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Das Konzept der harmonischen sozialistischen Gesellschaft - Relevanz und Implikationen für das politische System der Volksrepublik China

Title: Das Konzept der harmonischen sozialistischen Gesellschaft - Relevanz und Implikationen für das politische System der Volksrepublik China

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Slavomir Zidarov (Author)

Orientalism / Sinology - Chinese / China
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Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und der damit verbundenen Liberalisierungsmaßnahmen, hat die chinesische Volkswirtschaft ein stetiges und ununterbrochenes Wachstum erfahren, dessen Ausmaße, empirische Eckzahlen und Inhalte sowohl in der Fachliteratur als auch in der populären Presse zu genüge beschrieben worden sind und weiterhin reichlich Diskussionsstoff liefern. Eine der wichtigsten positiven Folgen dieser Entwicklung ist die allgemeine Steigerung des Lohn- und Wohlstandsniveaus und die daraus resultierende dramatische Reduzierung der in Armut lebenden Bevölkerungsschichten. Andererseits hat sich die wirtschaftliche Liberalisierung als nur unzureichend erwiesen, wenn nach der Breitenwirkung von Wohlfahrtsstreuung und Einkommensverteilung in der chinesischen Gesellschaft gefragt wird. Die im Zuge des ökonomischen Aufschwungs auftretenden Einkommensunterschiede begünstigen die Entstehung von klar sichtbaren sozialen Schichten und verschärfen die Trennlinien zwischen ihnen. Die daraus resultierenden Spannungsfelder innerhalb der chinesischen Gesellschaft lassen sich einerseits auf der makroskopischen Ebene ausmachen in Form von Entwicklungs- und Einkommensdiskrepanzen zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung. Andererseits kommen diese auch in einem räumlichen Kontext zum Ausdruck, indem sie den Gegensatz zwischen den durch die Reform- und Öffnungspolitik begünstigten und zu einem beachtlichen Wohlstandsniveau gelangten Küstenregionen im Osten, und den ärmeren, immer noch unterentwickelten Provinzen im Landesinneren, verdeutlichen. Als eine Gegenmaßnahme zu der so entstandenen sozialen Polarisierung wurde das Konzept der „harmonischen sozialistischen Gesellschaft“ (shehuizhuyi hexie shehui) entwickelt, bzw. zum ersten Mal in die Programmatik der KPCh aufgenommen. Holbig bezeichnet diese „harmonische sozialistische Gesellschaft“, zusammen mit den anderen beiden Entwicklungsmodellen des „wissenschaftlichen Entwicklungskonzepts“ (kexue fazhan guan) und der „eigenständigen Innovationskraft“ (zizhu chuangxin nengli) als neue „Visionen“ für die weitere Entwicklung des Landes im politischen Programm der chinesischen Führung unter Hu und Wen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

I. 1 Zum Konzept der harmonischen sozialistischen Gesellschaft

I. 2 Zur Fragestellung

II. Soziale Spannungen und Ungleichheit in China

II. 1 Makrostrukturen sozialer Ungleichgewichte

II. 2 Empirie sozialer Ungleichheit

II. 3 Charakterisierung neuer sozialer Schichten

II. 3. 1 Unternehmertum

II. 3. 2 Mittelschicht

II. 3. 3 Verarmte städtische Bevölkerung/Wanderarbeiter

III. Implikationen für das politische System – Lösungsansätze

III. 1 Theoretische Ansätze

III. 2 Praktische Umsetzung

IV. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Konzept der "harmonischen sozialistischen Gesellschaft" in der Volksrepublik China, um dessen Relevanz und tatsächliche Auswirkungen auf das politische System zu bewerten. Dabei wird analysiert, ob das Konzept eine substanzielle Transformation des Systems einleitet oder lediglich ein Instrument zur Aufrechterhaltung der bestehenden Machtstrukturen darstellt.

  • Analyse der sozialen Schichtung und Einkommensdisparitäten im urbanen Raum.
  • Untersuchung der theoretischen Dimensionen des Harmonie-Konzepts.
  • Evaluierung der praktischen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und sozialen Stabilisierung.
  • Diskussion über die politische Partizipationsbereitschaft verschiedener gesellschaftlicher Schichten.
  • Kritische Würdigung der Wirksamkeit staatlicher Steuerungsmaßnahmen.

Auszug aus dem Buch

I. 1 Zum Konzept der harmonischen sozialistischen Gesellschaft

Das Konzept oder die „Vision“ einer sozialistischen harmonischen Gesellschaft wird erstmals 2002 auf dem XVI. Parteitag der KPCh formuliert. Zwei Jahre später wird sie definiert als „eine Gesellschaft, die auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit und Gleichheit, Vertrauen und Wahrhaftigkeit, Freundschaftlichkeit und Lebendigkeit, Ordnung und Stabilität sowie auf einer harmonischen Beziehung zur natürlichen Umwelt gründet“.

Desweiteren wird diesem Konzept eine Rolle als „Grundlage für die Konsolidierung der sozialen Herrschaftsgrundlage der Partei und für die Verwirklichung ihrer historischen Führungsaufgabe“ zugeteilt. Dieser sehr weit gefassten Definition eines angestrebten Gesellschaftsbildes können verschiedene Aspekte der derzeit in China aktuellen Probleme entnommen bzw. in dieses Bild hineininterpretiert werden.

Relativ klar angesprochen werden solche Problematiken wie die im Zuge des wirtschaftlichen Aufbaus verursachte gravierende Umweltverschmutzung, der Mangel an Rechtsstaatlichkeit und –sicherheit und die durch die chinesische Gesellschaft klar wahrnehmbare soziale Ungleichheiten, die ihrerseits zu Spannungen und Instabilität innerhalb dieser führen.

In diesem Zusammenhang kann das Konzept der harmonischen sozialistischen Gesellschaft als eine Antwort oder Gegengewicht zur Gefahr einer im heutigen China latent präsenten „Risikogesellschaft“ verstanden werden. Die sozialen Felder, welche der Risikogesellschaft ihr Konfliktpotenzial verleihen, sind unter anderem schwache soziale Sicherungssysteme, Einkommensverteilung, Bildung, Gesundheitswesen, etc.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die wirtschaftliche Entwicklung Chinas ein und stellt das Konzept der "harmonischen sozialistischen Gesellschaft" als Reaktion auf wachsende soziale Ungleichheit vor.

I. 1 Zum Konzept der harmonischen sozialistischen Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert die offizielle Definition des Konzepts und dessen Funktion als Legitimationsgrundlage der KPCh.

I. 2 Zur Fragestellung: Hier wird der Fokus auf die Auswirkungen des Konzepts auf das politische System und die soziale Struktur in China präzisiert.

II. Soziale Spannungen und Ungleichheit in China: Das Kapitel beleuchtet die Ursachen und Ausprägungen der sozialen Disparitäten in der chinesischen Gesellschaft.

II. 1 Makrostrukturen sozialer Ungleichgewichte: Es werden die strukturellen Gründe wie das Hukou-System und die ungleiche Entwicklung zwischen Küsten- und Binnenregionen analysiert.

II. 2 Empirie sozialer Ungleichheit: Dieses Kapitel nutzt den Gini-Koeffizienten und Statistiken zu sozialen Protesten, um das Ausmaß der sozialen Schieflage zu belegen.

II. 3 Charakterisierung neuer sozialer Schichten: Die Einteilung der Gesellschaft in verschiedene Klassen wird untersucht, um die Auswirkungen der sozialen Polarisierung greifbar zu machen.

II. 3. 1 Unternehmertum: Die Analyse der Rolle der Privatunternehmer und ihrer Beziehung zur politischen Sphäre steht hier im Mittelpunkt.

II. 3. 2 Mittelschicht: Das Kapitel thematisiert die Definitionsschwierigkeiten der chinesischen Mittelschicht und deren heterogene Zusammensetzung.

II. 3. 3 Verarmte städtische Bevölkerung/Wanderarbeiter: Es wird die prekäre Lage dieser Bevölkerungsgruppe und ihre mangelnde soziale Absicherung diskutiert.

III. Implikationen für das politische System – Lösungsansätze: Hier werden die politischen Schlussfolgerungen aus der sozialen Problemlage gezogen.

III. 1 Theoretische Ansätze: Die theoretischen Forderungen von Intellektuellen und der Führung zur Verringerung der Einkommensdisparitäten werden zusammengefasst.

III. 2 Praktische Umsetzung: Das Kapitel beschreibt konkrete staatliche Maßnahmen, insbesondere im Bereich der sozialen Wohnungsbaupolitik.

IV. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das Konzept keine tiefgreifende Systemtransformation einleitet.

Schlüsselwörter

Harmonische sozialistische Gesellschaft, KPCh, Soziale Ungleichheit, Einkommensdisparitäten, Volksrepublik China, Risikogesellschaft, Urbanisierung, Hukou-System, Soziale Schichtung, Privatisierung, Gini-Koeffizient, Politische Stabilität, Wanderarbeiter, Gesellschaftliche Transformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das chinesische Führungskonzept der "harmonischen sozialistischen Gesellschaft" auf die wachsenden sozialen Spannungen und die ungleiche Einkommensverteilung im Land reagiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen Stratifizierung in China, den Ursachen von Einkommensungleichheiten und der Frage, welche politischen Maßnahmen zur sozialen Befriedung ergriffen werden.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist es zu klären, ob das Harmonie-Konzept zu einer echten politischen Reform führt oder lediglich die bestehende Vormachtstellung der KPCh absichern soll.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, offizieller Parteidokumente und empirischer Daten wie dem Gini-Koeffizienten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die soziale Struktur (Unternehmer, Mittelschicht, Arme), die theoretischen Ansätze der Führung und konkrete Umsetzungsschritte wie den sozialen Wohnungsbau.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen die harmonische Gesellschaft, Einkommensdisparität, soziale Stabilität, staatliche Steuerung und die Rolle der KPCh.

Welche Bedeutung hat das "Hukou-System" in diesem Kontext?

Das Hukou-System wird als eine der Hauptursachen für die strukturelle Ungleichheit zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung identifiziert, da es die soziale Mobilität einschränkt.

Wie bewertet der Autor die Erfolgschancen des Konzepts für den demokratischen Wandel?

Der Autor kommt zu einem eher skeptischen Schluss: Das Konzept öffnet zwar Raum für Partizipation auf unterster Ebene, zielt jedoch nicht auf eine substanzielle Änderung des traditionellen parteistaatlichen Systems ab.

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Details

Title
Das Konzept der harmonischen sozialistischen Gesellschaft - Relevanz und Implikationen für das politische System der Volksrepublik China
College
University of Tubingen
Grade
1,3
Author
Slavomir Zidarov (Author)
Publication Year
2008
Pages
26
Catalog Number
V162355
ISBN (eBook)
9783640759552
ISBN (Book)
9783640759958
Language
German
Tags
Konzept Harmonische Gesellschaft China politisches System
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Slavomir Zidarov (Author), 2008, Das Konzept der harmonischen sozialistischen Gesellschaft - Relevanz und Implikationen für das politische System der Volksrepublik China, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162355
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