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Die Totentanzskulpturen des "Mengele Hochaltars" von Jean Tinguely

Titel: Die Totentanzskulpturen des "Mengele Hochaltars" von Jean Tinguely

Seminararbeit , 2009 , 15 Seiten , Note: 3,0

Autor:in: Sarah Schneider (Autor:in)

Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Jetzt hat Basel wieder einen Totentanz – einen Totentanzaltar. Jean Tinguely hat ihn geschaffen, und er ist so faszinierend schön und abstoßend zugleich, dass er alle Aussichten hat, eine große europäische Sehenswürdigkeit zu werden.“ So der Philologe Gert Kaiser über die 1986 entstandene Werkgruppe „Mengele Totentanz“, bestehend aus 14 eigenständigen Plastiken , des Objektkünstlers Jean Tinguely (1925-1991), die sich heute im Museum Tinguely in Basel befindet.
In diesem von der Kunstgeschichte oft vernachlässigten Spätwerk, offenbart sich eines der großen Themen im Oeuvre des der französischen Kunstbewegung der Nouveaux Realistes angehörigen und dem Dadaismus verhafteten Künstlers – das Motiv des Todes. Aus den Überresten eines abgebrannten Bauerhofes und maschinellen Versatzstücken fertigte Jean Tinguely einen makabren Figurentanz an, welcher sich in die Bildtradition mittelalterlicher Totentänze einreiht und durch den Verweis auf den KZ-Arzt Josef Mengele sowohl die Betroffenheit über die Ausmerzung menschlichen Lebens widerspiegelt wie auch eine unmittelbare Todesbedrohung darstellt.

Im Folgenden soll nun der Frage nachgegangen werden, wie Jean Tinguely den Tod innerhalb dieser Werkgruppe inszeniert und welche Auffassung von Tod dieser zu Grunde liegt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Methodologische Vorüberlegung

2. Über den Ursprung des Totentanzes in der Bildenden Kunst

2.1 Der Totentanz in mittelalterlicher Zeit

2.2 Exkurs: „Der Tod von Basel“

3. Der „Mengele Totentanz“ von Jean Tinguely

3.1 Die eigenständigen Totentanzskulpturen

3.1.1 „Die Spinne“

3.1.2 „Der Krebs“

3.1.3 „Die Aggression“

3.2 Überlegungen zur Verbildlichung und Auffassung des Todes

4. Die kunsthistorische Einordnung des „Mengele Totentanzes“

4.1 Die Metaphorik des Todes im Gesamtwerk Jean Tinguelys

4.2 Todesevokationen in der zeitgenössischen Kunst

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Werkgruppe „Mengele Totentanz“ von Jean Tinguely unter dem Aspekt der Inszenierung des Todes. Ziel ist es zu analysieren, wie Tinguely das traditionelle Motiv des Totentanzes formal und inhaltlich aufgreift, neu interpretiert und in den Kontext der zeitgenössischen Kunst sowie der Erinnerungskultur stellt.

  • Die formale Analyse ausgewählter Skulpturen (Die Spinne, Der Krebs, Die Aggression)
  • Die Einordnung in die mittelalterliche Bildtradition des „Danse macabre“
  • Die Untersuchung der Materialwahl aus zerstörten, symbolträchtigen Versatzstücken
  • Die Verknüpfung von privater Todeserfahrung und kollektiver Erinnerung

Auszug aus dem Buch

3.1.1 „Die Spinne“

Die 230 x 220 x 336 cm große Assemblage „Die Spinne“ besteht aus einem Pferdeschädel, Ketten, Draht, Holzrädern, verschiedenartigen Metallteilen und einem Elektromotor.

Eine aufrecht stehende Metallsäule bildet die vertikale Hauptachse dieser Figur. Ihre Basis besteht aus dünnen, metallenen Kreissegmenten, welche sich einander überschneidend zu einer runden Form zusammenfügen, die sich wiederum auf kleinen Rädern befindet. Über dem Pfeiler befindet sich ein Pferdeschädel, dessen Unterkiefer fehlt. Dieser ist horizontal durch zwei analog verlaufende Eisenstäbe befestigt, von welchen einer das Haupt im Bereich des Jochbeines durchbohrt. Durch eine Verknüpfung mit dem sich unterhalb des organischen Versatzstückes befindenden kleinen Triebwerkes wird der fragmentierte Tierschädel unablässig auf und ab bewegt. Des Weiteren wird vermittels einer Verbindung zwischen diesem und einem der beiden sich links hiervon befindenden Räder eine Drehbewegung erzeugt, wodurch der skelettierte Pferdekopf stetig nach hinten gezogen wird und in einer energischen Geste wieder nach vorne schnellt. Unterhalb dessen, an der metallenen Säule befestigt, greifen lange, stark verbogene und zerdrückte Eisenträger, welche den Gliedmaßen einer Spinne mittels der „objets trouvés“ nachempfunden sind, nach außen, zu einem möglichen Opfer hin.

„Die Spinne“, welche schon durch die von Jean Tinguely gewählte Namensgebung ablehnende, gar grauenerregende und furchtsame Vorstellungen zu wecken scheint, verweist nicht nur auf ein todbringendes Geschöpf im Allgemeinen, sondern steht bereits in der mittelalterlichen Bildtradition als Symbol für die Pest.

Durch die auffallende Unfreiwilligkeit, den Zwang, aus welcher ihre Bewegungen erfolgen, entsteht eine Stimmung von zunehmender Bedrohlichkeit. Die wechselhaften Bewegungsabläufe, das Vor und Zurück des Pferdeschädels suggerieren ein animalisch grausames Zuschnappen, ein Zugreifen von Beute und können als todverheißende Drohgebärde gedeutet werden, welcher man nicht zu entkommen scheint.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Methodologische Vorüberlegung: Einführung in das Forschungsvorhaben und die Relevanz von Jean Tinguelys „Mengele Totentanz“ als Spätwerk des Künstlers.

2. Über den Ursprung des Totentanzes in der Bildenden Kunst: Beleuchtung der historischen Wurzeln des Makabren ab dem 14. Jahrhundert und der Bedeutung mittelalterlicher Totentanzzyklen.

3. Der „Mengele Totentanz“ von Jean Tinguely: Analyse der Werkgruppe unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichte, Materialität und der drei exemplarischen Skulpturen.

4. Die kunsthistorische Einordnung des „Mengele Totentanzes“: Verortung der Werkgruppe innerhalb von Tinguelys Gesamtwerk sowie im Kontext zeitgenössischer künstlerischer Auseinandersetzungen mit dem Tod.

Schlüsselwörter

Jean Tinguely, Mengele Totentanz, Totentanz, Danse macabre, Objektkunst, Kinetik, Vanitas, Todesmetaphorik, Erinnerungskultur, Assemblage, Nouveaux Realistes, Kunstgeschichte, Skulptur, Vergänglichkeit, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Werkgruppe „Mengele Totentanz“ des Objektkünstlers Jean Tinguely und dessen künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Tod.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Verbindung von mittelalterlicher Bildtradition mit moderner Objektkunst, das Konzept des „Danse macabre“ sowie die symbolische Bedeutung von industriellen Schrottteilen in der Kunst.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu untersuchen, wie Tinguely den Tod in dieser spezifischen Werkgruppe inszeniert und wie die Auffassung des Todes in sein künstlerisches Schaffen und die zeitgenössische Kunst eingebettet ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung stützt sich primär auf eine formale und inhaltliche Analyse der Skulpturen selbst, ergänzt durch kunsthistorische Einordnungen und Bezüge zur Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung, die detaillierte formale Beschreibung ausgewählter Einzelfiguren sowie eine Reflexion über die Auffassung und Verbildlichung des Todes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Jean Tinguely, Totentanz, Kinetik, Erinnerungskultur, Vanitas-Symbolik und Assemblage definiert.

Was bedeutet der Verweis auf Josef Mengele im Werktitel?

Der Verweis spiegelt die Betroffenheit des Künstlers über die Ausmerzung menschlichen Lebens wider und verleiht dem Werk eine tiefere, mahnende Ebene der Todesbedrohung.

Warum spielt das „Der Tod von Basel“ eine wichtige Rolle in der Arbeit?

Es dient als Referenzpunkt der mittelalterlichen Bildtradition, auf deren Basis Tinguely seine eigene moderne Interpretation von Vergänglichkeit entwickelt hat.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Totentanzskulpturen des "Mengele Hochaltars" von Jean Tinguely
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Prosemiar: Pop Art
Note
3,0
Autor
Sarah Schneider (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V162408
ISBN (eBook)
9783640779888
ISBN (Buch)
9783640780594
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Totentanzskulpturen Mengele Hochaltars Jean Tinguely
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sarah Schneider (Autor:in), 2009, Die Totentanzskulpturen des "Mengele Hochaltars" von Jean Tinguely, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162408
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  15  Seiten
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