Diese Arbeit entfaltet das komplexe Geflecht aus Ideologie, Macht und menschlichem Schicksal, das hinter der Gründung und dem Wirken des Lebensborn e.V. steht. Sie wirft einen Blick auf die ideologischen Wurzeln, in denen Gedanken von Rassenhygiene, Eugenik und nationalsozialistischer Vision miteinander verschränkt waren, und zeigt, wie diese abstrakten Konzepte in konkrete Maßnahmen der Geburten- und Bevölkerungspolitik mündeten.
Im Zentrum stehen die Menschen, deren Leben von diesen politischen und ideologischen Vorstellungen geprägt wurden: die Mütter, die Kinder, die Väter, aber auch das Netz aus Institutionen, Regeln und Ritualen, das ihre Existenz bestimmten. Dabei wird deutlich, dass der Lebensborn weit mehr war als eine karitative Fassade, und dass die Realität zwischen Fürsorge, Kontrolle und ideologischer Instrumentalisierung oszillierte.
Die Arbeit erzählt von Gründungsmythen, von Visionen und Anpassungen unter Himmler, von Versuchen, eine „arische Elite“ heranzubilden, und von den Nachwirkungen für die Opfer, deren Schicksale bis heute nachhallen. Sie lädt dazu ein, hinter die Oberfläche der weitgehend unbekannten Ereignisse zu blicken, die Mythen vom Lebensborn kritisch zu betrachten und die stillen, oft schmerzlichen Spuren dieser Geschichte zumindest ein Stück weit nachzuzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Ideologische Grundlagen
- 2.1.Entwicklung der Rassenideologie und Rassenpolitik
- 2.2. Rassenpolitik und Rassenideologie im Dritten Reich
- 2.3. NS-Geburtenpolitik: Ideale und Anpassungen
- 2.4. Himmlers rassenideologische Vision
- 3. Der Lebensborn e. V.
- 3.1. Gründung
- 3.2. Lebensborn – eine karitative Einrichtung?
- 3.3. Lebensborn – eine gemeinnützige Einrichtung?
- 3.4. Lebensborn –,,Begattungsheim“ der SS und SA?
- 3.5. Die Mütter in den Lebensborn-Heimen
- 3.6. Die Lebensborn-Väter
- 3.7. Die Kinder in den Heimen – die „arische Elite“?
- 3.8. Neuorientierung unter Himmler
- 3.9. Das Ende des Lebensborn e. V.
- 3.10. Nachwirken bis heute – Folgen für die Opfer
- 4. Fazit
- Literaturverzeichnis
- Audiovisuelle Quellen
- Hinweis zur Entstehung und Bewertung
- Nachwort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Entstehung des Lebensborn e.V. im ideologischen Kontext des Nationalsozialismus zu ergründen und dessen wahres Gesicht jenseits der verbreiteten Mythen und Gerüchte aufzudecken. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den sozialen Folgen für die Betroffenen.
- Die Entstehung und Entwicklung des Lebensborn e.V.
- Die ideologischen Grundlagen der NS-Rassen- und Geburtenpolitik
- Die Entlarvung von Mythen, wie dem Lebensborn als „karitative Einrichtung“ oder „Begattungsheim“
- Die Rolle und Vision Heinrich Himmlers für den Lebensborn
- Die sozialen Auswirkungen und Schicksale von Müttern, Vätern und Kindern im Lebensborn
- Die „Eindeutschung“ von Kindern aus besetzten Gebieten
Auszug aus dem Buch
Lebensborn – eine karitative Einrichtung?
Obwohl nach der „Satzung“ des Lebensborns in erster Linie kinder-reiche Familien unterstützt werden sollte, profitierten vor allem SS-Familien mit fünf oder mehr Kindern, die seit 1937 finanziell unterstützt wurden. Diese finanziellen Hilfen für Familien waren relativ gering und dienten eher der Aufrechterhaltung einer benevolenten Fassade, denn sie betrugen z.B. im Jahr 1938 für 110 Familien 33 602RM, was weniger als 4% des Gesamtetats darstellt.
Auch wenn die Satzung des Lebensborns nicht direkt auf unverheiratete Mütter abzielte, verfolgte Himmler die Idee, unverheiratete Mütter in ihrem Vorhaben zu einer Abtreibung aufzuhalten, indem man ihnen umfassende Unterstützung angeboten wurde.
Himmler sah Ursachen für den Geburtenrückgang u.a. in sich häufenden Abtreibungen. Mit der züchterischen Elitenbildung sollte auch ein erheblicher Bevölkerungszuwachs erreicht werden, sodass jedes Kind einer Mutter „guten Blutes“ einen „volkswirt-schaftlichen Gewinn" sowie ferner auch einen Gewinn für die Wehrmacht darstelle, womit man sich entschlossen gegen die christlich-bürgerliche Moral stellte. Der Lebensborn verstand sich als Hüter der unverheirateten Mutter und ihres Kindes, der sie vor der Gesellschaft schützt, nicht zuletzt auch aus dem Grund, keinen Tropfen „wertvollen Blutes“ zu verlieren. Himmler erhoffte durch diese Unterstützung unverheirateter Mütter jährlich mindestens 100 000 Kinder vor der Abtreibung zu „bewahren".
Nach der Eröffnung der ersten Entbindungsheime konnten gesunde werdende Mütter „arischen Blutes" ihre Schwanger- und Mutterschaft sowie ihre Geburt geheimhalten, wenn auch der Kindsvater „gesund“ und „arisch“ war. Dazu konnten die Mütter schon frühzeitig ins Heim aufgenommen werden und sich durch die Unterstützung des Lebensborns der Verantwortung für ihr Kind entziehen oder aber den Kindesvater zu Unterhaltszahlungen verpflichten.
Hinter der Maske einer scheinbaren Fürsorge zeigte sich im Alltag ein anderes Gesicht des Lebensborns, das die missliche Lage der Mütter und ihrer Kinder bewusst für andere Interessen ausnutzte.
Es stellt sich heraus, dass Mutter und Kind dem Rassengedanken untergeordnet waren. Man kümmerte sich nicht um deren Bedürfnisse und beschränkte soziale Freiheiten, sich persönlich zu entfalten. Der Lebensborn bot nur den Müttern Obhut, die im Kontext des Rassengedankens zu einer „Vermehrung guten Blutes", also einer „Elite“ beitragen würden, und entsprechende Auslesekriterien erfüllen mussten, wohingegen deren Bedürftigkeit als Aufnahmekriterium weitgehend irrelevant war. Gebar eine Mutter ein „krankes“ Kind, so wurde die Unterstützung seitens des Lebensborns sowie auch die Geheimhaltung der Geburt verwehrt, ferner drohte der Mutter sogar eine Zwangssterilisation, gleichwohl insbesondere Kind und Mutter in einer solchen Situation auf Unterstützung angewiesen waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt den Lebensborn e.V. als nationalsozialistische Institution dar, über die viele Falschinformationen kursieren, und umreißt das Ziel der Arbeit, Mythen zu entlarven und soziale Folgen zu beleuchten.
2. Ideologische Grundlagen: Erläutert die Entstehung der deutschen „Rassenpolitik“ ab den 1890er Jahren, geprägt von Sozialdarwinismus und Rassenhygiene, und ihre Ausprägungen im Dritten Reich, einschließlich der NS-Geburtenpolitik und Himmlers rassenideologischer Vision.
3. Der Lebensborn e. V.: Beschreibt die Gründung des Lebensborn e.V. durch Himmler und die SS, analysiert seine vermeintlich karitativen oder gemeinnützigen Zwecke im Kontrast zur rassenpolitischen Realität und beleuchtet die Rolle der Mütter, Väter und Kinder in den Heimen, sowie die Neuorientierung unter Himmler bis zum Ende der Organisation und deren Nachwirken.
4. Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen, dass der Lebensborn ein düsteres Kapitel des Nationalsozialismus darstellt, dessen rassenideologische Ziele unerreichbar blieben und der durch die Instrumentalisierung von Müttern und die Verschleppung von Kindern die Menschenwürde missachtete.
Schlüsselwörter
Lebensborn, Nationalsozialismus, Rassenpolitik, Rassenideologie, Heinrich Himmler, SS, Eugenik, Geburtenpolitik, Arier, „Arische Elite“, Mythen, Zweiter Weltkrieg, Zwangsadoption, „Eindeutschung“, Mutterschaft, Betroffene
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit behandelt die Geschichte und die Realität des „Lebensborn“ e.V., einer Institution der Nationalsozialisten, und setzt sich kritisch mit den um diese Organisation kursierenden Mythen und Gerüchten auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die ideologischen Grundlagen der NS-Rassenpolitik, die Rolle des Lebensborns in der nationalsozialistischen Geburtenpolitik, die Aufdeckung der wahren Ziele hinter seiner vermeintlich karitativen Fassade sowie die sozialen und individuellen Folgen für die betroffenen Mütter und Kinder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Entstehung des Lebensborns im ideologischen Kontext zu ergründen, sein wahres Gesicht entgegen seinen Mythen und Gerüchten aufzudecken und ein besonderes Augenmerk auf die sozialen Folgen für die Betroffenen zu legen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse historischer Quellen und wissenschaftlicher Literatur, um die Struktur, Inhalte und Auswirkungen des Lebensborns zu erfassen und darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die ideologischen Grundlagen der Rassenpolitik im Dritten Reich, die Gründung und Entwicklung des Lebensborn e.V., die verschiedenen Mythen (karitativ, gemeinnützig, „Begattungsheim“) sowie die realen Umstände und Schicksale von Müttern, Vätern und Kindern in den Lebensborn-Heimen detailliert behandelt, einschließlich der „Eindeutschung“ von Kindern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Lebensborn, Nationalsozialismus, Rassenpolitik, Rassenideologie, Heinrich Himmler, SS, Eugenik, Geburtenpolitik, Arier, „Arische Elite“, Mythen, Zweiter Weltkrieg, Zwangsadoption, „Eindeutschung“, Mutterschaft und Betroffene charakterisieren diese Arbeit.
Inwiefern widerspricht die Realität des Lebensborns seiner vermeintlich karitativen Fassade?
Obwohl der Lebensborn sich als karitative Einrichtung inszenierte, dienten seine Hilfen primär der rassenpolitischen Zielsetzung der SS, „wertvolles Blut“ zu erhalten und zu vermehren. Mütter wurden oft instrumentalisiert und die Unterstützung hing von „arischen“ Kriterien ab, nicht von tatsächlicher Bedürftigkeit.
Welche Rolle spielte Heinrich Himmler bei der Neuorientierung und Ausweitung des Lebensborns?
Himmler gliederte den Lebensborn in seinen Persönlichen Stab RFSS ein und übernahm selbst den Vorsitz. Er entwickelte das rassenpolitische Konzept einer „germanischen Elite“ und trieb die Expansion des Lebensborns in besetzte Gebiete voran, um „germanisches Blut“ zu sichern und zu vermehren, auch durch Zwangsadoptionen.
Wie wurden Kinder aus besetzten Gebieten durch den Lebensborn „eingedeutscht“?
Polnische und tschechische Kinder, die dem „guten Blut“ entsprachen, wurden zur „Eindeutschung“ in Lebensborn-Heime gebracht. Ihre wahre Identität wurde ausgelöscht, Namen geändert, und sie wurden „umerzogen“, um Deutsch zu lernen, bevor sie an deutsche Pflegefamilien vermittelt wurden, oft unter psychischer und physischer Gewalt.
Welche langfristigen Folgen hatte der Lebensborn für die betroffenen Kinder und Mütter?
Für die betroffenen Kinder und Mütter hatte der Lebensborn tiefgreifende und oft traumatische Folgen, die von der Entfremdung von der leiblichen Familie und Identitätsverlust bis hin zu lebenslangen psychischen „Wunden“ reichten, wie das Beispiel von Volker Heinecke verdeutlicht.
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- Anonym,, 2024, Arier für den Führer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1619586