Gewalt in den Internationalen Beziehungen - Die Entwicklung von Kriegen


Referat (Ausarbeitung), 2010

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff der Internationalen Beziehungen (IB)

3 Der Kriegsbegriff

4 „Neue Kriege“

5 Empirische Befunde-Entwicklungstrends der Kriege und bewaffneten Konflikte seit 1945
5.1 Allgemeiner Überblick
5.2 Innerstaatliche Kriege
5.3 Quantitative Entwicklung des Kriegsgeschehens

6 Aktuelle Kriege und bewaffnete Konflikte

7 Statistiken zur Entwicklung von Kriegen und bewaffneten Konflikten, sowie bestehender Auseinandersetzungen

8 Fazit

9 Anhang

10 Kriege und bewaffnete Konflikte von 1945 bis 2007 nach Kontinenten

11 Übersicht der aktuellen Konflikte aus dem Jahre 2007

12 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit ist eine schriftliche Ausarbeitung des Vortragsthemas „Gewalt in den Internationalen Beziehungen“ im Rahmen des ISA- Kurses „ Theorien, Konzepte und empirische Befunde der Friedenspädagogik“ an der Helmut Schmidt- Universität, welcher von Leutnant Tim Bohle und mir am 27.01.2010 präsentiert wurde. Um die Thematik des Seminars und der Friedenspädagogik besser verstehen zu können ist es notwendig, dass die Grundlagen der internationalen Beziehungen verstanden werden. Die Grundlage hierfür sollte unser Vortrag beinhalten. Den Schwerpunkt bildete eine Einführung in die Begrifflichkeiten „Internationale Beziehungen“, „Krieg“ und „neue Kriege“, sowie eine anschauliche Darstellung der Entwicklung von Konflikten seit dem Jahre 1945 in empirischer Form. Weiterhin gaben wir einen Überblick über die aktuell herrschenden Konflikte der Welt.

Um eine umfassende Analyse von der Entwicklung von Konflikten und Kriegen, sowie einen Vergleich in die heutige Zeit erstellen zu können, bedienen wir uns an empirischen Befunden, die primär von der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) und dem Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) aufgestellt und publiziert wurden. Nach dieser kurzen Einleitung widme ich mich wie im Vortrag zunächst den theoretischen Begrifflichkeiten der internationalen Beziehungen, des Kriegsbegriffes und den sogenannten „neuen Kriegen“.

Im zweiten großen Teil der Arbeit werde ich die Entwicklung der Kriege und bewaffneten Konflikte seit 1945 skizzieren. Danach soll eine kurze Übersicht über die aktuellen Konflikte der Welt gegeben werden um dann anhand von empirischen Befunden und Graphiken einige Aussagen über Entwicklung und Intensität dieser wiedergeben zu können. Abschließend soll ein Fazit nochmals die wichtigsten Erkenntnisse wiedergeben, sowie einige Denkanreize zur Thematik geben.

2 Der Begriff der Internationalen Beziehungen (IB)

Die „internationalen Beziehungen“ sind neben der „Politischen Theorie und Ideengeschichte“, „Innenpolitik“, Vergleichenden Regierungslehre“ und „Außenpolitik“ eine Teildisziplin der Politikwissenschaften.

Bei der Begrifflichkeit der iB ist weiterhin zwischen dem „engen-„ und „weiten Begriff“ zu unterscheiden. Der „enge Begriff“ bezeichnet die „internationalen Beziehungen“ als all die Beziehungen, die zwischen souveränen Nationalstaaten stattfinden. Der „weite Begriff“ der iB bezeichnet hingegen das Geflecht grenzüberschreitender militärischer, politischer, kultureller und auch wirtschaftlicher Interaktionen, die zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren stattfinden.[1] Auch internationale Organisationen, wie die Vereinten Nationen (VN) oder auch supranationale, sprich „überstaatliche“ Organisationen, wie die Europäische Union, sind in diesem angesprochenen Interaktionsgeflecht im „weiten Begriff“ der iB zu finden. Dieser hat sich gegenwärtig auch in der Politikwissenschaft etabliert.

Wie hier bereits definiert, können sich militärische, auch gewaltsame Interaktionen zwischen Staaten ereignen, die in verschiedenen Intensitäten bis hin zu Krieg führen können. Im folgenden Kapitel soll nun versucht werden, eine Definition zum „Kriegsbegriff“ zu finden.

3 Der Kriegsbegriff

Zunächst ist es wichtig zu erkennen, dass es keine allgemeingültige „Definition“ von Krieg gibt. Vielmehr gibt es eine Vielfalt von einzelnen Erklärungen, die versuchen eine normative und kategorisierende Deskription zu erreichen. Die „Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Kriegsursachenforschung“ (AKUF) hat in Anlehnung an den ungarischen Friedensforscher Istvan Kende (1917-1988) einen Kriegsbegriff formuliert, der den Krieg als gewaltsamen Massenkonflikt mit mehreren Merkmalen beschreibt.[2]

Diese Merkmale sind:

a) An Kämpfen sind zwei oder auch mehrere bewaffnete Streitkräfte beteiligt, bei denen es sich zumindest bei einer der Parteien um reguläre Streitkräfte, beispielsweise Militär oder Polizeieinheiten, der Regierungen handelt.
b) Bewaffnete Operationen ereignen sich mit einer gewissen Kontinuität und nicht nur gelegentlich oder spontan, sondern beide Seiten operieren nach einer planmäßigen Strategie, gleichgültig ob die Kämpfe auf dem Gebiet einer oder mehrerer Gesellschaften stattfinden und wie lange sie dauern.
c) Beide (bzw. alle) Parteien müssen ein Mindestmaß an zentral gelenkter Organisation vorweisen, selbst wenn es sich nur um beispielsweise planmäßige Überfälle handelt.

Nur wenn eine bewaffnete Auseinandersetzung die oben beschriebenen Merkmale aufweist, wird sie von der AKUF als Krieg bewertet. Werden die Kriterien der Kriegsdefinition bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung nicht in vollem Umfang erfüllt, wird dieser als „bewaffneter Konflikt“ bezeichnet. In der Regel handelt es sich dabei um Fälle, in denen eine hinreichende Kontinuität der Kampfhandlungen nicht mehr oder auch noch nicht gegeben ist. Bewaffnete Konflikte werden von der AKUF erst seit 1993 erfasst.

Als beendet werden Kriege angesehen, wenn die Kampfhandlungen dauerhaft (mindestens ein Jahr) eingestellt, bzw. nur unterhalb der AKUF- Kriegsdefinition fortgesetzt werden.[3] Des Weiteren unterscheidet die AKUF fünf „Kriegstypen“, wonach eine Kategorisierung von Kriegen ermöglicht werden soll.

„ A = Antiregime-Kriege: Kriege, in denen um den Sturz der Regierenden oder um die Veränderung oder den Erhalt des politischen Systems oder gar der Gesellschaftsordnung gekämpft wird.
B = Autonomie- und Sezessionskriege: Kriege, in denen um größere regionale Autonomie innerhalb des Staatsverbandes oder um Sezession vom Staatsverband gekämpft wird.
C = Zwischenstaatliche Kriege: Kriege, in denen sich Streitkräfte der etablierten Regierungen mindestens zweier staatlich verfaßter [SIC!] Territorien gegenüberstehen, und zwar ohne Rücksicht auf ihren völkerrechtlichen Status.
D = Dekolonisationskriege: Kriege, in denen um die Befreiung von Kolonialherrschaft gekämpft wird.
E = Sonstige Kriege“[4]

Zu beachten ist allerdings, dass sich zahlreiche Kriege nicht eindeutig einem Typus zuordnen lassen, da entweder verschiedene Typen eines Konfliktes überlagern oder sich der Charakter des Krieges im Verlauf der Kampfhandlungen verändert hat, wodurch sogenannte „Mischtypen“ entstehen.[5] Neben dem hier definierten und kategorisierten „Kriegsbegriff“ hat sich eine weitere Entwicklung von gewaltsamen Konflikten auf nationaler, aber auch internationaler Ebene feststellen lassen, die im nächsten Kapitel erläutert werden soll.

4 „Neue Kriege“

Nach dem Ende des Ost- West- Konfliktes verbreitete sich die internationale Erwartung, dass Kriege nunmehr der Vergangenheit angehören. Was sich tatsächlich änderte war das bis dahin bestehende Kriegsmuster.[6]

Bis zum Jahre 1991 waren die meisten Konflikte genau durch diesen Konflikt, die „bipolare Blockkonstellation“, geprägt. Sie waren vor allem zwischenstaatliche Konflikte, die heute als „klassische Staatenkriege“ bezeichnet werden.

Der Gestaltwandel der Kriege, weg vom zwischenstaatlichen-, hin zum innerstaatlichen Konflikt vieler Regionen, beispielsweise Asien, Afrika, aber auch Europa, wie der Krieg auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, prägte den Begriff der „Neuen Kriege“, welcher unter anderem vom Politikwissenschaftler Herfried Münkler von der Humboldt- Universität zu Berlin, definiert wurde.

Ursachen für diese „neuen Kriege“ sind unter anderem:

- Verteilungsungerechtigkeiten,
- Ressourcenknappheit,
- Pazifismus,
- Klimawandel/ Naturkatastrophen,
- Religiöse/ ethnische Unterschiede.[7]

Eine Grundlage für diese Ursachen bildete, wie bereits beschrieben, das Ende des Gewaltmonopols der bis dato bestehenden Supermächte. Der Zusammenbruch des „alten Systems“ sorgte in vielen Regionen der Welt für Ressourcen- und Pazifizierungskriege, sowie zunehmend für terroristische Verwüstungskriege, die immer mehr von privaten Gewaltakteuren charakterisiert wurde.[8]

Durch den Verlust des Gewaltmonopols der Staaten, geht zusätzlich deren Waffenmonopol verloren. Der Erwerb von „billigen Waffen“ kommt Warlords, Söldnern, kriminellen Banden und Terrorgruppen zugute und bewirkt ein verstärktes Auftreten privater Akteure. Persönliche Bereicherung wird ein Motiv für „neue Kriege“, wodurch ein Prozess der „Entpolitisierung“ und „Ökonomisierung“ von Konflikten stattfindet.

Nicht nur die Akteure werden dabei schwerer zu erkennen, sondern auch die Gewaltschauplätze werden wechselhafter. Staatsgrenzen werden meist unerkannt überschritten (bspw. Taliban von Pakistan nach Afghanistan und umgekehrt).

In einer Reihe von Konflikten wird eine Abgrenzung von Kombattanten und Nicht- Kombattanten nur noch sehr selten möglich.

Nachdem nun ein kurzer Überblick zur Entwicklung der Konflikte hin zur Kategorie der „neuen Kriege“ gegeben wurde, wird im nächsten Kapitel zum einen eine Übersicht der Konflikte seit 1945 auf der Welt gegeben. Danach werde ich eine Momentaufnahme der aktuellen, weltweiten Konflikte skizzieren.

[...]


[1] Vgl. Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung, Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen, Baden-Baden, 2004, S. 27ff

[2] Vgl. http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege_aktuell.htm#Def

[3] Vgl. ebd.

[4] http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege_aktuell.htm#Def

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. http://www.friedenspaedagogik.de/themen/neue_kriege Herfried Münkler: Die neuen Kriege aus dem Themenheft "Die neuen Kriege", Der, Bürger im Staat, 54. Jahrgang, Heft 4/2004, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, S. 179 ff

[7] vgl. ebd.

[8] vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Gewalt in den Internationalen Beziehungen - Die Entwicklung von Kriegen
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Seminar: Theorien, Konzepte und empirische Befunde der Friedenspädagogik
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V161952
ISBN (eBook)
9783640779000
ISBN (Buch)
9783640778829
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedenspädagogik, Krieg, Neue Kriege, Kriegsursachenforschung, AKUF, Hamburger Ansatz, Kriegsbegriff, Aktuelle Kriege, Bewaffnete Konflikte, innerstaatliche Konflikte, Entwicklung von Konflikten seit 1945, zwischenstaatliche Konflikte
Arbeit zitieren
Sascha Tiedemann (Autor), 2010, Gewalt in den Internationalen Beziehungen - Die Entwicklung von Kriegen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161952

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gewalt in den Internationalen Beziehungen - Die Entwicklung von Kriegen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden