Verdrängungswettbewerb - Die Natur als Vorbild


Essay, 2010
3 Seiten

Leseprobe

Verdrängungswettbewerb. Die Natur als Vorbild.

Die Natur ist in sehr vielen Dingen ein Vorbild. Im Laufe der Evolution hat sie viele Entwicklungen so perfektioniert, dass Ingenieure, Architekten und Designer viele Ideen und Erfindungen aus der Natur abgeleitet haben. Wir kennen viele. Die druckfesten Wabenkonstruktionen, die kerosinsparende Gestaltung der Flugzeugflügel, die Schiffe mit dem Delphin-Bug, der Lotus-Effekt und vieles mehr.

Das Gleiche gilt, wie wir wissen, für eine Unzahl von Überlebenstechniken in der Pflanzenwelt. Auch diese sind ebenso einfach wie genial. Diese Techniken sind im Prinzip 1:1 auf das Marketing für Existenzgründer zu übertragen. Das folgende Beispiel zeigt eine ebenso einfache wie simple Strategie.

1. Schritt:

Aus dem Samenkorn entwickelt sich ein Pflanzenspross, der unbedingt ans das Licht will und muss, um zu überleben. Um dieses Ziel zu erreichen, konzentriert es sich auf einen einzigen Trieb, der sich unbeirrt durch das über ihm liegende Pflanzendach oder andere Hindernisse bohrt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um identische Artgenossen oder eine fremde Spezies handelt.

2. Schritt:

Hat der Spross sich zum Licht durchgekämpft, wächst er so lange weiter, bis er deutlich höher ist als die ihn umgebenden Pflanzen. Is dieses Zwischenziel erreicht, breitet er sein Blatt aus, um möglichst viel Licht für sein weiteres Wachstum zu erhalten.

3. Schritt:

Mit der Kraft, die er aus dem Licht gewinnt, schiebt er immer mehr neue Blätter nach. Sind diese groß, hoch und breit genug, lässt er sie absinken, um den darunter liegenden Pflanzen das Licht zu entziehen, damit sie ersticken.

4. Schritt:

Sind die darunter liegenden Pflanzen abgestorben, werden unter dem eigenen Blätterdach Ableger produziert, um sich flächendeckend auszubreiten.

5. Schritt

Die Pflanze entwickelt Samen in Form von Kernen, Pollen etc. und strebt eine großflächige Verbreitung an.

Betrachtet man diese Vorgehensweise, ist die Ähnlichkeit mit vielen uns bekannten Unternehmen und ihren Marketingstrategien offensichtlich. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Wettbewerb gnadenlos ist. Es ist kein friedliches Miteinander, sondern ein Überlebenskampf. Die Analogien:

1. Analogie:

Der Existenzgründer überlegt, mit welchem Angebot er sich im Wettbewerb durchsetzen kann. Er weiß, je zielgenauer, je individueller er sein Angebot, sein Angebot, seine (Dienst-)Leistung entwickelt, desto erfolgreicher wird er sich gegen die vorhandenen Wettbewerber durchsetzen. (Dabei muss von ihm natürlich beachtet werden, dass das Nachfragevolumen, in dem von ihm geplanten Einzugsbereich, ausreichend ist.)

Die Idee, möglichst viel oder möglichst alles in der Startphase zu machen, ist in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Zum einen kann man sich nicht gegen die Spezialisten durchsetzen und zum anderen muss man sich sofort mit vielen zusätzlichen Konkurrenten auseinander setzen. Das Ergebnis ist meistens, dass man auf keinem Gebiet wirklich wettbewerbsfähig ist.

2. Analogie:

Sobald sich das neue Unternehmen die Gründungsphase überstanden hat, wird überlegt, wie die Beziehungen zu den Kunden gefestigt werden können. Gleichzeitig werden Überlegungen angestellt, wie die vorhanden Leistungen und Kontakte zu den Kunden ausgebaut werden können.

3. Analogie:

Sobald die eigene Kern-Leistung bzw. das eigene Angebot sich endgültig durchgesetzt hat, werden Zusatzleistungen und neue Angebote entwickelt. Das Ziel ist, das eigene Angebot zu ergänzen, um den Wettbewerbern Umsatz und Kunden abzunehmen.

4. Analogie:

Das Unternehmen „geht in die Fläche“ und gründet Filialen und Niederlassungen. Durch die Größe werden neue, verbesserte Einkaufskonditionen erreicht, die für den Preiswettbewerb wichtig sind. Nun ist es das Ziel, möglichst viele Wettbewerber zu eliminieren.

5. Analogie:

Der Unterschied zwischen dem 4. und 5. Schritt bzw. der 4. Und 5. Analogie ist strategisch. Einmal erfolgt die Durchsetzung ziel- und flächenorientiert im direkten Einzugsbereich. Das Zentrum wird systematisch verstärkt, um neuen Wettbewerbern den Eintritt in den Markt so nachhaltig wie möglich zu erschweren.

Die andere Strategie ist zufallsbedingt. Man erweitert seine Marktpräsenz und Wettbewerbsfähigkeit durch Sortimentserweiterungen, um neue Märkte zu erschließen.

Oder es werden Zweitmarken entwickelt, um den Wettbewerb zu blockieren.

Oder es werden Unternehmen mit ergänzenden Angeboten aufgekauft.

Oder man vermarktet sich via Franchising.

Natürlich gibt es nur wenige Existenzgründer, die mit Erfolg alle fünf Schritte durchlaufen. Aber darauf kommt es gar nicht an. Der Beitrag soll aufzeigen, dass das aus der Natur abgeleitete Marketing ebenso einfach und simpel ist, wenn man sich auf den Kern der Idee reduziert.

Inhaber/innen von Klein- und Kleinstbetrieben brauchen, im Gegensatz zu den Großbetrieben, im Prinzip keine teuren Marketingberater. Wenn sie sich auf die Bedürfnisse ihrer Kunden konzentrieren und diese besser erfüllen als die vorhandenen Wettbewerber, haben sie ausreichend Nachfrage (Licht) um sich erfolgreich durzusetzen. Wer sein Unternehmen so ausrichtet, wird sich auch erfolgreich behaupten.

Wie groß und bedeutend ein Unternehmen mal wird, ist von vielen Faktoren abhängig. Wirtschaftliches Umfeld, Kaufkraft, Wettbewerb, Anpassungs-bereitschaft etc. (Boden, Klima, Sonnenintensität etc.) sind stark beeinflussende Faktoren. Aber im Gegensatz zur Pflanze, kann der Unternehmer sich diesen Umfeldbedingungen wesentlich flexibler anpassen.

Hans-Jürgen Borchardt

November 2010

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Verdrängungswettbewerb - Die Natur als Vorbild
Autor
Jahr
2010
Seiten
3
Katalognummer
V162347
ISBN (eBook)
9783640760985
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ohne Sekundärliteratur. Die Natur ist vielen Dingen ein Vorbild für perfekte Lösungen. Das gilt auch für die Handlungsfelder Marketing, Unternehmensgründung und Produkteinführung. Ein simples Beispiel zeigt die Analogien auf.
Schlagworte
Vorbilder übernehmen, Vorbild, Beispiel, Leistungsanalogie, Leistungsbeispiele, Leistungsübernahme, Naturstrategien, Naturleistungen
Arbeit zitieren
Hans-Jürgen Borchardt (Autor), 2010, Verdrängungswettbewerb - Die Natur als Vorbild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162347

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