Die Gebäude der Kunstakademie Karlsruhe

Eine Baugeschichte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

32 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gebäude der Kunstakademie
2.1. Anfangsjahre Kunstakademie
2.2. Erstes Gebäude in der Stephanienstraße
2.3. Sergerbau, Bismarckstraße 67
2.4. Das neue Kunstschulgebäude, Bismarckstraße 14
2.5. Atelierhaus I
2.6. Atelierhaus II
2.7. Entwurf zu einem Akademiegebäude von Hermann Billing
2.8. Weitere Geschichte bis 1919

3. Gebäude der Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseum
3.1. Vorgeschichte der Kunstgewerbeschule
3.1. Kunstgewerbeschule und -museum
3.2. Erweiterungsbau Kunstgewerbeschule

4. Weitere Geschichte
4.1. Vereinigung 1919/1920
4.2. Kriegszerstörungen
4.3. Baugeschichte nach 1945
4.4. Aussenstelle Freiburg

5. Fazit

6. Quellen

7. Abbildungen

1. Einleitung

Die Geschichte der Kunstakademie in Karlsruhe beginnt im Jahre 1854 noch unter dem Namen „Kunstschule Karlsruhe“. Gegründet wird sie am 5. Juli des Jahres nach einem Erlass des Prinzregenten Friedrich, dem späteren Großherzog Friedrich I. von Baden.

In den über 150 Jahren ihres Bestehens unterlag die Kunstschule zahlreichen Veränderungen und Wandlungen in ihrer Struktur und ihrem Wesens. Dies wird bei der baugeschichtlichen Betrachtung der Kunstschulgebäude und denen der Kunstgewerbeschule ebenfalls deutlich. Die beiden Institutionen wurden 1919 zusammengelegt und bilden seither die heutige Kunstakademie.

Im Folgenden möchte ich auf die Baugeschichte der Gebäude eingehen. Der Aufbau erfolgt zunächst getrennt nach Kunstschule und Kunstgewerbeschule bis zur deren Zusammenlegung. Für jede der beiden Schulen möchte ich der Übersicht wegen chronologisch vorgehen.

Nach diesen Abhandlungen werde ich in einem Fazit noch auf die Vorgehensweise meiner Recherchen eingehen und die damit teilweise verbundenen Problematiken erläutern.

2. Gebäude der Kunstakademie

2.1. Anfangsjahre Kunstakademie

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wurde die Karlsruher Kunstschule vom Prinzregenten Friedrich am 5. Juli 1854 durch einen Erlass gegründet.

Zunächst stand ihr noch kein eigenes Gebäude zur Verfügung, sodass eine provisorische Unterkunft gefunden werden musste. Man entschied sich für ein leer stehendes Hof- und Staatsgebäude in der Erbprinzenstraße. Dieser Bau wurde bei der Badischen Revolution im Jahre 1848 zum Teil zerstört. Danach hatte man es provisorisch wieder in Stand gesetzt und seither stand es leer. Eine dazugehörige Wagenremise auf demselben Grundstück wurde abgetragen, um einen Fachwerkbau zu errichten, in dem sich Zeichensäle und Ateliers befinden sollten. Pläne und Abbildungen von den entsprechenden Gebäuden existieren leider nicht mehr.

Da aber diese Räumlichkeiten bereits in den ersten Monaten der neuen Schule für die große Studentenzahl zu klein wurden, strebte Johann Wilhelm Schirmer[1] bald ein Neubauprojekt an, das allein der Schule dienen sollte. Er verfolgte die Idee eines Neubaus auf dem Areal des Botanischen Gartens, welches sich auf der Rückseite der Karlsruher Kunsthalle befindet. Für dieses Projekt wurden bereits im Jahre 1855 die ersten Angebote eingeholt. Aus Kostengründen wurden die Planungen jedoch wieder verworfen.

2.2. Erstes Gebäude in der Stephanienstraße

Nachdem das Neubauprojekt im Botanischen Garten aus Kostengründen nicht realisiert werden konnte, plante der Großherzog, bereits bestehende Häuser zu erwerben, um der Schule neue Räume zu verschaffen. Diese Überlegungen setzte er alsbald in die Tat um und kaufte zwei spätklassizistische Gebäude in der Stephanienstraße (Hausnummer 84 und 86, heute Hausnummer 80 und 82). Für die Nutzung als Kunstschulgebäude mussten einige bauliche Veränderungen vollzogen werden[2]. Hinter den genannten Gebäuden befand sich ein nach Norden trapezförmig auseinander laufendes Grundstück. Dieses erstreckte sich bis hin zur heutigen Bismarckstraße und war bis dato noch unbebaut. Hier war es dementsprechend möglich, die Schule bei Bedarf weiter auszubauen. Zusätzlich befanden sich in den Gebäuden noch die Dienstwohnungen und Ateliers von Lehrern, darunter auch von Johann Wilhelm Schirmer.

Die Gebäude in der Stephanienstraße wurden bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört. Einzig in der etwa 50cm hohen Gartenmauer kann man noch den Sockel eines der Gebäude mit den Kellerfenstern erkennen.

2.3. Sergerbau, Bismarckstraße 67

Bald nach dem Einzug der Schule in die Gebäude in der Stephanienstraße wurde auch hier, auf Grund der stetig wachsenden Studentenzahlen, die Situation schnell sehr beengt. Dies hatte zur Folge, dass bereits im Jahr 1855 wieder ein Neubau auf dem erwähnten Grundstück gebaut werden sollte. Die Initiative hierzu kam erneut Johann Wilhelm Schirmer. Die Grundstücksgrenze verlief direkt an der damaligen Grünwinkler Allee, die in den 1870er-Jahren in Bismarckstraße umbenannt wurde. Hierfür hatte Schirmer bereits einige Vorstellungen formuliert, die den Aufbau und die Anzahl der Gebäude betraf. Mit diesen Wünschen wandte er sich an den Bezirksbaumeister Fritz Serger[3], ein Schüler Schinkels[4]. Serger bekam den Auftrag, in der Bismarckstraße ein neues Kunstschulgebäude zu errichten.

Bei dem Bau handelte es sich nun um eine symmetrische, zweigeschossige Architektur, mit einem vollständig ausgebauten Dachgeschoss[5]. Der Mittelrisalit der Straßenfassade war fünfachsig aufgebaut mit einer betonten Mittelachse in deren Erdgeschoß sich auch der Haupteingang befand. Die Achsen der Fassade fanden in den hohen Dachgauben ihre Fortsetzung. An jeder Seite des Mitteltraktes befand sich ein einachsiger Seitentrakt, dessen Traufkante 1,5 Meter unter der des Mittelrisalits lag[6].

Die Gliederung der Gartenfassade[7] unterschied sich von der beschriebenen Fassade und entsprach mit ihrem deutlich hervortretenden Mitteltrakt eher dem Typus einer florentinischen Villa. Auf dem Walmdach dieses Mitteltraktes befand sich zusätzlich ein Belvedere. Dieser bot die Möglichkeit besserer Wolkenstudien als es in geschlossenen Räumen möglich gewesen wäre.

Der Baukörper wirkte von dieser Seite aus insgesamt ganzheitlicher als von der Straßenfassade aus betrachtet. Die Fenster in den Gängen der einzelnen Etagen gliederten die Fassade einheitlicher.

Im Erdgeschoss des Seiten- und Mitteltraktes befanden sich sechs Ateliers, davon zwei seitlich und vier in der Mitte. Im Obergeschoss waren zunächst vier Ateliers geplant. Am Ende wurden allerdings nur drei ausgeführt. Je eines in jedem Trakt. Erschlossen wurde das Gebäude je Stockwerk über einen parallel zum Garten verlaufenden Quergang[8].

Die Räumlichkeiten waren bereits zum Start des Wintersemesters 1856 bezugsfertig und 32 Schüler konnten ihr Studium hier beginnen.

Wegen des anhaltenden raschen Zuwachses an Studenten drängte Schirmer bereits 1858 zu einer Erweiterung des Hauses. Auf Grund der großen Erfolge der Karlsruher Kunstschule erfolgte für dieses Vorhaben eine zügige Genehmigung des Großherzogs.

Der Bau wurde folglich um jeweils eine Achse an der Seite verlängert. Insgesamt wurde der Grundriss um 16 Meter verbreitert und schloss damit an den Seiten mit der Grundstücksgrenze ab. Der symmetrische Charakter des Gebäudes blieb damit trotzdem erhalten[9].

1860 forderte Schirmer erneut einige Erweiterungsbauten, erneut aus Platzgründen. Er strebte eine Erweiterung des Baus von Serger zur Gartenseite hin an. Der Mittelbau sollte verlängert werden, um dort weiteren Platz für neue Ateliers zu schaffen. Dieser Vorschlag wurde allerdings abgelehnt.

Das freie Grundstück zwischen den beiden Häusern wurde zum Studiengarten ausgebaut. Dafür wurden zahlreiche unterschiedliche Pflanzenarten angeschafft und diverse Objekte unter freiem Himmel zu Studienzwecken aufgestellt.

Eine kleinere Erweiterung erfuhr das Gebäude im Jahre 1861. In diesem Jahr nämlich wurde der zuvor erwähnte Belvedere abgetragen. Anstatt seiner entstanden neue Räume mit entsprechenden Fensterlösungen.

Der Scheffelplatz direkt gegenüber der heutigen Bismarckstraße wurde außerdem bei der Erbauung an der Fassade des Kunstschulgebäudes ausgerichtet[10].

2.4. Das neue Kunstschulgebäude, Bismarckstraße 14

Nachfolger von Johann Wilhelm Schirmer als Leiter der Kunstschule wurde Carl Friedrich Lessing[11]. Er war gleichzeitig Direktor der Kunsthalle in Karlsruhe. Dies mag vielleicht der Grund sein, weswegen er nicht mit dem gleichen Nachdruck an Erweiterungsbestrebungen der Schule arbeitete wie es Schirmer getan hatte.

Erst 1874, als es nahezu unabwendbar schien, schlug auch Lessing einen weiteren Ausbau der Schulgebäude vor. Die Planung sah zunächst den Bau von Bildhauerateliers vor. Das zweigeschossige Gebäude sollte freistehend im Garten der Akademie entstehen und sechs bis acht Ateliers beherbergen. Zusätzlich dazu sollte der Bau von Serger um ein Stockwerk erweitert werden. Diese Planung wurde allerdings, auch zu Gunsten des beliebten Studiengartens, verworfen.

Stattdessen wurde auf Bestreben des Großherzogs ein Neubau auf einem neuen Grundstück an der Bismarckstraße zwischen Scheffel- und Fichtestraße konzipiert. Das Grundstück befand sich auf der nördlichen Seite der Bismarckstraße, etwas versetzt gegenüber dem Serger-Bau. Diese Grundstücke, die ehemaligen Domänenäcker, wurden zu dieser Zeit gerade neu erschlossen und bebaut. Ursprünglich war der Bau an dieser Stelle lediglich als Provisorium konzipiert[12].

Die Ausgangspläne sahen drei Geschosse vor. Ausgeführt wurde der Bau allerdings nur als zweigeschossiger Fachwerkbau. Die unterkellerte 62 Meter breite Fachwerkkonstruktion wurde mit Holzschindeln verkleidet, was dem Gebäude oftmals den Titel „Schindelbau“ einbrachte.

Das Gebäude war ebenfalls als symmetrischer Bau angelegt[13]. Allerdings im Gegensatz zum ersten Kunstschulgebäude mit stark betonten einachsigen Seitenrisaliten und einem deutlich hervortretenden dreiachsigen Mittelrisalit. Oberhalb der umlaufenden Traufkante befanden sich auf den Seitenrisaliten noch zwei verglaste Belvedere, welche die Betonung der Seitentrakte noch einmal verdeutlichten. Von hier aus konnte man rings um das Gebäude sehen. Somit boten sie wieder eine ähnliche Möglichkeit der Betrachtung wie der abgetragene offene Belvedere des alten Kunstschulgebäudes.

Im Gebäude befanden sich insgesamt 20 Ateliers, davon 10 mit einer Ausrichtung nach Norden und 10 nach Süden ausgerichtete.

Im Oktober 1874 war erst die Hälfte des Gebäudes fertig gestellt. Wegen enormen Platzmangels im alten Gebäude hatte man aber bereits vor Vollendung des Baus mit dessen Nutzung begonnen. Die zweite Hälfte wurde über die Wintermonate fertig gestellt, sodass im Sommer 1875 die Einweihung des gesamten Gebäudes stattfinden konnte.

Mit den neu errichteten Ateliers hatte die Kunstschule Karlsruhe nun insgesamt 60 Ateliers.

2.5. Atelierhaus I

Unter anderem führte auch die Gründung einer Radierklasse um 1885 zu einem weiter steigenden Bedarf an Ateliers. Es wurde als erneut nötig weitere Räumlichkeiten zu schaffen.

Die Kunstgewerbeschule hatte große Finanzmittel zur Verfügung gestellt bekommen, um einen Neubau zu errichten. Der Gerechtigkeit halber musste man also auch der Kunstschule einen Neubau gestatten. So kam es dazu, dass die Stadt Karlsruhe zur Förderung der Künste im Jahre 1889 ein Ateliergebäude auf dem Anwesen Westendstraße 65 (an der Ecke zur Hoffstraße) errichten ließ. In diesem Haus befanden sich insgesamt 29 Ateliers. Nach Bestrebungen der Großherzogin konnte hier nun auch endlich der von ihr gegründeten Malerinnenschule ein Domizil geboten werden.

[...]


[1] Johan Wilhelm Schirmer, (1807 – 1863), deutscher Landschafsmaler und Grafiker. U.a. Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie, erster Direktor der Karlsruher Kunstschule.

[2] Vgl. Abb. 1

[3] Fritz Serger, geb. 1811, großherzoglicher Bezirksbaumeister, deutscher Architekt, Studium unter anderen bei Karl Friedrich Schinkel und Tätigkeiten bei Heinrich Hübsch in Karlsruhe.

[4] Karl Friedrich Schinkel, (1781-1841), preußischer Architekt, Maler, Baumeister und Stadtplaner, Begründer der Schinkelschule, prägte besonders den Preußischen Klassizismus.

[5] vgl. Abb. 2

[6] vgl. Abb. 2 (hier allerdings bereits mit 2-achsigen Seitentrakten der späteren Erweiterung)

[7] vgl. Abb. 3

[8] vgl. Abb. 4

[9] vgl. Abb. 3, 4

[10] vgl. Abb. 1

[11] Carl Friedrich Lessing, (1808 – 1880), Maler der Romantik, malte hauptsächlich Geschichtsszenen und Landschaften, Direktor der Kunstschule Karlsruhe. Gilt als einer der stilistischen Nachfolger Caspar David Friedrichs.

[12] Quelle: Bericht der großherzoglichen Finanzkammer, 31.3.1874 [Stadtarchiv].

[13] Vgl. Abb. 5

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die Gebäude der Kunstakademie Karlsruhe
Untertitel
Eine Baugeschichte
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Die Karlsruher Kunstakademie
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
32
Katalognummer
V162220
ISBN (eBook)
9783640772414
ISBN (Buch)
9783640772889
Dateigröße
21396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gebäude, Kunstakademie, Karlsruhe, Eine, Baugeschichte
Arbeit zitieren
Peter Liptau (Autor), 2009, Die Gebäude der Kunstakademie Karlsruhe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162220

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