Ankereffekte, Selbstwirksamkeit und Verhalten


Hausarbeit, 2008
16 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Warum sind Abiturienten die studieren wollen trotz ihrer anfänglichen Unsicherheit am Ende so erfolgreich(Jan-Martin Wiarda, 2006)?
1.2 Einbettung in die Forschung
1.2.1 Die Einschätzung der Selbstwirksamkeit
1.2.2 Ankereffekte und die Einschätzung der Selbstwirksamkeit

2. Experiment 1 (Cervone & Peake, 1986)
2.1 Aufbau und Ablauf des Experiments
2.2 Auswertung Experiment 1 (Cervone & Peake, 1986)
2.2.1 Selbstwirksamkeitseinschätzung
2.2.2 Aufgabenausdauer
2.2.3 Selbstwirksamkeit und Aufgabenausdauer
2.2.4 Der postexperimentale Fragebogen
2.3 Zusammenfassung Experiment 1 (Cervone & Peake, 1986)

3. Experiment 2 (Cervone & Peake, 1986)
3.1 Unterschiede im Aufbau und Ablauf zu Experiment 1 von Cervone & Peake (1986)
3.2 Auswertung Experiment 2 (Cervone & Peake, 1986)
3.2.1 Selbstwirksamkeitseinschätzung
3.2.2 Aufgabenausdauer
3.2.3 Selbstwirksamkeit und Aufgabenausdauer
3.3 Zusammenfassung Experiment 2 (Cervone & Peake, 1986)

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Warum sind Abiturienten die studieren wollen trotz ihrer anfänglichen Unsicherheit am Ende so erfolgreich ( Jan-Martin Wiarda, 2006)?

Viele Abiturienten die vor der Entscheidung nach dem Abitur stehen, was sie nun studieren sollen, sind sehr verunsichert und ängstlich. In der Presse wird ständig von der wirtschaftlichen Krise in Deutschland gesprochen; die Umstellung von dem bekannten Diplom bzw. Magister auf den Bachelor und Master ist in vollem Gange, aber keiner weiß wirklich wie gut dieses neue System ist und was einen da erwartet; es gibt ein riesiges Angebot an verschiedenen zum Teil hochspezialisierten Studienfächern, doch welches Studienfach ist das richtige für einen bzw. welches ist aussichtsreich; immer wieder hört man auch Geschichten über Hochschulabsolventen die jahrelange schlecht bezahlte Praktika machen, aber keine feste Anstellung finden und dann gibt es auch noch Studiengebühren. Die Entscheidung, die getroffen werden soll, ist also eine sehr unsichere und nicht leicht abschätzbare. Das ist der eine Teil der Geschichte.

Auf der anderen Seite stehen die positiven Argumente, wie die nach wie vor sehr geringe Arbeitslosenquote der Akademiker, welche im Jahr 2005 bei nur 3,8 % lag, während die allgemeine Arbeitslosenquote bei 11,2 % lag; auch das die Praktikumszeit nach dem Studium nicht enden will, stimmt nicht, wie die Ergebnisse des Hochschul-Information-Systems zur „Generation Praktikum“ zeigen, stecken nur 2 % der Bachelor-Absolventen der Wirtschaftswissenschaften länger als sechs Monate in einem Praktikum fest. Und am Ende sind die Akademiker auch deshalb die Gewinner, weil durch die Globalisierung immer mehr Produktionsprozesse ins Ausland verlagert werden, was für Arbeiterberufe verheerend werden könnte, jedoch mehr in Forschung und Entwicklung investiert wird und genau das ist der Bereich der Akademiker. Abgesehen davon stellen sich auch immer mehr der Abiturienten den Problemen und nehmen es mit der Zukunft auf. Doch sind das wirklich alle Einflüsse, die die Studenten so erfolgreich machen, oder gibt es noch weitere? Cervone und Peake (1986) haben mit ihren zwei Experimenten einen weiteren Aspekt aufgezeigt, welcher einen Einfluss auf den Erfolg von Abiturienten Hochschulabsolventen haben könnte.

1.2 Einbettung in die Forschung

Welchen Einfluss haben Bewertungsheuristiken auf die Selbstwirksamkeitseinschätzung und das Verhalten? In der Forschung beschäftigt sich sowohl die Sozialpsychologie als auch die Persönlichkeitspsychologie mit diesem Thema. Tversky & Kahnemann (1974, zit. nach Cervone & Peake, 1986) haben bahnbrechende Ergebnisse zu Einschätzungen unter unsicheren Bedingungen gefunden, des Weiteren haben sich Sozialpsychologen sehr ausführlich mit kognitiven Strategien und Wissensstrukturen beschäftigt, die zu sozialen Beurteilungen (social Judgement) führen (Kahneman, Slovic & Tversky, 1982; Niesbett & Ross, 1980, zit. nach Cervone & Peake, 1986). So wurden die Strategien und damit verbundenen Fehler des „Alltagspsychologen“ untersucht, der in jedem von uns Menschen steckt, jedoch nur wenig wie sich die menschlichen Rückschlüsse auf ihr Verhalten auswirken bzw. wie sich Einschätzungen auf das Verhalten auswirken.

Studien zu sozialem Lernen wiederum haben sich damit beschäftigt, welche Prozesse das Verhalten steuern. So hat Bandura (1982b, zit nach Cervone & Peake, 1986) untersucht, welchen Einfluss verschiedene Informationsquellen auf die Selbstwirksamkeit haben und wie sich dadurch das Verhalten ändert. Welche kognitiven Prozesse allerdings der Einschätzung der Selbstwirksamkeit zugrunde liegen, wurde nicht erforscht.

Die Hypothese von Cervone und Peake (1986) ist, dass die Einschätzung der Selbstwirksamkeit oft unter ungewissen Verhältnissen stattfindet. Denn oft ist in solchen Situationen den Personen nicht klar, welche speziellen Fähigkeiten sie brauchen um die gestellte Aufgabe zu meistern. Aus diesem Grund, kann die Einschätzung der Selbstwirksamkeit durch dieselben Einflüsse verzerrt werden, welche auch bei Einschätzung von sozialen Informationen verzerren können. Des Weiteren sollte diese verzerrte Selbstwirksamkeitseinschätzung auch das folgende Verhalten beeinflussen. Um diese Hypothese zu bestätigen, untersuchten Cervone und Peake (1986) den Zusammenhang zwischen kognitiven Prozessen, welche die Einschätzung der Selbstwirksamkeit beeinflussen und dem daraus resultierenden Verhalten.

1.2.1 Die Einschätzung der Selbstwirksamkeit

Die Einschätzung der Selbstwirksamkeit (Bandura, 1977a, zti. Nach Cervone & Peake, (1986) bezieht sich auf die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten bezüglich der Bewältigung einer anstehenden Aufgabe und nicht darauf, ob sich eine Person allgemein erfolgreich fühlt. Das heißt was eine Person meint wie gut sie eine nachfolgende vorgegebene Aufgabe lösen kann. Die Einschätzung der Selbstwirksamkeit wiederum reguliert das Ausmaß der Anstrengung und das Durchhaltevermögen bei Hindernissen oder schwierigen Aufgaben ((Bandura, 1977, zit. nach Cervone & Peake, 1986). Bandura, Reese und Adams (1982, zit. nach Cervone & Peake, 1986) haben in einem Experiment die Selbstwirksamkeitsbeurteilung manipuliert, indem sie den Versuchspersonen (VP) verschiedene Informationen gegeben haben, oder sie in bestimmten Bereichen trainiert haben. Das Ergebnis war, dass je höhere die Selbstwirksamkeit von den VP nach der Manipulation eingeschätzt wurde, desto besser war die Performanz. Jedoch muss hier kein kausaler Zusammenhang zwischen der Einschätzung der Selbstwirksamkeit und der Performanz bestehen, da es genauso gut sein könnte, dass die VP beispielsweise durch das Training in der Manipulationsphase ihre Fähigkeiten für die Aufgabe verbessert haben und dadurch besser abschnitten. Aus diesem Grund veränderten Cervone und Peake (1986) in ihren Experimenten zwei grundlegende Dinge. Erstens manipulierten Sie die Selbstwirksamkeitseinschätzung der VP durch den Anker- und Anpassungseffekt (Tversky & Kahneman, 1974, zit. nach Cervone & Peake, 1986), welcher nachfolgend genauer beschrieben wird und zweitens maßen sie nicht mit welchem Ergebnis die VP die Aufgaben bewältigten, sondern mit welcher Ausdauer sie eine Aufgabe bearbeiten, welche unlösbar war, was die VP jedoch nicht wussten.

1.2.2 Ankereffekte und die Einschätzung der Selbstwirksamkeit

Tversky und Kahneman (1974, zit. nach Cervone & Peake, 1986) haben herausgefunden, dass Menschen in zweifelhaften Situationen häufig Beurteilungsheuristiken anwenden. Dadurch umgehen sie aufwendige kognitive Denkvorgänge indem sie eine Mentale Abkürzung nehmen. Eine dieser Beurteilungsheuristiken ist der Anker- und Anpassungseffekt. Dieser Verzerrungseffekt besteht darin, das Menschen sich in zweifelhaften Situation in den sie beispielsweise etwas einschätzen sollen, an einem Anfangswert orientieren und ihre Einschätzung, ohne es zu wissen diesem Anfangswert anpassen. In einem Experiment von Tversky und Kahneman (1974, zit. nach Cervone & Peake, 1986) wurden die VP gebeten den prozentualen Anteil afrikanischer Staaten in der UN zu schätzen. Dabei sollte der eine Teil der VP zuerst schätzen ob es mehr oder weniger als 65 Prozent sind, während der zweite Teil schätzen sollte ob es mehr oder weniger als 10 Prozent sind. Danach sollten die VP eine genaue Prozentzahl angeben. Das Ergebnis war, dass diejenigen VP, welche zuerst den hohen Anker (65 Prozent) bekommen hatten auch in der eigenen Schätzung höhere Werte angaben, als diejenigen welche den niedrigen Anker (10 Prozent) bekommen hatten, weil sie ihre Schätzung dem Anker anpassten (Tversky & Kahneman, 1974, zit. nach Cervone & Peake, 1986).

Der selbe Anker- und Anpassungseffekt müsste auch bei der Selbstwirksamkeitseinschätzung wirken, da hier auch eine Situation gegeben ist, welche unsicher ist. So könnte sich ein Person beispielsweise an eine ähnliche Situation erinnern, wie die in der sie sich befindet und seine Selbstwirksamkeit anhand dessen einschätzen. Je nachdem, ob die Person in der erinnerten Situation gut oder schlecht war, ist es ein hoher oder niedriger Anker an den die Selbsteinschätzung angepasst wird.

Ob Ankereffekte jedoch in dem Maße auf die Einschätzung der Selbstwirksamkeit wirken wie auf die Einschätzung von sachlichen Daten oder sozialen Situationen und ob sich die manipulierte Selbstwirksamkeitseinschätzung auf die folgende Performanz auswirkt, haben Cervone und Peake (1986) in den beiden folgenden Experimenten untersucht.

Ihre Hypothese ist, dass Anker- und Anpassungseffekte auf die Einschätzung der Selbstwirksamkeit wirken und zwar bei einem hohen Anker zu einer erhöhten Einschätzung der Selbstwirksamkeit führen und bei einem niedrigen Anker zu einer geringeren Einschätzung. Des weiteren sagen sie voraus, dass wenn der Ankereffekt greift, sich auch das Verhalten dementsprechend verändern wird dh bei erhöhter Einschätzung der Selbstwirksamkeit eine größere Ausdauer auftreten müsste als bei einer geringeren Selbstwirksamkeitseinschätzung.

2. Experiment 1 (Cervone & Peake, 1986)

2.1 Aufbau und Ablauf des Experiments

Die VP des Experiments von Cervone und Peake (1986) waren gleich viele männliche und weibliche Universitätsstudenten, welche zufällig den sechs verschieden Bedingungen des 3 x 2 x 2 Faktoren Designs zugeordnet wurden. Dabei gab es drei verschiedene Anker, einen hohen, einen niedrigen und eine Kontrollgruppe mit keinem; zwei verschieden Aufgaben Typen, Anagramm und zyklische Graphen Aufgaben; und das Geschlecht, welches verständlicherweise nicht zufällig zugeordnet wurde. Anagramm Aufgaben bestehen aus einer Anzahl von Buchstaben, welche, wenn sie in die richtige Reihenfolge gebracht werden, ein englisches Wort ergeben. Zyklische Graphen Aufgaben sind geometrische Formen, welche ohne den Stift abzusetzen, oder eine Linie zweimal nach zu zeichnen, gemalt werden können (Beispiel: Das – ist – das – Haus - vom - Ni – ko – laus).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ankereffekte, Selbstwirksamkeit und Verhalten
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Urteilen und Entscheiden
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V162540
ISBN (eBook)
9783640772643
ISBN (Buch)
9783640773060
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anker, Selbstwirksamkeit, Aufgabenausdauer, unsichere Umstände, Soziale, Information, Bias, Verzerrung, Verhalten
Arbeit zitieren
Julian Böck (Autor), 2008, Ankereffekte, Selbstwirksamkeit und Verhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162540

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