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Im Niemandsland. Darstellung und Bedeutung des Niemandslands in Constanze Neumanns "Das Jahr ohne Sommer"

Titel: Im Niemandsland. Darstellung und Bedeutung des Niemandslands in Constanze Neumanns "Das Jahr ohne Sommer"

Hausarbeit , 2024 , 24 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Hausarbeit untersucht die Darstellung des Niemandslands in Constanze Neumanns Roman "Das Jahr ohne Sommer" (2024). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Niemandsland als literarisches Motiv zwischen geografischer Grenze, psychologischem Schwebezustand und symbolischem Ort der Identitätssuche fungiert. Ausgangspunkt ist die autobiografisch geprägte Erzählung einer Protagonistin, deren Familie nach einer gescheiterten Flucht aus der DDR im Westen ein neues Leben beginnt, dabei jedoch in einem Zustand des „Dazwischenseins“ verharrt.
Die Analyse zeigt, dass das Niemandsland im Roman sowohl als historisch reales Grenzgebiet wie auch als metaphorischer Transit-Ort und Heterotopie im Sinne Foucaults erscheint. Es verkörpert die Spannung zwischen Trennung und Übergang, Gefahr und Hoffnung, Heimatverlust und Zugehörigkeit. Durch den Wechsel zwischen kindlicher und erwachsener Erzählinstanz wird zudem sichtbar, wie sich Wahrnehmung und Bedeutung dieses Raumes im Verlauf des Lebens der Protagonistin verändern.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Das Niemandsland als literarisches Motiv
  • 3. Das Niemandsland im Roman
    • 3.1 Das Niemandsland als Grenze
    • 3.2 Das Niemandsland als Transit-Ort
    • 3.3 Foucaults Konzept der Heterotopie
      • 3.3.1 Anwendung auf das Niemandsland
  • 4. Variationen des Niemandslands im Roman
  • 5. Konstruktion und Wahrnehmung des Niemandslands
  • 6. Niemandsland als Ort der Identitätssuche und Heimatlosigkeit
  • 7. Fazit
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Constanze Neumanns Roman "Das Jahr ohne Sommer" von 2024, um die vielschichtige Darstellung des "Niemandslands" als Metapher für "Dazwischensein" und Heimatlosigkeit zu analysieren. Das primäre Ziel ist es, zu ergründen, wie das Niemandsland im Roman sowohl als Michel Foucaults Heterotopie als auch als Transit-Ort interpretiert werden kann, welche Rolle diese doppelte Konzeptualisierung für die Identitätsfindung der Protagonistin spielt und wie geografische, psychologische sowie symbolische Ebenen in diesem Übergangsraum verschmelzen.

  • Das Niemandsland als literarisches Motiv in verschiedenen Kontexten.
  • Die innerdeutsche Grenze als physisches und psychologisches Niemandsland.
  • Michel Foucaults Konzept der Heterotopie und dessen Anwendung auf den Grenzraum.
  • Das Niemandsland als Transit-Ort und seine Eigenschaften.
  • Die Wahrnehmung des Niemandslands aus kindlicher und erwachsener Perspektive.
  • Die Bedeutung des Niemandslands für Identitätssuche und Heimatlosigkeit.

Auszug aus dem Buch

Das Niemandsland als Grenze

Die Beschreibung der Grenze verwebt konkrete räumliche Darstellungen mit den emotionalen Zuständen, die von der Protagonistin während der Durchquerung erlebt werden. Während der ersten Durchfahrt seit der gescheiterten Flucht der Eltern wird die Grenze bedrohlich beschrieben: „Wir kamen in Oebisfelde an die Grenze, die ich in den drei Jahren nicht vergessen hatte“. Die Schilderung verknüpft sachliche Beobachtungen der Umgebung mit persönlichen Gefühlseindrücken, wodurch die Grenze nicht nur als physischer Ort, sondern auch als psychologischer Raum der Bedrohung und Angst charakterisiert wird. Dies wird besonders deutlich in der Schilderung der „kleine[n] graue[n] Wachtürme, Sol-daten mit Gewähren und finsteren Gesichtern, Schäferhunde, vor denen ich mich fürch-tete". Das Bellen der Schäferhunde und der Anblick der bewaffneten Grenzsoldaten rufen Erinnerungen an die gescheiterte Flucht hervor, die das negative und unsichere Gefühl an der Grenze verstärken. In einem weiteren Moment hält die Protagonistin den Beamten „ihren westdeutschen Kinderausweis und [ihren] Berechtigungsschein [entgegen]. Die Beamten in ihren grauen Uniformen sahen sich beides an, sie stutzten und schauten mich an, dann sagten sie, einen Augenblick, und verließen das Abteil“. Vor Antritt der Fahrt, die sie alleine antritt um die Großmutter zu besuchen, hatte ihr der Vater geraten, den Pass nicht aus den Händen zu geben. Nun steigt ein Gefühl der Panik auf: „Ich erschrak – jetzt hatte ich keinen Pass mehr, das war ein Fehler, aber was hätte ich tun sollen? Mir blieben die beiden Sätze, ich bin Bundesbürgerin war der erste, der zweite war der, dass ich den Stän-digen Vertreter der Bundesrepublik in der DDR sprechen wollte“. Der Verlust des Passes symbolisiert einen – wenn auch nur temporären – Identitätsverlust, der sie in diesem Grenzbereich, wo Identitäten stets hinterfragt und überprüft werden, plötzlich schutzlos und unsicher fühlen lässt. Die aufkommende Panik offenbart die Machtlosigkeit des Individuums gegenüber den Strukturen des Grenzregimes und lässt die Protagonistin ihre Verletzlichkeit in dieser Situation erkennen. Um dem entgegenzuwirken, ruft sie sich ihre westdeutsche Identität mantraartig vor Augen. Die Szene illustriert damit eindrücklich, wie das Niemandsland der Grenze als ein Ort funktioniert, an dem Identitäten, Zugehörigkeit und Sicherheiten in Frage gestellt werden. Sie offenbart die psychologische Dimension des Grenzübertritts und zeigt, wie dieser Transit-Ort emotionale und existenzielle Krisen auslösen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Constanze Neumanns Roman "Das Jahr ohne Sommer" ein, beleuchtet das zentrale Motiv des Niemandslands als Metapher für "Dazwischensein" und Heimatlosigkeit und formuliert die Forschungsfragen zur Interpretation des Niemandslands als Heterotopie und Transit-Ort.

2. Das Niemandsland als literarisches Motiv: Hier wird der Begriff des Niemandslands in seinen verschiedenen literarischen, juristischen und historischen Kontexten beleuchtet, von der "Terra nullius" bis zu seiner Rolle im Ersten Weltkrieg und als Metapher in der Literatur.

3. Das Niemandsland im Roman: Dieses Kapitel analysiert das Niemandsland im Kontext des Romans, wobei es zunächst als physische und psychologische Grenze der innerdeutschen Teilung und anschließend als Transit-Ort im Sinne Lars Wilhelmers untersucht wird. Zudem wird Foucaults Konzept der Heterotopie auf das Grenzgebiet angewendet, um dessen widersprüchlichen Charakter als Gegenraum zu beleuchten.

4. Variationen des Niemandslands im Roman: Das Kapitel zeigt, dass das Niemandsland im Roman nicht ausschließlich negativ konnotiert ist, sondern auch als Ort der Freiheit und des Friedens wahrgenommen werden kann, wie am Beispiel eines Waldes nahe der tschechoslowakisch-österreichischen Grenze illustriert wird.

5. Konstruktion und Wahrnehmung des Niemandslands: Hier wird die komplexe narrative Struktur des Romans analysiert, die zwischen der emotionalen Wahrnehmung des kindlichen Ichs und der reflektierenden Perspektive des erwachsenen Ichs der Protagonistin wechselt.

6. Niemandsland als Ort der Identitätssuche und Heimatlosigkeit: Dieses Kapitel untersucht, wie die Protagonistin in einem Zustand der Trennung zwischen Ost und West lebt, der zu einem tiefgreifenden Entfremdungsprozess und einer existenziellen Identitätskrise führt, da sie sich in keiner der beiden Welten verankern kann.

7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Interpretation des Niemandslands als vielschichtigen Raum, der sowohl Heterotopie als auch Transit-Ort ist, und betont seine Relevanz für Themen wie Heimat, Zugehörigkeit und Identität in einer globalisierten Welt.

Schlüsselwörter

Niemandsland, Heterotopie, Transit-Ort, Identitätssuche, Heimatlosigkeit, Dazwischensein, Constanze Neumann, Das Jahr ohne Sommer, DDR, BRD, Deutsche Teilung, Grenze, Flucht, Migration, psychologischer Raum, literarisches Motiv.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit befasst sich mit der Darstellung und Deutung des Begriffs "Niemandsland" in Constanze Neumanns Roman "Das Jahr ohne Sommer" und analysiert dessen Rolle für die Identitätssuche und das Gefühl der Heimatlosigkeit der Protagonistin im Kontext der deutschen Teilung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Konzepte des Niemandslands als literarisches Motiv, die Heterotopie nach Foucault, den Transit-Ort, Identitätssuche, Heimatlosigkeit, die Erfahrung des "Dazwischenseins" und die Verarbeitung der deutschen Teilung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie das Niemandsland im Roman als Heterotopie im Sinne Foucaults und als Transit-Ort interpretiert werden kann, inwiefern diese doppelte Konzeptualisierung zur zentralen Bedeutung des Niemandslandes beiträgt und welche Rolle es in der Identitätsfindung der Protagonistin spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte wie Foucaults Heterotopie und Lars Wilhelmers Transit-Ort auf den Roman anwendet, um die vielschichtige Bedeutung des Niemandslands und seine Auswirkungen auf die Charaktere zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretische Verankerung des Niemandslands als literarisches Motiv, seine konkrete Ausprägung im Roman als Grenze und Transit-Ort, die Anwendung von Foucaults Heterotopie-Konzept, positive und negative Variationen des Niemandslands, die Konstruktion und Wahrnehmung dieses Raumes sowie seine zentrale Bedeutung für die Identitätssuche und das Gefühl der Heimatlosigkeit der Protagonistin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Niemandsland, Heterotopie, Transit-Ort, Identitätssuche, Heimatlosigkeit, Dazwischensein, Deutsche Teilung, Grenze, Flucht und Migration charakterisiert.

Wie wird das Niemandsland im Roman sowohl als Ort der Bedrohung als auch der Freiheit dargestellt?

Im Roman wird die innerdeutsche Grenze als bedrohliches Niemandsland mit Wachtürmen und Soldaten beschrieben, das Angst auslöst und Identitäten hinterfragt. Zugleich gibt es aber auch Naturlandschaften, die als Niemandsland beschrieben werden, aber ein Gefühl von Freiheit und Frieden vermitteln, wo die politischen Grenzen sich aufzulösen scheinen.

Welche Rolle spielt die Perspektive der Protagonistin bei der Wahrnehmung des Niemandslands?

Die Wahrnehmung des Niemandslands entwickelt sich im Roman von der emotionalen und unmittelbaren Erfahrung des kindlichen Ichs, geprägt von Angst und konkreten Sinneseindrücken, hin zur analytischeren und distanzierteren Reflexion des erwachsenen Ichs, das das Niemandsland als Symbol für die innere Zerrissenheit und den Identitätsfindungsprozess versteht.

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Details

Titel
Im Niemandsland. Darstellung und Bedeutung des Niemandslands in Constanze Neumanns "Das Jahr ohne Sommer"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Hauptseminar Niemandfiguration
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2024
Seiten
24
Katalognummer
V1623181
ISBN (PDF)
9783389156162
ISBN (Buch)
9783389156179
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Niemand Nicht-Orte Transitorte Niemandsland Heimatlos Zwischen den Welten
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2024, Im Niemandsland. Darstellung und Bedeutung des Niemandslands in Constanze Neumanns "Das Jahr ohne Sommer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1623181
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Leseprobe aus  24  Seiten
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