Die Arbeit beschreibt die Auswirkungen der Aufmerksamkeitsökonomie, besonders Social Media, auf die Fähigkeit junger Menschen Informationen rational zu bewerten. Es werden viele Studien im Kontext der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen untersucht und Bezüge zur mentalen Gesundheit und politischen Meinungsbildung geformt. Weiter werden noch Verbindungen und Korrelationen zu Pathologien wie ADHS überprüft und ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung:
- 2. Demokratie:
- 2.1 Demokratie allgemein
- 2.2 Politische Mündigkeit und Demokratiebildung
- 2.2.1 Beispiel Demokratiekompetenz Baden-Württemberg..
- 3. Aufmerksamkeit:
- 3.1 Aufmerksamkeitsökonomie
- 3.2 Kollektive Aufmerksamkeit
- 3.3 Individuelle Aufmerksamkeit.
- 3.4 Medienkonsum
- 4. Social Media:
- 4.1 Dopamin-Abhängigkeit:
- 4.2 Emotionalisierung
- 5. Digitale Medien und Stress:
- 5.1 Stress und Neurologie
- 5.2 ADHS
- 5.3 Die Stressspirale.
- 6. Diskussion: Auswirkungen auf politische Mündigkeit:
- 6.1 Auswirkungen von negativen Emotionen auf die politische Mündigkeit
- 6.2 Fazit
- Abbildungen:
- Literatur:
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Nutzung digitaler Medien, insbesondere von Social Media, auf die politische Mündigkeit junger Menschen. Dabei wird hinterfragt, ob ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Medien und politischer Unmündigkeit besteht.
- Definition von Demokratie und politischer Mündigkeit als Grundlage der Untersuchung.
- Analyse der Aufmerksamkeitsökonomie und deren Auswirkungen auf den Medienkonsum.
- Beschreibung der Dynamik von Social Media, einschließlich Dopamin-Abhängigkeit und Emotionalisierung.
- Beleuchtung des Zusammenhangs zwischen digitaler Mediennutzung, Stress und neurologischen Effekten wie ADHS.
- Diskussion der Erkenntnisse hinsichtlich der Fähigkeit zur rationalen Informationsbeurteilung und politischen Willensbildung.
- Formulierung einer "Stressspirale" als Modell zur Erklärung der negativen Auswirkungen auf junge Menschen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Aufmerksamkeitsökonomie
Laut Franck beginnt mit der Zeit der Industrialisierung ein Wettkampf der Ideen, welche er als Verstärker der allgemeinen Informationsflut identifiziert. Durch die generelle Verwissenschaftlichung der Welt und durch erhöhte Mobilität, zusammen mit einer erleichterten Verbreitung von Informationen, übersteige das Angebot von Informationen erstmalig deren Verarbeitungskapazität (vgl. ebd. S. 59-62). Weiter, so Franck, entstand dadurch eine fundamentale Asymmetrie zwischen verfügbarer Aufmerksamkeit und dem Angebot von Informationen (vgl. ebd. S. 61). Denn die Aufmerksamkeit des Menschen, sprich die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und anzuwenden, ist biologisch begrenzt. Während die Menge an Informationen durch die technologischen Fortschritte immer weiter zunimmt, bleibt die verfügbare Aufmerksamkeit der Menschen jedoch immer gleich (vgl. ebd. S. 51). Dieser Prozess, erläutert Frank weiter, führt dazu, dass in der Ökonomie der Handel mit Geld als Tauschmittel in eine Abhängigkeitsbeziehung mit dem Verbreiten von Informationen und dem Einfangen von Aufmerksamkeit tritt. Denn wenn die Aufmerksamkeit zur knappsten Ressource wird, lässt sich das Einfangen von fremder Aufmerksamkeit durch Informationen in Geld transformieren und damit wird Geld zum Hauptmotiv des Informationsgeschäfts (vgl. ebd. S. 62). Die Gleichung scheint simpel: Wer mehr Aufmerksamkeit für eine Marke oder ein Produkt lenken kann, steigert die Bekanntheit und ein erhöhter Bekanntheitsgrad ist die Voraussetzung für Gewinnmaximierung. Diese Dynamik verursacht einen Zwang zur Informationsverbreitung, um wirtschaftlich relevant zu bleiben. In zweiter Instanz der Auswirkungen erwächst daraus der eigene Wirtschaftszweig der Massenmedien und Werbung (vgl. ebd. S. 67). Vor dieser Informationsflut war jegliche Information wertvoll, denn sie war knapp. Nun gibt es zu viele Informationen und der Selektierungsprozess des Menschen kostet mehr Energie und Zeit. So entwickelte sich ein Reizklima, in dem jeder um Aufmerksamkeit buhlt: eine Ökonomie der Aufmerksamkeit (vgl. ebd. S. 50, 62). Mit der Etablierung des Internets hat sich diese bestehende Dynamik der Aufmerksamkeitsökonomie noch einmal um ein Vielfaches verstärkt. Durch das Internet bzw. durch die digitalen Medien werden die Informationsflüsse räumlich entgrenzt, die meisten Märkte werden global und damit wird jeder zum potenziellen Anbieter oder Konsument von Informationen (vgl. ebd. S. 67). So entstand die heutige Informationswelt, in der die Aufmerksamkeit der Menschen von vielen Seiten gleichzeitig beansprucht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Forschungsfrage vor und gibt einen Überblick über die Struktur und die behandelten Themen der Arbeit, welche sich mit dem Einfluss digitaler Medien auf die politische Mündigkeit junger Menschen befasst.
2. Demokratie: Hier werden der Begriff der Demokratie sowie das Konzept der politischen Mündigkeit, insbesondere im Hinblick auf Informationskompetenz und Demokratiebildung, definiert und erläutert.
3. Aufmerksamkeit: Dieses Kapitel führt in das Konzept der Aufmerksamkeitsökonomie ein und beleuchtet, wie menschliche Aufmerksamkeit durch die wachsende Informationsflut und den Medienkonsum beeinflusst wird.
4. Social Media: Der Abschnitt beschreibt das Phänomen von Social Media, analysiert die Mechanismen der Dopamin-Abhängigkeit und die Emotionalisierung von Inhalten auf diesen Plattformen.
5. Digitale Medien und Stress: Dieses Kapitel untersucht den Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Medien und psychischem Stress, neurologischen Auswirkungen sowie potenziellen Verbindungen zu Aufmerksamkeitsstörungen wie ADHS.
6. Diskussion: Auswirkungen auf politische Mündigkeit: Die Diskussion fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet sie hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die politische Mündigkeit ein, wobei auch die "Stressspirale" als verstärkender Faktor beleuchtet wird.
6.2 Fazit: Das Fazit resümiert die Hauptbefunde der Arbeit, hebt hervor, dass zwar keine direkte Kausalität, aber signifikante Korrelationen zwischen Mediennutzung und der Einschränkung kognitiver Fähigkeiten bestehen, und mahnt zur Berücksichtigung der psychischen Gesundheit bei der Digitalisierung des Bildungssystems.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Demokratie, Politische Mündigkeit, Aufmerksamkeitsökonomie, Social Media, Dopamin-Abhängigkeit, Emotionalisierung, Stress, ADHS, Medienkonsum, Informationskompetenz, Jugend, Bildschirmmedien, Neurogenese, Negativitätsbias
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Nutzung von digitalen Medien, insbesondere Social Media, die Fähigkeit junger Menschen zur politischen Mündigkeit beeinflusst und welche potenziellen negativen Auswirkungen damit verbunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Definition von Demokratie und politischer Mündigkeit, die Aufmerksamkeitsökonomie, der Einfluss von Social Media und Medienkonsum, sowie der Zusammenhang zwischen digitaler Mediennutzung, Stress und Aufmerksamkeitsstörungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Einfluss der Nutzung von Bildschirmmedien auf die politische Mündigkeit junger Menschen zu untersuchen und zu analysieren, ob es einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen digitaler Mediennutzung und politischer Unmündigkeit gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse bestehender wissenschaftlicher Literatur, Studien und empirischer Daten, um Zusammenhänge und Auswirkungen zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Konzepte wie Demokratie und politische Mündigkeit definiert, die Aufmerksamkeitsökonomie erläutert, Social Media-Phänomene wie Dopamin-Abhängigkeit und Emotionalisierung beschrieben und der Zusammenhang zwischen digitalen Medien, Stress und neurologischen Aspekten wie ADHS dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter, die die Arbeit charakterisieren, sind Digitalisierung, Demokratie, Politische Mündigkeit, Aufmerksamkeitsökonomie, Social Media, Dopamin-Abhängigkeit, Emotionalisierung, Stress, ADHS, Medienkonsum, Informationskompetenz, Jugend, Bildschirmmedien, Neurogenese und Negativitätsbias.
Wie definiert der Autor politische Mündigkeit in dieser Arbeit?
Politische Mündigkeit wird als die Fähigkeit zur rationalen Informationsbeurteilung und zur Navigation von Meinungsverschiedenheiten definiert, wobei der Fokus auf dem Teilaspekt der Informationskompetenz liegt.
Was versteht man unter dem Konzept der "Aufmerksamkeitsökonomie"?
Die Aufmerksamkeitsökonomie beschreibt einen Wettlauf um die begrenzte menschliche Aufmerksamkeit, bei dem Informationen nicht primär zum Erkenntnisgewinn, sondern zur Generierung von Aufmerksamkeit und damit zu monetärem Gewinn verbreitet werden.
Welche Rolle spielt Dopamin bei der Nutzung sozialer Medien und welche Konsequenzen hat dies?
Dopamin wird bei der Nutzung von Social Media ausgeschüttet, was das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und zu einer Art Abhängigkeit führen kann. Längere Dopaminausschüttung kann einen defizitären Dopamin-Zustand und Anhedonia zur Folge haben.
Was ist die "Stressspirale" im Zusammenhang mit digitaler Mediennutzung?
Die "Stressspirale" beschreibt einen Teufelskreislauf, bei dem negative Emotionalisierung durch Social Media zu chronischem Stress führt, welcher wiederum die Neurogenese hemmt, den Umgang mit Stress erschwert und Aufmerksamkeitsdefizite sowie ADHS-Symptome verstärken kann, während digitale Medien gleichzeitig eine vermeintliche Flucht bieten.
- Arbeit zitieren
- Fabian Maier (Autor:in), 2024, Digitalisierung und Demokratie. Auswirkungen der Aufmerksamkeitsökonomie auf die politische Mündigkeit von jungen Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1619435