Die Arbeit widmet sich der Frage, inwieweit die Erbschaftsteuer ein geeignetes Instrument zur Abmilderung sozialer Ungleichheit in Deutschland darstellt und ob Reformvorschläge aus Literatur und Politik zu einer gerechteren Vermögensverteilung beitragen können. Grundlage ist eine Literaturauswertung, die zunächst den Begriff sozialer Gleichheit sowie die empirische Datenlage zur Vermögensungleichheit beleuchtet. Anschließend werden die Systematik und verfassungsrechtlichen Grundlagen der Erbschaftsteuer dargestellt, bevor Kritikpunkte und Reformansätze näher untersucht werden. Ziel ist es, die Wirksamkeit der Erbschaftsteuer im Kontext der sozialen Gerechtigkeit zu bewerten und mögliche Perspektiven für ihre Weiterentwicklung aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Soziale Ungleichheit
- 2.1 Begriff
- 2.2 Empirische Datenlage
- 3. Besteuerung von Erbschaften
- 3.1 Systematik der Erbschaftsteuer
- 3.2 Verfassungsrechtliche Grundlagen
- 4. Kritik und Reformvorschläge
- 4.1 Kritik
- 4.2 Reformvorschläge
- 5. Fazit
- Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die aktuelle Relevanz der Erbschaftsteuer in Deutschland im Kontext sozialer Ungleichheit. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Inwieweit ist die Erbschaftsteuer ein wirksames Mittel zur Abmilderung sozialer Ungleichheit, und inwieweit können in der Literatur aufgezeigte Reformvorschläge zu einer gerechteren Vermögensverteilung führen?
- Analyse der sozialen Ungleichheit und Vermögensverteilung in Deutschland.
- Betrachtung der Systematik und verfassungsrechtlichen Grundlagen der Erbschaftsteuer.
- Empirische Datenlage zur Vermögensungleichheit und zum Aufkommen der Erbschaftsteuer.
- Kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Ausgestaltung der Erbschaftsteuer.
- Vorstellung und Bewertung von Reformvorschlägen aus Literatur und Politik zur Erbschaftsteuer.
- Beantwortung der Forschungsfrage im Lichte der Untersuchungsergebnisse.
Auszug aus dem Buch
2.2 Empirische Datenlage
Neuste Daten der Europäischen Zentralbank zeigen, dass sich der quartalsweise Gini-Koeffizient des Haushaltsvermögens in Deutschland über die Zeit seit Anfang 2011 insgesamt nur wenig verändert hat. In den letzten Jahren lag er konstant bei etwa 0,77 und erreichte 2014 einen vorläufigen Höhepunkt:
Weiterhin zeigen die Daten, dass der Gini-Koeffizient in Deutschland jedoch höher als im Durchschnitt der Euroländer liegt. Frankreich und Italien liegen beispielsweise 0,05 bis 0,07 Gini-Punkte unter Deutschland. Dies ist unter anderem auf unterschiedliche Anteile von Hausbesitz bzw. Miethaushalten in den Ländern zurückzuführen: Während in Deutschland im Jahr 2022 mehr als die Hälfte der Bevölkerung zur Miete wohnte, war dieser Anteil in allen anderen Euroländern signifikant geringer (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2024).
Bei der Betrachtung des Gesamtvermögens in Deutschland unterteilt nach Vermögensgruppen wird deutlich, dass auf die unteren 50% der Bevölkerung in der Vermögensverteilung mit rund 0,4 Billionen Euro im Jahr 2023 ein Anteil von nur rund 2,3% am Gesamtvermögen entfällt. Dies entspricht einer nominalen Verdopplung gegenüber rund 0,2 Billionen Euro im Jahr 2011, welches einem Anteil von rund 2,2% entsprach. Dahingegen entfällt auf die oberen 10% der Bevölkerung mit rund 10,5 Billionen Euro ein Anteil von rund 61,2% am Gesamtvermögen. Dies entspricht ebenfalls einer nominalen Verdopplung gegenüber den rund 5,0 Billionen Euro aus 2011, die damals allerdings einem leicht geringeren Anteil von 60% entsprachen (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2024):
Der Eindruck einer wachsenden Schere zwischen Arm und Reich erhärtet sich dabei insbesondere mit Blick auf das steuerlich berücksichtigte geerbte und geschenkte Vermögen, das in 2023 um 19,8% auf einen neuen Höchstwert von rund 121,5 Milliarden Euro angestiegen ist: Demgegenüber stiegen die festgesetzten Erbschaft- und Schenkungsteuern lediglich um 3,9% auf 11,8 Milliarden Euro an (Statistisches Bundesamt, 2024a). Der Statistik lässt sich entnehmen, dass die ansteigenden Vermögensübertragungen insbesondere auf einem Anstieg des übertragenen Betriebsvermögens um 81,3% auf rund 29,8 Milliarden Euro beruhen, welches nahezu vollständig von der Erbschaft- und Schenkungsteuer befreit ist. Nicht in der Statistik enthalten sind dagegen Erbschaften, Vermächtnisse und Schenkungen, die innerhalb der Freibeträge liegen, da für diese in der Regel keine Steuer festgesetzt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die aktuelle Debatte um eine gerechte Vermögensverteilung in Deutschland ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Rolle der Erbschaftsteuer bei der Abmilderung sozialer Ungleichheit.
2. Soziale Ungleichheit: Hier werden der Begriff der sozialen Ungleichheit definiert und die empirische Datenlage zur Vermögensungleichheit in Deutschland, unter anderem mittels des Gini-Koeffizienten, analysiert.
3. Besteuerung von Erbschaften: Das Kapitel erläutert die Systematik der Erbschaftsteuer, inklusive progressiver Besteuerung, Freibeträgen und Verschonungsbegünstigungen für Betriebsvermögen, sowie ihre verfassungsrechtlichen Grundlagen.
4. Kritik und Reformvorschläge: Dieses Kapitel behandelt die in der Literatur geäußerte Kritik an der Erbschaftsteuer, insbesondere bezüglich ihrer Umverteilungsfunktion und umfangreicher Befreiungen, und stellt verschiedene Reformvorschläge vor, einschließlich politischer Positionen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und bewertet die Wirksamkeit der Erbschaftsteuer zur Abmilderung sozialer Ungleichheit in ihrer aktuellen Form, wobei auch künftige Entwicklungen und Forschungsperspektiven beleuchtet werden.
Schlüsselwörter
Erbschaftsteuer, soziale Ungleichheit, Vermögensungleichheit, Vermögensverteilung, Reformvorschläge, Gini-Koeffizient, Steuerrecht, Betriebsvermögen, Freibeträge, Bundesverfassungsgericht, fiskalische Funktion, Umverteilungsfunktion, Deutschland, Steuersätze, Schenkungsteuer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle und Bedeutung der Erbschaftsteuer im Kontext der sozialen Ungleichheit, insbesondere der Vermögensungleichheit, in Deutschland und untersucht deren Wirksamkeit sowie mögliche Reformvorschläge.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Definition und Messung sozialer Ungleichheit, die empirische Datenlage zur Vermögensverteilung, die Systematik und verfassungsrechtliche Grundlagen der Erbschaftsteuer sowie Kritik und Reformvorschläge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten: Inwieweit ist die Erbschaftsteuer ein wirksames Mittel zur Abmilderung sozialer Ungleichheit, und inwieweit können in der Literatur aufgezeigte Reformvorschläge zu einer gerechteren Vermögensverteilung führen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturauswertung, um die Forschungsfrage im Kontext der bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Begriff der sozialen Ungleichheit und die empirische Datenlage zur Vermögensungleichheit betrachtet, die Systematik und verfassungsrechtlichen Grundlagen der Erbschaftsteuer dargestellt sowie Kritikpunkte und Reformvorschläge analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Schlüsselwörter sind Erbschaftsteuer, soziale Ungleichheit, Vermögensungleichheit, Vermögensverteilung, Reformvorschläge, Gini-Koeffizient und Steuerrecht.
Warum ist die Erbschaftsteuer laut der Arbeit derzeit nur bedingt wirksam?
Die Arbeit stellt fest, dass die Erbschaftsteuer aufgrund umfangreicher Freibeträge und Verschonungsbegünstigungen für Betriebsvermögen nur bei einem geringen Anteil großer Vermögen zur Anwendung kommt und ihre Umverteilungsfunktion nur bedingt erfüllen kann.
Welche Rolle spielen politische Parteien bei der Reform der Erbschaftsteuer?
Politische Parteien sind die "inhaltlichen Macher" der Steuergesetze. Ihre teils sehr unterschiedlichen Positionierungen lassen vermuten, dass eine Reform der Erbschaftsteuer in der nächsten Legislaturperiode zu erwarten ist, wobei die konkrete Ausgestaltung von der Zusammensetzung der Regierung abhängt.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Braun (Autor:in), 2025, Die Rolle der Erbschaftsteuer bei der sozialen Ungleichheit (Vermögensungleichheit), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1623489