Die wirtschaftliche und soziale Krise im 7. Jahrhundert in Athen

Die Lösung durch Solon


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

11 Seiten, Note: 1.5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die wirtschaftliche und soziale Lage im 7. Jahrhundert nach Aristoteles und Plutarch
2. 1. Aristoteles
2. 2. Plutarch

3. Erscheinungsformen der sozialen Krise
3. 1 Verkauf des Landes
3. 2 Schuldsklaverei auf dem ehemaligen Besitz
3. 3. Verkauf in die Schuldsklaverei
3. 4. Flucht

4. Gründe für die sozio-ökonomischen Wandlungen
4.1 Bevölkerungsdruck und Erbteilung
4. 2 Machtkämpfe der athenischen Adelshäuser

5. Solonische Reformen als Lösung der sozialen Probleme

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im 7. und Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. befand sich die Bürgergemeinschaft der pólis Athen in einer schweren inneren Krise. Das soziale Gefälle zwischen Adel und Demos in Folge des Bevölkerungswachstums und der hierdurch bedingten Wertsteigerung von Grund und Boden war zunehmend größer geworden.

Jedoch waren die Ursachen der Krise Athens in vorsolonischer Zeit natürlich nicht allein in der Not der ländlichen Bevölkerung zu sehen. Die explosive Lage vor der Gesetzgebung Solons war auch Folge der Machtkämpfe zwischen den athenischen Adelshäusern. Die politische Herrschaft des Adels, die auf wirtschaftlicher und damit militärischer Überlegenheit beruhte, begann im 7. Jahrhundert zu wanken. Die Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten über ihre wirtschaftliche Notlage führte zu Aufruhr und bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen.[1]

Die Krise entwickelte sich also zugleich auf drei Ebenen: Die Bauernschaft litt vielerorts unter Armut, Verschuldung und Versklavung, die Aristokraten rivalisierten zunehmend stärker um Reichtum, Status und Macht, die Gemeinwesen wurden immer wieder durch Kriege und blutige Machtkämpfe erschüttert.[2] Diese Grundfaktoren waren auf vielfältige Weise miteinander verbunden und verstärkten sich dadurch.In dieser schwierigen Lage wurde Solon im Jahre 594 zum Archon und "Diallaktes" mit außerordentlichen Vollmachten gewählt; unter letzterem verstand man einen "Schlichter", jemanden der eine verfahrene soziale Lage "wieder ins Lot" bringt. Mit dichterischen Fähigkeiten begabt, prangerte er etwa in seiner "großen Staatselegie" die Mißstände an und versuchte, die Bürger zu erziehen.[3] Für viele Forscher ist Solons Elegie ‚Eunomia’ als „die Geburtsstunde des demokratischen Gedankens“ zu bezeichnen[4]

Ziel dieser Hausarbeit ist es nicht, die Reformen des Solon zu untersuchen, denn dies würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Diese Arbeit untersucht die Krise der Polis im 7. Jahrhundert, die zu den Reformen Solons geführt haben. Im 2. Kap. Wird auf die wirtschaftliche und soziale Lage der Polis aus der Sicht Aristoteles und Plutarchs eingegangen. Mit Hilfe historischer Quellen soll ein Gesamtbild jener Zeit angefertigt werden. Im Kap. 3 geht es dann um die verschiedenen Erscheinungsformen der Krise. Diese sollen näher untersucht werden und somit die Lage der Bauern, die einen Großteil der Bevölkerung stellen, hervorgehoben werden.

Die nach der Forschung aufgeführten Gründe für die soziale Krise, werden dann im Kap.4 näher beleuchtet und analysiert. Schliesslich werden die Reformen Solons im Kap 5. als Lösungsansatz der Krise als Abschluss der Arbeit präsentiert.

2. Die wirtschaftliche und soziale Lage im 7. Jahrhundert nach Aristoteles und Plutarch.

2. 1. Aristoteles

Eines der wichtigsten Quellen über die sozialen Probleme in jener Zeit, ist Aristoteles. In seinem Werk „ Athenaion Politeia“ beschreibt Aristoteles Solon sogar als den Gründer der athenischen Demokratie.[5]

Die Athenaion Politeia beschreibt die Entwicklung der athenischen Verfassung bis zur vollen Ausprägung der Demokratie im 5. Jahrhundert vor Chr. Der zweite Teil gibt einen Überblick über die Verfassungsordnung, die seitdem bis auf die Entstehungszeit der Schrift existiert.

Danach (ab etwa 630 v.Chr.) herrschte lange Zeit bürgerkriegsähnlicher Zwist zwischen den Vornehmen und der Volksmenge. Denn die damalige Verfassung war oligarchisch, vor allem darin, dass die Armen mit ihren Frauen und Kindern den Reichen als Sklaven dienen mussten. Man nannte sie Pelatai (Hörige) und Hektemoroi; denn sie bearbeiteten für einen bestimmten Lohn die Ländereien Reichen. Das ganze Land aber gehörte den Wenigen (oligoi). Und wenn die Pächter ihre Zahlungen nicht entrichten konnten, konnten sie mit ihren Kindern in die Schuldknechtschaft geführt werden. Bis zur Zeit Solons wurden alle Darlehen auf die Person ausgeliehen.“[6]

Problematisch an dieser Darstellung ist, dass man im 4. Jh. v. Chr.- vor allem aus Mangel an zuverlässigen Überlieferungen- vieles aus der Frühzeit des eigenen Staates nicht mehr recht verstanden hat. Ferner gehört die Schrift in die politischen Auseinandersetzungen des 4. Jhs. v. Chr. und nimmt zu diesen Stellung. Vor allem lehnt Aristoteles die zeitgenössische, sehr weitgehende Demokratie ab und sieht demzufolge auch in seinem Rückblick auf die Vergangenheit Athens die Entwicklung immer unter dem Vorzeichen einer Auseinandersetzung zwischen Aristokratie und Volk, d.h. zwischen Demokratie und Oligarchie.

Weiterhin erhält das Werk eine Reihe Probleme und Widersprüche: Wodurch unterscheiden sich die Pelatai die Hektomoroi, die ebenfalls zu den Armen zählten ? Wie können Hektemoroi, die ja arm sind und fast schon in Knechtschaft leben, noch eine Pacht erwirtschaften? Das ganze Land gehörte den wenigen? Ist das eine Übertreibung? Hat es wirklich keine freien Bauern mehr gegeben? Wenn das so ist, warum gab es in Athen in solonischer Zeit freie Bauern, die zur Selbstausrüstung zum Hopliten imstande waren? Es werden wirtschaftliche und politische Ursachen zur Unzufriedenheit des Volkes genannt. Nicht erklärt wird, auf welche weise die beiden Begründungen zusammenhängen. Man kann ersehen, dass die Quelle Aristoteles in diesem Falle mit vorsicht betrachtet werden muss.

2. 2. Plutarch

Eine weitere zu Quelle zu der Krise vor Solon und Solons Biographie, ist die „ Vitae parallelae“[7] von Plutarch, in der dieser je einen Griechen und Römer beschrieb und sie miteinander verglich:

„Da nun damals die Ungleichheit zwischen arm und reich den Höhepunkt erreichte, befand sich die Polis in einer äusserst kritischen Lage und es hatte den Anschein, als ob nur die Errichtung einer Tyrannis die Wirren würde beenden können. Das ganze nieder Volk war nämlich den Reichen verschuldet. Entweder bearbeiteten sie das Land für jene und lieferten den Sechsten der Erträge ab, wonach sie Hektemoroi oder Theten (Besitzlose, auf Lohnarbeit angewiesene) hießen, oder sie wurden, wenn sie unter Verpfändung ihres Leibes Schulden aufgenommen hatten, von den Gläubigern abgeführt und dienten dann im Lande als Sklaven oder wurden in die Fremde verkauft. Und einige waren genötigt auch ihre Kinder zu verkaufen.“[8]

Man sieht aus der Art und Weise der Wortwahl die moralisierende und aristokratische Sichtweise des Autors und seiner Zeit (2.Jhd. n. Chr.). Was auf den ersten Blick auffällt, ist die enge Bindung der Quelle an die Athenaion Politeia. Denn eine Reihe von Problemen, die bei Aristoteles angesprochen werden, sind auch hier zu sehen. Wie z.B. Verkauf in die Schuldsklaverei und aber auch die Auffassung, die wirtschaftlichen Probleme seien mit den verfassungspolitischen Auseinandersetzungen verbunden gewesen. Was interessant ist aber, dass Plutarch die hektemoroi deutlich von den Schuldsklaven trennt.

Wenn man sich die Quellenlage genauer betrachtet, sei es Aristoteles oder Plutarch, muss man erkennen, dass alles was über die Beschreibung der Lage bei Solon hinausgeht, in hohem Maße hypothetisch bleiben muss.

[...]


[1] Tarkiainen, Tuttu: Die athenische Demokratie. München 1972. S. 62.

[2] Wiesehöfer, Josef: Die dark ages und das archaische Griechenland. S, 106.In: Geschichte der Antike.Hrsg. Gehrke, Joachim, Schneider, Helmuth. Stuttgart 2007.

[3] Solon F 3D, übs. von H. Fränkel: Dichtung und Philosophie des frühen Griechentums. München 1962.

[4] Stahl, Michael. Solon F3D: Die Geburtsstunde des demokratischen Gedankens. Gymnasium 99, 1992, S. 385 u.

406 f.

[5] Aristoteles: Der Staat der Athener (Athenaion Politeia). Übers. v. Dams, Peter. Stuttgart 1970. 9,1-2.

[6] Aristot. Ath. Pol. 2.

[7] Plutarch: Grosse Griechen und Römer. 6. Bde. Übers. v. Ziegler, Konrat u. Wuhrmann, Walter. Zürich 1965.

[8] Plut. Sol. 13, 3-6.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die wirtschaftliche und soziale Krise im 7. Jahrhundert in Athen
Untertitel
Die Lösung durch Solon
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik)
Veranstaltung
Die Entstehung der griechischen Polis und ihre Entwicklung in der archaischen und klassischen Zeit
Note
1.5
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V162244
ISBN (eBook)
9783640757626
ISBN (Buch)
9783640757961
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krise, Jahrhundert, Athen, Lösung, Solon, Agrarkrise, Polis
Arbeit zitieren
Ulas Incedal (Autor), 2010, Die wirtschaftliche und soziale Krise im 7. Jahrhundert in Athen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162244

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