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Von der ländlichen Idylle zur bürgerlichen Unnatur. Analyse und Darstellung der Räume in Maler Müllers Idyllen "Die Schaaf-Schur" (1775) und "Das Nuß-Kernen" (1775)

Titel: Von der ländlichen Idylle zur bürgerlichen Unnatur. Analyse und Darstellung der Räume in Maler Müllers Idyllen "Die Schaaf-Schur" (1775) und "Das Nuß-Kernen" (1775)

Hausarbeit , 2023 , 20 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Hausarbeit untersucht die Raumdarstellungen in Friedrich Müllers („Maler Müller“, 1749–1825) Pfälzer Idyllen "Die Schaaf-Schur" (1775) und "Das Nuß-Kernen" (1775). Ausgangspunkt ist die Abgrenzung zu den idyllischen Landschaftsdichtungen Salomon Gessners, die zwar ästhetisch wirkungsvoll, aber gesellschaftlich entrückt waren. Müller hingegen bricht mit der Tradition der bukolischen und anakreontischen Schäferpoesie, indem er die Idylle in das reale bäuerliche Leben der Pfalz versetzt.
Im Theorieteil werden Konzepte des spatial turn, die Raumtypologien nach Caroline Frank und Franziska Hammer sowie Pierre Bourdieus Theorie des sozialen Raums erläutert. Dadurch wird deutlich, dass Räume nicht nur topographisch, sondern auch sozial konstruiert sind.

Die Analyse zeigt, dass Müller geographisch-topographische Räume realistisch verortet (z. B. in der fiktiven Ortschaft Lämmerbach, umgeben von tatsächlich existierenden Orten der Pfalz). Besonders wichtig ist jedoch der architektonische Raum der Stube des Schulzen, der sowohl öffentlicher als auch intimer Kommunikationsraum ist. Hier entfalten sich Gespräche über Liebe, Moral, Gerechtigkeit und soziale Missstände.

Im sozialen Raum werden die Figuren als Teil des bäuerlichen Kleinbürgertums dargestellt, wobei Unterschiede im kulturellen und sozialen Kapital hervortreten (z. B. zwischen dem gebildeten Schulmeister und den Bauern). Die Idyllen thematisieren neben alltäglichem Dorfleben auch gesellschaftskritische Fragen wie Kindsmord, Standeskonflikte und feudale Abhängigkeiten. Damit greift Müller zentrale Motive des Sturm und Drang auf, den Konflikt zwischen Natur und Gesellschaft sowie individuellem Gefühl und ständischer Moral.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Theorien der Raumtypologie
    • 2.1. Raumbegriff in der Literaturwissenschaft
    • 2.2. Soziale Räume nach Pierre Bourdieu
  • 3. Räume in Maler Müllers Idyllen
    • 3.1. Darstellung geographisch-topographische Räume bei Maler Müller
    • 3.2. Darstellung sozialer Räume bei Maler Müller
  • 4. Schluss
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Analyse und Darstellung der Räume in Friedrich Müllers (genannt Maler Müller) Idyllen Die Schaaf-Schur (1775) und Das Nuß-Kernen (1775). Das primäre Ziel ist es, ausgehend von der Frage, wie Maler Müller die Handlungsräume seiner Idyllen dargestellt und welche Raumdimensionen hierdurch geschaffen werden, die Einzigartigkeit seines Ansatzes im Vergleich zur traditionellen bukolischen Idylle hervorzuheben.

  • Analyse des Übergangs von der ländlichen Idylle zur bürgerlichen Unnatur in Müllers Werken.
  • Untersuchung der Darstellung geographisch-topographischer Räume und deren Bezug zur Realität.
  • Erforschung sozialer Räume und der sozialen Verflechtungen nach Pierre Bourdieu.
  • Kontrastierung von Müllers realistischem Stil mit den idealisierten Idyllen Salomon Gessners.
  • Betrachtung von gesellschaftskritischen Themen wie feudale Abhängigkeiten und Ständegesellschaft.

Auszug aus dem Buch

3.2. Darstellung sozialer Räume bei Maler Müller

Maler Müllers Pfälzer Idyllen verfolgen eine andere, neue Darstellungsform idyllischer Räume: bäuerliches Leben als wesentlicher Bestandteil der idyllischen Atmosphäre, die im Kontrast zur zeitgenössischen Schäferpoesie Gessners steht. Die Darstellung eines sozialen Raumes äußert sich in beiden Idyllen anhand der sozialen Verflechtungen der Bewohner untereinander, durch den Austausch der Bauern und die individuellen Voraussetzungen, die jede Figur mitbringt. Die Mehrheit der Dorfbewohner lassen sich der sozialen Schicht des Kleinbürgertums zuordnen: hierunter fallen per Definition (Groß-) Bauern und Handwerker. Als Protagonist der Schaaf-Schur kann der Schäfer Walter ausgemacht werden. Des Weiteren dominieren seine beiden Töchter Lotte und Guntel die Handlung sowie der Knecht Veitel, der Sohn eines verstorbenen Freunds Walters, der Schulz des Dorfes und der Schulmeister. Die Idylle rückt das Verhältnis des Bauern Walters zu seinen Töchtern Guntel und Lotte in den Fokus. Walter tritt in der Idylle als Patriarch auf, der über seine Töchter, so scheint es, in allen Lebenslagen verfügt. Beide Töchter werden seinen eigenen moralischen Maßstäben unterworfen. An Guntel missfällt ihm die fehlende Frömmigkeit

und das Bewusstsein für seine ästhetischen Ansprüche, was er allzu oft anmerkt und offen kritisiert.

Walter: Sieh doch die Duntzel! – Weis' mir im ganzen Gesangbuch ein schöner Lied als diß [...] Ist doch so alt, und sackerloth! So wahr und kräftig.
Guntel: O! was ist dann schöns dran“ (S 68, 20-25).

Und weiter fort

Walter: [E]y du gottlose Mädgen kannst nicht leiden, daß ich unsren lieben Herr-Gott lobe, der uns doch so reichlich giebt und erhält (S 69, 5–7).

Die Figuren stehen in einem engen, vertrauten Beziehungsverhältnis zueinander. Walter, Guntel, Lotte und die Hämmerlin stehen im familiären Verhältnis zueinander. So auch Schulz und Schulzin, die einen gemeinsamen Sohn namens Carls haben sowie Wetzstein und Fröhlich. Wetzstein weiß zu Beginn nicht, dass es sich beim jungen Fröhlich um seinen vermisst geglaubten Sohn Fritz handelt (N 104, 1-4). Der vermisste Sohn treibt sich in der Welt herum und bereitet dem Vater Kummer und Sorgen, wie dieser im Gespräch mit der Schulzin zur Sprache bringt:

Schulzin: Wie lang ist's her, daß ihr keine Nachricht mehr von ihm habt?
Wetzstein: Ueber drey Jahr'. Ihr wißt nicht Alles; was er für Capital' hinter mir aufgenommen... Hätt' ich's in meinem Leben geglaubt, daß mir der Jung' so viel Herzensleid noch verursachen sollt' (N 104, 5-8).

Auch die Schulzen äußern ihr Bedrücken über die Abwesenheit den eigenen Sohnes. In ihrem Kummer spenden sich die Schulzen und Wetzstein gegenseitig Trost.

Hört ihr's: Fritz ist nicht unartig, boshaft, lügnerisch, tückisch oder von falschem Gemüth; gewiß, das ist er gar nicht, er hat ein gut Naturell, gewiß, das hat er! Flüchtig was, aber das vergeht mit der Zeit. Seiner Freundlichkeit wegen muß er überall wohl aufgenommen werde, bey Vornehmen und Geringen. Hat erst' mahl 'n Bißchen ausgetobt... Ausgetobt in der Jugend, macht im Alter stille Leut' (N 105, 1–8).

Weitere familiäre Verhältnisse der anderen Figuren untereinander lassen sich so nicht festmachen. Das Vertrauensverhältnis der Dorfbewohner untereinander bietet die Basis, um pikante und gesellschaftskritische Themen anzusprechen, wie Kindsmord und den Habitus der Ständegesellschaft anzuzweifeln.

Die Schaaf-Schur schildert den Disput zwischen Walter und dem Schulmeister. Beide tauschen sich über Ästhetik und ihre literarischen Positionen aus. Walter verehrt die heimische, naturhafte Volksdichtung, wie sich im Lied „vom Pfalzgrafen Friedrich“ (S 73,14) und „vom Liebesthrone“ (S 73, 15), „vom braunen Fräulein, von der keuschen Genovefa und dergleichen“ (S 78, 26f.) zeigt. Der Schulmeister hingegen vertritt die Positionen der traditionellen Poesie im Sinne Gessners. Der Austausch zweier Figuren des ländlichen Kleinbürgertums über Ästhetik und Kunst schein untypisch für Bauern vom Lande.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel erörtert den Wandel von der klassisch bukolischen Idylle (Gessner) zu einer realistischeren Darstellung des Landlebens in Maler Müllers Pfälzer Idyllen, wobei die Forschungsfrage nach der Raumdarstellung in seinen Werken formuliert wird.

2. Theorien der Raumtypologie: Hier werden relevante Raumtheorien der Literaturwissenschaft vorgestellt, darunter der „spatial turn“ sowie Konzepte des geographisch-topographischen und sozialen Raums nach Caroline Frank, Franziska Hammer und Pierre Bourdieu.

3. Räume in Maler Müllers Idyllen: Der Hauptteil analysiert die konkrete Raumgestaltung in „Die Schaaf-Schur“ und „Das Nuß-Kernen“, wobei sowohl die fiktiven, aber realitätsnahen geographischen und architektonischen Räume als auch die komplexen sozialen Verflechtungen und kritischen Auseinandersetzungen der Charaktere untersucht werden.

4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Maler Müller erfolgreich realweltliche geographische und sozio-räumliche Dimensionen in die Gattung der Idylle integriert hat, wodurch er die bukolische Tradition zu einer bürgerlich-realistischen Form weiterentwickelte, die das Alltagsleben und die sozialen Bedingungen des 18. Jahrhunderts reflektiert.

Schlüsselwörter

Idylle, Maler Müller, Die Schaaf-Schur, Das Nuß-Kernen, Raumdarstellung, Sozialer Raum, Geographischer Raum, Spatial Turn, 18. Jahrhundert, Literaturwissenschaft, Bauerntum, Ständegesellschaft, Salomon Gessner, Ländliche Idylle, bürgerliche Unnatur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Räumen in Friedrich Müllers Idyllen „Die Schaaf-Schur“ und „Das Nuß-Kernen“, wobei der Fokus auf dem Übergang von der idealisierten bukolischen Idylle zur realistischen, bürgerlichen Darstellung des Landlebens liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die realistische Darstellung des bäuerlichen Lebens, die Analyse geographischer und sozialer Räume, die Kritik an feudalen Abhängigkeiten und der Ständegesellschaft sowie der Vergleich mit der traditionellen Idylle Salomon Gessners.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie Maler Müller die Handlungsräume seiner Idyllen gestaltet hat und welche spezifischen Raumdimensionen er dabei geschaffen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet literaturwissenschaftliche Methoden, insbesondere Erkenntnisse des „spatial turn“ und Theorien des sozialen Raums nach Pierre Bourdieu, um die komplexen Bedeutungen von Räumen in den Idyllen zu erschließen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Theorien der Raumtypologie auf Maler Müllers Idyllen angewendet, wobei die Darstellung geographisch-topographischer Räume (fiktive Orte mit realem Bezug) und sozialer Räume (soziale Verflechtungen, Klassenstrukturen und gesellschaftskritische Dialoge) detailliert untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Idylle, Maler Müller, Raumdarstellung, Sozialer Raum, Geographischer Raum, Spatial Turn, 18. Jahrhundert, Bauerntum, Ständegesellschaft und bürgerliche Unnatur.

Wie unterscheiden sich Maler Müllers Idyllen von denen Salomon Gessners?

Maler Müllers Idyllen zeichnen sich durch eine realistische Darstellung des bäuerlichen Lebens und der tatsächlichen sozialen Verhältnisse aus, im Gegensatz zu Gessners Werken, die eher idealisierte Landschaften und antik-mythologische Figuren ohne tiefergehende soziale oder realweltliche Bezüge abbilden.

Welche gesellschaftskritischen Themen werden in Müllers Idyllen angesprochen?

In Müllers Idyllen werden offen feudale Abhängigkeiten, die Willkürherrschaft der Obrigkeit, die Ungerechtigkeiten der Ständegesellschaft sowie tragische Schicksale wie Kindsmord und arrangierte Ehen thematisiert, die im Kontrast zu den idealisierten Vorstellungen von ländlicher Harmonie stehen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Von der ländlichen Idylle zur bürgerlichen Unnatur. Analyse und Darstellung der Räume in Maler Müllers Idyllen "Die Schaaf-Schur" (1775) und "Das Nuß-Kernen" (1775)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
20
Katalognummer
V1622551
ISBN (PDF)
9783389156148
ISBN (Buch)
9783389156155
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strom und Drang Pierre Bourdieu Idylle Raumdarstellung Maler Müller
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2023, Von der ländlichen Idylle zur bürgerlichen Unnatur. Analyse und Darstellung der Räume in Maler Müllers Idyllen "Die Schaaf-Schur" (1775) und "Das Nuß-Kernen" (1775), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1622551
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Leseprobe aus  20  Seiten
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