Diskrete Emotionsregulation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Emotionen
2.1. Theoretische Grundlagen
2.2. Aggregatebenen von Emotionen
2.2.1. Emotionsdimensionen
2.2.2. Diskrete Emotionen

3. Emotionsbewusstein und Emotionsdifferenzierung
3.1. Theoretische Grundlagen
3.2. Zusammenhang von Emotionsdifferenzierung und Emotionsregulation

4. Emotionsregulation
4.1. Theoretische Grundlagen
4.2. Strategien der Emotionsregulation
4.3. Gründe, Einflussfaktoren und Ziele der Regulation von Emotionen
4.4. Diskrete Emotionsregulation

5. Emotionen und Emotionsregulation am Arbeitsplatz

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung

„Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen.“

(Sigmund Freud)

Stimmt es, dass Menschen grundsätzlich dahin tendieren negative Emotionen abzuschwä- chen und positive Emotionen zu verstärken? Und was genau beinhalten eigentlich die Ober- begriffe Schmerz oder Freude und welche Bedeutung haben sie für ein Individuum?

Jede Emotion, jeder Schmerz und jede Freude, werden von Person zu Person sehr unter- schiedlich empfunden und ihre Facetten können noch wesentlich differenzierter wahrgenom- men werden (Dougherty & Abe & Izard, 1996; Ulich & Mayring, 2003). So sind sich viele Menschen, wenn sie die generelle Emotion Schmerz empfinden, oftmals auch bewusst um welche Art von Schmerz es sich handelt und was dieses Gefühl ausgelöst hat. Diese differen- zierte Kenntnis von Emotionen hat einen hohen Informationsgehalt für eine Person und kann als Entscheidungshilfe bezüglich bewusster Handlungen dienen. (Felman Barrett & Gross & Christensen & Benvenuto, 2001; Wranik & Feldman Barrett & Salovey, 2007)

Auch die Annahme, dass Personen leidvolle Situationen grundsätzlich vermeiden oder mä- ßigen wollen, ist nicht allgemeingültig (Tamir & Mitchell & Gross, 2008). Stattdessen existie- ren für jede Emotion unterschiedlich effektive Strategien für ihre Modifikation, die entweder mit den besonderen Eigenheiten eben dieser Emotion oder den konkreten Zielen einer Person zusammenhängen (Gross & Richards & John, 2006; Rivers & Brackett & Katulak & Salovey, 2007).

Ebenso relevant ist der Kontext einer emotionalen Erfahrung. Es macht einen Unterschied, ob ein und dieselbe Emotion im alltäglichen Leben oder am Arbeitsplatz erlebt wird (Gran- dey, 2000). Dieser Unterschied wird durch die kontextangepasste Anwendung spezifischer Emotionsregulationsstrategien operationalisiert (Diefendorff & Richard & Yang, 2008).

Im Folgenden soll gezeigt werden, welche Vorteile in der Betrachtung einzelner spezifi- scher Emotionen liegen, wie es Individuen möglich ist, ihre Gefühle differenziert wahrzu- nehmen und welchen Einfluss diese beiden Aspekte auf die Art und Weise der Regulation von Emotionen haben – sowohl im Alltag, als auch im Berufsleben.

2. Emotionen

2.1. Theoretische Grundlagen

Für einen subjektiven Begriff wie Emotion ist es unmöglich eine einheitliche Definition zu finden. Es ist jedoch möglich Emotionen anhand einiger Kerneigenschaften zu beschreiben und vergleichbar zu machen. Gross (2008) beispielsweise geht von drei zentralen Merkmalen von Emotionen aus. Zum einen sieht er die emotionsauslösende Situation als wichtiges Cha- rakteristikum, sofern sie für eine Person Relevanz bezüglich ihrer Ziele hat. Eben diese Be- deutung lässt Emotionen erst aufkommen. Zum anderen erkennt er auch die Komplexität von Emotionen, ihre Verknüpfung zu weiteren Phänomenen sowie die mit ihren verbundenen Veränderungen in den Bereichen subjektiver Erfahrung, peripherer Physiologie und bewuss- tem Verhalten an. Emotionen geben Personen also Impulse, in eine gewisse Handlungsrich- tung zu tendieren.

Diese drei Merkmale eines Emotionsprozesses wurden von Gross zu einem Kreislauf, dem so genannten „modal model“ von Emotionen, welches Abbildung 1 zeigt, zusammengefasst.

Abbildung 1: Kreislauf des "modal model"

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gross (2007)

An erster Stelle steht eine Situation, die eine gewisse Emotion entstehen lässt. Diese erfährt in einem zweiten Schritt Aufmerksamkeit durch ein Individuum, welches die Situation und Emotion nahezu zeitgleich auch im Hinblick auf die Relevanz für seine Ziele bewertet. Das führt daraufhin zu einer bestimmten Verhaltenstendenz oder zu einer konkreten Reaktion, die eine Veränderung der Ursprungssituation hin zu einer neuen bewirkt.

Wie bereits bei der Darstellung der Kerneigenschaften von Emotionen beschrieben, entste- hen diese, wenn Individuen sich in einer Situation befinden, die relevant für die Erreichung ihrer Ziele ist. Eine ähnliche Ansicht ist auch bei Ekman (1999) zu finden. Er versteht die Entstehung von Emotionen im Zusammenhang mit fundamentalen Herausforderungen im Le- benslauf einer Person, welche durch die bewertende und richtungsweisende Funktion von Emotionen bewältigt werden können. Seinem evolutionären Verständnis nach verleiten Emo- tionen Individuen zu Handlungstendenzen, die sich im Lauf der Zeit in wiederkehrenden Si- tuationen als effektiver als andere erwiesen haben.

Über diese grundlegende Gemeinsamkeit bezüglich der Entstehung von Emotionen hinaus, sind dieser Entwicklungsprozess und seine Auslöser jedoch von Emotion zu Emotion stark verschieden und es stellt sich die Frage, ob ähnliche Emotionen zusammengefasst oder ge- trennt voneinander betrachtet werden können.

2.2. Aggregatebenen von Emotionen

Die Frage danach, ob Emotionen auf verallgemeinernden, globalen Dimensionen oder in ihrer spezifischen Einmaligkeit untersucht werden sollten, ist und war schon immer ein fun- damentaler Diskussionspunkt in der Emotionsforschung. Aktuell gewinnt die diskrete Emoti- onstheorie wieder mehr an Bedeutung und Einfluss in Theorie sowie Forschung (Izard & Ackerman, 2000). Dennoch können beide Ansätze auch als sich ergänzend angesehen werden. So umfasst beispielsweise die deskriptive Emotionsanalyse nach Ulich & Mayring (2003) sowohl die Identifikation und Beschreibung einzelner Emotionen als auch die Zusammenfas- sung von vergleichbaren Emotionen zu Kleingruppen.

2.2.1. Emotionsdimensionen

In der allgemeinen Emotionsforschung stehen bei der Betrachtung von subjektivem Emo- tionserleben, physiologischen Reaktionen, kognitiven Prozessen oder dem Ausdrucksverhal- ten oftmals globale Ansätze im Vordergrund, die mehrere verwandte Emotionen verallgemei- nernd als ein Konstrukt begreifen. Diesem Verständnis nach können Emotionen, wie es auch Ulich & Mayring (2003) beschreiben, auf Dimensionen mit den beispielhaften Polen „unan- genehm – angenehm“, „Lust - Unlust“ oder „Erregung – Unruhe“ beschrieben und anschau- lich in einem Koordinatensystem mit den entsprechenden Achsen abgetragen werden. In die- sem Zusammenhang werden Emotionen als grundsätzlich gleich angesehen und unterscheiden sich nur in ihrer Intensität oder dem Grad ihrer Erwünschtheit (Ekman, 1999).

Dieser Ansatz schöpft somit nicht das informative Potential einzelner Emotionen aus, son- dern nutzt die praktikablere Betrachtungs- und Darstellungsweise von Emotionsdimensionen zur Verringerung von Komplexität bei ihrer Untersuchung.

2.2.2. Diskrete Emotionen

Im Vergleich zu diesem generalisierenden Verständnis, wird vermehrt jedoch auch die einmalige und wertvolle Aussagekraft von Emotionen bezüglich einer Person und ihrer Be- ziehung zur Umwelt in der Theorie gewürdigt (Ulich & Mayring, 2003) und in der Praxis er- forscht.

In der diskreten Emotionsforschung ist allgemein anerkannt, dass jede einzelne Emotion besondere Informationen über eine Situation und ihre Bedeutung für eine Person beinhaltet sowie über einen spezifischen motivationalen oder lenkenden Charakter verfügt. Darüber hin- aus ist es möglich jede einzelne Emotion anhand unterschiedlicher Kategorien in ihrer Einma- ligkeit zu beschreiben (Dougherty & Abe & Izard, 1996). Ulich und Mayring (2003) haben beispielsweise fünf Ebenen, ähnlich den in Abschnitt 2.1. beschriebenen allgemeinen Kernei- genschaften von Emotionen nach Gross, definiert, auf denen Emotionen beschrieben werden können. Gemäß ihrer Definition geht mit jeder diskreten Emotion grundsätzlich ein subjekti- ves Empfinden bei einer Person einher. Auch ist die Emotion ihrer Meinung nach mit be- stimmten kognitiven Inhalten bzw. Bewertungen verbunden, löst eine konkrete physiologi- sche Reaktion aus und mündet in einem charakteristischen Ausdrucksverhalten. Außerdem gehen Ulich und Mayring davon aus, dass typische Situationen existieren in denen eine be- stimmte Emotion häufig auftritt. Es jedoch zu beachten, dass diese Aspekte, wie bereits Dougherty & Abe & Izard (1996) in ihren Ausführungen diesbezüglich herausstellten, unter- einander verwoben sind und interagieren.

Außerdem geht die diskrete Emotionstheorie davon aus, dass es einige wenige basale Emo- tionen gibt, die sich bereits früh im Kindesalter entwickeln und über die Lebensspanne erhal- ten bleiben. Zu diesen grundlegenden Emotionen zählen unter anderem die in der Studie unter Abschnitt 4.4. untersuchten Emotionen Wut und Trauer, aber auch Interesse, Freude oder Angst. Weitere, weniger konkret fassbare Emotionen wie Langeweile oder Entspannung las- sen sich ebenfalls anhand der oben genannten Kriterien beschreiben, gelten jedoch als Mi- schungen aus den Grundemotionen (Plutchik & Kellermann 1980; Dougherty & Abe & Izard, 1996).

3. Emotionsbewusstsein und Emotionsdifferenzierung

3.1. Theoretische Grundlagen

Wie bereits im vorangegangenen Kapitel festgestellt, haben Emotionen einen hohen In- formationswert. Informationen können jedoch nur dann aus Emotionen gezogen werden, wenn sich eine Person ihrer bewusst ist.

Stegge, Hedy und Meerum (2007) stellten fest, dass es unterschiedliche Bewusstseinsgrade von Emotionen gibt. Zum einem die phänomenale Erfahrung in der Emotionen tatsächlich nur gefühlt werden und zum anderen eine kausal-kognitive Verarbeitung der Emotion, wobei erst dieser Schritt Reaktionstendenzen stimuliert. Des Weiteren konstatierten sie, dass emotionales Bewusstsein einer introspektiven Haltung bedarf, bei der innere Erlebnisse erkannt und be- wusst reflektiert werden. Diese individuelle Reflexion von Emotionen kann die unterschiedli- chen Reaktionen von Personen auf identische Situationen erklären, da nicht jede Situation dieselbe Bedeutung für jede Person hat und ihren Bedürfnissen, Vorstellungen oder Zielen in derselben Weise gerecht werden kann.

Auch Wranik, Feldman Barrett, Salovey (2007) vertraten die Auffassung, dass Emotionen die relevanten Ziele einer Person, auf die Situationen einwirken, widerspiegeln. Darüber hin- aus sahen sie das theoretische Konzept der Emotionalen Intelligenz als eng verknüpft zu Emotionsbewusstsein. Dabei verstehen sie Emotionsbewusstsein als einen Teil von Emotio- naler Intelligenz, welche laut Wranik et al. ein Set an Fähigkeiten ist, die es Personen erlau- ben Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen, gezielt einzusetzen und effektiv zu regulieren. Das Bewusstsein über eine Emotion kann nach ihrer Vorstellung aus drei Quellen gewonnen werden. Zum einen erlangen Individuen über die Bewertung einer Situation erste Hinweise auf ein Emotion, zum Zweiten weisen erste körperliche Reaktionen auf ein bestimmtes Ge- fühl hin und zum Dritten können schließlich auch konkrete Verhaltensansätze über das Emp- finden informieren.

In einer Studie von Feldman Barrett, Gross, Christensen und Benvenuto (2001), die im folgenden Abschnitt vorgestellt wird, wurde die Annahme getroffen, dass Personen mit einem ausgeprägtem Emotionsbewusstsein auch ein differenzierteres Verständnis für den Emotions- prozess besitzen und somit eine effektivere Auswahl aus Emotionsregulationsstrategien tref- fen zu können. Gemäß dieser Annahme, kann man analog vermuten, dass ein weniger um- fangreiches Bewusstsein für Emotionen zu einer einfachen Wenn-dann-Beziehung zwischen Gefühlserleben und Handlungstendenz führt und somit die mittlere Instanz der Bewertung ausbleibt.

Grundsätzlich kann Emotionsdifferenzierung als Korrelation, also als Stärke des Zusam- menhangs, zwischen einzelnen Emotionen innerhalb positiver oder negativer emotionaler La- gen definiert werden (Feldman Barrett et al., 2001). Eine hohe Korrelation würde demnach im Rahmen eines globalen Emotionsverständnisses einer geringen Emotionsdifferenzierung ent- sprechen. Dem gegenüber bedeutet eine geringe Korrelation, dass Emotionen differenziert wahrgenommen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Diskrete Emotionsregulation
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie)
Veranstaltung
Hauptseminar „Arbeitszufriedenheit und Emotionsregulation“
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V162179
ISBN (eBook)
9783640758029
ISBN (Buch)
9783640758210
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diskrete, Emotionsregulation, Emotionsdimensionen, Gefühle, Psychologie, Emotionsdifferenzierung, Regulationsstrategien, Gefühlsbewusstsein
Arbeit zitieren
Yvonne Köpcke (Autor), 2009, Diskrete Emotionsregulation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162179

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