

Diese Definition und die angefuhrten Uberlegungen beschreiben aber unser heutiges Verstandnis von Sexualitat. Im Hauptteil mochte ich mich aber nun der Entwicklung der Sexualitat seit dem Mittelalter widmen und einzelne Aspekte genauer beleuchten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wandel der Sexualität
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung des Mittelalters
Hochschule
Universität Augsburg  (Professur für Soziologie mit Berücksichtigung der Sozialkunde)
Veranstaltung
Zur Institutionalisierung von Liebe und Intimität – Paarbeziehungen in der Moderne
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V161905
ISBN (eBook)
9783640754304
ISBN (Buch)
9783640754618
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ehe, Sexualität, Mittelalter, Industrialisierung, Partnerwahl, kirchliche Sexualmoral, Wandel der Sexualität
Arbeit zitieren
Markus Bensch (Autor:in), 2006, Wandel der Sexualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161905

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