Senecas Siebenter Brief: Über die Gefährdung durch die Masse

Gibt es das erfüllte Leben nur für Wenige?


Hausarbeit, 2010

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Gefährdung durch die Masse
2.1. Der siebente Brief
2.2. Elite, Individuum und Menschenmenge
2.3. Adressat und Publikum
2.4. Heutige Gefährdung durch oder für die Masse?

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis
4.1. Printliteratur
4.2. Internetquellen

1. Einleitung

Das Leben und die Gesellschaft scheinen in ständigem Wandel zu sein. Täglich erweitern neue Fortschritte in Wissenschaft und Technik unseren Horizont und unser Leben. Die Welt des Menschen scheint wenig Konstantes zu beherbergen. In der Philosophie jedoch finden sich Gedanken und Ideen, welche beinahe 2000 Jahre alt sind und dennoch das Bild einer Gesellschaft zeichnen, die unserer sehr ähnlich scheint.

Senecas Briefe an Lucilius und seine Schriften zu Zeit, Ruhe und Glück im Leben sind hervorragende Beispiele für Werke, die nachkommenden Generationen ebenso gewidmet scheinen wie der eigenen. Josef M. Werle hat sie in einem Lesebuch gesammelt und bietet dem Leser des 21. Jahrhunderts somit die Möglichkeit an den Gedanken Senecas teil zu haben, die auf die Agenda heutiger Menschen passen, die aber dort wohl wenig vertreten sind.

Als Beispiel fur die von Seneca behandelten Problemfelder befasse ich mich in dieser Hausarbeit mit seinem siebenten Brief. Werle hat ihn mit der Uberschrift „Uber die Gefahrdung durch die Masse" versehen. Die Frage wer inwieweit durch diese Masse gefahrdet ist, wird mich beschaftigen. Ich mochte herausfinden, ob dies den Schluss zulasst, dass es eine kleine Menge von Menschen gibt, die diesen Gefahren ausgesetzt sind und was sie zu etwas Anderem als die Masse werden lasst. Sind sie es, die als Elite ein besseres Leben erreichen konnen? Oder gibt Seneca jedem die - zumindest potenzielle - Moglichkeit fur ein erfulltes Leben?

Das Thema der Sozialisation und Sittlichkeit von Mensch und Gesellschaft ist fur mich heute so fundamental wie zu Senecas Zeit. In einer Gesellschaft lebend, die sich scheinbar vor fundamentalen Wahrheiten wie dem Klimawandel, Hunger und Elend fur den Grofiteil der Weltbevolkerung und wachsender sozialer Ungleichheit in Castingshows, Actionkino und Alkohol fluchtet, werde ich versuchen in Senecas Werk mogliche Antworten und Losungsansatze gegen die „Gefahrdung durch die Masse" zu finden.

Nach einer Zusammenfassung seines Briefes werde ich mich mit den Definitionen des einzelnen Menschen, der Masse und einer möglichen Elite beschäftigen und versuchen den gegenseitigen Einfluss deutlich zu machen. Der Frage, wie der Gefährdung entgegengewirkt werden kann, werde ich mich im dritten Teil widmen. Abschließen möchte ich die Betrachtung der Fragestellung mit einer Transformation des Problembereiches auf die heutige Zeit.

2. Zur Gefährdung durch die Masse

2.1. Der siebente Brief

In diesem Brief an Lucilius geht es um den Menschen und um die Auswirkungen von Menschenmassen auf ihn. Der Brief ist eine Antwort auf Lucilius Frage was er zu vermeiden habe, um sich zu einem guten Menschen zu entwickeln.1

Seneca antwortet, dass es vor allem Menschenmengen seien, die ein sich in Entwicklung befindlicher Geist meiden sollte. Er selbst kehre immer verandert und „sittlich beeintrachtigt"2 von Begegnungen mit einer Menschenmenge zurück. Der fortwährende Heilungsprozess der Seele der für Seneca das Leben darstellt, wird durch die Untugenden, die in Menschenmengen auftreten, behindert. Dabei erkennt er eine direkte Proportionalität von der Größe der Menge zur Gefahr für die Sittlichkeit des Einzelnen.

Eine besondere Gefahr geht von Schauspielauffuhrungen aus, bei denen der Mensch durch langeres passives Zusehen besonders einfach von den dargestellten Lastern befallen werden kann. ,,3 Ich kehre habgieriger zuruck, ehrgeiziger, genuBsuchtiger, ja auch grausamer und unmenschlicher, weil ich unter Menschen war." So beschreibt er selbst die Auswirkungen auf sein Gemut.

An einem Beispiel illustriert Seneca den negativen Einfluss von Massenveranstaltungen: Auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung in der Mittagspause begibt er sich zu einem Schauspiel. Doch statt humorvoller Minuten erwartet ihn ein tödliches Spiel, in dem das Publikum als geifernde und nach Blut dürstende Masse erscheint, die nichts sehnlicher erwartet als pausenloses Sterben in der Arena. Die Kämpfer werden dabei ohne Schutz in den Kampf geschickt, um unnötige Verzögerungen zu vermeiden.

Trotz der Möglichkeit, dass es sich bei den Kämpfern um Mörder handeln könnte, sieht Seneca die Gefahr von der nach Gewalt schreienden Menge ausgehen. Vor dieser muss ein Geist, der sich positiv entwickeln soll, geschützt werden. Den negativen Einfluss der Menschenmenge auf das Individuum sieht Seneca für gewöhnliche Menschen als gravierend an, da er selbst gestandene Persönlichkeiten4 irremachen5 kann.

Die Umwelt trägt also entscheidend zur Entwicklung des Geistes bei und der schlechte Einfluss einer negativen Persönlichkeit potenziert sich in solchen Massenveranstaltungen.

[...]


1 Vgl.: WERLE, Josef M.: Seneca für Zeitgenossen . München: Wilhelm Goldmann Verlag, 2000, S. 131

2 WERLE (2000), Seite 131

3 ebd.

4 Er nennt an dieser Stelle Sokrates, Cato und Laelius., WERLE (2000), Seite 132

5 ebd.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Senecas Siebenter Brief: Über die Gefährdung durch die Masse
Untertitel
Gibt es das erfüllte Leben nur für Wenige?
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich I – Philosophie)
Veranstaltung
Proseminar: Seneca – Moralische Briefe
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V162389
ISBN (eBook)
9783640760374
ISBN (Buch)
9783640760534
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Modul: Grundlagen und Grundfragen der Ethik
Schlagworte
Seneca, Moralische Briefe, Medien, Massenmedien, Philosophie, Ethik
Arbeit zitieren
Martin Lobitz (Autor), 2010, Senecas Siebenter Brief: Über die Gefährdung durch die Masse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162389

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