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Wer ist Jude?

Das Verhältnis zwischen Staat und Religion in Israel am Beispiel der Auswirkungen der Kontroversen um die Frage „Wer ist Jude?“

Title: Wer ist Jude?

Term Paper , 2010 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Haupt (Author)

Politics - Miscellaneous
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Als grundlegend für den Staat Israel auf dem Gebiet Palästinas muss die zionistische Bewegung ge-nannt werden, deren Denker, unter anderem Theodor Herzl (Der Judenstaat), einen eigenen „Staat der Juden“ anstrebten. Das bezogen die meisten jedoch nicht auf den religiösen Begriff des Judentums, sondern auf den Begriff eines Volkes.1 Bereits in der Unabhängigkeitserklärung finden sich jedoch In-dizien dafür, dass der Begriff „jüdisch“ in diesem Kontext auch religiöse Aspekte umfasst.2 Bei der Staatsgründung selbst wurden aufgrund des hohen Konfliktpotentials klare und endgültige Festlegun-gen im Verhältnis zwischen Staat und Religion zugunsten einer schnellen Bildung des politischen Sys-tems weitestgehend ausgespart, in einigen Aspekten jedoch den religiösen Stimmen empfindliche Zu-geständnisse gemacht- mit weitreichenden Konsequenzen.3 Nach wie vor findet in der Innenpolitik ein hart geführtes Ringen um religiöse Standpunkte, ihre säkularen Gegenpole und intensive Streitigkeiten innerhalb der jüdischen Religion statt. Anhand der brisanten Frage „Wer ist Jude?“ werde ich versu-chen, einige Konfliktlinien im Verhältnis zwischen Staat und Religion darzustellen. Die Frage tangiert dabei sowohl die Kontroverse unter den verschiedenen religiösen Strömungen um die Vormachstel-lung im Vertretungsanspruch des Judentums überhaupt, als letztlich auch das demokratische Grund-konzept Israels. Beispielhaft soll hier die Relevanz dieses Streitpunktes am Beispiel seiner Auswir-kungen auf Einwanderung, auf die Definition des Verhältnisses von Staat und Religion, und auf das Personenstandsrecht untersucht werden.
Unter den Gesichtspunkten des Säkularisierungstheorems von Willems und Minkenberg wird heraus-zufinden sein, inwiefern Israel als säkularer Staat bezeichnet werden kann bzw. säkulare Tendenzen aufweist. Dabei werde ich mich um ein realisierbares Untersuchungsraster anlegen zu können gemäß der Eingangsfrage auf die innerjüdischen Aspekte beschränken.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Säkularisierungstheorem nach Willems / Minkenberg

3. Institutionelle und politische Kontextbedingungen

4. Wer ist Jude?

4.1. Auswirkungen auf die Einwanderung und die Stellung als Staatsbürger

4.2. Auswirkungen auf die Frage des Verhältnisses von Staat und Religion

4.3. Auswirkungen auf die Personenstandsangelegenheiten & den Status religiöser Gemeinschaften

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe und spannungsreiche Verhältnis zwischen Staat und Religion in Israel unter besonderer Berücksichtigung der Identitätsfrage „Wer ist Jude?“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese religiös-politische Kontroverse die demokratischen Grundprinzipien des Staates sowie die Lebensrealitäten verschiedener Bevölkerungsgruppen beeinflusst.

  • Das Säkularisierungstheorem im Kontext Israels
  • Die Auswirkungen der Definition von „Judentum“ auf Staatsbürgerschaft und Einwanderung
  • Das Spannungsfeld zwischen religiöser Rechtsprechung und demokratischer Gewaltenteilung
  • Der Einfluss religiöser Parteien auf die Regierungsbildung und staatliche Institutionen

Auszug aus dem Buch

4. Wer ist Jude?

Die Frage, wer als Jude gilt und wer nicht, stellt nach vielen Jahren ein noch immer ungelöstes Problem der israelischen Innenpolitik dar. Das ist zwar kein Streitpunkt, über den ausschließlich in Israel Disput herrscht, dennoch erweist er sich für dieses Land als besonders kritisch. Die Konfliktlinien verlaufen sowohl innerhalb der Religion als auch zwischen Religion und Staat und sind selbst innerhalb der gesellschaftlichen Sphäre von zentraler Bedeutung.

Bevor nun die Forschungsfrage in den drei eingangs erwähnten Wirkungsbereichen Einwanderung, Verhältnis von Staat und Religion sowie Personenstandsangelegenheiten erörtert wird, möchte ich zunächst einen kurzen Überblick über die Bevölkerungsstruktur Israels geben. Von den knapp 7,2 Millionen Israelis werden nach offiziellen Angaben 71% als Juden aufgeführt. Der Anteil orthodoxer und ultra-orthodoxer Strömungen lag nach einer Wahlanalyse von 1996 mit etwa 16% bis 18% erkennbar unter dem Teil derer, die sich als Konservative oder Reformjuden verstehen (etwa 32% bis 34%).

Insbesondere in den 1990er Jahren war dabei eine generelle Zunahme an Religiosität zu beobachten, wie der Vergleichswert von nur etwa 30% religiös bekennender Juden in den 1980ern zeigt. Der wesentliche Unterschied zwischen orthodoxen und reformerischen Strömungen liegt, kurz gesagt, in der Haltung zur Offenbarungslehre und damit verbunden die Anpassungsfähigkeit ritueller Gesetze an die Moderne. Zwar bieten auch ethnisch- religiöse Aspekte Konfliktpotential, doch scheinen diese momentan nicht von derart großer Tragweite zu sein, werden also nachfolgend vernachlässigt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung des zionistischen Staates ein und formuliert die zentrale Fragestellung, inwiefern die Identitätsdefinition des Judentums das Verhältnis von Staat und Religion in Israel prägt.

2. Das Säkularisierungstheorem nach Willems / Minkenberg: Das Kapitel erläutert das theoretische Säkularisierungsmodell und hinterfragt dessen Anwendbarkeit auf die israelische Gesellschaft durch Einbeziehung kritischer Perspektiven.

3. Institutionelle und politische Kontextbedingungen: Der Autor beleuchtet die strukturellen Besonderheiten Israels, insbesondere das Fehlen einer schriftlichen Verfassung und den starken Einfluss des Status-Quo-Abkommens auf die politische Praxis.

4. Wer ist Jude?: Dieser Hauptteil analysiert detailliert, wie die Definition des Judentums Einwanderungspolitik, das Verhältnis von Staat und Religion sowie das Personenstandsrecht nachhaltig beeinflusst.

5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Israel eine enge Interdependenz zwischen religiösen und staatlichen Sphären aufweist, die das Ziel einer strikten Säkularisierung und das Gleichheitspostulat vor dem Gesetz konterkariert.

Schlüsselwörter

Israel, Staat und Religion, Judentum, Wer ist Jude, Säkularisierung, Halacha, Orthodoxie, Identitätspolitik, Staatsbürgerschaft, Personenstandsrecht, Rückkehrer-Gesetz, Knesset, Parteiensystem, Religionsfreiheit, Demokratie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis von Staat und Religion in Israel und zeigt auf, wie religiöse Normen und staatliche Gesetzgebung in Bereichen wie Einwanderung und Rechtssprechung interagieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Auswirkungen der Identitätsfrage „Wer ist Jude?“ auf die Einwanderung, das gesellschaftliche Verhältnis von Religion und Politik sowie auf die Personenstandsangelegenheiten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Israel trotz moderner staatlicher Strukturen als säkular bezeichnet werden kann oder inwieweit religiöse Strömungen die gesellschaftliche Ordnung maßgeblich mitbestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine systemanalytische Herangehensweise gewählt, wobei das Säkularisierungstheorem von Willems und Minkenberg als theoretisches Raster zur Einordnung der israelischen Kontextfaktoren dient.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Auswirkungen religiöser Deutungshoheit auf die Staatsbürgerschaft, die Rolle religiöser Parteien in der Knesset und die praktische Ausgestaltung des Personenstandsrechts durch religiöse Räte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind Israel, Judentum, Säkularisierung, Halacha, Identitätspolitik und das Spannungsfeld zwischen demokratischem Anspruch und religiöser Normierung.

Welche Rolle spielt das Rückkehrer-Gesetz bei der Identitätsfrage?

Das Gesetz dient als zentraler Ankerpunkt für die Debatte, da es den Status als Jude rechtlich definiert, jedoch durch die ausschließliche Anerkennung orthodoxer Konversionskriterien erhebliche soziale und politische Konflikte provoziert.

Warum wird die Rolle des Obersten Gerichtshofs so kritisch bewertet?

Der Autor zeigt auf, dass der Oberste Gerichtshof zwar die Gleichheit der Bürger einklagt, seine Urteile jedoch häufig an der mangelnden Umsetzung durch politische Entscheidungsträger oder am Widerstand religiöser Akteure scheitern.

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Details

Title
Wer ist Jude?
Subtitle
Das Verhältnis zwischen Staat und Religion in Israel am Beispiel der Auswirkungen der Kontroversen um die Frage „Wer ist Jude?“
College
Martin Luther University  (Institut für Politikwissenschaft und Japanologie )
Course
Systemanalyse und Vergleichende Politik
Grade
1,3
Author
Sebastian Haupt (Author)
Publication Year
2010
Pages
15
Catalog Number
V162481
ISBN (eBook)
9783640761760
ISBN (Book)
9783640762064
Language
German
Tags
Jude Verhältnis Staat Religion Israel Beispiel Auswirkungen Kontroversen Frage Jude
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Haupt (Author), 2010, Wer ist Jude? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162481
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