Ebner-Eschenbach - Ihr Leben und ihre Werke


Seminararbeit, 2009

21 Seiten, Note: Befriedigend

Valentina Kasmader (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Zur Autorin Marie von Ebner- Eschenbach

3. Die Probleme und Zerrissenheit während ihrer Schaffenszeit

4. Die Unverstandene auf dem Dorfe
4.1. Grundstruktur der Erzählung
4.2 . Bedeutung der Moral bei Ebner- Eschenbach
4.3. Inhaltlichte Aspekte, Stolz als Überlebensform, Kastendenken, Interpretation
4.4. Der religiöse Aspekt

5. Vergleich: Die Unverstandene auf dem Dorfe und Romeo und Julia auf dem Dorfe

6. Die Novelle
6.1. Die Unverstandene auf dem Dorfe- eine Novelle?

7. Hervorstechende Aspekte in „Die Unverstandene auf dem Dorfe“

8. Vergleich Marie Lakomy mit anderen Figuren aus Werken Ebner- Eschenbachs

9. Nachwort

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon öfter wurde darüber spekuliert oder debattiert, ob man Marie von Ebner- Eschenbach nicht als Vertreterin der Frauenliteratur zählen kann. Doch wurde dies immer wieder abgestritten. Ricarda Huch begründet das mit der Aussage: „Die Musen gehören zu den himmlischen Gestalten, die Mann und Weib nicht kennen; der einzige Maßstab für einen Künstler ist die Kunst.“[1] Marie von Ebner- Eschenbach kategorisierte die Kunst nicht in Mann und Frau ein, darum zählte sie ihre Werke auch nie zur Frauenliteratur. Trotz alldem steht meistens eine Frau im Mittelpunkt des Geschehens. Egal aus welcher Schicht, ob aus einer Adelsfamilie, aus einer bürgerlichen oder einer Arbeiterschicht. Marie von Ebner- Eschenbach macht keine Unterschiede, zu mindestens keine moralischen. Das kommt daher, dass für Ebner- Eschenbach der moralische Aufstieg viel bedeutender als der materielle Aufstieg ist. Anders ausgedrückt, materieller Aufstieg führt sehr oft zu einem moralischen Abstieg. Auf diesen Aspekt weist Ebner- Eschenbach sehr deutlich in „Die Unverstandene auf dem Dorfe“ hin. Die Erzählung, um die es in dieser Arbeit geht, gewährt uns einen Einblick in die Gesellschaft der Bauern- und Arbeiterschicht, zu einer Zeit, die man als höchst zerrissen und noch tief in Konventionen verhaftet sehen kann. Es wird auf die altmodische Denkweise und auf das daraus entstehende Verhalten jedes einzelnen Menschen, aber ganz besonders auf das der Marie Lakomy, hingewiesen. Ebner- Eschenbach hat einmal gesagt, dass sie die Erzählungen an die Personen anpassen würde und daher stehen nur außergewöhnliche Menschen im Mittelpunkt ihrer Werke. Marie kann man als eine dieser vielen außergewöhnlichen Persönlichkeiten und Charaktere dieser Erzählung sehen. Es ist ein aufbäumen gegen die Zeit, die Ansichten und Verhaltensweisen der Menschen, die ohne zu hinterfragen das Leben so hinnehmen, wie es ihnen vorgeschrieben oder vorgelebt wird. Neid und Stolz sind große Komponenten, die immer wieder auftreten und das Leben erschweren, einem meistens innerlich zerreißen. Doch ist es v.a. der Stolz, der es ermöglicht, das Leben zu ertragen. Man wird an die Entwicklung- der moralische Aufstieg- der Protagonisten herangeführt, der sich oft schwerer als erwartet herausstellt. Das scheinbar einfachste auf der Welt, das jeden betrifft- sein Leben so leben zu können wie man will- stellt sich als fast unmöglich heraus. Mein Anliegen ist es, anhand dieser Erzählung zu verdeutlichen, wie das Leben im 19. Jahrhundert war.

Wie beeinflussbar, eingeengt, beschränkt und determiniert die Gesellschaft war. Unter anderem geht es auch um die Stellung der Frau. Den wenigsten ist wahrscheinlich bewusst, dass eine Frau nur eine Zukunft an der Seite eines Mannes hatte. Für ledige oder verwitwte Frauen hatte das Leben nicht viele Möglichkeiten bereitgestellt. Geld- das war das, was wichtig war. Geld und der dadurch mögliche soziale Aufstieg. Doch weist Ebner- Eschenbach immer wieder darauf hin, dass der soziale Aufstieg das Leben nicht unbedingt lebenswerter macht- zumindest nicht im moralischen Sinn. Weiteres wird die Figur anhand der Lebensumstände charakterisiert. Ihr Stolz, den sie erst nach langem Hin und Her ablegen kann und ihr dann auch ein gutes Ende beschert, wird als Moral dieser Geschichte verstanden. Man könnte dies auch als ein Art Entwicklungsgeschichte sehen, in der sich erst im Laufe der Zeit, der Charakter vollständig herausbildet und seine Bürden abgelegt werden, denn die Basis einer guten Lebensführung, sei es auch in noch so schlechten Lebenslagen und Umständen, haben die meisten Figuren der Autorin Ebner- Eschenbachs.

2. Zur Autorin Marie von Ebner- Eschenbach

Marie von Ebner- Eschenbach wurde am 13. September 1830 in Mähren geboren. Sie war eine der bedeutendsten österreichischen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie stammte aus der hochadeligen Familie von Dubsky. Schon im Kindesalter wurde ihr schriftstellerisches Talent gefördert. Viele verschiedene Personen erzogen das Mädchen, von diesen Eschenbach dadurch auch geprägt wurde. Wie zum Beispiel von ihrer Großmutter, ihrer Tante, von tschechischen Dienstmägden und von deutschen und französischen Gouvernanten. Dadurch lernte sie auch einige Sprachen: Deutsch, Französisch und Tschechisch. Im Jahre 1848- mit 18 Jahren- heiratete sie ihren Cousin Moritz von Ebner- Eschenbach. Auch ihr Mann Moritz unterstütze sie in ihrem Schriftstellerdrang. 1856 übersiedelten sie nach Wien. Dort machte Eschenbach eine Uhrmacherausbildung, was zur damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich war. Doch im Laufe der Zeit wendete sie sich ganz der Literatur zu.

Sie schrieb viele Dramen, inspiriert von Schiller, mit denen sie aber nur wenig Erfolg hatte. Erst mit ihrem ersten Roman (1876) „Bozena“ hatte sie Erfolg. Doch erst mit der Erzählung „Lotti, die Uhrmacherin“, öffneten sich ihr die Verlage.

Mit den nachfolgenden Werken „Aphorismen“ (1880) und „Dorf- und Schlossgeschichten“ gelang ihr schließlich der Durchbruch. In ihren erzählerischen Dichtungen findet man Elemente ihres sozialen- und politischen Denkens. Mit dem im Jahre 1887 entstandenen Roman „Das Gemeindekind“ landete sie wieder einen großen Erfolg. Im Laufe der Zeit nahm ihr Ruf immer mehr zu.

Nicht nur einmal versuchte sie die Gedanken der damaligen Zeit durch ihre Literatur zu verändern. Im Jahre 1890 fand sie mit den dialogischen Novellen ihren dramatischen Stil. Nach dem Tod ihres Gatten, unternahm sie einige Reisen nach Italien und veröffentlichte 1906 „Meine Kinderjahre“

Marie von Ebner- Eschenbach starb am 12. März 1916 in Wien und wurde in der Familiengruft begraben. Es wurde ihr zu Ehren der Ebner- Eschenbach Park in Wien (Währing) benannt.

3. Die Probleme und Zerrissenheit während ihrer Schaffenszeit:

Was ich mit jeder meiner Arbeit will: möglichst einfach die Lebensgeschichte eines Menschen erzählen, dessen Geschichte mir besonderes Interesse eingeflößt hat. Ich habe die Anregung, ein Buch zu schreiben, nie durch ein Buch, sondern immer nur durch einen Menschen empfangen.[2]

Dieses Zitat Ebner- Eschenbachs, kann man als ein wahres sehen. Steht in den meisten ihrer Erzählungen, Novellen und Romanen, ein besonderer, individueller, oftmals von der Gesellschaft zerrissener Mensch, der versucht, sich in den Schwierigkeiten und Problemen der Zeit zurecht zu finden.

Die Zeit des 19. Jahrhunderts ist eine von großen Problemen geplagte Zeit. In dieser Epoche finden viele politische Umwälzungen und Veränderungen statt. Da Ebner- Eschenbach eine lange Schaffensphase hatte, kann sie mehreren Epochen zugeordnet werden: den Josephinismus, dem Biedermeier/Vormärz und dem Realismus. 1848 bedeutet für die Entwicklung der Literatur einen Einschnitt. Das Bürgertum wendet sich gegen die absolutistische Regierung. Metternich muss abdanken. Trotzdem kann das Bürgertum die Macht im Staat nicht dauerhaft erringen. Es kommt zu einer immer stärkeren Polarisierung von Kapitalismus und Proletariat. Es ist die Zeit der Industrialisierung, die mit Arbeitsplätzen unter schrecklichen Bedingungen verbunden war. Die Zahl der Arbeiter steigt rapide an. Es kommt zu einer Landflucht und in den Städten entwickeln sich viele Arbeiterviertel, die um einen Hungerlohn ihre Arbeit verrichten. Es gibt keinen Schutz für die Arbeiter und auch keine Organisation, die in der Lage ist, eine Besserung herbei zu führen.[3]

Genau auf diese Schicht der Bevölkerung, legt Ebner- Eschenbach ihr Augenmerk. Ihnen hat sie auch unter anderem ihre Dorf- und Schlossgeschichten gewidmet. Die Dorf- und Schlossgeschichten sowie die Neuen Dorf- und Schlossgeschichten bilden den Höhepunkt ihres literarischen Schaffens. Darin lassen sich viele wichtige Elemente ihres sozialen Denkens und politischen Bewusstseins finden.

[...]


[1] Ebner-Eschenbach, Marie von: Frauenbilder: sechs Erzählungen / Marie von Ebner-Eschenbach. Hrsg. von Fritz Böttger . - 1. Aufl. . - Wien : Globus-Verl. , 1982 . S. 6

[2] Zitiert bei Josef Hofmiller: Letzte Versuche. München 1943. S. 51 In: Beutin, Heidi: Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt, Hamburg 1190. S. 13

[3] Vgl: Killinger, Robert: Gestalten und Verstehen. Literaturkunde. Entwicklungen, Formen, Darstellungsweisen. öbv et hpt VerlagsgesmbH & Co. Kg, §. Auflage, Nachdruck 2005

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Details

Titel
Ebner-Eschenbach - Ihr Leben und ihre Werke
Hochschule
Universität Wien
Note
Befriedigend
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V162493
ISBN (eBook)
9783640761524
ISBN (Buch)
9783640761654
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeit, Befriedigend
Arbeit zitieren
Valentina Kasmader (Autor), 2009, Ebner-Eschenbach - Ihr Leben und ihre Werke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162493

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