Die Reliefs des Galeriusbogens in Thessaloniki


Hausarbeit (Hauptseminar), 1997

34 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Baugeschichte des Galeriusbogen

2. Der historische Quellenwert der Perserdarstellungen am Galeriusbogen

3. Der ornamentale Schmuck

4. Bildbeschreibung der Figurenfriese
4.1. Pfeiler A
4.2. Pfeiler B

5. Zusammenfassung

1. Zur Baugeschichte des Galeriusbogen

Der sogenannte Triumphbogen des Galerius liegt in südöstlicher Richtung der antiken Stadt Thessaloniki. Er überspannte somit eine in ostwestlicher Richtung verlaufende Straße, welche der heutigen Odos Egnatia gleichzusetzen ist.[1]

Da das Monument nur ungenügend erhalten auf uns gekommen ist, lässt sich nur vermuten, dass es sich ursprünglich um eine auf doppelter Pfeilerreihe ruhende, dreitorige Anlage gehandelt hat. Ausmaß und Ausschmückung gehören zu den prächtigsten Zeugnissen römischer Triumphalkunst.[2]

Anlass der Errichtung des Triumphbogens war der 297/8 n.Chr. errungene Sieg des Caesars Galerius über die Sassaniden; er diente damit der Erinnerung an dieses historische Ereignis und natürlich auch der Ehrung an Caesar Galerius und die drei weiteren Kaiser der ersten Tetrarchie Diokletian, Maximian und Constantius Chlorus. Dieser Schluss lässt sich aus den sowohl historischen als auch allegorischen Schilderungen und Darstellungen auf den noch erhaltenen Resten der Reliefs ziehen.[3]

Wann und wodurch die Zerstörungen sowohl des Bogens als auch der Reliefs hervorgerufen wurden, ist ungeklärt.

Eventuell führte ein Erdbeben zum teilweisen Einsturz des Bauwerkes; wohingegen die Beschädigungen der Reliefs auf menschliches Einwirken zurückgeführt werden könnten. Denkbar wäre hierbei eine von Christen durchgeführte Entstellung der Kaiserdarstellungen auf den Reliefs; fand doch unter Diokletian die letzte große und zentral gesteuerte Christenverfolgung statt.[4]

Der Anlass zur Errichtung dieses Siegesmonumentes ist gesichert, jedoch der geistige Urheber hierfür fehlt uns. Die normalerweise den Stifter namentlich kennzeichnende Dedikationsschrift, eventuell angebracht an den Frontseiten des Bogens, ist verloren. Da jedoch teilweise griechische Sprache bei den Beischriften der Reliefs des Bogens verwendet wurde, liegt der Schluss nahe, dass als Stifterin des Bogens die Polis Thessaloniki fungierte.

Auch die Betrachtung des Bauwerkes in Verbindung mit der Palastanlage des Galerius gibt keinen sicheren Aufschluss, da weder schriftliche Quellen den genauen Beginn und Verlauf bezeugen noch dies eindeutig aus den Grabungsbefunden hervorgeht.[5]

Wenn man jedoch davon ausgeht, in der Polis Thessaloniki die Stifterin des Triumphbogens zu sehen, so lässt sich argumentieren, dass bereits zur Zeit des beendigten Perserzuges Galerius ganz oder doch zumindest zeitweise seine Residenz in Thessaloniki hatte; anders wäre das Verhalten der Polis in Bezug auf die Stiftung des Bogens kaum zu erklären.[6]

2. Der historische Quellenwert der Perserdarstellungen am Galeriusbogen

Nach der Unterwerfung des römischen Vasallenstaates Armenien überschritt der Sassanidenkönig Narses 297 n.Chr. den Tigris und leitete damit seine Offensive gegen die römischen Streitkräfte ein. Galerius trat ihm - wohl mit unterlegenen militärischen Kräften - zwischen Carrhae und Callinicum entgegen und wurde geschlagen.

Daraufhin wurden aus den Donauprovinzen Legionen als Verstärkung herangezogen, und Galerius drang in der Folgezeit von Satala in Armenia minor aus in Großarmenien ein. Bei einem Überfall auf das Lager der Perser fielen den Römern neben dem persischen Kriegsschatz auch die Familie des Narses in die Hände. Dieser Verlust bewog wohl den Perserkönig, Verhandlungen mit Diokletian aufzunehmen und die gestellten Friedensbedingungen anzunehmen.[7]

Der 298 n.Chr. geschossene Vertrag setzte fest, dass Rom sowohl das nordöstliche Mesopotamien zurückerhielt und darüber hinaus noch fünf weitere Provinzen jenseits des Tigris hinzugewann. Im Gegenzug garantierten die Römer die Freilassung der persischen Königsfamilie.

Galerius, der Sieger über die Perser, traf nach Beendigung des Feldzuges in Nisibis mit Diokletian zusammen, welcher zur gleichen Zeit eine zweite Streitmacht nach Mesopotamien geführt hatte.[8]

Diese historischen Ereignisse werden im Bildzyklus des Galeriusbogens anhand ausgewählter Episoden dargestellt.

Dabei muß jedoch beachtet werden, dass aufgrund der teilweise starken Beschädigung der Reliefs eine exakte Interpretation historisch fassbarer Fakten nicht möglich ist. Hinzu kommt, dass in der römischen Triumphalkunst häufig wiederkehrende Szenen, wie zum Beispiel die adlocutio oder das Opfer, als Topoi verwendet werden, ohne das sie historisch exakt nachzuweisen sind.[9]

So lässt sich nur ein sicherer Hinweis auf den Marschweg bzw. das Kampfgebiet der römischen Verbände erkennen. In der Kampfszene des Frieses A I 3 fliehen persische Verbände, von römischer Reiterei verfolgt, über einen Fluss, welcher anhand der griechischen Beischrift als Tigris benannt werden kann.[10]

Wie die meisten der sogenannten barbarischen Völker werden die Perser mit Hosen und kurzem, gegürteten Gewand dargestellt. Um die Unterscheidung zwischen einfachen Soldaten und den königliche Würdenträgern zu verdeutlichen, wurden als Kennzeichnung vornehmer Personen die Tiara verwendet.

Jedoch nicht nur der die historischen Ereignisse des Perserzuges wiedergebende Teil der Reliefs sind von großer historischer Bedeutung, sondern auch die allegorischen Darstellungen der Tetrarchen, umgeben von Personifikationen und Gottheiten.

Diese Darstellungen geben Aufschluss über das politischen Programm der ersten Tetrarchie, nämlich die ihnen zu verdankende restitutio des römischen Imperiums.[11]

3. Der ornamentale Schmuck

Das Kranzgesims, welche die Mittelpfeiler auf drei Seiten bekrönt, ist reich ornamentiert (Tafel 11,1; 14,1.2; 30,1.2; 45,1.2).

Den unteren Teil des Kranzgesims bildet ein Karnies, und dies wieder rum schließt mit einem Perlstab ab.

Über dem Perlstab sind eine Reihe hoch aufgerichteter, sich an den Spitzen seitlich berührender Akanthusblätter angebracht. Dahinter, die Akanthusblätter überragend, wurde ein Pfeifenblattfries angebracht.

Der obere Teil des Kranzgesims ist bei Pfeiler A und B unterschiedlich gearbeitet.

Er besteht am Pfeiler A von unten nach oben aus „laufendem Hund“, Eierstab, Zungenblattfries und schmaler Abschlussleiste (Tafel 14,1.2). Am Pfeiler B hingegen folgen einander Eierstab, Zahnschnitt, Perlstab und Leiste (Tafel 45,2).

Die am Pfeiler A angebrachten Ranken sprießen aus einer großen, dreiblättrigen Akanthusstaude in der Friesmitte hervor. Im Gegensatz dazu wurden am Pfeiler B die Akanthusstauden, aus welchen die Ranken hervorkommen, an den Friesecken angebracht.

Diese Akanthusblattdarstellungen wurden noch mit entsprechenden Lorbeerfriesen verbunden, welche jedoch teilweise zerstört sind.[12]

4. Bildbeschreibung der Figurenfriese

4.1. Pfeiler A (Südostseite)

Tafeln 10-12

Fries A I 1 (Tafeln 10; 11,1; 12,1)

Am linken Friesende befindet sich ein Stadttor, flankiert von zwei Türmen. Sowohl das Tor wie auch die Türme, dargestellt mit Quadermauern, werden bekrönt von dreieckigen Zinnen. In der Toröffnung stehend befindet sich ein römischer Soldat, während ein zweiter aus dem Tor nach rechts schreitend eilt.

Vor der Stadt schlägt eine sechsköpfige römische Reiterschar berittene Perser in die Flucht. Der Anführer der Reiter nimmt in seiner Darstellung die gesamte Frieshöhe in Anspruch; die anderen fünf Reiter sind in zwei Reihen übereinandergestaffelt.

Wahrscheinlich ist der Reiterführer Galerius selbst, ausgehend von seiner die anderen Römer überragend dargestellten Größe und vielleicht auch aufgrund der Offiziersbinde, worauf geringe Reste hindeuten. Die Gestalt reitet über persische Gefallene am Boden hinweg. Bildrand zu.[13]

Die Darstellung zeigt - laut Laubscher - einen Ausfall römischer Reiterei aus einer orientalischen Stadt, wenn man sich der Deutung anschließt, dass die dreieckigen Zinnen der Mauern als Kennzeichen orientalischer Architektur verstanden werden können.

Die in die Flucht geschlagenen Perser fliehen auf den rechten

Detailliertere Angaben zur Deutung des Geschehens wie den Namen der Stadt oder den Zeitpunkt des Kampfes lassen sich anhand der Darstellungen nicht machen.

Meyer jedoch deutet die Stadt aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit der im Fries AII 6 dargestellten als Satala, römische Provinzhauptstadt in Armenien. Da uns in den Quellen nichts von einer Belagerung Satalas während des Galeriuszuges überliefert ist, wäre Laubschers Deutung zumindest zweifelhaft. Meyer schlägt folgende Interpretation vor: Wiedergegeben ist die Verfolgung der Truppen des Koenigs Narses nach der Gefangennahme seiner Familie. Galerius bricht mit der Kavallerie von Satala aus auf und jagt des Großkönig. Das Galerius, dargestellt als Reiterführer, über persische Gefallene reitet, kann als Symbol für Feindberührung und Kampf während der Verfolgung gedeutet werden.[14]

Fries A I 2 (Tafeln 10; 11,1; 12,2-4)

Trotz der starken Beschädigung des Reliefs lässt sich ein Kampfgetümmel ausmachen, welches die gesamte Fläche mit Figuren ausfüllt. Römische Reiter und Fußsoldaten dringen von beiden Seiten auf die im Mittelteil zusammengescharten Perser ein.

Von links dringen römische Reiter gegen die Perser vor, in zwei Schichten hintereinandergestaffelt.

Auch hier ist der vordere Reiter hervorgehoben durch seine Größe und gekennzeichnet durch die Offiziersbinde. Unter seinem sich aufbäumenden Pferd zeichnen sich die Gestalten von fünf Gefallenen ab.

Inmitten der im Abwehrkampf begriffenen Perser zeichnen sich zwei stehende weibliche Gestalten ab, kenntlich durch die bis auf den Boden reichenden Gewänder. Beide tragen die hohe Tiara der persischen Adligen. Rechts von beiden Frauen thronte auf einem Sitz eine wohl ebenfalls weibliche Figur, welche jedoch stark zerstört ist.

Sowohl hinter als auch rechts von den Frauen sind weitere kämpfende bzw. fliehende persische Soldaten dargestellt, welche auf die vom rechten Bildrand angreifenden römischen Fußsoldaten treffen.[15]

Meyer wieder rum weist zurück, dass es sich um eine thronende weibliche Gestalt handelt, vielmehr deutet er einen nach rechts knienden Bogenschützen.[16]

Zu dieser Art der Kampfdarstellung haben wir einen konkreten historischen Fakt. Es könnte sich hierbei um die Gefangennahme der persischen Königsfamilie handeln. Dann kann der durch seine Größe auffällige Reiter mit Offiziersbinde Kaiser Galerius selbst sein, welcher ja den Überfall auf den Harem des Perserkönigs anführte.

Die stark zerstörte thronende weibliche Gestalt - laut Laubscher - wäre demzufolge die Großkönigin Arsane.

Dieser Sichtweise schliesst sich auch M.Pond Rothman in ihrer Abhandlung an.[17]

Jedoch Meyer sieht die Gefangennahme der Sassaniden nicht hier beschrieben, sondern auf der Südseite des Pfeilers A, im von Laubscher bezeichneten Fries AII 6.

Meyer sieht in der oben beschriebenen Darstellung lediglich einen Überfall auf einen zufällig gestellten Trupp von Orientalen. Was die mit der Tiara dargestellten klagenden Frauen betrifft, so biete er folgende Erklärung an: Sie sind als Personifikationen der sassanidischen Doppelmetropole Ktesiphon-Weh Ardasir anzusehen. Denn er vermeint in der Zerstörung hinter den dargestellten Personen die Fassade einer Mauer zu erkennen. Damit entsteht folgender Schluss: Narses schlägt sich nach Ktesiphon durch, wurde jedoch hart attackiert von Galerius, welche auch fü kurze Zeit die Sassanidenmetropole selbst bedrohte, sie jedoch mit seinem geringen Truppenkontingent nicht ernsthaft belagern oder gar erobern konnte.[18]

[...]


[1] Laubscher,H.-P., Der Reliefschmuck des Galeriusbogens in Thessaloniki, S.1

[2] a.a.O., S.1

[3] a.a.O., S.1f.

[4] a.a.O., S.4

[5] a.a.O., S.14f.

[6] a.a.O., S.14f

[7] a.a.O., S.16

[8] a.a.O., S.16

[9] a.a.O., S.16

[10] a.a.O., S.17

[11] a.a.O., S.17

[12] a.a.O., S.23f.

[13] a.a.O., S.27f.

[14] A.Meyer, Die Frieszyklen am sogenannten Triumphbogen des Galerius in Thessaloniki, in: JdI 95,S.386f

[15] a.a.O., S.28ff.

[16] A..Meyer, Die Frieszyklen..., S.389

[17] M.Pond Rothman, S.432

[18] H.Meyer, Die Frieszyklen..., S.377 und 389ff

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die Reliefs des Galeriusbogens in Thessaloniki
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Note
gut
Autor
Jahr
1997
Seiten
34
Katalognummer
V16245
ISBN (eBook)
9783638211505
ISBN (Buch)
9783638717304
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reliefs, Galeriusbogens, Thessaloniki
Arbeit zitieren
M.A. Diana Beuster (Autor), 1997, Die Reliefs des Galeriusbogens in Thessaloniki, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16245

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