Globalisierung, Standardisierung, Rationalisierung. Gerade heute scheint es das allgegenwärtige Ziel zu sein, mit möglichst geringem Aufwand an Arbeit, Kapital und Zeit möglichst viel zu erreichen. Maximaler Gewinn hat oberste Priorität. Dank dieser Einstellung hat die Gesellschaft weltweit begonnen Traditionen zu vergessen. Einsetzend mit der industriellen Revolution entwickelte sich ein Trend, der wohl heute seinen Höhepunkt erreicht hat: Discounterwaren dominieren den Markt. Traditionen und Handwerk spielen nur noch in den wenigsten Bereichen eine nennenswerte Rolle.
Allerdings beginnt sich langsam ein Umdenken abzuzeichnen. Laut Konsumforschung legen immer mehr Konsumenten Wert auf Qualität und sind auch bereit dafür zu zahlen: Qualität statt Quantität ist das neue Motto. Diese Rückbesinnung kann als Folge des gehobenen Lebensstandards gesehen werden, der unsere heutige Gesellschaft zu großen Teilen prägt. Traditionelles Handwerk steht für Originalität und Qualität. Ein Paradebeispiel für ein solches Traditionsprodukt ist Parmesan – oder korrekter Parmigiano Reggiano. Der Extra-Hartkäse aus der italienischen Po-Ebene wird bis heute nach traditioneller Art, rein handwerklich produziert. Trotzdem ist er, wie man vermuten möchte, kein Nischenprodukt; Parmigiano Reggiano isst man auf der ganzen Welt. Wie ein so traditionelles Produktionssystem in der heutigen Zeit nicht nur überleben, sondern erfolgreich funktionieren kann, soll in dieser Arbeit untersucht werden.
Dafür wird zunächst die Geschichte des Parmigiano Reggiano dargestellt. Es folgt eine genaue Erläuterung der Produktionsmethoden (der Milch und des Käses) sowie der Vermarktung des Käses und dessen enger Bindung an die definierte Produktionsregion. Ebenso wird auf die zum Schutz des Produktes ergriffenen Maßnahmen eingegangen. Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden, ob das Parmigiano-Reggiano-Produktionssystem einen gewissen Modellcharakter hat. Ob also auch andere Regionen eines ihrer ehemals traditionellen Produkte in einem vergleichbaren System produzieren und erfolgreich vermarkten könnten, um ähnlich positive Effekte, wie die Schaffung von Arbeitsplätzen im Landwirtschaftssektor, zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Parmigiano Reggiano
- 2.1 Geschichte
- 2.2 Produktion
- 2.2.1 Das Produktionsgebiet
- 2.2.2 Die Milchherstellung
- 2.2.3 Die Herstellung von Parmigiano Reggiano
- 2.2.4 Die Rolle des Käsers
- 2.2.5 Reifung und Vermarktung
- 2.2.6 Typizität von Parmigiano Reggiano
- 2.3 Parmigiano Reggiano als geschützte Ursprungsbezeichnung
- 2.3.1 Begriffsdefinition „geschützte Ursprungsbezeichnung“
- 2.3.2 Gesetzlicher Schutz durch die EU
- 2.3.3 Das Consorzio
- 2.3.4 Konkurrenzprodukte
- 2.4 Auswirkungen auf das Produktionsgebiet
- 3. Modellcharakter des Parmigiano Reggiano Produktionssystems
- 3.1 Hat das Produktionssystem Modellcharakter?
- 3.2 Übertragbarkeit des Systemmodells
- 4. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht, wie das traditionelle Produktionssystem von Parmigiano Reggiano im Industriezeitalter erfolgreich funktioniert und ob es Modellcharakter für andere Regionen hat.
- Die Geschichte und Entwicklung des Parmigiano Reggiano
- Die traditionellen Produktionsmethoden und ihre Bedeutung für die Qualität des Käses
- Die Rolle des Consorzio und der geschützten Ursprungsbezeichnung für den Schutz des Produkts
- Die Auswirkungen des Parmigiano Reggiano Produktionssystems auf die Region
- Die Übertragbarkeit des Modells auf andere Regionen und Produkte
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet den Trend zur Standardisierung und Rationalisierung in der heutigen Zeit und zeigt auf, wie traditionelles Handwerk und Originalität in der modernen Gesellschaft an Bedeutung gewinnen. Parmigiano Reggiano dient als Beispiel für ein traditionelles Produkt, das dennoch weltweit erfolgreich ist. Das zweite Kapitel erläutert die Geschichte und Produktionsmethoden des Parmigiano Reggiano. Es geht auf die besondere Rolle des Käsers, die Reifung und Vermarktung des Käses sowie den Schutz des Produkts als geschützte Ursprungsbezeichnung ein. Im dritten Kapitel wird der Modellcharakter des Parmigiano Reggiano Produktionssystems untersucht. Es wird diskutiert, ob das System auch für andere Regionen und Produkte als Vorbild dienen kann.
Schlüsselwörter
Parmigiano Reggiano, traditionelles Handwerk, Industriezeitalter, geschützte Ursprungsbezeichnung, Consorzio, Modellcharakter, Produktionsgebiet, Qualität, Typizität, Übertragbarkeit, regionale Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Was macht die Herstellung von Parmigiano Reggiano besonders?
Der Käse wird bis heute nach traditioneller, rein handwerklicher Art produziert, ohne Zusatzstoffe und gebunden an eine streng definierte Region in Italien.
Was bedeutet "geschützte Ursprungsbezeichnung" (g.U.)?
Dies ist ein gesetzlicher Schutz der EU, der garantiert, dass alle Produktionsschritte eines Produkts in einer bestimmten Region nach festgelegten Verfahren erfolgen müssen.
Welche Rolle spielt das "Consorzio"?
Das Consorzio überwacht die Einhaltung der Produktionsregeln, schützt die Marke weltweit vor Fälschungen und ist für die Qualitätsprüfung der Käselaibe zuständig.
Hat das Produktionssystem von Parmesan einen Modellcharakter?
Die Arbeit untersucht, ob dieses System als Vorbild für andere Regionen dienen kann, um traditionelle Produkte erfolgreich zu vermarkten und Arbeitsplätze in der Landwirtschaft zu sichern.
Wie wirkt sich die Parmesan-Produktion auf die Region aus?
Sie fördert die regionale Wirtschaft, bewahrt kulturelles Erbe und schafft eine starke Identität sowie wirtschaftliche Stabilität für lokale Milchbauern und Käsereien.
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- B.A. Dorothea Bernhard (Author), 2010, Parmigiano Reggiano. Gelebte Handwerkskunst im Industriezeitalter prägt eine Region, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162423