„In unserer Gesellschaft, die Schönheit und Schlankheit so sehr betont, werden Übergewichtige vielfach verspottet, diskriminiert und nicht für voll genommen. Eßstörungen drücken sich aber nicht nur in Übergewicht ... aus.“3 Dieses Zitat aus dem Jahre 1983 von der Psychologin und Sozialpädagogin Aliabadi und dem Sozialpädagogen Lehnig zeigt zum einen auf, dass die Kategorie >>Übergewicht<< zu der damaligen Zeit schon als Essstörung gesehen wurde. Es gibt dem Leser sogar das Gefühl, dass diese Form von Essstörung längst Anerkennung in der Gesellschaft gefunden hat. Doch obwohl seit den 50er und 60er Jahren das Interesse an der sozialwissenschaftlichen Forschung bezüglich einer gesuchten Antwort von Übergewicht und Adipositas4 wächst5, wird in dieser Arbeit unter anderem aufgezeigt, dass es noch längst nicht endgültig anerkannt ist, dass Menschen mit Übergewicht eine Essstörung haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Prolog
2. Theoretische Basis
2.1. Binge Eating Disorder
2.1.1 Begrifflichkeit und historische Aspekte
2.1.2 Erscheinungsbild von BED und Diagnostik
2.1.3 Epidemiologie und Komorbidität
2.1.4 Ätiologie und Pathogenese von BED
2.1.4.1 Ätiologie
2.1.4.2 Pathogenese
2.1.5 Prognose
2.2 Motivationspsychologie
2.2.1 Motiv, Motivation, Verhalten und Emotionen
2.2.2 Selbstbestimmungstheorie der Motivation
2.2.2.1 Intrinsische Motivation
2.2.2.2 Extrinsische Motivation
2.2.2.3 Intrinsische Motivation vs. extrinsische Motivation
2.2.3 Selbstbestimmungstheorie im Kontext zu BED
2.3 Sportwissenschaft
2.3.1 Trainingswissenschaft
2.3.2 Grundlagen sportlichen Trainings
2.3.3 Physiologische Auswirkungen von Sport
2.3.4 Sportpsychologie
3. Empirie
3.1 Vorstellung der Klientin
3.2 Forschungsmethodik
3.2.1 Fragebogen
3.2.2 Beobachtungsbogen
3.3 Forschungsprojekt
3.4 Darbietung der Ergebnisse
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der intrinsischen Motivation für die sportliche Aktivität von Menschen mit Binge Eating Disorder (BED). Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit intrinsisch motivierter Sport den Kausalfaktoren der Störung, insbesondere depressiven Verstimmungen, entgegenwirken kann.
- Theoretische Grundlagen zu Binge Eating Disorder
- Motivationspsychologische Konzepte nach Deci und Ryan
- Sportwissenschaftliche und sportpsychologische Aspekte
- Empirische Einzelfallstudie zur Wirksamkeit sportlicher Interventionen
- Diskussion der Bedeutung von Selbstbestimmung versus extrinsischem Druck
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Erscheinungsbild von BED und Diagnostik
„Das Kernmerkmal der Binge Eating Disorder ... sind regelmäßig auftretende Essanfälle, die subjektiv als unkontrollierbar erlebt werden. Während eines Essanfalls werden verschiedenste Nahrungsmittel in unterschiedlich großer Menge schnell und oft wahllos durcheinander gegessen. Dies so lange, bis ein unangenehmes Völlegefühl oder ein deutliches Unwohlsein eintritt.“
Ein typisches Kennzeichen dieser >>Fressattacken<< ist, dass diese nicht in einem sozialen Kontext wie z.B. ein familiäres Abendessen stattfinden, sondern dann, wenn die Betroffenen alleine sind. Die Begleiterscheinungen und Folgen einer Essattacke sind Ekel gegenüber sich selbst, Schuld- und Schamgefühle, Niedergeschlagenheit und Hilflosigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Prolog: Einführung in das Thema, wobei die soziale Stigmatisierung von Übergewichtigen thematisiert wird und die bisher mangelnde Anerkennung von Binge Eating Disorder als ernstzunehmende Essstörung hinterfragt wird.
2. Theoretische Basis: Umfassende Aufarbeitung der medizinischen und psychologischen Hintergründe von BED sowie Darstellung der Selbstbestimmungstheorie der Motivation und sportwissenschaftlicher Grundlagen.
3. Empirie: Detaillierte Fallstudie einer Klientin im CJD Stuttgart, bei der mittels Fragebögen und Beobachtungsbögen die Auswirkung von intrinsisch versus extrinsisch motiviertem Sport auf die depressive Grundstimmung analysiert wird.
4. Diskussion: Interpretation der Ergebnisse, die darauf hindeutet, dass intrinsisch motivierte Aktivitäten wie Badminton eine deutlich stärkere positive Wirkung auf das psychische Wohlbefinden der Klientin haben als rein extrinsisch motivierte Trainingsformen.
Schlüsselwörter
Binge Eating Disorder, Intrinsische Motivation, Extrinsische Motivation, Selbstbestimmungstheorie, Sportwissenschaft, Trainingslehre, Depression, Komorbidität, Essstörungen, Einzelfallforschung, Adipositas, Psychosomatik, Verhaltensregulation, Ernährung, Körperkonstitution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit erforscht, wie intrinsische Motivation die sportliche Aktivität von Menschen beeinflussen kann, die an der Binge Eating Disorder leiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft klinische Psychologie, Motivationspsychologie und Sportwissenschaft, um Zusammenhänge zwischen Essstörungen und sportlicher Betätigung zu verstehen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Sport, wenn er aus intrinsischer Freude und nicht aufgrund von äußerem Gewichtsreduktionsdruck ausgeübt wird, depressive Symptome bei Betroffenen mindern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine methodische Einzelfallforschung (Laboratoriumsexperiment) kombiniert mit systematischer Beobachtung und einem täglichen Tagebuch-Fragebogen bei einer Klientin.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen (Krankheitsbild, Motivationstheorien, Trainingsprinzipien) und einen empirischen Teil, in dem sportliche Interventionen bei einer Klientin ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
BED, intrinsische Motivation, Sporttherapie, Selbstbestimmung, Depressionskriterien und Einzelfallforschung.
Wie unterscheidet sich BED von anderen Essstörungen laut dieser Arbeit?
Das Hauptmerkmal bei BED sind Essattacken ohne die kompensatorischen Gegenmaßnahmen, die bei Bulimia nervosa (wie Erbrechen) üblich sind.
Warum ist das "Labeling Approach" für die Autorin relevant?
Das Labeling Approach wird genutzt, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Stigmatisierung und Vorurteile das Selbstbild und das Verhalten von Betroffenen negativ beeinflussen können.
Was ergab die empirische Untersuchung bei der Klientin?
Die Untersuchung zeigte, dass Badminton (intrinsisch motiviert) die depressive Stimmung der Klientin messbar verbesserte, während Laufen als "Pflicht" (extrinsisch) eher belastend wirkte.
- Arbeit zitieren
- Mirjam Hauser (Autor:in), 2009, Die Bedeutung der intrinsischen Motivation für die sportliche Aktivität von Menschen mit Binge Eating Disorder , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162129