Die Himmelstheorie des Aristoteles und des Giordano Bruno


Seminararbeit, 2010

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Himmelstheorie des Aristoteles

3. Die Himmelstheorie des Giordano Bruno

4. Zusammenfassung

5. Bibliographie

1. Einleitung

„Sie befinden sich alle in derselben Ebene. Alle kreisen in derselben Richtung…Es ist vollkommen, wissen Sie. Es ist großartig. Es ist fast unheimlich.“[1]

Dies sagte der US-amerikanische Astronom Geoffrey Marcy über unser Sonnensystem, und fasste damit zweierlei in Worte: Die Faszination und zugleich das – immer noch große – Unwissen der Menschen über das Universum.

Dennoch wissen die Menschen heute mehr als jemals zuvor über den Kosmos; die Astronomen sind zu wahren wissenschaftlichen Wunderleistungen fähig:

Würde jemand auf dem Mond ein Streichholz anzünden, könnten sie die Flamme sehen. Aus dem winzigsten Wackeln und Schwanken weit entfernter Sterne ziehen sie Schlüsse über Größe, Eigenarten und sogar die mögliche Bewohnbarkeit von Planeten, die viel zu weit entfernt sind, als dass man sie sehen könnte - mit einem Raumschiff würden wir eine halbe Million Jahre brauchen, um sie zu erreichen.[2]

Dabei ist es „erst“ etwas weniger als 2400 Jahre her, als der griechische Philosoph Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) in seinem Buch De Caelo (Vom Himmel) eine kosmologische Konzeption niederschrieb, „die alles systematisch zusammenträgt, was bis zu seinen Tagen von seinen Vorgängern auf dem Gebiete der Astronomie an Erfahrung und Wissen niedergelegt war.“[3]

Fast zweitausend Jahre sollte das Kosmosbild des Aristoteles das Denken der Gelehrten bestimmen, ehe im 16. Jahrhundert in einer Zeit, die später „Renaissance“ heißen sollte, ein Astronom namens Nicolaus Kopernikus (1473 – 1543) den revolutionären Gedanken äußerte, die Erde drehe sich um die Sonne und damit die Vorraussetzung für neue Theorien über das Universum lieferte. Die kopernikanische Wende war das schleichende Ende des geozentrischen Weltbildes um, jedoch hätte sich Kopernikus’ Theorie nicht verbreitet ohne die engagierte Unterstützung vieler anderer Denker, wie zum Beispiel ein italienischer Philosoph namens Giordano Bruno (1548-1600), der an dem neuen Kosmosbild kräftig mitmodellierte und dessen Verbreitung er mit eigenen Schriften rastlos förderte.[4]

Dabei richtete sich Giordano Brunos Polemik mit aller Schärfe gegen Aristoteles, „den er allein für alle diejenigen Elemente des copernicanischen Systems verantwortlich macht, welche der ‚Deutsche’ von seinen Vorgängern übernommen hat.“[5]

Ziel der vorliegenden Hauarbeit ist es, die Himmelstheorien von Aristoteles und Giordano Bruno – die erste exemplarisch für das geozentrische, die zweite exemplarisch für heliozentrische Kosmosbild – einander gegenüberzustellen und zu vergleichen.

Dazu soll zunächst das aristotelische Kosmosbild aus seinem Werk De Caelo (Vom Himmel) dargelegt und erläutert werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte der Himmelstheorie von Giordano Bruno aus seinem Buch Über das Unendliche, das Universum und die Welten genannt, insbesondere diejenigen, an denen sich Bruno von der Kosmologie von Aristoteles abgrenzt. Zudem sollen auch Brunos neue Vorstellungen vom Kosmos, seine Irrtümer und Probleme, die bei ihm ungeklärt bleiben, erläutert werden.

Im Zuge des Vergleichs soll deutlich gemacht werden, wie sehr sich das Kosmosbild von der Antike bis zur Renaissance gewandelt hat und dass dieser Wandel allein auf dem Verstand und Vorstellungskraft der Philosophen fußt; eine großartige Leistung, angesichts der Tatsache, dass es in der damaligen Zeit noch keine Teleskope gab.

2. Die Himmelstheorie des Aristoteles

Aristoteles’ Himmelstheorie prägte über viele Jahrhunderte das Bild der abendländischen Welt vom Universum maßgeblich.[6] Sein Buch De Caelo (Vom Himmel) vereint eigene und fremde Theorien über den Kosmos zum Zeitpunkt des 4. Jahrhundert vor Christi.

Wichtig um Aristoteles’ Himmelstheorie zu verstehen, ist die Kenntnis, dass er die Welt als Ganzes erfasst, und sich damit scharf von Atomisten wie Demokrit abgegrenzt. Zudem lehnte er die Theorie der Atomisten ab, es gäbe ein Leeres in der Welt; das bei Demokrit zweite notwendige Grundprinzip für die Entstehung von etwas, neben den zahllosen, aber nicht weiter teilbaren Teilchen, den Atomen.[7]

Außerdem grenzt sich Aristoteles von seinem Lehrer Platon (427 – 348) ab, der der Ansicht war, „daß das wahrhaft Seiende nur in einer transzendenten Ideen- oder Formenwelt existiere. Demzufolge hat bei ihm auch die Empirie einen anderen Platz. Er meint: Alle Erkenntnis entsteht durch sinnliche Eindrücke.“[8] Er übernahm jedoch Platons Gedanken, dass die Himmelskörper sich gleichförmig und kreisförmig bewegen.[9]

Aristoteles setzt wie Pythagoras eine unbewegliche Erde in den Mittelpunkt; um diese verläuft eine Anzahl von „konzentrischer, ineinander laufender Sphären“[10]. Damit entwirft Aristoteles ein hierarchisch geprägtes Weltbild.[11]

Die Welt besteht bei Aristoteles aus den vier Grundelementen Feuer, Luft, Wasser und Erde. Jedes von ihnen hat einen natürlichen Ort im Raum, ebenso wie jeder Körper, je nachdem, aus welchen Elementen er zusammengesetzt ist: „Befindet sich ein Körper an seinem natürlichen Ort, so ruht er; ist er von ihm getrennt, so ist er bestrebt, zu ihm zu gelangen. Damit ergeben sich nichterzwungene Auf- und Abwärtsbewegungen.“[12] Eine derart geradlinige Bewegung nach oben bzw. nach unten ist für Aristoteles eine vom Mittelpunkt (also zur Erde) weg bzw. zum Mittelpunkt hin.[13]

Die Erde schwebt als schwerstes der vier Elemente in der Mitte, danach folgen die Sphäre des (schweren) Wassers, der (leichten) Luft und des (leichten) Feuers:

Die Bewegung der irdischen Körper ist geradlinig, da sie auf kürzestem Weg ihrem natürlichen Ort entgegeneilen. Sie ist endlich, da sie aufhört, sobald der natürliche Ort erreicht ist und sie ist ungleichförmig, da sich die Geschwindigkeit des Körpers in Abhängigkeit von der Entfernung zu seinem natürlichen Ort ändert.[14]

Das Feuer ist gleichzusetzen mit den, von der Erde aus, sichtbaren Sternen. Nach Aristoteles sind diese Sterne fest auf dem Ätherstoff fixiert. Der Äther ist ein fünftes Element, der von Aristoteles abgleitet und rein hypothetisch ist und sich kreisförmig bewegt. Die kreisförmige Ortsbewegung ist bei Aristoteles die ursprünglichste und vollkommenste Bewegung, da sie ins sich geschlossen ist.[15] Der Name leitet er davon ab, „daß er ewige Zeit hindurch stets läuft (aei thei)“[16]

Aristoteles deduziert den Äther aus der Beobachtung heraus, dass die Sterne sich im Laufe der Nacht kreisförmig am Himmelszelt bewegen. Da die Sterne aber aus Feuer bestehen, dürften sie sich jedoch ausschließlich geradlinig bewegen: „[D]enn das Feuer bewegt sich gerade in die Höhe […]“[17]. Aristoteles löst dieses Paradox, indem er einen neuen Stoff, eben jenen Äther, als gedankliches Hilfsmittel erfindet: „Wenn man dies alles bedenkt, kann man wohl zu der Überzeugung gelangen, daß neben den hier und bei uns vorhandenen Körpern einen anderen Körper gibt, der von ihnen abgesondert ist und der seiner Natur um so ehrwürdiger ist, je weiter er von denjenigen entfernt ist.“[18]

Die „kreisbewegte“[19] Bewegung des Äthers ist eine ihm inhärente Eigenschaft. Er besitzt „weder Leichtheit noch Schwere“[20], kann „unmöglich in die Höhe gezogen oder hinuntergerissen und auf diese Weise in Bewegung gesetzt werden“[21], ist „unentstanden und unvergänglich“[22], nimmt nicht zu und verändert sich nicht.[23] Da es ihn nicht auf der Erde gibt und er nicht aus einem irdischen Element entstanden ist, entsteht eine Zweitteilung; der Kosmos wird bei Aristoteles von der Erde getrennt.[24] Die aristotelischem Physik läuft auf eine Zweiweltentheorie hinaus,

nach der die Körper in der Sphäre oberhalb des Mondes aus einem ganz anderen Element bestehen und sich nach ganz anderen Geboten bewegen als die sublunaren Körper. In dieser Physik gibt es keine einheitliche Gesetzmäßigkeit der den Menschen umgebenden Welt, sondern eine Wertordnung von niederen und höheren Sphären.[25]

Die Gesetzmäßigkeiten des Weltlichen war damit nicht zu übertragbar auf den Kosmos; irdische und kosmische Prozesse nicht vergleichbar in der antiken Kosmologie[26]: „Eine die gesamte Außenwelt umfassende Physik als Wissenschaft von der Natur konnte sich nicht herausbilden.“[27]

Aristoteles definiert den Ätherkörper außerdem als kreisbewegt und begrenzt, da ein unbegrenzter Körper eine Kreisbewegung, wie jede Nacht am Himmel beobachtbar, gar nicht vollziehen könne[28]: „Denn die gesamte Zeit, während derer der Himmel sich im Kreise dreht, ist begrenzt; also auch jene ausgesonderte Zeit, während derer jene Linie sich bewegt und die andere schneidet. Es muß also einen Anfang geben, in welchem zum ersten Male die Linie ACE die Linie BB schneidet. Dies ist aber unmöglich. Also ist es nicht möglich, daß das Unbegrenzte sich im Kreise dreht; also auch nicht der Kosmos, wenn er unbegrenzt wäre.“[29]

Daraus schlussfolgert Aristoteles: „[W]enn die Zeit, in welcher der Himmel sich dreht, begrenzt ist, so muß auch die Größe, die er durchlaufen hat, begrenzt sein. Diese Größe ist gleich ihm selbst. Also ist auch er selbst begrenzt.“[30]

[...]


[1] zit. nach Bryson 2005, S. 19

[2] ebd. S. 33

[3] Stern 1977, S. 8

[4] vgl. ebd. S. 10

[5] ebd. S. 16

[6] vgl. Stern 1977, S. 8

[7] vgl. Helferlich 2005, S. 12 und 47

[8] Wahsner 1978, S. 21

[9] ebd. S. 21

[10] Wahsner 1978, S. 8

[11] vgl. Helferlich 2005, S. 47

[12] ebd. S. 21f.

[13] Aristoteles, S. 57

[14] ebd. S. 22

[15] vgl. ebd. S. 58

[16] ebd. S. 63

[17] ebd. S. 58

[18] Aristoteles 1950, S. 59f.

[19] ebd. S. 60

[20] ebd. S. 60

[21] ebd. S. 60

[22] ebd. S. 60

[23] ebd. S. 60

[24] vgl. Wahsner 1978, S. 23

[25] ebd. S. 24

[26] vgl. ebd. S 24

[27] ebd. S. 24

[28] vgl. Aristoteles 1950, S. 66

[29] ebd. S. 66f.

[30] ebd. S. 69

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Himmelstheorie des Aristoteles und des Giordano Bruno
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V162010
ISBN (eBook)
9783640757459
ISBN (Buch)
9783640757800
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Himmelstheorie, Aristoteles, Giordano, Bruno
Arbeit zitieren
Jana Richter (Autor), 2010, Die Himmelstheorie des Aristoteles und des Giordano Bruno, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162010

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