Oscar Niemeyer und seine Hochhäuser

Edíficio Copan (São Paolo) und Wohnhochhaus zur Interbau 1957 (Berlin)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zum Thema

2. Biographie Oscar Niemeyer

3. Scheibenhochhaus Berlin
3.1. Kontext Hansaviertel
3.2. Beschreibungen
3.2.1. Westfassade
3.2.2. Ostfassade
3.2.3. Stirnfassaden
3.2.4. Innere Gebäudestruktur
3.2.5. Gemeinschaftsgeschoss
3.2.6. Erschließung
3.2.7. Grundrissbeschreibung
3.3. Weitere Geschichte

4. Edíficio Copan
4.1. Kontext und Baugeschichte
4.2. Beschreibungen
4.2.1. Allgemein
4.2.2. Nordfassade
4.2.3. Südfassade
4.2.4. Stirnfassaden
4.2.5. Innere Gebäudestruktur
4.2.6. Gemeinschaftsgeschosse
4.2.7. Wohngeschosse
4.2.8. Dachgeschoss
4.3. Weitere Geschichte

5. Einordnung

6. Schluss

7. Abbildungen

1. Zum Thema

Das Thema dieser Hausarbeit soll die Entstehungs- und Baubeschreibung zweier bedeutender Projekte des Architekten Oscar Niemeyer sein. Zum einen handelt es sich hierbei um das Scheibenhochhaus zur Berliner Interbau 1957, zum anderen um das Copan-Gebäude in São-Paolo von 1966. Beide Projekte unterscheiden sich deutlich in ihren Kontexten und ihren Ausführungen.

Um sich mit diesen Gebäuden näher zu beschäftigen, kommt man nicht umher, sich zunächst den Kontext anzusehen, in welchen diese Projekte entstanden sind. Voranzustellen ist ebenfalls noch ein kurzer Überblick über die Biographie Oscar Niemeyers.

Nach den Erläuterungen der beiden erwähnten Gebäude möchte ich noch einen kurzen Vergleich mit anderen mehrgeschossigen Wohngebäuden der brasilianischen Moderne anstellen.

2. Biographie Oscar Niemeyer

1907 wird Oscar Soares Filho in Rio de Janeiro als Sohn einer gut situierten Familie geboren und übernimmt erst später den Namen Niemeyer von seinem Onkel. Im Jahre 1924 nimmt er sein fünf Jahre andauerndes Studium an der Escola Nacional des Belas Artes (kurz: ENBA) in Rio de Janeiro auf. Er arbeitet anschließend bis Ende der dreißiger Jahre im Büro von Lúcio Costa[1]. Als Le Corbusier[2] 1936 als Berater für den Bau des Erziehungs- und Gesundheitsministeriums in die Stadt kommt, lernt Niemeyer den bereits damals schon als Ikone der Moderne gerühmten Architekten persönlich kennen. Nach einigen Ausschreibungen, Unklarheiten und Debatten erhält Lúcio Costa den Auftrag zum Bau des Ministeriums und stellte ein Architektenteam zusammen. Mitglied dieses Teams sind unter anderen Oscar Niemeyer und später auch Le Corbusier. Das Gebäude des neuen Ministeriums sollte wegweisend werden für den neuen Stil der brasilianischen Moderne. Unter der Regierung von Getúlio Vargas[3] sollten noch weitere Repräsentationsbauten in diesem Stil errichtet werden. Somit ist das Jahr 1936 wegweisend für die Architektur der Brasilianischen Moderne, andererseits mindestens genau so bedeutend für Niemeyers eigene Biographie und weitere Karriere als Architekt. Schließlich übernimmt Niemeyer in der Folge dieser Zusammenarbeit einige Motive Le Corbusiers und sieht ihn nach eigenen Angaben als sein größtes Vorbild.

Sein erstes eigenständiges Projekt ist eine Entbindungsstation, die er in Rio de Janeiro plant und baut. Mit Le Corbusier verbringt er im Jahre 1947 einige Monate in New York. In dieser Zeit ist Niemeyer Mitglied des Planungskomitees für den neu zu errichtenden UN-Hauptsitz. Er erarbeitet gemeinsam mit Le Corbusier einen Entwurf, der zur Realisierung vorgeschlagen wird. Dieser Entwurf wird in veränderter Form später realisiert.

Ab 1956 betreut Niemeyer als Direktor der Architekturabteilung der Planungsgesellschaft für den Bau der neuen Hauptstadt Brasiliens die Planungen für Brasilia. Er selbst entwirft hierfür das Regierungsgebäude. Weitere Planungen für Repräsentationsbauten entstammen ebenfalls seiner Feder, darunter beispielsweise der Nationalkongress, Kathedrale und der Alvoradapalast.

Im Laufe seines Schaffens als Architekt erhielt Niemeyer zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Lenin-Preis (1963), den Pritzker-Preis in Chicago (1988), den Prinz von Asturias Kunstpreis (1989) und den Goldenen Löwen der 6. Architektur-Biennale Venedig (1996).

Der mittlerweile 101-Jährige Oscar Niemeyer lebt und wirkt heute in Rio de Janeiro.

3. Scheibenhochhaus Berlin

3.1. Kontext Hansaviertel

So soll die Ausstellung keine Baumasse sein, sondern ein klares Bekenntnis zur Architektur der westlichen Welt. Sie soll zeigen, was wir unter modernem Städtebau und anständigem Wohnbau verstehen im Gegensatz zur Stalinallee![4]

Dieses Zitat verdeutlicht bereits vier Jahre vor der eigentlichen Ausstellung sehr gut deren Intention. Erstrebt war nicht nur eine simple Neubebauung des im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstörten Hansaviertels, sondern ein klares politisches Statement gegen die in Ost-Berlin damals errichtete Prachtallee im Zuckerbäcker-Stil nach dem Vorbild Moskaus.

Moderne und Transparenz standen als Leitmotive Pate, und keine Repräsentation von politischen Faktoren. Ernst Reuther, damals der regierende Bürgermeister Berlins, fasste es folgendermaßen zusammen: „Berlin muß ein Schaufenster der Freiheit, aber auch ein Schaufenster des wirtschaftlichen Wohlstandes werden. Das ist die Funktion dieser Stadt hinter dem Eisernen Vorhang!“[5].

Bereits im Jahre 1951 entstanden erste Ideen, in West-Berlin eine Bauausstellung auszurichten. Hier sollten die Leitvorstellungen der Nachkriegszeit in Westdeutschland präsentiert werden. Auch sollte bereits eine deutliche Abgrenzung zu verschiedenen Wiederaufbauprojekten der sowjetischen Besatzungszone zu erkennen sein.

Schließlich wird im Jahre 1953 der offizielle Wettbewerb zur Neubebauung des Hansaviertels ausgeschrieben. Dies geschah zunächst noch unter Loslösung von der ursprünglichen Idee einer Bauausstellung. Dem Projekt sollte die städtebauliche Idee Hans Scharouns[6] von einer durchgrünten, offenen Stadtlandschaft zu Grunde liegen. Dies sollte bedeuten, dass es sich bei der Bebauung um einzelne, verschiedene Baukörper handeln sollte, zwischen denen sich möglichst weitläufige Grünflächen befinden. Aus Kostengründen musste bei der Aufteilung des Geländes die ehemalige Straßenplanung berücksichtigt werden. Ebenso entstanden Schwierigkeiten durch die Neuordnung der Besitzverhältnisse der bisher zahlreichen kleinen Einzelgrundstücke.

Nach Gründung einer Aktiengesellschaft zum Wiederaufbau des Hansaviertels im Jahre 1954 fundiert sich auch eine GmbH zur Ausrichtung einer Bauausstellung auf dem gleichen Gebiet. Ursprünglich war die Ausstellung für 1956 geplant.

Der bisherige Bebauungsplan wurde überarbeitet, so dass man für jedes einzeln zu errichtendes Gebäude einen einzelnen Wettbewerb ausrichten konnte. Hierfür wurden namhafte Architekten der ganzen Welt eingeladen.

So entstehen in den Jahren 1956 bis 1958 (einige Gebäude konnten nicht gänzlich bis zur Ausstellung fertiggestellt werden) insgesamt 36 Gebäude von 54 Architekten aus 13 Ländern. Darunter finden sich Punkthochhäuser, Zeilenhochhäuser, Einfamilienhäuser, das Ladenzentrum am Hansaplatz und zwei Kirchen. Mit Ausnahme der Einfamilienhäuser sind alle Gebäude als sozialer Wohnungsbau errichtet.

Das Gebäude Oscar Niemeyers, ein achtgeschossiger Zeilenwohnblock, ist eines von insgesamt fünf Scheibenhochhäusern. Es bildet aufgrund seiner Lage in der Altonaer Straße – vom großen Stern aus kommend – optisch den Eingang in das Hansaviertel. Seine Westfassade wendet sich hin zum Hansaplatz, dem Zentrum des Viertels mit dem Ladenzentrum, seine Ostfassade ist zum ruhigen Tiergarten hin gerichtet.

Bei dem Gebäude handelt es sich um das einzige Bauprojekt Oscar Niemeyers in Deutschland.

Im Folgenden soll zunächst der Außenbau, dann dessen Innere Aufteilung erläutert werden.

3.2. Beschreibungen

3.2.1. Westfassade

Auf den ersten Blick erscheint dem Betrachtenden die aufgeständerte Bauweise des Scheibenhochhauses. Sechs V-förmige Pilotis in zwei Reihen tragen das gesamte Gebäude. Das Erdgeschoss liegt in Folge dessen frei[7]. Lediglich die sechs Treppenhäuser, von denen aus die Wohnungen im Innern erschlossen werden, stehen frei in diesem „Luftgeschoss“. Diese Eigenschaft verleiht dem Gebäude eine gewisse Leichtigkeit. Gemäß dem bereits erwähnten Grundsatzes Hans Sharouns einer durchgrünten, aufgelockerten Stadtlandschaft kann das Grün vor und hinter dem Gebäude somit darunter „hindurchfliessen“. Durch seine Position würde das Gebäude, würde es massiv auf dem Grundboden aufsitzen, die grüne Landschaft des Tiergartens von der Städtischen Umgebung des davorliegenden Hansaplatzes trennen. Somit entsteht aber ein Dialog zwischen beiden Teilen. Erschlossen wird diese dezent erhöhte Fläche unter dem Gebäude, für Niemeyer typisch, durch Rampen, die sich an der Rückseite des Gebäudes, der Ostfassade, befinden. Die einzelnen Tragarme der Pilotis, auf denen die Schottenwände aus Schüttebeton und damit das gesamte konstruktive Gerüst des Baus lasten, verjüngen sich nach oben hin, was den Eindruck der Leichtigkeit noch einmal verstärkt. Diese zwölf Schottenwände ziehen sich demnach als tragendes Gerüst vom ersten bis hin zum siebten Stockwerk. Zwischen jeweils zwei solcher Wände ist eine Wohnung „eingehängt“. Mit diesen Schotten, welche sich als Trennwände der Balkone nach außen hin verjüngen, wird die Westfassade vertikal gegliedert. Die horizontale Geschossunterteilung wird mittels sich ebenfalls nach außen verjüngenden Decken zum Ausgleich dazu erreicht. Die eigentliche Außenwand tritt hinter der Loggienzone zurück.

[...]


[1] Lúcio Costa: (1902 - 1998), brasilianischer Architekt und Stadtplaner. Ab 1930 Leiter der Hochschule der bildenden Künste in Rio de Janeiro. Bauten (Auswahl): Brasilianischer Pavillon zur Weltausstellung 1939 (gemeinsam mit Oscar Niemeyer), Plan zum Bau der brasilianischen Hauptstadt Brasília, diverse Großprojekte in Brasilien. (vgl. Hatje – Lexikon der Architektur des 20. Jahrhunderts, Ostfildern 1983)

[2] Le Corbusier: (1887 – 1965), französisch-schweizerischer Architekt, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner. (vgl. Hatje – Lexikon der Architektur des 20. Jahrhunderts, Ostfildern 1983)

[3] Getúlio Dornelles Vargas: (1883 – 1954), Präsident Brasiliens 1930 – 1945 und 1950 – 1954. (vgl. Bertelsmann-Lexikon, Berlin, 2007)

[4] Karl Mahler: Internationale Bauausstellung 1956. In: Bauwelt 1953, H. 35, S. 681ff.

[5] zitiert nach: 1945. Krieg-Zerstörung-Aufbau, Architektur und Stadtplanung 1940-1960. Schriftenreihe der Akademie der Künste, Bd. 23. Berlin 1995.

[6] Hans Scharoun: (1893 – 1972), deutscher Architekt, Bauwerke (Auswahl): Einfamilienhaus für die Werkbundausstellung Stuttgart 1927, Wohnsiedlung Charlottenburg-Nord Berlin, Stadttheater Wolfsburg. (vgl. Hatje – Lexikon der Architektur des 20. Jahrhunderts, Ostfildern 1983)

[7] Vgl. Abb.1

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Oscar Niemeyer und seine Hochhäuser
Untertitel
Edíficio Copan (São Paolo) und Wohnhochhaus zur Interbau 1957 (Berlin)
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Baugeschichte)
Veranstaltung
Die Brasilianische Moderne
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
28
Katalognummer
V162217
ISBN (eBook)
9783640772339
ISBN (Buch)
9783640772827
Dateigröße
5796 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Oscar, Niemeyer, Hochhäuser, Edificio, Copan, Paolo), Wohnhochhaus, Interbau
Arbeit zitieren
Peter Liptau (Autor), 2009, Oscar Niemeyer und seine Hochhäuser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162217

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