Berichte über die wachsende politische Bedeutung architektonischer Unternehmungen liegen uns bereits aus der Zeit der römischen Republik vor. Vor allem die öffentlichen Bauten Roms hatten eine eindeutig propagandistische Aufgabe zu erfüllen.
Durch das Bild, dass sie von ihrem Bauherrn zeichnen, durch die Vorbildfunktion, die ihnen obtruhiert wird, und durch die Verhaltensweisen, die sie hervorrufen, können sie als eine Art architektonisches Aushängeschild der Macht ein politisches Programm definieren.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Eckpfeilern des augusteischen Bauprogramms, dessen beeindruckende architektonische Zeugnisse sich teilweise bis heute erhalten haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Das politische Programm der öffentlichen Bauten
2. Die republikanische Norm und ihre Abweichung
3.1. Die Zeit des Triumphirates bis zum actischen Triumph
3.2. Vom actischen Triumph bis zum Tode Agrippas
3.3. Vom Tode Agrippas bis zum Tod des Augustus
4. Das Mausoleum des Augustus
5. Das Forum Romanum
6. Forum Augustum und Mars-Ultor Tempel
7. Die Panzerstatue von Prima Porta
8. Die Ara Pacis
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die enge Verknüpfung zwischen dem politischen Programm des Augustus und seinem monumentalen Bauprogramm in Rom. Dabei wird analysiert, wie Augustus Kunst und Architektur nutzte, um seine Macht zu festigen, den kaiserlichen Führungsanspruch zu legitimieren und gesellschaftliche Werte wie Pietas und das goldene Zeitalter dauerhaft im Stadtbild zu verankern.
- Propagandistische Funktion öffentlicher Bauten unter Augustus
- Transformation des Forum Romanum zum Repräsentationsort der kaiserlichen Familie
- Die dynastische Symbolik des Augustusforums und des Mars-Ultor-Tempels
- Ideologische Aussagen der Panzerstatue von Prima Porta
- Religiöse und politische Symbolik der Ara Pacis
Auszug aus dem Buch
4. Das Mausoleum des Augustus
Octavian hatte bei Philippi 42 v.Chr. einen Tempel für Mars Ultor gelobt; auch hatte er von Caesar eine Reihe noch im Bau befindlicher Bauten geerbt, so zum Beispiel die Basilica Iulia. Doch dies alles stellte er zugunsten eines Bauwerkes zurück, bei dem es vor allem um seine Selbstverherrlichung ging - sein Mausoleum am Marsfeld.
Es steht die Frage, warum sich der gerade Dreißigjährige am Anfang seiner gerade erst errungenen Alleinherrschaft ausgerechnet ein Mausoleum errichten lässt. Sicher war es nicht Pessimismus, der Octavian dazu veranlasste, vielmehr genau berechnetes politisches Kalkül.
Hatte sich doch sein überwundener Gegner Antonius viele Feinde in Rom geschaffen durch seinen testamentarischen Wunsch, in Alexandria neben Kleopatra bestattet zu werden; ein Wunsch übrigens, den Octavian ihm wohl nur all zu gern auch erfüllte.
Da lag Antonius nun bestattet in Ägypten, im Grab einer ägyptischen Königin, während das Grabmal seines Bezwingers in Rom in die Höhe wuchs. Die erhoffte negative Wirkung dieser Tatsache auf die Zeitgenossen veranlasste Octavian wohl zu diesem Bauwerk. Octavian bekundete auf diese Weise seine Zugehörigkeit zu Rom und den Willen, am Status der Hauptstadt nichts zu ändern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das politische Programm der öffentlichen Bauten: Einführung in die propagandistische Rolle römischer Architektur als Aushängeschild politischer Macht.
2. Die republikanische Norm und ihre Abweichung: Analyse des Übergangs von traditionellen, gemeinwohlorientierten Bauweisen der Republik zur ideologischen Instrumentalisierung durch Einzelpersonen.
3.1. Die Zeit des Triumphirates bis zum actischen Triumph: Untersuchung der frühen Selbstdarstellung Octavians, die sich an östlichen monarchischen Mustern orientierte.
3.2. Vom actischen Triumph bis zum Tode Agrippas: Darstellung des Totalitätsstrebens in der Baupolitik und der Identifikation des Princeps mit alten Kultstätten.
3.3. Vom Tode Agrippas bis zum Tod des Augustus: Erläuterung der stärkeren Betonung des dynastischen Anspruchs durch Einbeziehung der Nachfolger in die Bauten.
4. Das Mausoleum des Augustus: Diskussion des Mausoleums als politisches Kalkül zur Demonstration der Verbundenheit mit Rom im Gegensatz zu Antonius.
5. Das Forum Romanum: Betrachtung der Umgestaltung des politischen Zentrums Roms zu einem Repräsentationsplatz der kaiserlichen Familie.
6. Forum Augustum und Mars-Ultor Tempel: Analyse des Forums als wichtigste Bauunternehmung zur Legitimierung der Herrschaft und Ahnenverehrung.
7. Die Panzerstatue von Prima Porta: Interpretation der Statue als Medium für göttliche Aspekte und staatspolitische Symbolik des Herrschers.
8. Die Ara Pacis: Deutung des Friedensaltars als Ausdruck der propagandistischen Bildkunst im Kontext des Goldenen Zeitalters.
9. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung zur Normierung der Kunst durch augusteische Standards und der Schaffung einer permanenten neuen Realität.
Schlüsselwörter
Augustus, Baupolitik, Propaganda, Mausoleum, Forum Romanum, Augustusforum, Mars-Ultor-Tempel, Prima Porta, Ara Pacis, Repräsentation, Dynastie, Princeps, Pietas, Römische Architektur, Ideologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Augustus durch gezielte Bauvorhaben in Rom seine politische Macht und Herrschaftsansprüche manifestierte und propagandistisch inszenierte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die baulichen Umgestaltungen Roms, die ikonografische Bedeutung kaiserlicher Monumente und die Verknüpfung von privater Familiendarstellung mit staatlicher Ideologie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den architektonischen Wandel in Rom als Ausdruck von Augustus’ politischem Willen zu begreifen, der darauf abzielte, das Stadtbild und die Gesellschaft an festen, augusteischen Standards auszurichten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine kunsthistorisch-archäologische Analyse, die historische Quellen (z.B. Sueton, Res Gestae) mit der materiellen Analyse der Bauten und Reliefs verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Bauphasen des Augustus chronologisch und analysiert spezifische Bauwerke wie das Mausoleum, die Umgestaltung des Forums und die Ara Pacis als zentrale Propagandainstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Augustus, Propaganda, Bauprogramm, Dynastie, Repräsentation, Forum Romanum und die augusteischen Ideale wie Pietas zusammenfassen.
Warum ließ Augustus ausgerechnet sein Mausoleum als eines der ersten großen Projekte errichten?
Es handelte sich um ein genau berechnetes politisches Kalkül, um sich demonstrativ von seinem in Ägypten bestatteten Gegner Antonius abzugrenzen und seine unbedingte Zugehörigkeit zu Rom zu beweisen.
Welche Rolle spielt die Familie des Augustus in den Reliefdarstellungen der Ara Pacis?
Die Darstellung der kaiserlichen Familie dient der Betonung dynastischer Kontinuität und der Förderung sozialpolitischer Ziele, wie der Stärkung der Ehe und des Kinderreichtums innerhalb der römischen Gesellschaft.
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- M.A. Diana Beuster (Author), 1996, Herrscherkult des Augustus. Das Bauprogramm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16242