Die Arbeit setzt sich mit dem Thema „Stehen und Schreiten“ in den Werken des Künstlers Auguste Rodin auseinander. Dafür wurden zwei Plastiken ausgewählt. Das erste Werk ist „Das eherne Zeitalter“ (franz.: „L`âge d`airain“) von 1876. Es wurde in Bronze gegossen und hat die Maße 180 x 80 x 60 cm und befindet sich im Musée Rodin in Paris. Die zweite Plastik trägt den Titel „Johannes der Täufer“ aus dem Jahr 1878. Es wurde ebenfalls in Bronze gegossen, hat die Maße 200 x 72,5 x 110 cm und wird ebenfalls im Musée Rodin in Paris aufbewahrt.
Zuerst wird eine kurze Biographie des Künstlers vorgestellt, um seinen Werdegang zu veranschaulichen. Die Arbeit gliedert sich im Verlauf in zwei Teile mit identischem Aufbau. Im ersten Teil wird das Werk „Das eherne Zeitalter“ präsentiert, im Zweiten das Werk „Johannes der Täufer“. Die Darstellungen erfolgen bei beiden Plastiken in gleicher Weise. Zunächst wird das Werk vorgestellt und ein Vergleichsbeispiel herangezogen, das kurz mit dem Hauptwerk verglichen wird. Der nächste Punkt setzt die Plastik in die zeitgeschichtliche Betrachtungsweise und verbindet damit die allgemeine Anschauung und Auseinandersetzung der Kunstwerke mit der Öffentlichkeit in jener Zeit. Den letzten Punkt bildet die Interpretation der Werke, die Rückschlüsse über die Arbeit des Künstlers zieht und damit eine Begründung dieser künstlerischen Umsetzung liefert. In der Schlussbemerkung werden zusätzliche Erwartungen an die Kunst und die allgemeine Kunstauffassung der damaligen Zeit vorgestellt. Damit soll ein besseres Verständnis geschaffen werden, um die „neuartige“ Arbeitsweise des Künstlers im Vergleich zu seiner Zeit zu verstehen. Im Anschluss wird eine Zusammenfassung der Erkenntnisse aus den zuvor vorgestellten Punkten geliefert und damit die Begründung für Rodins Bedeutung für das ausgehende 19. Jh. und beginnende 20. Jh. dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biografie des Künstlers
3. „Das eherne Zeitalter“
3.1 Werksbeschreibung und Vergleichsbeispiel
3.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
3.3 Interpretation des Werks
4. „Johannes des Täufer“
4.1 Werksbeschreibung und Vergleichsbeispiel
4.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
4.3 Interpretation des Werks
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Thema „Stehen und Schreiten“ in ausgewählten Skulpturen von Auguste Rodin, um zu veranschaulichen, wie der Künstler durch die Darstellung von Bewegung und Zeitlichkeit den akademischen Naturalismus seiner Zeit überwand.
- Analyse der Skulpturen „Das eherne Zeitalter“ und „Johannes der Täufer“
- Gegenüberstellung mit antiken Vorbildern wie Michelangelo und dem Apoll von Belvedere
- Untersuchung der zeitgeschichtlichen Rezeption und Skandale
- Interpretation der künstlerischen Intention hinsichtlich Dynamik und Zeitdimension
- Vergleich der Rodinschen Arbeitsweise mit den Regelsystemen der französischen Akademie
Auszug aus dem Buch
3.3 Interpretation des Werks
Rodin hatte „das eherne Zeitalter“ mit Sorgfalt modelliert und der Skulptur eine Sanftheit der Formen und Ausdruckskraft verliehen, die sich von den oft starren, akademischen Skulpturen unterschieden. Sie wirkte für den Betrachter bis dahin in einer unbekannten Weise lebendig. Die Figur befindet sich nicht in statischer Stellung, sondern ist in Bewegung. Die Orientierung an Michelangelo lässt sich vor allen Dingen in diesem Ausdruck der Bewegung sehen. Rodin brachte aber auch das Element der Zeit mit ein. Seine Figur setzt nicht nur eine Bewegung um, sondern lässt unterschiedliche Bewegungsabläufe gleichzeitig erkennen. Die Figur steht, sie vermittelt aber durch den erhobenen rechten Fuß den Eindruck, als ob sie im Gehen ist. Der Gesichtsaudruck ist nur schwierig zu deuten und anhand der unterschiedlichen Titel kann er auf eine andere Weise interpretiert werden. Die Plastik wurde zuerst in Brüssel 1877 unter dem Titel „Der Besiegte“ vorgestellt, vermutlich beeinflusst durch die Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg von 1871. Es wurde aber auch „Mann, erwachend am Anfang der Zeiten“ und „der Mensch der ersten Zeiten genannt.“ Bei dem Titel „der Besiegte“ hatte Rodin der Figur einen Speer in die Hand gegeben, ein Element, das auf ein Thema hätte anspielen können. Er entfernte die Waffe aber, da es seiner Ansicht nach den Blickwinkel auf den Körper verstellte. An diesen Titel erinnert nur noch eine Wunde an der linken Schläfe, die auch durch die Umbenennung nicht beseitigt wurde. Mit dem endgültigen Titel „Das eherne Zeitalter“ wollte Rodin den „aus dem Naturzustand erwachenden Menschen“ darstellen und zugleich die Vorliebe dieser Zeit für prähistorische Themen zum Ausdruck bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Bewegung bei Rodin ein und stellt die beiden ausgewählten Plastiken sowie den methodischen Aufbau der Arbeit vor.
2. Biografie des Künstlers: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Lebensweg Rodins, seine Ausbildung, Italienreise und den Durchbruch durch bedeutende Skulpturenaufträge.
3. „Das eherne Zeitalter“: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung des Werks, dessen zeitgeschichtliche Einordnung als Skandal sowie eine Interpretation der Bewegungsdarstellung im Vergleich zu Michelangelo.
4. „Johannes des Täufer“: Das Kapitel analysiert die Vorstudien, die antiken Einflüsse und die bewusste Entscheidung Rodins für eine spezifische Größe, um die Illusion des Schreitens zu erzeugen.
5. Schlussbemerkung: Hier werden die Erkenntnisse zusammengefasst, wobei Rodin als Wegbereiter zwischen dem Naturalismus des 19. Jahrhunderts und dem expressiven Stil des 20. Jahrhunderts gewürdigt wird.
Schlüsselwörter
Auguste Rodin, Skulptur, Stehen und Schreiten, Das eherne Zeitalter, Johannes der Täufer, Bewegung, Zeitdimension, Naturalismus, Michelangelo, Kunstgeschichte, Kontrapost, Plastik, Bildhauerei, Klassizismus, Dynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Auguste Rodin in seinen Skulpturen „Das eherne Zeitalter“ und „Johannes der Täufer“ das Thema der Bewegung und des Schreitens umgesetzt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die künstlerische Darstellung von Dynamik, die Überwindung akademischer Konventionen und die Auseinandersetzung mit der Dimension der Zeit in der Bildhauerei.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Rodins „neuartige“ Arbeitsweise im Kontext seiner Zeit zu beleuchten und zu begründen, warum er als Brücke zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert gilt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse angewandt, bei der die Werke zunächst beschrieben, dann zeitgeschichtlich eingeordnet und schließlich interpretatorisch hinsichtlich ihrer Ausdruckskraft untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine identisch strukturierte Analyse der beiden Plastiken, inklusive ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer Rezeption als „Skandal“ und der theoretischen Interpretation durch den Autor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Auguste Rodin, Skulptur, Bewegung, Zeitdimension, Naturalismus und die spezifischen Werktitel.
Warum wurde das Werk „Johannes der Täufer“ ursprünglich anders konzipiert?
Rodin fügte erst kurz vor der Ausstellung Kopf, Arme und ein Feigenblatt hinzu, um den unkonventionellen Charakter des ursprünglichen Torsos für die Öffentlichkeit akzeptabler zu machen.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit Michelangelo für Rodins Werk?
Michelangelo dient Rodin als wichtige Inspirationsquelle für die Figurenposen und den Ausdruck von Bewegung, wobei Rodin diese Vorbilder nutzt, um sich von den starren akademischen Regeln zu befreien.
- Arbeit zitieren
- Medina Zec (Autor:in), 2010, "Schreiten und Stehen" bei Auguste Rodin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162086