Wachstumseffekte von Rezessionen


Hausarbeit, 2003

30 Seiten, Note: 2.0

Tobias Krauss (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Modell
2.1. Der Gütermarkt
2.2. Bestimmung des Produktivitätswachstums auf Unternehmensebene
2.3. Markteintritt, Marktaustritt und das Gütermarktgleichgewicht

3. Der Steady State

4. Die Einführung ökonomischer Schwankungen
4.1. Welt
4.2. Welt 2

5. Zyklisches Verhalten produktivitätssteigernder Aktivitäten
5.1. Welt
5.2. Welt 2

6. Der Effekt ökonomischer Schwankungen auf das langristige Wachstum
6.1. Welt 1
6.2. Welt 2

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

A. Anhang

1. Einleitung

In der Wissenschaft wurde schon vor einiger Zeit erkannt, dass Produktivitätswachstum und Konjunkturzyklen eng miteinander in Verbindung stehen. Trotzdem wurden in der Vergangenheit beide Phänomene getrennt voneinander untersucht.

Die Real Business Cycle- Literatur1 der achtziger Jahre sieht in Produktivitäts- Schocks eine der wesentlichen Triebkräfte für zyklische Schwankungen. Diese Entwicklung stellt die traditionelle Trennung von Trends und Zyklen durch die makroökonomische Theorie in Frage und schlägt eine Rückkehr zur Schumpeter´schen Sicht vor, in der Wachstum und Zyklen als zusammenhängende Phänomene betrachtet werden.

Das im folgenden untersuchte Modell von P. AGHION und G. SAINT- PAUL (1998) untersucht die Auswirkungen von Konjunkturzyklen auf das langfristige Wachstum unter zwei Annahmebündeln bzw. in zwei unterschiedlichen Welten. In Welt 1 (Annahmebündel 1) wirkt eine Steigerung der Produktivität durch produktivitätssteigernde Aktivitäten restriktiv auf die laufende Produktion, während in Welt 2 (Annahmebündel 2) die Steigerung der Produktivität zwar Kosten verursacht, die aktuelle Produktion an sich aber nicht tangiert.

Die Hauptergebnisse des Modells sind folgende: In Welt 1 sind produktivitätssteigernde Aktivitäten antizyklisch. Der Grund hierfür ist, dass die Opportunitätskosten produktivitätssteigernder Aktivitäten während einer Rezession schneller als deren Erträge sinken. Daraus resultiert, dass eine Rezession langfristig einen positiven Effekt auf die totale Faktorproduktivität ausübt. Im Gegensatz dazu sind produktivitätssteigernde Aktivitäten in Welt 2 prozyklisch. In diesem Fall sinken die Kosten produktivitätssteigernder Aktivitäten in Rezessionen im Gegensatz zu deren Erträgen jedoch nicht. In Welt 2 sind Rezessionen daher schädlich für die langfristige Produktivität.

Die zentrale Frage lautet also: Welche kausale Beziehung besteht zwischen Konjunkturzyklen und langfristigem Wachstum? Ausgehend von dieser Frage soll in dieser Seminararbeit auch der Effekt der Struktur von Konjunkturzyklen (Frequenz, Schwingungsweite) auf die durchschnittliche Wachstumsrate, basierend auf der Analyse von AGHION und SAINTPAUL, dargestellt und diskutiert werden.

Im weiteren Verlauf der Analyse wird folgendermaßen vorgegangen: In Abschnitt 2 wird das Modell aufgestellt. Abschnitt 3 beschreibt den Steady State. In Abschnitt 4 werden Konjunkturzyklen eingeführt. Abschnitt 5 untersucht das zyklische Verhalten von Produktivitätswachstum. In Abschnitt 6 wird der Effekt der Frequenz und Schwingungsweite von Schwankungen auf das langfristige Wachstum untersucht. Abschnitt 7 schließt mit einer kritischen Zusammenfassung.

2. Das Modell

2.1 Der Gütermarkt

AGHION und SAINT- PAUL nehmen eine offene Ökonomie an. Es wird eine bestimmte Anzahl an exportierten, mit dem Index i versehenen Gütern produziert. Zudem wird ein homogenes Importgut konsumiert, dessen Preis auf der ganzen Welt auf 1 normiert ist2. Die Nachfrage nach einem beliebigen Gut i zu der Zeit t ist durch den Ausdruck mit yt als Index für die Weltnachfrage, pit als Preis für das Gut i und pt als aggregierter Preisindex für heimische Güter definiert. pt ist durch folgende Gleichung bestimmt:

Nt steht für die Anzahl unterschiedlicher Produkte, die in einem Land in der Periode t produziert werden. Des Weiteren nehmen die Autoren an, dass Ș > 1 gilt. Jedes heimische Gut wird von einem einzelnen Monopolisten angeboten. Die Größe eines jeden Monopolisten sei gegeben. Es handelt sich hier daher um eine Ökonomie, in der Zuwächse an Beschäftigung zu einer Erhöhung der Anzahl unterschiedlicher Produkte und damit auch Monopolisten, nicht aber zu einer Erhöhung der Mengen bestehender Produkte führt. Zu jeder gegebenen Zeit t ist jedes Unternehmen i durch ein technologisches Level xit charakterisiert. Die Gesamtproduktion entspricht dem Wert ex it. Die Gleichung vit = d xit / d t gibt die Produktivitätssteigerung der Firma i an. Diese Rate resultiert aus der Abwägung zwischen dem gegenwärtigen Gewinn, den Kosten produktivitätssteigernder Aktivitäten und dem zukünftigen Kapitalwert der Firma. Der zukünftige Kapitalwert steigt durch Erhöhung des technologischen Parameters x.

Bezüglich der Kosten produktivitätssteigernder Aktivitäten treffen AGHION und SAINT-

PAUL zwei Annahmen:

Annahme 1: Um ein Wachstum von vit generieren zu können, muss die Firma einen Anteil k(vit ) ihrer aktuellen Produktion opfern. Die Autoren nehmen an, es gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Annahme 2: Um ein Wachstum von vit generieren zu können, muss die Firma einen Anteil h(vit ) des importierten Gutes kaufen. Die Autoren nehmen an, es gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Annahme 1 beschreibt Welt 1, in der Produktivitätsverbesserungen einen restriktiven Effekt auf die aktuelle Produktion ausüben. In der Realität könnte dieser Fall genau dann eintreffen, wenn das Management und die gelernten Arbeiter der Firma nach Implementierung der neuen Technologie in dieser geschult werden müssen, und das Unternehmen keine zusätzlichen Arbeiter findet, die den Zieloutput des laufenden Jahres herstellen können3. Im Gegensatz dazu beschreibt Annahme 2 eine Welt, in der Produktivitätswachstum auf dem Markt gekauft werden kann, ohne mit Outputzielen des laufenden Jahres zu konkurrieren. Annahme 1 und Annahme 2 können alternativ auch als Anpassungskosten der Arbeit interpretiert werden. In Welt 1 ist „hiring and firing“ sehr kostspielig. Aus diesem Grund ist man hier bemüht, produktivitätssteigernde Aktivitäten durch das Stammpersonal durchführen zu lassen, obgleich die Arbeiter dadurch von Ihren gewöhnlichen Tätigkeiten abgehalten werden. In Welt 2 hingegen sind die Kosten für „hiring and firing“ sehr gering. Firmen in Welt 2 werden daher versuchen, neue Arbeitskräfte einzustellen, um so das gewünschte Produktivitätswachstum generieren zu können.

Der Netto- Output in Welt 1 und Welt 2 entspricht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit φ it gleich 1- k (vit ) in Welt 1 und 1 in Welt 2.

Angesichts der Gleichungen (3) und (1) wird ersichtlich, dass um die Bedingung zit = Dit zu erhalten, der Preis der Firma i zum Zeitpunkt t folgender Gleichung entsprechen muss:

2.2 Bestimmung des Produktivitätswachstums auf Unternehmensebene

Zu jedem Zeitpunkt t hängt der Marktwert einer Firma von ihrem technologischen Niveau xit, dem aggregierten Preisniveau pt und der Nachfrage yt ab. AGHION und SAINT- PAUL nehmen an, dass Unternehmen zu einem realen Zinssatz r Geld leihen und verleihen können. Der Netto- Kapitalwert ist gegeben durch den rekursiven Ausdruck

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit π it = pitzit in Welt 1 und π it = pitzit - h (vit) in Welt 2. Die optimale Strategie des Unternehmens lässt sich nun durch Ableiten der Gleichung (5) nach vit ermitteln. Die Bedingung erster Ordnung lautet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Welt 1 ist die Bedingung erster Ordnung unter Verwendung der Gleichungen (3) und (4) gegeben durch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Welt 2 entspricht die Bedingung erster Ordnung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zudem kann eine Euler-Gleichung für den marginalen Wert [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]direkt durch Ableiten der Gleichung 5 nach xit bestimmt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Später wird es möglich sein, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] durch Ausdruck (6) und (7) zu eliminieren, um so die aktuelle Strategie der Firma bestimmen zu können.

2.3 Markteintritt, Marktaustritt und Gütermarktgleichgewicht

Gemäß den Autoren ist die Anzahl an Monopolisten durch Marktzutritts- und Marktaustrittsbedingungen bestimmt. Die Kosten für den Marktzutritt sind durch den Betrag C festgelegt. Jede Firma kann zu jeder Zeit aus dem Markt austreten. Dafür wird die Firma mit einem Liquidationswert von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] entschädigt. In dieser simplen Formulierung beeinflusst das Produktivitätswachstum zwar den Unternehmenswert bei Weiterführung der Geschäftstätigkeit, nicht aber den Liquidationswert bei Geschäftsaufgabe. In einem Gleichgewicht mit zwei Zuständen, das AGHION und SAINT- PAUL im folgenden betrachten werden, führt dies zu einer Asymmetrie zwischen Expansionen und Rezessionen: Firmen in Expansionen erwarten ein Verbleiben im Markt mit einer Wahrscheinlichkeit kleiner als eins, wenn die Ökonomie in eine Rezession fällt. Da produktivitätssteigernde Aktivitäten den Liquiditätswert nicht erhöhen, haben die Firmen somit einen geringeren Anreiz, ihr Produktivitätslevel xit zu verbessern. Im Gegensatz dazu werden Firmen in Rezessionen auf jeden Fall ihre Geschäfte weiterführen, wenn die Ökonomie wieder in eine Expansionsphase übergeht. Dieser Effekt wird auch „exit effect“ genannt, auf den im Anhang explizit eingegangen wird4.

Angenommen, xt gibt das durchschnittliche Produktivitätslevel an. Der Liquidationswert ist durch den Ausdruck [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bestimmt. In einem symmetrischen Gleichgewicht entspricht dies exakt dem Wert θ C. Für die Firmen würde das bedeutet, dass Verbesserungen der Produktivität nicht nur den Unternehmenswert bei Weiterführung der Geschäfte, sondern auch den Liquidationswert bei Geschäftsaufgabe erhöhen. Das Ausmaß dieses Effektes hängt von β ab.

[...]


1 Vgl. KYDLAND und PRESCOTT (1982); LONG und PLOSSER (1983); KING und REBELLO (1986) 1

2 Entsprechend könnte ein aggregiertes Bündel differenzierter Importgüter betrachtet werden. 2

3 Arbeiter mit mindestens der gleichen Produktivität.

4 Im Anhang wird gezeigt, dass der „exit effect“ die Antizyklizität von v in Welt 2 verstärkt und die Prozyklizität in Welt 2 reduziert.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Wachstumseffekte von Rezessionen
Hochschule
Universität Konstanz  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftstheorie)
Veranstaltung
Seminar zu Arbeitsmarkt, Beschäftigung und Wachstum
Note
2.0
Autor
Jahr
2003
Seiten
30
Katalognummer
V16216
ISBN (eBook)
9783638211277
Dateigröße
1015 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wachstumseffekte, Rezessionen, Seminar, Arbeitsmarkt, Beschäftigung, Wachstum
Arbeit zitieren
Tobias Krauss (Autor), 2003, Wachstumseffekte von Rezessionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16216

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