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„Ine kann iu niht bescheiden“. Die berichtenswerten Schwächen mittelalterlichen Rechts

Titel: „Ine kann iu niht bescheiden“. Die berichtenswerten Schwächen mittelalterlichen Rechts

Seminararbeit , 2022 , 18 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„diz ist der Nibelunge nôt“ so endet das Nibelungenlied schließlich, nachdem die Tragödie geschehen ist, zahlreiche Menschen gestorben sind und wieder andere traurig zurückbleiben.
Dieses traurige Ende ist nicht zuletzt den damaligen Rechtsnormen und -bräuchen geschuldet, die maßgeblich hierzu beigetragen haben. Diese Seminararbeit möchte also aufzeigen, inwiefern das damalige Recht an dieser Tragödie beteiligt war, respektive diese überhaupt erst ermöglicht hat.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • Einleitung
  • Darstellung Siegfrieds Tötung als Unrecht
  • „Lösungʻ des sich daraus ergebenden Konflikts
    • Das Versagen der Rechtsprechung
    • Tragödie
    • Einordnung
  • Fazit
  • Literaturverzeichnis
    • Primärliteratur:
    • Sekundärliteratur:

Zielsetzung & Themen

Diese Seminararbeit untersucht das Nibelungenlied, um aufzuzeigen, inwiefern die damaligen Rechtsnormen und -bräuche maßgeblich zur tragischen Entwicklung und Eskalation der Ereignisse beigetragen, respektive diese erst ermöglicht haben. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie das mittelalterliche Recht im Kontext der Nibelungensaga versagt und welche Konsequenzen daraus resultieren.

  • Die Darstellung von Siegfrieds Tötung als Unrecht
  • Die Analyse des Versagens mittelalterlicher Rechtsprechung bei der Konfliktlösung
  • Die Rolle der Fehde als Ersatz für staatliche Gewaltmonopole
  • Kriemhilds Rache und die Eskalation zur Tragödie des Nibelungenlieds
  • Die Bewertung der Schwächen mittelalterlichen Rechts im Vergleich zu modernen Rechtsordnungen

Auszug aus dem Buch

Darstellung Siegfrieds Tötung als Unrecht

Schließlich erfolgt das Attentat, Hagen wirft ihm den Speer durch das Kreuz auf der Kleidung, als Siegfried gerade unaufmerksam und voller Durst aus der Quelle trinkt. Dass es sich bei diesem um Mord handelt, gibt der Text sehr eindeutig vor. Das rechtliche Kriterium dafür, dass es sich bei einer Tötung um einen Mord handelt, ist folgendes: In Abgrenzung zum Totschlag geschieht der Mord in einer heimlichen Begehungsweise oder es kommen erschwerende Umstände zur „einfachen“ Tötung hinzu wie eine besondere Verwerflichkeit der Tat. Diese liegt bspw. vor beim Meuchelmord, Raubmord, Verwandtenmord. Ebenso vorliegend ist sie, wenn die Arg- oder Wehrlosigkeit des Opfers bei der Tat ausgenutzt wird oder der Tötung ein zuvor bestehendes Treueverhältnis (bis zur Tat) vorausgeht.

Erstaunlich viele dieser Merkmale treffen zu: Hagen und Gunther vollziehen ihren Mord heim-tückisch an Siegfried, der auf diese Tat absolut nicht vorbereitet war, sie womöglich gänzlich ausgeschlossen hat, wie das vorherige Gespräch mit Kriemhild vermuten lässt:

Ebenso töten sie mit Siegfried einen (eingeheirateten) Verwandten und rauben ihm nach seinem Tod sein Schwert Balmung. Die Arglosigkeit und Wehrlosigkeit Siegfrieds äußert sich in der bereits beschriebenen Szene. So wird er in einem Moment der absoluten Unaufmerksamkeit, der, wie bereits dargelegt, von Gunther und Hagen herbeigeführt wurde, hinterrücks getötet. Diesem Mord geht ebenso ein sehr tiefes Treueverhältnis von Siegfried gegenüber Gunther voraus. Falls das Vorliegen dessen nicht schon durch frühere Aussagen und Handlungen Siegfrieds (Versprechen, am Krieg gegen Luideger und Luidegast für Gunthers Land und Leute teilzuneh-men und Erfüllung dessen und viele weitere) eindeutig ist, beispielsweise weil Siegfried selbst Einschränkungen seiner Treue formuliert, liefert der Text weitere Indizien von besag-tem Treuverhältnis auszugehen. So hilft Siegfried Gunther selbst nachdem er Kriemhild bereits zur Frau gewonnen hat und deshalb für die Hilfeleistung eigentlich kein richtiger Anreiz mehr besteht.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Seminararbeit ein, die die Rolle des mittelalterlichen Rechts bei der Tragödie des Nibelungenlieds untersucht und die damaligen Mechanismen der Konfliktlösung darstellt.

Darstellung Siegfrieds Tötung als Unrecht: Hier wird detailliert beschrieben, wie Siegfrieds Ermordung durch Hagen und Gunther nach mittelalterlichen Rechtskriterien als Unrecht, insbesondere als Mord, zu interpretieren ist.

„Lösungʻ des sich daraus ergebenden Konflikts: Dieses Kapitel analysiert das Scheitern der mittelalterlichen Rechtsprechung im Nibelungenlied aufgrund fehlender überlegener Instanzen und persönlicher Beteiligung der Richter, was zur tragischen Eskalation des Konflikts führt, bis hin zu Kriemhilds Rache, die in einem verheerenden Blutbad endet.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das mittelalterliche Recht seine Aufgaben der Konfliktlösung und Prävention nicht erfüllen konnte, was eine Spirale der Gewalt auslöste und letztlich zum Untergang vieler Beteiligter führte.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, mittelalterliches Recht, Fehde, Konfliktlösung, Rechtsnormen, Siegfrieds Tod, Kriemhilds Rache, Staatsgewalt, Rechtsprechung, Tragödie, Gewaltmonopol, Treuebruch, Unrecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit untersucht die Rolle des mittelalterlichen Rechts bei der Entstehung und Eskalation der Tragödie im Nibelungenlied, insbesondere wie dessen Schwächen zur Entwicklung des Konflikts beitrugen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Analyse von Siegfrieds Tötung als Unrecht, das Versagen der mittelalterlichen Rechtsprechung, die Mechanismen der Fehde und Selbsthilfe sowie Kriemhilds Rache als Konsequenz des Rechtsversagens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern das damalige Recht an der Tragödie des Nibelungenlieds beteiligt war und diese überhaupt erst ermöglicht hat. Die implizite Forschungsfrage ist, wie das mittelalterliche Recht im Nibelungenlied versagt und welche Konsequenzen dies hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit analysiert literarische Texte (insbesondere das Nibelungenlied) mit rechtshistorischen und literaturwissenschaftlichen Ansätzen, um die rechtlichen Gegebenheiten des Mittelalters im Kontext der Erzählung zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die detaillierte Darstellung von Siegfrieds Tötung als Unrecht, das Versagen der Rechtsprechung bei der Konfliktlösung und die daraus resultierende tragische Eskalation der Gewalt, die in Kriemhilds Rache mündet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Nibelungenlied, mittelalterliches Recht, Fehde, Konfliktlösung, Rechtsnormen, Siegfrieds Tod, Kriemhilds Rache, Rechtsprechung, Tragödie, Gewaltmonopol.

Inwiefern war das mittelalterliche Recht am tragischen Ausgang des Nibelungenlieds beteiligt?

Das mittelalterliche Recht war maßgeblich beteiligt, da es aufgrund fehlender staatlicher Gewaltmonopole und überlegener Gerichtsbarkeit keine adäquaten Mechanismen zur Konfliktlösung bot, was zur Selbstjustiz und einer Spirale der Gewalt führte.

Warum scheitert die Rechtsprechung im Nibelungenlied im Fall von Siegfrieds Ermordung?

Die Rechtsprechung scheitert, weil es keine übergeordnete Gerichtsbarkeit gibt und König Gunther, der Richter sein müsste, selbst als Täter beteiligt und somit als "iudex suspectus" gilt. Persönliche Interessen verhindern eine rechtmäßige Aufarbeitung des Unrechts.

Welche Rolle spielt Kriemhilds Rache im Kontext der mittelalterlichen Rechtsauffassung?

Kriemhilds Rache wird als direkte Konsequenz des Versagens der Rechtsprechung dargestellt. Sie greift zur Selbsthilfe, da ihr keine anderen Mittel zur Verfügung stehen, um Gerechtigkeit für das an Siegfried begangene Unrecht zu erlangen, was letztlich in einer gesamtgesellschaftlichen Tragödie mündet.

Welche Alternative zum mittelalterlichen Rechtssystem wird implizit oder explizit vorgeschlagen?

Implizit wird die Notwendigkeit eines staatlichen Gewaltmonopols und einer unparteiischen Rechtsprechung vorgeschlagen. Diese Elemente hätten die Eskalation des Konflikts verhindern und eine gerechtere Lösung als die Anwendung von Gewalt ermöglichen können.

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Details

Titel
„Ine kann iu niht bescheiden“. Die berichtenswerten Schwächen mittelalterlichen Rechts
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Proseminar Rechtsdenken in deutschsprachigen Erzähltexten um 1200
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
18
Katalognummer
V1619619
ISBN (eBook)
9783389157862
ISBN (Buch)
9783389157879
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schwächen rechts
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym,, 2022, „Ine kann iu niht bescheiden“. Die berichtenswerten Schwächen mittelalterlichen Rechts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1619619
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Leseprobe aus  18  Seiten
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