Der deutsche Kupferstich und Albrecht Dürer


Seminararbeit, 2008
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Der Ursprung und die Entwicklung des Kupferstiches in Deutschland

Der Kupferstich an sich galt stets als die grundlegende Entwicklungsbasis für alle Arten der Stichkunst. Mag er heute sogar als üblicher Lehrplaninhalt an Schulen relativ einfach realisierbar sein, war er ursprünglich eine wahre Innovation. Denn Ausgangsbedingungen, die für den Stich- wie Druckprozess von Nöten sind und heute allgegenwärtig und leicht erwerbbar, mussten um 1400 erst geschaffen werden.

So ist die gewerbliche Papierherstellung ab 13901 und der damit beginnende günstige Massenvertrieb von Papier ein erster wichtiger Grundstein zur Entwicklung der Kupferstichtechnik. Weiterführend trug der zentrale Herstellungsort Deutschland positiv zur kunsthistorischen Bedeutung der Entwicklung der Druckgraphik an sich bei. Man wagt kaum die Frage zu stellen, ob - und wenn ja wofür - beispielsweise Albrecht Dürer heute bekannt wäre, hätten sich diese günstigen Bedingungen nicht zu seiner Schaffenszeit ergeben.

Die ursprünglichste Drucktechnik ist der Holzschnitt, der dem Kupferstich direkt vorausgeht, aber sich von diesem doch in wesentlichen Punkten unterscheidet - technisch, wie im Nachfolgenden erläutert, sowie in seiner Vielfalt der Einflussrichtungen.

Ein entscheidender Punkt der dem Kupferstich seinen individuellen Charakter einflößt, ist die Tatsache, dass beim Kupferstich erstmals ein und dieselbe Künstlerhand das gesamte Werk bestimmt. War es beim Holzschnitt noch üblich, den vom Künstler angefertigten Druckentwurf zunächst einem Schnitzer in Auftrag zu geben und den anschließenden Druck einer dritten Person anzuvertrauen, entwirft nun beim Kupferstich der Künstler nicht nur sein Motiv, sondern sticht und druckt es auch selbst (bis auf gelegentliche, vor allem zeitlich bedingte Ausnahmen, bei denen der Druckvorgang von Betrieben oder angelernten Hilfskräften übernommen wurde). Da dies dem eigentlichen künstlerischen Prozess des Malens ähnelt, darf der Kupferstich zum Genre der Malerei gezählt werden. Daher ist auch oft in der Literatur von „Maler-Stechern“2 statt von Kupfer-Stechern die Rede.

Des Weiteren wird dem Kupferstich auch eine enge Verbindung mit dem Goldschmiedehandwerk zugesprochen. Viele Kupferstecher legten zunächst eine Lehre als Goldschmied ab, um so einerseits besser mit dem Material und der Materie an sich vertraut zu sein und andererseits die filigranen Möglichkeiten besser umsetzen zu können. Eine solche duale Ausbildung war zudem überaus wichtig, denn als Meister durfte sich nur bezeichnen, wer bereits „sonst durch besondere Leistungen in den originalen Bildkünsten hervortrat[ …]“3.

Der älteste sicher datierte Kupferstich stammt von 1446 und bestand aus einem Set an Spielkarten die aufwendig gestaltet waren. Wie bei vielen frühen Kupferstichen ist auch hier der Name des Künstlers nicht überliefert, weswegen der Unbekannte in der Literatur als „Meister der Spielkarten“4 betitelt wird.

Danach erreicht der Kupferstich sehr schnell eine große Popularität, besonders da er nicht nur günstig in großen Auflagen gedruckt werden konnte, sondern ebenso günstig für jedermann erwerbbar war. Dadurch eröffneten sich generell neue Möglichkeiten: Vor dem 15. Jahrhundert war es nur den wohlhabenden Persönlichkeiten in der Gesellschaft möglich, sich Kunstwerke zu leisten, anfertigen zu lassen oder auch Abbildungen Heiliger zu Hause anzubringen. Die Verbreitung des Kupferstiches ermöglichte dies aber auch der üblichen Bürgerschicht und so fand sich bald eine stete und gern angenommene Verbreitung speziell von kleinen Drucken christlichen Inhalts, Heiligenbildchen und ähnlichem. So entsteht wiederum eine Art Kreislauf, denn „die Druckgrafik des 15. Jahrhunderts antwortet auf ein gestiegenes Bildbedürfnis in der Gesellschaft und stimuliert dieses zugleich.“5.

Letztendlich verlagert sich die Hochburg des Kupferstiches im 17. Jahrhundert nach Italien, so dass bereits im 18. Jahrhundert in Deutschland nur noch Kopien mittlerweile französischer Meister geführt werden. Die eigentliche Hochphase des Kupferstiches findet sich jedoch im 15. und 16. Jahrhundert, und dies in Deutschland.

Die Kupferstichtechnik

Bei der Technik des Kupferstiches handelt es sich um ein Tiefdruckverfahren, welches im Vergleich zum vorausgehenden und zuvor erwähnten Holzschnitt (Hochdruck) ein feineres und facettenreicheres Arbeiten ermöglicht. Eine wichtige Vorabüberlegung des Künstlers ist die spiegelverkehrte Anfertigung eines Entwurfes, da der Druck das Ergebnis gegengleich abbilden wird. Die Grundlage zur Übertragung des Motivs stellt die Kupferplatte dar, deren Beschaffenheit absolut homogen sein muss um ein optimales Druckergebnis zu erzielen. Des Weiteren werden verschiedene Stichel benötigt, wobei der Grabstichel die beliebteste und gebräuchlichste Variante ist.

Um die Platte besser bearbeiten zu können, wird diese auf einen weichen Untergrund gelegt, wodurch leichter auf Druckstärke und Stichtiefe Einfluss genommen werden kann. Zudem lassen sich auf diese Weise Winkeländerung des Stichels sowie runde Formen leichter gewährleisten.

Grundsätzlich wird der Entwurf in Linien auf die Platte übertragen. Verschiedene Hell-Dunkel-, beziehungsweise Plastizitätseffekte erhält man hierbei durch eine Mischung von Geraden, Schwüngen, Parallelen sowie Kreuzschraffuren. Der im Stichprozess durch ausgehobenes Kupfer entstehende Metallgrat muss unbedingt entfernt werden, da es sonst während des Druckvorgangs entweder zu Bildfehlern oder zur Zerstörung des Papieres führt.

Sofern die Übertragung des Motivs auf die Kupferplatte abgeschlossen ist, wird diese eingefärbt. Dabei wird viel Farbe mit Hilfe eines Tampons oder einer Walze aufgetragen und anschließend die überschüssige Farbe mit einem Gazeballen wieder entfernt. Dieser Vorgang ist wichtig, da im Tiefdruckverfahren das Papier nur die Farbe aus den Vertiefungen aufnehmen soll. Um absolut sicher zu gehen, dass sich keine überschüssige Farbe mehr auf dem Druckobjekt befindet, wird letztlich mit dem Handballen nochmals nachgerieben. Allerdings soll die Platte nicht wieder völlig blank von Farbe sein: Es wird versucht, einen Plattenton zu erzeugen. Dazu werden kleinste erhabene Stellen bewusst leicht mit Farbe bedeckt gelassen um so im Druck eine charakteristische Hintergrundschattierung zu erzeugen.

Bevor es zum Druck kommt, muss das gewünschte Papier durchgefeuchtet werden, damit dieses so die Farbe noch besser aufnehmen kann.

[...]


1 vgl. Rebel, Ernst: Druckgrafik - Geschichte - Fachbegriffe, Stuttgart, 2003, S. 14

2 Kristeller, Paul: Kupferstich und Holzschnitt in vier Jahrhunderten, Berlin,1922, S. 58

3 Rebel, 2003, S. 29

4 Boehkoff, H. und Winzer, F.: Das große Buch der Graphik, Braunschweig, 1968, S. 13

5 Sonnabend, Martin: Albrecht Dürer - Die Druckgraphiken, Köln, 2007, S. 16

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der deutsche Kupferstich und Albrecht Dürer
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Einführung in die Druckgraphik
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V161972
ISBN (eBook)
9783640755776
ISBN (Buch)
9783640755912
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Albrecht Dürer, Kupferstich, Drucktechniken, Ritter Tod und Teufel
Arbeit zitieren
Manuela C. Müller (Autor), 2008, Der deutsche Kupferstich und Albrecht Dürer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161972

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der deutsche Kupferstich und Albrecht Dürer


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden