Das Lebenswerk Alice Salomons und die Bedeutung für die soziale Arbeit


Hausarbeit, 2009
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie
2.1. Kindheit und Jugend
2.2. Soziale Arbeit in den Gruppen und in der Frauenbewegung
2.3. Studium und Promotion
2.4. Die soziale Frauenschule
2.5. Internationale Arbeit in der Frauenbewegung
2.6. Machtergreifung der Nationalsozialisten, Ausweisung und Lebensende in Amerika

3. Alice Salomons Theorien der sozialen Arbeit
3.1. Soziale Arbeit als Beruf und Handlungswissenschaft
3.2. Soziale Arbeit und Frauen
3.3. Soziale Arbeit im internationalen Vergleich

4. Die Bedeutung für die soziale Arbeit heute

5. Schlussbetrachtung / Würdigung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Alice Salomon gilt als Begründerin sozialer Berufsarbeit in Deutschland. In ihrem Leben bildete sie drei Interessenschwerpunkte heraus, die ihr von Bedeutung waren: „die praktische soziale Arbeit, die Frauenbewegung und der internationale Vergleich.“1

Die folgende Arbeit wird das Lebenswerk Alice Salomons anhand dieser drei Schwerpunkte darstellen.

Der biografische Teil beschreibt den Lebensweg einer jungen Frau aus dem Bürgertum, die sich nicht nur zu einer Pionierin der sozialen Arbeit in Deutschland, sondern auch zu einer wichtigen Protagonistin der nationalen und internationalen Frauenbewegung entwickelt.

Daran anschließend werden die Theorien Alice Salomons unter dem Blickpunkt der genannten Aspekte beleuchtet, um im letzten Teil der Arbeit die Frage zu beantworten, welche Bedeutung Alice Salomons Lebenswerk für die heutige soziale Arbeit hat.

2. Biografie

2.1. Kindheit und Jugend

Am 19. April 1872 wird Alice Salomon in Berlin geboren. Die Familie gehört dem Judentum an, ist aber assimiliert und lebt in wirtschaftlich gesicherten und bürgerlichen Verhältnissen. Der Vater, der Lederhandel in London und Berlin betreibt, ist oft auf Reisen, somit obliegt die Erziehung der Kinder meistenteils der Mutter.

1878 wird Alice in eine christliche „Höhere Töchter Schule“ eingeschult, wo sie auch am evangelischen Religionsunterricht teilnimmt, der sie bzgl. ihres eigenen Glaubens nachhaltig prägt, sie wird sich 1914 in Irland taufen lassen.

Als der Vater 1886 verstirbt, bezieht die Familie aus finanziellen Gründen eine kleinere Mietwohnung, wo Alices jüngere Schwester zwei Jahre später an Diphterie verstirbt.

Alices Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes schwermütig wird, bedarf zunehmend der Betreuung durch die Töchter.2

Als Alice mit 15 Jahren die Schule beendet, gibt es für sie weder die Möglichkeit, eine weiterbildende Schule zu besuchen, noch eine andere ihr sinnvoll erscheinende Aufgabe; „Ihre Arbeit als „Haustochter“ wurde nicht gebraucht, außer Haus nicht geduldet.“ 3 Auch ihr Versuch, sich auf eine Lehrerinnenprüfung vorzubereiten, misslingt. Sie besteht dem Druck der Familie, die an Traditionen festhält, nicht. So verbringt sie eine unerfüllte Zeit, in der sie finanziell und emotional vollständig abhängig von ihrer Familie ist, ein Zustand, der typisch ist für viele junge Frauen aus dem Bürgertum.

2.2. Soziale Arbeit in den „Gruppen“ und in der Frauenbewegung

Im Dezember 1893 erhält sie die Einladung zur Gründungsversammlung der „Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit“. Ein Anliegen und Ziel der Gruppe ist, bürgerliche Mädchen und Frauen zu ehrenamtlicher sozialer Hilfsarbeit zu aktivieren.

Diese soll unter Fachaufsicht stattfinden und durch theoretische Ausbildung und Fachvorträge über Wohlfahrtspflege und Staatsbürgerkunde ergänzt werden.

Der Beitritt zu den „Gruppen“ wird für Alice der Wendepunkt für ihr zukünftiges Leben und Werk. „Das neue Aufgabenfeld „Wohlfahrtspflege“ fasziniert Salomon ganz und gar. Dieser Aufgabe widmet sie ihr Leben und verzichtet auf Ehe und Familie.“ 4

Zunächst arbeitet sie in einem Mädchenhort, wo sie u.a. Hausaufgabenbetreuung leistet. Daneben beginnt sie, für die „Auskunftsstelle für Wohlfahrtsanstalten“ zu arbeiten und macht Hausbesuche bei Menschen, die einen Antrag auf Unterstützung gestellt haben und überprüft deren Art der Bedürftigkeit. Der Kontakt mit Armut macht Alice Salomon betroffen „ Der Gegensatz zwischen meinen eigenen Lebensumständen (...) und derjenigen Menschen, unter denen ich arbeite, überwältigte mich. Ich rebellierte gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit der Chancen.“ 5.

Neben der praktischen Arbeit besucht sie verschiedene Kurse der Soziologie und Staatsbürgerkunde, die regelmäßig von der Gruppe angeboten werden.

Besonders beeindrucken sie die Vorträge von Max Weber und Jeanette Schwerin: „Es sei gewesen als hätte man einen Vorhang fortgezogen“; der Blick habe sich der Welt geöffnet, dem „wirklichen“ Leben, den Beziehungen der Menschen untereinander und zum ganzen Volk, zur Bürgerschaft:“6

Jeanette Schwerin, die u.a. Gründungsmitglied des BDF (Bund deutscher Frauenvereine) und Schatzmeisterin des ICW (International Council of Women) ist, wird zum Vorbild und zur Mentorin. Sie ist es, die Alice Salomon u.a. zur Bildung antreibt, ihr sozialkritische Literatur nahe bringt, sie in Kontakt und Austausch mit der nationalen und internationalen Frauenbewegung bringt. Alice Salomon entwickelt sich zu Jeanette Schwerins rechten Hand, 1896 wird sie Schriftführerin in den Gruppen.

1898 vertritt Alice Salomon die erkrankte Jeanette Schwerin beim Jahrestreffen des BDF in Hamburg. Sie hält ihre erste Rede und wird von nun an als wertvolles Mitglied der deutschen Frauenbewegung geschätzt7 und zu Vorträgen im ganzen Land eingeladen.

Parallel zu der Arbeit in Deutschland, befasst sie sich bereits mit Konzepten in anderen Ländern. Nachdem sie z.B. 1896 während eines Aufenthalts in England u.a. die dortigen „Settlements“ besucht hat und „sie die praktischen Erfolge und besonderen Methoden der englischen sozialen Arbeit vor Ort studieren“ 8 konnte, finden sich nach ihrer Rückkehr nach Berlin junge Frauen zusammen, die nach englischem Vorbild initiativ werden wollen. 1898 eröffnen sie das erste „Abendheim für Arbeiterinnen“.

Nachdem Jeanette Schwerin 1899 verstirbt, wird Alice Salomon ihre Nachfolgerin und Vorsitzende der Berliner Gruppen, 1900 wird sie mit 28 Jahren als jüngstes Mitglied in den Vorstand des BDF gewählt.

Ebenfalls im Jahr 1899 beginnen die ersten Jahreskurse für Frauen in der sozialen Arbeit. Mit diesen Kursen legt Alice Salomon bereits den Grundstein für die systematische Berufsausbildung für Sozialarbeit in Deutschland.9 Bis 1908, vor Eröffnung der sozialen Frauenschule, werden diese Kurse bereits auf zwei Jahre ausgedehnt.

Neben der praktischen sozialen Arbeit und der Arbeit in der Frauenbewegung publiziert sie bereits zahlreiche Aufsätze und Zeitungsartikel.

2.3. Studium und Promotion

Zum Sommersemester 1902 schreibt Alice Salomon sich auf Empfehlung Max Serings an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität als Gasthörerin ein und belegt die Fächer Nationalökonomie und Sozialwissenschaften.

1905 reicht reicht sie ihre Dissertation mit dem Titel „Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit“ mit Antrag auf Zulassung zur Promotion ein, aber erst 1906 kann sie nach mehreren Ablehnungen durch den Dekan mit „cum laude“ die Prüfung ablegen.10

Nach ihrem Studium unterrichtet sie zunächst Volkswirtschaft an weiblichen Fachhochschulen und später an der sozialen Frauenschule und erfüllt sich somit den alten Wunsch, als Lehrerin tätig zu sein.

2.4. Die soziale Frauenschule

Erst mit der preußischen Mädchenschulreform erlangen Mädchen und Frauen ab 1908 die Legitimation auf gymnasiale Bildung und ein Universitätsstudium. Diese Reform bildet auch die Rechtsgrundlage für die soziale Frauenschule, die am 15. Oktober 1908 in den Räumen des Pestalozzi-Fröbel-Haus eröffnet. Als Gründerin übernimmt Alice Salomon die Schulleitung und unterrichtet Volkswirtschaft.

Bereits in der Monografie „Soziale Frauenbildung“ von 1908 begründet sie, aufbauend auf die Jahreskurse, das zukünftige Konzept für die soziale Frauenschule.

Der Zweck der Schule ist:

„1. Junge Mädchen in systematischer Weise für ihre Aufgaben in der Familie anzuleiten und sie in die sozialen Arbeitsgebiete einzuführen.

[...]


1 Kuhlmann 2000, 68

2 vergl. Salomon 1926p, S.3 und 5 nach Kuhlmann 2000, 48

3 Kuhlmann, 2000, 51

4 Engelke, Borrmann, Spatscheck, 2008, 236

5 Salomon 1983, S.37 nach Kuhlmann 2000, 59

6 Kuhlmann,2000, 60

7 vergl. Peyser, 1958, 29 in Muthesius, 1958

8 Kuhlmann, 2000, 64

9 vergl. Engelke, Borrmann, Spatscheck,2008, 236

10 vergl. Kuhlmann 2000, 96

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Lebenswerk Alice Salomons und die Bedeutung für die soziale Arbeit
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Modul 1: Geschichte der sozialen Arbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V162187
ISBN (eBook)
9783640756346
ISBN (Buch)
9783640756469
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Erstsemesterarbeit
Schlagworte
Lebenswerk, Alice, Salomons, Bedeutung, Arbeit
Arbeit zitieren
Anya Peters (Autor), 2009, Das Lebenswerk Alice Salomons und die Bedeutung für die soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162187

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