Der Bürger hat sich in den letzten 15 Jahren das Internet zu Eigen gemacht - einerseits durch allgemeinverständlich anwendbare Kommunikations- und Partizipationswerkzeuge und andererseits mittels dezentraler mobiler Nutzung. Heute nutzen knapp 70% der Deutschen das Internet. Dementsprechend steigen auch die Teilnehmerzahlen in Sozialen Netzwerken an. Menschen tauschen online Bilder des letzten Urlaubes miteinander aus und kommunizieren auf verschiedenen Dialogplattformen multimedial. Die Teilnehmer des sogenannten Social Web prägen demzufolge durch ihr Verhalten das Netz, indem sie es als beliebig öffentliches Kommunikations- und Dialogmedium nutzen.
In diesem Raum, in dem der Bürger frei agiert, räsoniert und diskutiert, findet Politik statt. Zunehmend treten die politischen Parteien und Politiker in diesen öffentlichen digitalen Raum ein. Da sich das Social Web durch den Dialog begründet, stellt sich die Frage, inwiefern die Parteien und Politiker als Teilnehmer des Social Web verstanden werden können. Sind sie als Sender von Information außerhalb oder als Dialogpartner innerhalb dieses öffentlichen Raumes präsent? Damit einhergehend stellt sich die zentrale Frage dieser Arbeit: Wie kann das Social Web die externe Kommunikation politischer Parteien beeinflussen?
Im Folgenden wird aus idealtheoretischer Sichtweise erarbeitet, wie sich das Social Web zusammensetzt, wie die Bürger in diesem Raum leben, in welcher Rolle sie agieren, wie sich Politiker und Parteien präsentieren und inwiefern Letztere in Anlehnung an die Logik des Social Web mit dem Bürger interagieren.
Da in dieser Arbeit die öffentlichen Akteure Bürger, Politiker und Parteien im Social Web idealtheoretisch analysiert werden, stehen einzelne Social Media-Anwendungen nicht im Fokus der Untersuchungen, sondern werden lediglich als notwendige Werkzeuge erwähnt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politische Kommunikation
2.1. Aufgaben, Ziele und Funktionen politischer Kommunikation
2.2. Herausforderungen politischer Kommunikation
2.2.1. Mögliche Dysfunktionen
2.2.2. Die Dependenz- und Instrumentalisierungsthese
2.2.3. Der mediale Kompromiss zwischen interner und externer Kommunikation
2.3. Öffentlichkeit
2.3.1. Strukturwandel der Öffentlichkeit – Untergang des räsonierenden Bürgers?
2.3.2. Parteienkommunikation und öffentliche Meinung
2.3.2.1. Modelle öffentlicher Meinung
2.3.2.2. Problem der Public Relations in der Politik
2.4. Wahlkampf als Sonderform politischer Kommunikation
2.5. Fazit
3. Kommunikation und Partizipation im Social Web
3.1. Das Internet
3.1.1. Die Entstehung des Internets
3.1.1.1. Technische Entwicklung: Von HTML bis HTML5 und Ajax
3.1.1.2. Das Internet wird mobil
3.2. Das Web 2.0 – eine Begriffsdiskussion
3.2.1. User Generated Content
3.2.2. Der Bottom-Up-Ansatz
3.2.3. Web 2.0 und das kommunikative Selbstverständnis
3.3. Das Social Web
3.3.1. Definitionsversuch „Social Web“
3.3.2. Politische Öffentlichkeit und Kommunikation im Social Web
3.3.2.1. Gleichheit
3.3.2.2. Offenheit
3.3.2.3. Diskursivität
3.4. Der Bürger im Social Web
3.4.1. Leben in Sozialen Netzwerken
3.4.1.1. Namen ersetzen Pseudonyme
3.4.1.2. Selbstdarstellung im Social Web – ein neues digitales Selbstbewusstsein
3.4.1.3. Globale Netze – lokale Nutzung – persönliche Themen
3.4.2. Politisches Engagement im öffentlichen digitalen Raum
3.4.2.1. Strukturwandel der Gegenöffentlichkeit
3.4.2.2. Global vernetzen, lokal handeln
3.4.3. Bürger im Social Web – das Fazit
3.5. Parteien im Social Web
3.5.1. Webauftritte der Bundesparteien
3.5.1.1. SPD.de
3.5.1.2. CDU.de
3.5.1.3. die-linke.de
3.5.1.4. fdp.de
3.5.1.5. gruene.de
3.5.1.6. Zwischenfazit
3.5.2. Parteieigene Soziale Netzwerken
3.5.2.1. meineSPD.de
3.5.2.2. team2009.de
3.5.2.3. linksaktiv.de
3.5.2.4. Wurzelwerk.gruene.de
3.5.2.5. my.fdp.de
3.5.2.6. Zwischenfazit
3.5.3. Die Nutzung externer sozialer Netzwerke durch Parteien und Politiker
3.5.3.1. Die Facebook-Accounts der fünf Bundesparteien
3.5.3.2. Die Twitter-Accounts der Bundespolitiker
3.5.3.2.1. Twitter-Account Guido von Westerwelle (FDP, Jahrgang 1961)
3.5.3.2.2. Twitter-Account von Hermann Gröhe (CDU, Jahrgang 1961)
3.5.3.2.3. Titter-Account von Halina Wawzyniak (Die Linke, Jahrgang 1973)
3.5.3.2.4. Twitter-Account von Steffi Lemke (Bündnis 90/ Die Grünen, Jahrgang 1968)
3.5.3.2.5. Twitter-Account von Hubertus Heil (SPD, Jahrgang 1971)
3.5.4. Parteien im Social Web – das Fazit
3.6. Fazit
4. Wie kann das Social Web die externe Kommunikation der politischen Parteien beeinflussen?
4.1. Die Social Media-Eignung
4.1.1. Authentizität vs. Parteiverschwiegenheit und politisches Hinterzimmer
4.1.2. Effektive Nutzung von Social Media und Parteienhierarchie
4.1.2.1. Parteienhierarchie und potenzielle Reichweite
4.1.2.2. Parteienhierarchie und Dialogaufwand
4.1.2.3. Parteienhierarchie und Dialogaufmerksamkeit
4.2. Fazit
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Social Web die externe Kommunikation politischer Parteien beeinflusst. Das primäre Ziel ist es, idealtheoretisch zu analysieren, ob und wie politische Parteien und Akteure das Dialogpotenzial digitaler Medien nutzen, um mit Bürgern in einen Austausch zu treten.
- Wandel politischer Kommunikation durch das Social Web
- Analyse des Bürgerverhaltens in digitalen öffentlichen Räumen
- Untersuchung der Webpräsenz und Interaktionsstrategien deutscher Parteien
- Diskussion von Authentizität, Parteienhierarchie und Dialogeffizienz
- Herausarbeitung der Eignung von Social Media für die politische Kommunikation
Auszug aus dem Buch
3.4.1.3. Globale Netze – lokale Nutzung – persönliche Themen
Das Social Web als digitaler, beliebig öffentlicher Raum ist geprägt von interagierenden Individuen. Der Hauptgrund für Nutzer in ein soziales Netzwerk einzutreten und ein Profil anzulegen, ist das Wiederfinden und Kontaktieren alter Freunde und Bekannte (vgl. Wave.4 2009). Daher unterscheiden sich die Freundschaften der Internetnutzer in Online-Communities nicht von denen in der realen Welt. Sie benutzen ihren richtigen Namen, treffen sich und kommunizieren über Dinge, die sich im eigenen privaten Umfeld abspielen.
Gleichwohl unterscheidet sich die Art der Kommunikation beispielsweise innerhalb eines Sozialen Netzwerkes von einem direkten Gespräch über bereits bekannte Kommunikationsmittel wie dem eines Telefons. Diese weisen eine invasive Kommunikation auf, die das Gegenüber verbindlich in ein Gespräch einbinden und gegenseitige Gesprächserwartungen hervorrufen. Im Gegensatz dazu zeichnet sich die Kommunikation mittels Social Media durch ihre nicht-invasive Art und Weise aus. Das dämpft die Erwartungshaltung für direktes Feedback, erfreut jedoch besonders, wenn eines gegeben wird.
Es zeigt sich in der Praxis, dass unerwartetes Feedback eine entscheidende motivierende Rolle spielt Inhalte zu generieren. Zusätzlich kennzeichnet die Nicht-Invasivität das implizierte Motiv des Produzenten Freunde und Bekannte mit Informationen nicht stören zu wollen. Mitleser werden auf Neuigkeiten gestoßen, wie auf einer Flaniermeile durch die Stadt, können stehen bleiben und kommentieren. Social Media dient somit als ergänzendes Werkzeug für die Kommunikation über alltägliche Situationen, die unverbindlich ist, daher nicht störend, und durch den lokalen und persönlichen Bezug für den Freundeskreis interessant ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung des Internets und des Social Web für politische Kommunikation sowie die Forschungsfrage nach der Beeinflussung der Parteikommunikation.
2. Politische Kommunikation: Dieses Kapitel definiert politische Kommunikation, erörtert ihre Herausforderungen, das Konzept der Öffentlichkeit und die Rolle des Bürgers im demokratischen System.
3. Kommunikation und Partizipation im Social Web: Hier werden die technischen Grundlagen, der Begriff des Web 2.0 sowie die Rolle des Bürgers und die Aktivitäten der politischen Parteien im Social Web analysiert.
4. Wie kann das Social Web die externe Kommunikation der politischen Parteien beeinflussen?: Das Kapitel diskutiert die Eignung von Social Media für Parteien, insbesondere im Hinblick auf Authentizität, Parteienhierarchie und die Effizienz des Dialogs.
5. Zusammenfassung und Fazit: Der abschließende Teil fasst die Erkenntnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Social Media vor allem in der Lokalpolitik als Dialoginstrument effizient eingesetzt werden kann.
Schlüsselwörter
Social Web, Politische Kommunikation, Parteienkommunikation, Web 2.0, Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerbeteiligung, Digitaler Raum, Internet, Wahlkampf, Interaktion, Partizipation, Demokratisierung, Online-Communities, Soziale Netzwerke, Authentizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Social Web auf die externe Kommunikation von politischen Parteien in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die medientechnische Entwicklung, politische Kommunikation im digitalen Raum, das Verhalten der Bürger sowie die Online-Strategien der Bundesparteien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird analysiert, inwieweit politische Parteien und Politiker die Dialogmöglichkeiten des Social Web nutzen oder ob sie diese Kanäle lediglich als einseitige Sendemedien verwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung erfolgt idealtheoretisch auf Basis einer Literaturanalyse sowie einer Bestandsaufnahme von Webseiten und Social-Media-Profilen (Twitter/Facebook) politischer Akteure.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der politischen Kommunikation, eine Analyse des Internets als öffentlicher Raum und eine Untersuchung der Praxisbeispiele von Parteien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Partizipation, Öffentlichkeit, Social Web, Politische Kommunikation und Parteienhierarchie.
Warum spielt das "Hinterzimmer" in der Politik laut Autor eine Rolle?
Der Autor argumentiert, dass ein gewisses Maß an nicht-öffentlicher Kommunikation (Hinterzimmer) für politische Kompromissfindung und Entscheidungswege in der Demokratie unverzichtbar ist.
Welche Rolle spielt die Parteienhierarchie bei der Social-Media-Nutzung?
Höhere Hierarchieebenen bedeuten laut Autor eine hohe Reichweite, aber auch einen kaum zu bewältigenden Dialogaufwand, was die direkte Interaktion mit Bürgern für Spitzenpolitiker erschwert.
Warum wird der Lokalpolitiker als idealer Akteur für Social Media hervorgehoben?
Lokalpolitiker haben eine überschaubare Reichweite und Prominenz, was den Dialogaufwand begrenzbar und das Feedback der Bürger für beide Seiten relevant und machbar gestaltet.
- Quote paper
- Clemens Weins (Author), 2010, Politische Kommunikation im Social Web, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162399