Einleitung:
Den meisten Kindern in Deutschland geht es gut. „Sie haben genug zu essen, es gibt genug Ärzte und Medikamente.. Die Kindersterblichkeit ist eine der niedrigsten weltweit, und das Ziel „Bildung für alle“ ist verwirklicht. (…) Und den meisten Kindern stehen Freizeitangebote zur Verfügung, von denen Altersgenossen nur träumen können.“ (Quelle: http://www.unicef.de). Auf den ersten Blick könnte dies stimmen, doch die Kehrseite der Medaille sieht anders aus.
Tatsächlich ist es so, dass immer mehr Kinder unter schwierigen und Existenz bedrohenden Bedingungen in der Bundesrepublik aufwachsen und der Armutsbegriff viel umfassender ist, als dass man ihn über einen materiellen Wert festlegen kann. Kinderarmut geht oft auch einher mit einer schlechten Gesundheit, verzögerter emotionaler und kognitiver Entwicklung, schlechtere schulische Leistungen und damit verbundenen weniger qualifizierten oder fehlenden Schulabschlüssen und haben weniger Chancen auf dem Ausbildungs- und Berufsmarkt.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderarmut_in_den_Industrielaendern)
Laut Unicef wird jedes fünfte bis jedes siebte Kind als arm eingestuft. Insgesamt sind rund drei Millionen Kinder und Jugendliche betroffen. Liest man bei einigen Schlagzeilen zwischen den Zeilen, kommt man immer mehr ins Grübeln wie es Kindern und ihren Familien- oft verdeckt- zu gehen scheint. "Es gibt viele Methoden, sich dauerhaft zu ruinieren. Eine der erfolgversprechensten in Deutschland ist heute die Gründung einer mehrköpfigen Familie." So fasst der Präsident des Caritasverbandes, Hellmut Puschmann, die Erfahrungen vieler Familien mit Kindern zusammen. Kinder zu haben, ist zu einem Armutsrisiko geworden. Denn mit der Geburt eines Kindesergeben sich für die Eltern beträchtliche zusätzliche Ausgaben für Ernährung, Kleidung, Wohnraum sowie für soziale und kulturelle Aktivitäten. Welche Größenordnung dies erreicht, verdeutlichen die verschiedenen Wirtschaftsrechnungen für Haushalte. Eine Studie kam auf monatliche Kosten von 500 bis 1000 Mark pro Kind. In einer anderen Untersuchung wurden Gesamtkosten von rund 300.000 Mark über einen Zeitraum von 18 Jahren ermittelt.“
(Quelle: Unicef,2000)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition
2.1. Die UN- Kinderrechtskonvention und der Nationale Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland
3. Aktuelle Situation
3.1 Verschiedenen Sichtweisen auf die Thematik
3.2 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der Kinderarmut in Deutschland, beleuchtet die verschiedenen Dimensionen von Armut und hinterfragt kritisch sowohl politische Ansätze als auch gesellschaftliche Normvorstellungen zur Bewältigung dieses Problems.
- Definition und Abgrenzung von absoluter und relativer Armut.
- Die Bedeutung der UN-Kinderrechtskonvention für den deutschen Aktionsplan.
- Kontroverse Perspektiven zur finanziellen Situation von Kindern (Müller vs. Holz).
- Evaluation von Reformvorschlägen wie der Kindergrundsicherung.
- Bedeutung von Schutzfaktoren und kommunaler Netzwerkarbeit für benachteiligte Kinder.
Auszug aus dem Buch
3.1 Verschiedenen Sichtweisen auf die Thematik
Im weiteren Verlauf möchte ich zwei unterschiedliche Perspektiven auf dieses Thema aufzeigen und einen Ausblick geben auf ein Konzept zum weiteren Umgang mit Kinderarmut.
Ich beziehe mich zuerst auf einen Text von Manfred J. Müller. Dieser analysiert sich nunmehr 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlichte Aufsätze und Bücher zu den verschiedensten Themen aus dem Bereich Wirtschaft und Politik. Der Text „ Kinderarmut - wie viel Luxus braucht der junge Mensch?“ bezieht sich in erster Linie um den Vergleich einer Modellrechnung zwischen einem Arbeitnehmerhaushalt (Vater, Mutter, 2 Kinder, Gesamteinkommen 2800 Euro) und einer Hartz IV Familie (Vater, Mutter, 2 Kinder, Gesamteinkommen 2100 Euro). In diesem Vergleich arbeitet der Autor heraus, welche Bezüge und Ausgaben eine Familie mit einem durchschnittlichen Grundeinkommen hat und in welcher Form eine Hartz IV Familie vom Staat unterstützt wird, wenn sie sämtliche Hilfen ausschöpft. Er stellt in einer Tabelle dar, in welchen Lebensbereichen die Familien Ein -und Ausgaben haben und kommentiert dies kritisch unter dem Gesichtspunkt, was Armut in der Realität finanziell ist. So sagt er z.B. das die Hartz IV Familie durch den Anspruch auf zahlreiche Sonderleistungen die tatsächlichen Einkommensstatistiken verzerren. So braucht sie keine GEZ- Gebühren bezahlen oder falls sie sich ungerecht behandelt fühlt, auf Staatskosten prozessieren. Ein Arbeitnehmerhaushalt müsse für diese Leistungen selber aufkommen. Hinzu kommen bei diesem Ausgaben für Vorsorge, Lebensrisiken usw.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht die Diskrepanz zwischen dem Wohlstand in Deutschland und der prekären Lebensrealität von Kindern in Armut, indem sie statistische Daten und die vielfältigen Dimensionen der Armut einführt.
2. Begriffsdefinition: Dieses Kapitel differenziert zwischen absoluter und relativer Armut und erläutert deren Relevanz für den kindlichen Lebensstandard im Kontext aktueller politischer Rahmenbedingungen.
2.1. Die UN- Kinderrechtskonvention und der Nationale Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland: Der Abschnitt analysiert die internationale sowie nationale Verpflichtung zur Armutsbekämpfung und betont den menschenrechtlichen Ansatz innerhalb der staatlichen Förderprogramme.
3. Aktuelle Situation: Es wird die statistische Verbreitung von Kinderarmut dargelegt, wobei insbesondere Familien mit spezifischen Risikofaktoren wie Arbeitslosigkeit oder alleinerziehende Elternteile in den Fokus rücken.
3.1 Verschiedenen Sichtweisen auf die Thematik: Hier werden gegensätzliche Diskursansätze – von der Kritik an staatlichen Hilfsleistungen durch M. J. Müller bis hin zu Gerda Holz' multidimensionalem Konzept kindgerechter Armutsbegriffe – einander gegenübergestellt.
3.2 Resümee und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die Stigmatisierung betroffener Kinder und diskutiert verschiedene politische Reformansätze wie die Kindergrundsicherung, bevor er für eine stärkere Unterstützung von Schutzfaktoren plädiert.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Armutsrisiko, Hartz IV, Kindergrundsicherung, Relative Armut, Soziale Teilhabe, UN-Kinderrechtskonvention, Nationale Armutskonferenz, Existenzminimum, Kindesentwicklung, Stigmatisierung, Sozialpolitik, Bildungsarmut, Schutzfaktoren, Ganztagsschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation armer Kinder in Deutschland und der Frage, wie Armut definiert, politisch adressiert und gesellschaftlich bewertet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Begriffsdefinition von Armut, den rechtlichen Grundlagen (Kinderrechtskonvention), aktuellen statistischen Entwicklungen sowie den Auswirkungen auf die soziale Teilhabe von Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für die Komplexität von Kinderarmut zu schaffen und die Notwendigkeit eines mehrdimensionalen Ansatzes in der Armutsbekämpfung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Internetanalyse, um verschiedene sozialpolitische Standpunkte und Reformvorschläge vergleichend gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen als auch der aktuelle politische Diskurs diskutiert, ergänzt durch konkrete Reformvorschläge und die Perspektive der praktischen Sozialarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Kindergrundsicherung, relative Armut, soziale Ausgrenzung, Kindeswohl, materielle Versorgung und die Stärkung von Schutzfaktoren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Statussymbolen?
Sie kritisiert die Fixierung auf Luxusgüter und Statussymbole als einen Versuch der Ersatzbefriedigung, der den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächt und benachteiligte Kinder ausgrenzt.
Welche Bedeutung misst die Autorin der Ganztagsgrundschule bei?
Ganztagsschulen werden als entscheidende Orte der Betreuung, Förderung und Bildung unter einem Dach hervorgehoben, die helfen können, Kinder wirksam vor den Folgen von Armut zu schützen.
Was fordert die Autorin von der Politik in Bezug auf die Kindergrundsicherung?
Sie erkennt einen dringenden Handlungsbedarf und plädiert für mutige Konzepte, die eine finanzielle Absicherung aller Kinder gewährleisten, unabhängig vom Erwerbsstatus der Eltern.
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- jessica franck (Author), 2010, Kinderarmut in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162532