Der Beruf als strukturelle Kopplung zwischen Bildung und Ökonomie


Hausarbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRENDES BEISPIEL UND FRAGESTELLUNG

2. DER WEG ZUM MODERNEN BERUF

3. SYSTEMTHEORETISCHE KONZEPTION DES MODERNEN BEGRIFFES ‚BERUF‘
3.1. Der moderne Stellenwert des Berufs aus Sicht der Gesellschaft
3.2. Berufsbezogene Besonderheiten in der modernen Gesellschaft

4. DER BERUF ALS STRUKTURELLE KOPPLUNG VON ÖKONOMIE UND ERZIEHUNG

5. DISKUSSION UM ERZIEHERISCHE ANKNÜPFPUNKTE

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einführendes Beispiel und Fragestellung

Möchte man untersuchen, ob „ die persönliche Karriere und der berufliche Auf- stieg zu großen Teilen von der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen beeinf- lusst werden “ (Kurtz 2005, S. 107), so muss sich dem zunächst dem Berufsbe- griff genähert werden.

Als Beispiel für die Brisanz dieser Fragestellung kann angeführt werden, dass Kinder, Jugendliche und vor allem Erwachsene im Alltag mit Unterhaltssiche- rungsfragen betroffen sind, was auch eine steigende Anzahl der ‚Armen‘ in Deutschland zeigt. So kann hier davon ausgegangen werden, dass Erwachsene wenn Berufen nachgehen, um zunächst den Lebensunterhalt für sich und ihre Angehörigen zu bestreiten. Konkret ist es notwendig über pädagogische Anfor- derungen in der heutigen Zeit zu reflektieren, um Neuankömmlingen im System Wirtschaft den Weg in die ‚neue Beruflichkeit‘ zu ermöglichen. Bevor soziale Un- gleichheit sowie deren Forcierung diskutiert werden können, erscheint es not- wendig, das moderne Verständnis des Berufs zu erörtern.

Das Thema für diese Arbeit wurde gewählt, da die Notwendigkeit eines Diskur- ses in der Allgemeinen Erziehungswissenschaft gesehen wird. Die vorliegende Arbeit soll sich daher mit der Frage nach der Bedeutung des Berufs in der heuti- gen Zeit beschäftigen. Dazu wird in erster Linie der historische Weg zum moder- nen Beruf mit aktuellen systemtheoretischen, berufssoziologischen Betrach- tungsweisen aufgezeigt. Im weiteren Verlauf wird die Kopplung zwischen Wirt- schaft und Pädagogik im Verständnis von THOMAS KURTZ vorgestellt sowie abschließend pädagogische Anknüpfpunkte mittels eines skizzierten Beispiels diskutiert.

2. Der Weg zum modernen Beruf

Die Geschichte des Berufs lässt sich bis zu Platon und Aristoteles zurückverfol- gen und diesen Begriff mit körperlicher Arbeit assoziieren. Im Gegensatz zur heutigen Zeit ließ sich die Entlohnung von Arbeit jedoch nicht mit Gesellschafts- verständnis von damaligen freien Bürgern vereinen, so war der Arbeitsbegriff „ im wesentlichen reserviert für die Tätigkeiten von Knechten, Sklaven, Fremden und im Krieg bezwungenen Feinden “ (Kurtz 2005, S. 71). Der wahre Bürger einer an- tiken Polis ging der Bürgertugend Bildung oder Muße nach. Tätigkeiten, die den Lebensunterhalt sichern, welche heute als Arbeit bezeichnet würden, wurden in der damaligen Zeit abgewertet (vgl. ebd., S. 72).

Erst im Zuge der Drei-Klassen-Gesellschaft im elften Jahrhundert setzte sich die funktionale Kooperation von Arbeit durch. Hierbei arbeitete ein dritter Stand den Klerikern und Rittern zu. Das griechische Wort für Arbeit wurde im Spätmittelalter durch Martin Luther mit Beruf übersetzt und ergänzte fortan die Arbeit als Buße. Ein früherer Ansatz zur Etablierung eines Berufsbegriffes lässt sich bei Thomas von Aquin finden. Im Rahmen der Reformation wurde der Beruf erstmals als In- dikator für die Stellung eines Menschen in der Gesellschaft verstanden, so dass ein Bürger mit dem Erlernen eines ehrbaren Berufs zur städtischen Bürgerschaft gehören konnte (vgl. ebd., S. 73ff.).

Im 18. Jahrhundert säkularisiert sich das Begriffsverständnis durch rationalisti- sche Einflüsse. Ein Beruf wird nunmehr als Persönlichkeitsvervollkommnung und nicht göttliche Berufung aufgefasst. Im idealistischen Weltbild erfolgt die Beru- fung aus Eignung und Leistung eines Menschen und der Mensch geht diesem Beruf als Dienst an der menschlichen Gesamtordnung nach. Menschen können seit dieser Zeit durch Arbeit ihre soziale Position verändern, was bis dato nicht möglich war (vgl. ebd., S. 77ff.).

Mit dem Übergang in das 19. Jahrhundert nebst der einsetzenden Industrialisie- rung verdrängt die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes die einstige Überlebensga- rantie, die der Ehrbarkeit. Das Kommunikationsmedium Geld gewinnt in dieser Zeit gegenüber der Moral an Bedeutung und bestimmt fortan über betriebsexter- ne sowie –interne Strukturen und Prozesse. NIKLAS LUHMANN beschreibt die entstehenden Organisationen als eine Erscheinungsform von modernen Gesell- schaft, da diese sich „ in und außerhalb der Gesellschaft selbst unterscheiden können, indem sie jeweils ihre eigenen spezifischen Entscheidungen treffen “ (ebd., S. 83).

KURTZ fasst dazu innerhalb seiner Habilitationsschrift den Bedeutungswandel des Berufsbegriffes „ als Übergang von einer moralischen Bestimmung der Arbeit (Ehre, Religion, Berufung) zu einer qualifikationsdominierten Form des Berufs “ zusammen (ebd., S.85). Heute kann der Berufsbegriff durchaus nach MAX WE- BER als ‚qualifizierte Erwerbsarbeit‘ verstanden werden, was im vorliegenden Verständnis auf den Industriekapitalismus zurückzugeführt wird (vgl. ebd., S. 85).

3. Systemtheoretische Konzeption des modernen Begriffes ‚Beruf‘

Nachdem im vorgegangenen Abschnitt der Wandel des Berufsverständnisses skizziert wurde, soll im Folgenden der Frage nach einer Bedeutung des Berufes in modernen Gesellschaften nachgegangen werden.

Die Multizentralität der modernen Gesellschaft verlangt eine kontextbezogene Betrachtung des Berufsbegriffes und schreibt einem Berufsverständnis diverse Bedeutungen zu.

3.1. Der moderne Stellenwert des Berufs aus Sicht der Gesellschaft

Der Auffassung TALCOTT PARSONS‘ folgend sind moderne Berufsrollen ein Bestandteil gesellschaftlicher Subsysteme und haben sich in allen gesellschaftli- chen Teilbereichen herausgebildet (vgl. ebd., S. 97f.). Beim Stellenwert des Be- rufs ist jedoch – auch in Anlehnung an ULRICH BECK – nach erlerntem und ausgeübtem Beruf zu unterscheiden, womit einerseits die ‚Bildung‘ und ‚Qualifi- kation‘ sowie andererseits die ‚Arbeit‘ und der ‚Erwerb‘ abgebildet werden kön- nen. Eine solche zweiseitige Form durch den Wandel des Berufsbegriffes deutet sich bereits im zweiten Abschnitt der vorliegenden Arbeit an, denn der Beruf wird in modernen Gesellschaften zur Umwelt von wirtschaftlichen und pädagogischen Einrichtungen. Somit berührt ein Beruf mindestens diese zwei Funktionssysteme und es bedarf der Untersuchung der Interpenetration bzw. strukturellen Kopplung (vgl. ebd., S. 98ff.).

Zunächst haben autopoetische und geschlossene Systeme eine Offenheit gege- nüber ihrer Umwelt – dergestalt, dass „ ein System bestimmte Eigenarten seiner Umwelt dauerhaft voraussetzt und sich strukturell darauf verläßt “ (ebd., S. 101; i.O.v. Luhmann 1993, S. 441). Diese angedeuteten strukturellen Kopplungen grenzen sich von der Interpenetration darin ab, dass diese eine wechselseitig abhängige Evolution voraussetzt und man bei den Funktionssystemen Wirtschaft und Erziehung nicht davon ausgeht, dass sie sich durch das moderne Berufsbild entwickelt haben. Strukturelle Kopplungen sind dabei als ‚Einrichtungen‘ zu ver- stehen, die von jedem System unterschiedlich beansprucht werden können (vgl. ebd., S. 101ff.). LUHMANN beschreibt Organisationen in modernen Gesellschaften als Formen, die funktional unterschiedliche Kommunikationsthemen zu koppeln vermögen (vgl. ebd., S. 104).

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Beruf als strukturelle Kopplung zwischen Bildung und Ökonomie
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V162254
ISBN (eBook)
9783640772223
ISBN (Buch)
9783640772704
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beruf, Beruflichkeit, Berufssoziologie, Systemtheorie, strukturelle Kopplung, Bildung und Ökonomie
Arbeit zitieren
David Wolf (Autor), 2010, Der Beruf als strukturelle Kopplung zwischen Bildung und Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162254

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