Der gestiefelte Kater - Ein romantisches Märchen?


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1.Das Märchenhafte in der gestiefelte Kater.
1.1 Die Geschichte des Märchen der gestiefelte Kater
1.2 Die Entwicklung von dem gestiefelte Kater von Ludwig Tieck
1.3 Weitere märchenhafte Elemente

2. Die Motive der Romantik
2.1 Die Natur
2.2 Die Liebe
2.3 Der Tod und die Vergänglichkeit
2.4 Der Wahnsinn

3. Der gestiefelte Kater, ein romantisches Märchen?

Literaturverzeichnis:

Ludwig Tiecks gestiefelter Kater[1] wird oft als romantisches Märchen angepriesen. Doch ist er wirklich ein Musterbeispiel für ein romantisches Kunstmärchen oder fehlt vielleicht doch gerade das Romantische und das Märchenhafte an diesem Stück? Was macht ein Kunstmärchen aus? „Eine Prosaerzählung nach dem Muster oder mit den Motiven des Volksmärchens, besonders durch Einbeziehung des Wunderbaren gekennzeichnet.“[2] Weiter wird es definiert als „Texte, die im Gestus des Märchen erzählt werden, jedoch im Kunstwillen namentlich bekannter Autoren und bestimmbarer literarischer Richtung gründen.“ Der erste Teil dieser Hausarbeit untersucht das Werk der gestiefelte Kater auf seine Märchenhaftigkeit. Der zweite Teil behandelt die romantische Seite des gestiefelten Katers. Hierbei wird untersucht, in wie weit die typischen romantischen Motive, wie Natur, Liebe, Gesellschaft, Tod, Wahnsinn und Vergänglichkeit auftauchen.

Das Besondere an dem gestiefelten Kater ist die Tatsache, dass zwei Haupthandlungsstränge parallel zueinander ablaufen. Zum Einem der Theaterabend, in dem die agierenden Personen reale Personen, wie zum Beispiel der Fischer, Müller, Bötticher, Wiesener, aber auch die Schauspieler und das andere Theaterpersonal sind. Zum Anderen die Handlung des Theaterstücks, in dem die Schauspieler eine Rolle spielen. In dem Stück verlaufen wiederum mehrere Handlungsstränge, die mit den anderen Handlungssträngen agieren oder völlig unabhängig zueinander stehen. Dies kann in der Analyse jedoch nur nebensächlich behandelt werden. Der Schwerpunkt soll auf die Definition eines Märchens und die Motive der Romantik gelegt werden. Hierbei soll das Werk genau auf diese Merkmale hin untersucht werden. Desweitern soll kurz auf die historische Tradition des Märchens der gestiefelte Kater eingegangen werden.

1.Das Märchenhafte in der gestiefelte Kater.

Hier soll das Augenmerk besonders auf der Person des gestiefelten Katers liegen, da Hinze, der Kater in diesem Werk der Inbegriff des Märchenhaften ist. Bei ihm werden die Bedingungen der Wirklichkeit am deutlichsten aufgehoben. Das Wunderbarste an dem Stück ist somit der sprechende, stiefeltragende Kater. Aber auch die anderen märchenhaften Aspekte in dem Werk sollen kurz bedacht werden.

1.1 Die Geschichte des Märchen der gestiefelte Kater

Der gestiefelte Kater tauchte bereits Mitte des 16. Jahrhundert bei dem italienischen Märchensammler Giovanni Francesco Straparola auf. 1697 publizierte Charles Perrault das Märchen le Chat botté, das die Thematik ebenfalls aufgriff. In der dazu gehörenden Zeichnung von Gustave Doré wird die Vorstellung des gestiefelten Katers schön visualisiert.[3] 1797 veröffentlichte Ludwig Tieck schließlich den Gestiefelten Kater unter seinem Pseudonym Peter Leberecht. Das Märchen befasst sich in seinen verschiedenen Variationen zu Beginn immer mit einem ungerechten Erbgang, in dem ein Müller seinen Besitz an seine drei oder auch nur zwei Söhne vererbt. Der jüngste Sohn bekommt einen scheinbar wertlosen Kater, während die älteren Brüder in den Genuss eines wertvollen Erbes kommen. Der Kater ist jedoch überraschenderweise der menschlichen Sprache mächtig und verhilft so dem mittelosen Sohn zu Glück und Reichtum. Er wird zu einem vermögenden Grundbesitzer und heiratet schließlich sogar die Königstochter.

Die berühmteste Darstellung gelang wohl den Brüdern Grimm in ihrer Märchensammlung. Der gestiefelte Kater wurde oft verfilmt und diente in zahlreichen Geschichten und Filmen als Exempel für eine Märchenfigur. Der sprechende Kater ist somit ein Synonym für das Wunderbare.

1.2 Die Entwicklung von dem gestiefelte Kater von Ludwig Tieck

Die Figur des gestiefelten Katers ist die potenziell märchenhafte Komponente in dem Werk von Ludwig Tieck. Eingeführt wird Hinze, der Kater im ersten Akt, zunächst als typischer Kater. Er liegt auf einem Schemel am Ofen und übt somit eine katzentypische Aktivität aus. Auch seine ersten Bewegungen entsprechen denen einer typischen Katze. Er „richtet sich auf, dehnt sich, macht einen hohen Buckel, gähnt“(S.11, Z.8), Hinze verhält sich zunächst also verhaltenstypisch für eine Katze, dann jedoch wird das Wunderbare eingeführt. Der Kater fängt an zusprechen. Auch Gottlieb bemerkt dies und reagiert sehr erstaunt. Es ist ihm also bewusst, dass etwas Außergewöhnliches geschehen ist. Dies zeigt Gottlieb durch den Satz: „Wie, Kater, Du sprichst?“(S.11,Z.11) Somit wäre die märchenhafte Komponente gegeben. Das wird auch durch die Reaktionen der Zuschauer verdeutlicht. Die Kunstrichter, der Fischer und der Müller sind ebenfalls erstaunt bis entsetzt. „Eh ich mich so täuschen lasse, will ich lieber zeitlebens kein Stück wieder sehn.“ (S. 11, Z. 16f.) Auch in dem folgendem Gespräch sieht Gottlieb in seinem sprechenden Kater etwas Wunderbares und nicht Alltägliches. Dies verdeutlicht er, indem er sagt, dass der Schuster sich noch wundern werde. Jedoch passiert mit dem Auftreten des Schusters der erste Bruch mit dem Wunderbaren. Für den Schuster ist ein sprechender Kater scheinbar nichts Ungewöhnliches, er behandelt ihn beim Maß nehmen wie einen normalen Kunden. Auch als Hinze anfängt zusprechen, reagiert er nicht überrascht. Ihm ist es bewusst, dass es sich bei Hinze um einen Kater handelt, da er ihn bittet, „die Krallen oder Nägel etwas einzuziehen“( S. 15, Z.4). Hinze bekommt nun also Stiefel, was durchaus der Natur der Katze widerspricht. Der nächste Auftritt von Hinze findet im zweiten Akt statt. Genau wie die erste Szene spielt diese auch wieder in der Bauernstube. Gottlieb und Hinze essen zusammen an einem Tisch. Auch hier zeigt Hinze sich nun gegen seine Natur, er isst mit Serviette und philosophiert über das Glück. Von dem Kater, der sich am Anfang des ersten Aktes noch katertypisch gestreckt hat, ist somit nicht mehr viel übrig geblieben. Jedoch ist Hinze sich seiner Katzennatur durchaus noch bewusst. Dies verdeutlicht er durch die Aussage: „weil unsereins immer auf den Zehen geht, wie Du auch wirst in der Naturgeschichte gelesen haben“(S. 26, Z.28f.). Jedoch ist die Verwandlung noch nicht abgeschlossen, Hinze verkleidet sich nun mit Hilfe eines Tornisters und eines Stockes als Jäger. Sehr zum Erstaunen von Gottlieb, der daraufhin sagt: „Ich kann aus dem Manne nicht schlau werden.“(S. 27, Z.5). Hinter dieser Aussage versteckt sich auch die Tatsache, dass Gottlieb Hinze nun als Mann bezeichnet und nicht mehr als Kater. Somit hat Hinze wohl in der Vorstellung Gottliebs ebenfalls eine Entwicklung durchlebt. In der nächsten Szene wird jedoch wieder die katzenartige Seite von Hinze veranschaulicht. Dies geschieht zum einen durch Hinzes Abneigung Hunden gegenüber, anderseits durch das Verlangen die singenden Lerchen und Nachtigallen zu fressen. Desweiteren möchte er seine Stiefel ausziehen und auf einen Baum klettern um die Nachtigall zu fangen. Diese Natur der Katze wird jedoch von dem nun nahenden Liebespaar wiederrum nicht erkannt. Sie behandeln Hinze nicht als etwas Außergewöhnliches und wundern sich scheinbar auch nicht über die Tatsache, dass er sprechen kann. Obwohl Hinze sie direkt anspricht, entgegnen sie nur: „Barbar…Dich hat kein Weib geboren, Du gehörst jenseits der Menschheit zu Hause.“(S. 28, Z.28 f.) Jedoch spielt der Liebende damit vermutlich nur auf den Umstand an, dass Hinze das Liebesgespräch unterbrochen hat und nicht auf die Tatsache, dass ein sprechender Kater mit Stiefeln und Rucksack vor ihm steht. Als Hinze schließlich ein Kaninchen fängt, wird die Natur der Katze wieder verdeutlicht. Hinze muss sich beherrschen, das Kaninchen nicht selber zu verspeisen. Im nächsten Moment verändert er sich jedoch, indem er sagt: „ Ist es nicht die Pflicht der Edeln, sich und seine Neigungen dem Glück der Mitgeschöpfe aufzuopfern? Dies ist die Ursache warum wir leben, und wer das nicht kann-o ihm wäre besser, dass er nie geboren wäre.“( S.30, Z.5ff.) Aufgrund dieser Aussage sehen die Zuschauer nun wieder nicht mehr den Kater in ihm sondern den „edle Mann“ (S.30, Z.13) und die „schöne menschliche Gesinnung“ (S.30, Z.14). Tieck gelingt somit ein Umschwung von der jagdtrieb gesteuerten Katze zu dem philosophierenden edlen Mann. Als Hinze im Schloss des Königs auftaucht und von dem Kammerdiener beschrieben wird, ist von dem Kater Hinze keine Spur. Zunächst wird er als „fremder Mann“(S.32, Z.7) angekündigt. Das Einzige, was den Kammerdiener wohl wundert, ist das er auf der einen Seite einen langen weißen Bart hat, der das ganze Gesicht bedeckt, was für einen alten Mann spricht. Auf der anderen Seite jedoch von der Statur und den Augen aus gesehen jugendlich wirkt. Ein besonderes Augenmerk wirft der Kammerdiener auf die Stiefel, die seiner Meinung nach für einen wohlhabenden Mann sprechen. Er kommt auf Grund des Äußeren auf den Schluss, dass es sich bei dem fremden Mann um einen Jäger handeln muss. Das einzige Ungewöhnliche ist für den Kammerdiener der Kontrast zwischen der jugendlichen Erscheinung des Körpers und der des langen weißen Bartes. Hier werden in seinen Augen somit die Bedingungen der Wirklichkeit aufgehoben. Ein weiteres märchenhaftes Phänomen wird geschaffen, das von dem sprechenden Kater scheinbar ablenkt. Weder der König, der Kammerdiener, der Historiograph, noch der vermeintliche Prinz Nathanael wundern sich über den sprechenden Kater. Über diesen Umstand ärgert sich aber der Fischer in der Parterre, der in der Szene davor den Kater selber als edlen Mann beschrieben hat und jetzt den Kater wieder bemerkt. Hinze macht in diesem Fall eine kontrastive Entwicklung zwischen dem Theaterstück und der Rahmenhandlung durch. Auch der Hanswurst ist sich der wahren Gestalt Hinzes scheinbar nicht bewusst. Er spricht ihn durchweg mit Herr Jäger an, wundert sich, dass Hinze kein Gemüse isst und beschwert sich, dass Hinze ihn kratzt, als er ihm feste die Hand drückt. Obwohl Hinze sich sträubt und knurrt, erkennt Hanswurst ihn nicht als Kater. Er bezeichnet ihn als „treulosen Mann“ (S.35, Z.16) und beschwert sich schließlich: „Ihr kratzt ja wie eine Katze“ (S. 35, Z.23), worauf Hinze nur boshaft lacht, er ist sich seiner Natur als Katze also durchaus bewusst. Das zeigt sich auch erneut in seinem Ausspruch: „Niedliches Volk, die sogenannten Menschen.“(S. 47, Z. 21) Er zählt sich selbst also nicht zu dieser Gruppe. Jedoch durchlebt Hinze hier eine innere Entwicklung. Während er in den vorangehenden Szenen immer das Verlangen gespürt hat, die Tiere, die er gefangen hat zu fressen, vergeht ihm nun die Lust daran. „Jetzt hab ich gar keine Lust mehr, die Rebhühner zu fressen. So gewiss es ist, dass wir durch bloße Gewohnheit unserer Natur alle möglichen Tugenden einimpfen können.“ (S. 47, Z. 24ff.) Er entwickelt sich also entgegen seiner eigenen Natur. Damit passt er sich der Vorstellung der anderen Personen, mit Ausnahme von Gottlieb, in diesem Stück an. In der darauf folgenden Szene verändert sich die Person Hinze völlig, der Schauspieler hinter dem Kater kommt nun zum Vorschein, zunächst klettert er noch wie eine Katze eine Säule hoch, jedoch scheinbar auf Ansage von Hanswurst. Diese Vermutung wird durch das folgende Gespräch zwischen den beiden Personen bestärkt. Auch Hinzes Monolog ist sehr zwiespältig: „Ich bin ganz melancholisch.- Ich habe selbst dem Narren zu einem Siege über ein Stück verholfen, in dem ich die Hauptrolle spiele.- Schicksal! Schicksal! In welche Verwirrung führst Du so oft die Sterblichen?“ Der erste Teil des Monologs spricht somit der Schauspieler. Auf diesen Teil so später erneut eingegangen werden. Dann erfolgt wieder ein Wechsel zu dem Charakter Hinze. „Doch mag es hingehen!“(S.50,Z.21) Bis schließlich Hinze wieder spricht: „wenn ich es nur dahin bringe meinen geliebten Gottlieb auf den Thron zu setzten“(S.50, Z.23f.). Kurzzeitig fällt der Schauspieler jedoch nochmal aus der Rolle, „so will ich herzlich gern alles übrige Ungemach vergessen.“(S.50, Z.25) Um dann sich danach wieder ganz dem Charakter Hinze zu widmen. In den folgenden Szenen läuft Hinze zu verschiedenen Schauplätzen, wird jedoch nicht als Kater erkannt. Jedoch beschwert er sich einmal, dass er nun Blasen unter den Füßen habe. Er spricht also von Füßen und nicht von Pfoten. Er bleibt in seiner Rolle als Hinze, ist sich jedoch wieder seine Fiktionalität bewusst. „Zum Besten des Publikums will es so das Gesetz.“ In der folgenden Szene im Palast des Popanzes weicht Hinze seiner Rolle jedoch nicht ab. Er wird von Popanz zwar nicht als Katze erkannt, verhält sich jedoch so. Auch wendet er sich nicht mehr als Schauspieler an das Publikum. Er überredet Popanz nur, sich in eine Maus zu verwandeln. So kann Hinze, ganz katzentypisch jagen und fressen. „Hinze springt hinter ihm her“(S. 58,Z.13f.). Jedoch bringt der Schauspieler von Hinze wieder einen neuen Aspekt zum Schluss dieser Szene ein. Er lässt Hinze „Freiheit und Gleichheit! – das Gesetz ist aufgefressen! Nun wird ja wohl der Tiers état Gottlieb zur Regierung kommen.“(S.58,Z.15f.) sagen und bringt somit auch noch revolutionäre Züge in das Stück.

[...]


[1] Tieck, Ludwig: Der gestiefelte Kater. Stuttgart 2001.

[2] Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. V. Harald Fricke, Jan-Dirk Müller u. Klaus Weimar. 3.Bde. 3. Aufl. Berlin 1997-2003.

[3] Siehe Abbildung 1

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der gestiefelte Kater - Ein romantisches Märchen?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Seminar Romantik
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V162392
ISBN (eBook)
9783640760282
ISBN (Buch)
9783640760435
Dateigröße
697 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kater, Märchen
Arbeit zitieren
Gianna Hedderich (Autor), 2010, Der gestiefelte Kater - Ein romantisches Märchen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162392

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