Außerunterrichtliches Praktikum in einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung. Reflexion der Praxiserfahrungen


Praktikumsbericht / -arbeit, 2008

29 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Persönliche Zielstellung des Praktikums

3 Rahmenbedingungen der Einrichtung

4 Darstellung und Reflexion eigener Praxiserfahrungen
4.1. Der eigene Tätigkeitsbereich
4.2. Darstellung einer pädagogischen Situation
4.2.1. Prädeliberationen und Vorbereitung
4.2.2. Darstellung und Analyse des Verlaufs und Erklärungsversuche
4.2.3. Resümee: Erfolge und Probleme
4.3. Verschiedene Positionen zum Fall
4.3.1. Bezugnahme zu einem theoretischen Ansatz
4.3.2. Aufzeigen weiterer Positionen / Möglichkeiten unter Berücksichti-gung des theoretischen Ansatzes
4.3.3. Resümee für die weitere Arbeit

5 Literaturverzeichnis

A 1 Erstes Beobachtungsprotokoll

A 2 Zweites Beobachtungsprotokoll

1 Einleitung

Dem Außerunterrichtlichen Pädagogischen Praktikum (AuPP), welches mit der Modularisierung in den Studiengang Lehramt an Grundschulen integriert wurde, kommt eine Brückenfunktion zwischen Theorie und Praxis zu. Es knüpft sowohl an erste praktische Erfahrungen (Orientierungspraktikum) als auch theoretische und wissenschaftliche Inhalte (Vorlesungen, Fallanalysen) des Moduls „Einführung in die Grundlagen von Pädagogik und Unterricht“ an.

Im Rahmen dieses Praktikums war ich vom 04. – 21. August 2008 im X, einer Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit, tätig. In dem vorliegenden Bericht möchte ich Erfahrungen und Erlebnisse aus meiner Praktikumszeit an einer ausgewählten pädagogischen Situation exemplarisch darstellen und mich anhand dieser auch mit meinem eigenen pädagogischen Handeln auseinandersetzen. Dazu werde ich zunächst auf einige persönliche Zielstellungen eingehen und sowohl die Praktikumseinrichtung als auch meinen Tätigkeitsbereich während des Praktikums vorstellen. In den weiteren Gliederungspunkten soll dann der Blick auf die ausgewählte Situation gerichtet werden, die zunächst unter dem Aufzeigen erster Erklärungsversuche dargestellt und analysiert werden soll. Nach einer kurzen Einschätzung des Verlaufs dieser Situation sollen vor dem Hintergrund eines theoretischen Ansatzes aus der wissenschaftlicher Literatur einige weitere Erklärungsversuche für die Handlungen gegeben und daraus resultierende, alternative Handlungsmöglichkeiten dargelegt werden. Ein kurzes Resümee soll abschließend, die Reflexionen aufgreifend, Schlussfolgerungen für die weitere Professionalisierung in Studium und Lehrertätigkeit wiedergeben.

2 Persönliche Zielstellung des Praktikums

Nach der Absolvierung des vordergründig mit Hospitationen verbundenen Orientierungspraktikums im vergangenen Semester, wollte ich während des Außerunterrichtlichen Pädagogischen Praktikums umso mehr einmal eigenständig pädagogisch aktiv werden und Erfahrungen im Umgang und der Interaktion mit Kindern sammeln. Durch einen Hinweis aus meinem Bekanntenkreis hatte ich vom großen Engagement im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit des in meiner Heimatstadt ansässigen X erfahren und mir zum Ziel gesetzt, dort einen Beitrag zur Ermöglichung abenteuerreicher Ferien für die überwiegend aus sozialschwachen Familien stammenden Kinder zu leisten. Mir war es wichtig, in meiner Praktikumszeit eigene Ideen einbringen zu können und selbstständig in pädagogische Handlungen eingebunden zu sein. Durch Rückmeldungen zu meiner Tätigkeit von Seiten der Kinder und des Personals sollte mir das AuPP zudem zeigen, ob ich überhaupt eine Eignung für den pädagogischen Bereich habe und welche Möglichkeiten der Professionalisierung ich noch zukünftig nutzen kann und sollte. Gern wollte ich zudem etwas Bleibendes in meiner Praktikumseinrichtung hinterlassen, beispielsweise durch die Schaffung eines Freizeitangebotes oder dem Initiieren eines Projektes. Dabei würde ich jedoch eher von Wünschen oder Erwartungen sprechen, denn ich wollte mir einen Zugang zu vielschichtigen Erfahrungen und Erlebnissen während meiner Tätigkeit in der Einrichtung offenhalten, ohne dabei stets das Erreichen eines zuvor aufgestellten Katalogs von Zielsetzungen berücksichtigen zu müssen. So erhoffte ich mir im X Chancen, aber auch Probleme der Kinder- und Jugendarbeit kennenzulernen und diese mitzunehmen auf meinen weiteren Weg in die Lehrertätigkeit, bei der ich bestimmt auch auf förderungsbedürftige Kinder mit sozialen Schwierigkeiten treffen werde. Desweiteren war es für mich ein persönliches Ziel, eine Antwort auf die sich mir stellende Frage der Angemessenheit meiner Studienwahl zu finden. Zunächst erwog ich nämlich eine Tätigkeit im Bereich der Sozialpädagogik, welcher ich dann doch aus verschiedenen Gründen das Studium des Lehramtes an Grundschulen vorzog. Bisher blieb mein ursprünglicher Wunsch dennoch bestehen und so sollte mir die dreiwöchige Arbeit in einem Tätigkeitsbereich der Sozialpädagogik auch dazu verhelfen, mir endgültige Klarheit über meine berufliche Zukunft zu verschaffen.

3 Rahmenbedingungen der Einrichtung

Das X, welches im Jahr 1996 eröffnet wurde, befindet sich in einem Wohnkomplex mit sozialem Brennpunkt am Rande der Kleinstadt X. In einer Gegend geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und vielen Aussiedlern sowie einer zunehmenden Anzahl alleinerziehender Eltern werden einige Kinder frühzeitig mit sozialen Problemen konfrontiert. Als eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit greift der unter Trägerschaft des Deutschen Kinderschutzbundes stehende X diese Situation auf und bietet Kindern im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren eine Vielzahl von Freizeitmöglichkeiten. Dazu zählen neben verschiedenen Spielmöglichkeiten in den Räumlichkeiten sowie einem Spielplatz auf dem Außengelände der Einrichtung beispielsweise Basteln und kreatives Gestalten, Tanz- und Theatergruppe, gemeinsames Kochen und Backen oder organisierte Fahrten und Wanderungen. Rund um das Jahr verteilt finden außerdem einige Projekte (z.B. „Gewalt tut Menschen weh“) und Feste (z.B. Neptunfest) statt. Während der Ferien warten auf die Kinder zudem immer besondere Freizeitmöglichkeiten wie beispielsweise die Teilnahme bei der schon zur Tradition gewordenen „Stadtranderholung“, einem thematischem Feriencamp im Objekt, das in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal stattfand. In der Schulzeit können die Kinder auch Hilfe bei den Hausaufgaben in Anspruch nehmen. Desweiteren besteht im Kinderhaus die Möglichkeit, gegen einen geringen Geldbetrag Mittag zu essen, welches von der Volksküche geliefert wird, oder kleinere Snacks zu kaufen. Wie ich in meiner Praktikumszeit selbst erleben durfte, wird das Freizeitangebot von vielen Kindern gern angenommen, so sind täglich während der Öffnungszeiten von 12 bis 19 Uhr meistens bis zu dreißig Kinder zu Besuch. Die Betreuung findet derzeit durch fünf Ein-Euro-Kräfte sowie das Engagement einiger ehrenamtlicher Helfer statt. Leiterin des X ist Frau X, staatlich anerkannte Erzieherin, die sich zum Ziel gesetzt hat, mit ihrer Arbeit traurige Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. Darüber hinaus initiierte sie im vergangenen Jahr erstmalig in der Einrichtung einen Elternkurs „Starke Eltern – starke Kinder“, um Eltern dazu zu befähigen, mit ihren Kindern gemeinsam Wege zu finden, den Alltag mit weniger Stress und Konflikten zu bewältigen. Wesentlich unterstützt wird die Arbeit des Kinderhauses insgesamt vor allem durch zahlreiche Sponsoren.

4 Darstellung und Reflexion eigener Praxiserfahrungen

4.1. Der eigene Tätigkeitsbereich

Prinzipiell habe ich während meiner gesamten Praktikumszeit den vollen Aufgabenbereich übernommen, den jeder Betreuer der Einrichtung zu erfüllen hat. Demzufolge war ich vordergründig zuständig für die Beaufsichtigung der Kinder beim selbstständigen Spiel sowie die Ausgestaltung und Betreuung gemeinsamer Freizeitaktivitäten. In der ersten Praktikumswoche habe ich beim Feriencamp anlässlich der „Stadtranderholung“ neben meiner Tätigkeit als Aufsichtsperson vielfältige Aufgaben übernommen. Diese reichten vom Aufbau der Zelte, der Essensvorbereitung und -ausgabe sowie Gesprächen mit Eltern bis hin zum Trocknen von Heimweh-Tränen. Außerdem habe ich die Kinder bei ihrer Fahrt in einen Erlebnistierpark begleitet. Besonders in der letzten Woche konnte ich im X selbst pädagogisch handeln. Da die Leiterin der Einrichtung in dieser Zeit nicht vor Ort sein konnte, übernahm ich nahezu eigenständig die Vorbereitung und Durchführung verschiedener Freizeitangebote wie beim Basteln mit Naturmaterialien oder dem Neptunfest. Außerdem habe ich einen Thementag „Gesunde Ernährung“ in Form eines eigenen Projekts initiiert. Neben weitestgehend pädagogischen Aufgaben half ich natürlich auch bei Reinigungs- und Aufräumarbeiten, um den Kindern eine angenehme Nutzung der Einrichtung zu ermöglichen. Generell habe ich in meinem Praktikum sowohl selbstständig als auch in Kooperation mit Betreuern, ehrenamtlichen Helfern und den Eltern gearbeitet, wobei mir die Leiterin der Einrichtung als Ansprechpartnerin zur Seite stand.

4.2. Darstellung einer pädagogischen Situation

4.2.1. Prädeliberationen und Vorbereitung

Die Grobplanung der einzelnen Freizeitaktivitäten in der Ferienzeit wurde im X schon vor Beginn der Sommerferien abgeschlossen. Daher stand bereits langfristig fest, dass am Nachmittag des 14. August 2008 das jährliche Neptunfest veranstaltet werden sollte. In diesem Kontext kam es unerwartet zu der Konfliktsituation zwischen Tim und Sven, die in den weiteren Gliederungspunkten genauer betrachtet werden soll.

Mit der konkreten Vorbereitung und Ausgestaltung dieses Nachmittages wurde eine Betreuerin beauftragt, welche mein Angebot zur Unterstützung gern annahm. Gemeinsam machten wir uns zuerst Gedanken über die Einteilung der zur Verfügung stehenden Zeit. Viele Kinder besuchen die Einrichtung erst gegen 14 Uhr, da ihre Eltern ihnen kein Mittagessen im X ermöglichen können oder wollen. Deshalb entschieden wir uns etwa um 15 Uhr mit dem Neptunfest zu beginnen. Im Anschluss an die eigentliche „Taufe“, sollten die Kinder sich in zwei Gruppen in Form eines kleinen Wettkampfes beweisen. Dafür überlegten wir uns zwei Wasserspiele, die die Heranwachsenden in Motorik und Geschicklichkeit fordern sollten. Bei einem Großteil derjenigen, die regelmäßig das Angebot der Einrichtung nutzen, kann das Elternhaus eine solche Förderung nicht bieten, weil dort ganz andere Probleme bewältigt werden müssen. Für die Mitgliedschaft in einem Sportverein fehlt das Geld. Ein paar Kinder sind übergewichtig. Viele haben enorme Lernschwierigkeiten und zeigen Verhaltensauffälligkeiten, es sind solche Kinder denen man in der eigenen Schulzeit lieber mit Distanz begegnet ist. In Gruppenspielen in der Kinder- und Jugendarbeit liegt für solche Kinder die Chance, sich zu beweisen und auch einmal Erfolge zu erzielen. Daher erachte ich diese als sehr wichtig und wollte sie auch gern an diesem Tag integrieren. Bei der Ausgestaltung der Spiele berücksichtigten wir allerdings deren Schwierigkeitsgrad, damit sie auch von den etwas jüngeren Kindern der Einrichtung absolviert werden konnten. Zugleich war mir bewusst mit diesen Ideen den Interessensbereich von drei Mädchen des Kinderhauses, die bereits das Pubertätsalter erreicht haben, nicht unbedingt zu treffen. Jedoch bin ich der Meinung, dass für das Funktionieren einer Gemeinschaft manchmal auch die eigenen Interessen in den Hintergrund gestellt werden müssen und man sich auch mal zu Sachen durchringen muss, die einem nicht so viel Spaß machen. Diese Auffassung wurde mir durch meine familiäre Sozialisation vermittelt. Bei einigen der „X“-Kinder findet nur eine unzureichende Vermittlung solcher gesellschaftlichen Normen und Werte in der Familie statt, sodass die Einrichtung diesbezüglich umso mehr gefordert ist.

Weil fast alle Kinder meiner Praktikumseinrichtung im Grundschulalter sind, mussten wir von nicht allzu langen Aufmerksamkeitsphasen ausgehen. Zudem gibt es Kinder mit einer diagnostizierten Aufmerksamkeitsschwäche. Deshalb achteten wir darauf, nicht mehr als zehn Personen für die Neptuntaufe auszuwählen und die Dauer der Spiele auf insgesamt circa fünfzehn Minuten zu begrenzen. Weil die angeleitete Form beider Freizeitaktivitäten durch die Betreuer außerdem ein gewisses Maß an Konzentration und Disziplin von den Heranwachsenden verlangen würde, entschieden wir uns, in der verbleibenden Zeit die Möglichkeit zum freien Spiel zu geben. Entspannung und Orientierung an eigenen Interessen sollte dabei vor allem durch eine freie Bewegung in den Räumen und im Bereich des Außengeländes ermöglicht werden, wie es übrigens grundsätzlich in meiner Praktikumseinrichtung erlaubt ist. Das bedeutete zugleich die Organisation einer ausreichenden Betreuung, weshalb wir im Vorhinein ehrenamtliche Helfer um eine Unterstützung der in der Einrichtung arbeitenden Betreuer baten. Obwohl die grundlegende Planung dieser Freizeitbeschäftigung weitestgehend durch die beauftragte Betreuerin und mich erfolgte, erwarteten wir von allen einen Beitrag zum Gelingen dieses Nachmittages. Damit meine ich sowohl ein Engagement aller Betreuer und Helfer als auch den Gehorsam der Kinder gegenüber den Anweisungen dieser Aufsichtspersonen. Beides ist für mich eine Selbstverständlichkeit, die mir meine Eltern in meiner Kindheit gelehrt haben.

Am Dienstag und Mittwoch bastelten wir mit den Kindern für das Neptunfest Dekorationsmaterial und Einladungen für die Eltern. Deren Anwesenheit bei dieser Veranstaltung war uns wichtig, weil gemeinsame Erlebnisse in vielen der Familien selten sind. Außerdem gestaltete ich bunte Taufurkunden für die Neptuntaufe. Am Donnerstagvormittag schmückte das Betreuerteam das Außengelände und bereitete alles Nötig für Taufe und Wasserspiele vor. Uns war bewusst, dass eine derartige Freizeitgestaltung nicht gänzlich im Vorhinein geplant werden kann und daher im Verlauf des Nachmittags möglicherweise auch Spontanität bewiesen werden müsse. Zumindest für den Fall, dass es trotz guter Wetterprognosen regnen sollte, überlegten wir uns eine Ausweichmöglichkeit, da der überdachte Teil der Außenanlage für die Umsetzung unserer Planungen nicht genügend Platz geboten hätte. Das Neptunfest sollte dann kurzfristig verschoben und stattdessen im Gruppenraum mit Naturmaterialien gebastelt werden. Das Vorgehen in der im Weiteren dargestellten Konfliktsituation während des freien Spiels der Kinder, in der ich spontan pädagogisch handelte, ließ sich natürlich nicht gezielt vorbereiten. Ich wusste lediglich aus meiner eigenen Schulzeit, dass bei solchen Veranstaltungen oftmals ungeplante Ereignisse auftreten können und wollte in diesem Fall in meiner Position als Praktikantin das Betreuerteam bestmöglich unterstützen.

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Details

Titel
Außerunterrichtliches Praktikum in einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung. Reflexion der Praxiserfahrungen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Autor
Jahr
2008
Seiten
29
Katalognummer
V162040
ISBN (eBook)
9783668244450
ISBN (Buch)
9783668244467
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Praktikumsbericht
Arbeit zitieren
Denise Krüger (Autor:in), 2008, Außerunterrichtliches Praktikum in einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung. Reflexion der Praxiserfahrungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162040

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