Hedgefonds, Derivate, Optionen und strukturierte Produkte – zur prinzipiellen Funktionsweise liberalisierter Finanzmärkte


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

I. Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Liberalisierung der Finanzmärkte aus volkswirtschaftlicher Sicht

3. Terminbörsen, Future und Derivate – Die Geschichte der strukturierten Finanzprodukte
3.1 Termingeschäfte
3.2 Hedge-Fonds
3.3 Zertifikate

4. Derivate in der Krise

5. Fazit

Verzeichnisse

Literaturverzeichnis

Webseitenverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kapitalzu- und Abflüssein Asien in Mrd. US-Dollar(26.02.2010) http://www1.bpb.de/wissen/YNTETY,0,0,Kapitalfl%FCsse_in_%F6konomisch _sich_entwickelnde_Staaten_I.html

Abbildung 2: Gewogene Veränderung der Gold-Währungs-Paritäten(an Stichtagen), Verlauf ab Mai 1970(15.03.2010) www.digitalis.uni-koeln.de/Waehrung/waehrung525-532.pdf

Abbildung 3: Bedingte und unbedingte Termingeschäfte

Bloss, Miachael/Ernst Dietmar (2008): Derivate, 1. Aufl., Oldenburg Wissenschaftsverlag, München, Seite 4

Abbildung 4: Optionen Eigene Anfertigung

Abbildung 5: Weltweiter Umlauf an OTC-Finanzderivaten(03.03.2010)

http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2006/200607mba_f inanzderivate.pdf#info

1. Einleitung

„Dass die Finanzmärkte zu Casinos geworden sind, daran sind die Derivate schuld.“

„Die Deregulierung war der entscheidende Faktor.“

„Die Verbriefung. Ohne die Verbriefung hätte es keine Krise gegeben.“ 1

Das Wort Derivate stammt aus dem lateinischen derivare und bedeutet ableiten. Diese Übersetzung stimmt ziemlich genau mit der Funktion von Derivaten überein. Denn diese werden von einem bestimmten Basiswert, z.B. einer Aktie, einer Währung oder eines Indizes abgeleitet. Hinter dieser harmlosen Definition verstecken sich komplex-strukturierte Finanzprodukte. Die grundsätzliche Funktion von Derivaten ist eigentlich das „ hedging“. Das heißt, dass ein Investor gerne möglichst gewisse Risiken verkaufen möchte. Sein Gegenpart ist der Spekulant. Dieser nimmt bewusst jene Risiken auf sich und versucht damit einen Spekulationsgewinn zu erzielen. Dieses System welches auf Termingeschäften, basiert hat grundsätzlich diverse volkswirtschaftliche Vorteile. Derivate sind zwar nicht die eigentliche Hauptursache für die aktuelle Finanzkrise, sie haben aber die Funktion eines Brandbeschleunigers übernommen. Zum Beispiel konnten mit Credit-Default- Swaps Kreditausfälle versichert werden. Der globale Bestand dieser Versicherung am Kapitalmarkt belief sich 2008 auf etwa 60.000 Milliarden US-Dollar. Die Kredite, die ihnen zugrunde lagen, beliefen sich auf ca. 5.000

Milliarden. Also wurden Kredite von 5 Billionen Dollar für annähernd 60 Billionen Dollar versichert. 2Den weltweit größten Versicher, die AIG, hätte dies fast ins Verderben gestürzt. Aber auch an den hiesigen Börsen, wie der EUWAX in Stuttgart werden täglich viele Millionen Euro Umsatz mit Zertifikaten, Hedge-Fonds und Optionen gemacht, sodass auch der Kleinanleger am großen weltweiten Casinotisch mitmischen kann. Wie schon die Geschichte von König Midas, der sich von Dionysos wünscht alles was er berühre, möge zu Gold werden, zeigt, dass zu große Gier den Menschen nur Unheil bringt. So ist gerade diese menschliche Schwäche scheinbar Grundvoraussetzung um am Kapitalmarkt erfolgreich zu sein.

2. Liberalisierung der Finanzmärkte aus volkswirtschaftlicher Sicht

Die Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs hat einige Wachstums- und Wohlfahrtsfördernde Effekte auf die Realwirtschaft hervorgebracht. Dies wird zum einen durch eine verbesserte Kapitalallokation herbeigeführt. Dabei fließt Kapital in die Verwendung mit den höchsten Grenzerträgen. Diese Kapitalmobilität lässt sich in zwei Kategorien unterteilen. Die vollkommene und die unvollkommene Kapitalmobilität. Bei vollkommener Kapitalmobilität, können große Geldmengen ohne Zeitverzögerung und Kosten über Grenzen hinweg bewegt und in jede beliebige Anlageform transformiert werden. Ziel ist es, die höchsten Erträge oder die niedrigsten Kreditkosten zu realisieren. Es stellt dabei eine Anpassung des internationalen Zinsniveaus ein. Gibt es diesen Regelfall nicht, spricht man von unvollkommener Kapitalmobilität. Durch die effizientere Kapitalallokation sinken die Kapitalkosten. Dies wiederrum führt zu einer Erweiterung des Investitonsvolumens sowie dem Zugang zu neuen Technologien durch Direktinvestitionen. Internationale Kapitalmobilität gibt den Volkswirtschaften somit eine höhere Flexibilität an die Hand um Ungleichgewichte zwischen Investitionen und Ersparnissen auszugleichen. Das Spektrum der Finanzaktiva wird erweitert und erlaubt eine größere Diversifikation des Finanzvermögens der Kapitalanleger. Geld fließt von Ländern mit niedriger Kapitalrendite in Länder mit einer hohen Rendite.

Neben diesen Effekten wirkt die zunehmende Liberalisierung auch stabilisierend auf die Entwicklung der Einkommen und des Konsums. Sie ermöglicht eine wohlfahrtsfördernde Konsumglättung, da der Konsum deutlich weniger von den Einkommen abhängig ist.3

Als großes Problem hat sich ein unzureichend reguliertes Bankensystem im Zuge der Liberalisierung der Finanzmärkte herausgestellt. Gerade die Schwellen- und Entwicklungsländer wurden in den letzten Jahrzehnten wiederholt von Banken und Währungskrisen heimgesucht. Hohe Kapitalzuflüsse führten zu einer schnellen Überhitzung der Konjunktur und zur Destabilisierung von Wechselkursen. Die Asienkrise 1997 zeigt dies mustergültig.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 1: Kapitalzu- und Abflüsse in Asien in Mrd. US-Dollar

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, http://www1.bpb.de/wissen/YNTETY,0,0,Kapitalfl%FCsse_in_%F6konomisch_sich_entwickelnde_Staa ten_I.html , 26.02.10

Für eine erfolgreiche Liberalisierung der Finanzmärkte ist es unerlässlich, dass nationale Institutionen hinreichend leistungsfähig und qualitativ fortgeschritten sind. Dazu zählt ein funktionierendes Bankensystem, genauso wie ein stabiles rechtliches- und politisches Umfeld. Jedoch zeigt die aktuelle Krise, dass die internationale Finanzmarktintegration auch in den Industrieländern zu Problemen führen kann.

3. Terminbörsen, Future und Derivate – Die Geschichte der strukturierten Finanzprodukte

„Ich habe Finanzminister Connally angewiesen, vorübergehend die Konvertibilität des Dollars in Gold oder andere Reservemittel auszusetzen“ – Dieser Satz vom 15. August 1971, den US-Präsident Richard Nixon in einer Fernsehansprache sagte, sollte die internationale Finanzwelt dauerhaft verändern. Denn damit wurde die Bindung des Dollars an Gold aufgehoben. Entstanden war dieses Währungssystem in Bretton Woods am Ende des Zweiten Weltkrieges. Nicht nur die US-Währung war mit einer Unze Gold zu 35 $ fest gebunden, sondern auch die Währungen der Mitgliedstaaten des Bretton Woods Vertrages waren fest an den Dollar gebunden. So kostete ein US-Dollar 1948 zum Beispiel exakt 3,33 DM. Es gab zwar alle paar Jahre immer wieder Anpassungen doch nach der Aufhebung dieser Bindung stellte sich sehr bald heraus, dass der Dollar überbewertet war. Die D-Mark und der Schweizer Franken wurden in den 1970er Jahren massiv gegenüber dem US-Dollar und der Feinunze Gold aufgewertet.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 2: Gewogene Veränderung der Gold-Währungs-Paritäten(an Stichtagen), Verlauf ab Mai 1970

Quelle: www.digitalis.uni-koeln.de/Waehrung/waehrung525-532.pdf 15.03.10

Auf Grund dieser „Verteuerung“ der Währungen stellten sich Probleme in der Exportwirtschaft in vielen Ländern ein. Während der Schweizer Franken im August 1971 nur 23,25 US-Cent kostete, wurde er bis ins Jahr 1978 immer stärker und kostete schließlich mehr als 67 US-Cent. In Deutschland, Frankreich und Japan zeigte sich ein ähnliches Bild. Um sich nun gegen diese Währungsschwankungen abzusichern, handelten Käufer und Verkäufer bei Terminverträgen schon vorab die Wechselkurse aus. Diese sogenannten Terminkontrakte oder auch Forwards wurden vorher schon in der Nahrungsmittelindustrie genutzt, um vor der Ernte die Preise festlegen zu können und eine Preissicherheit für die Produzenten und den Handel zu gewährleisten.

Die Ursprünge des Finanztermingeschäftes liegen schon mehr als 4000 Jahre zurück. Aufzeichnungen aus Indien, dem römischen Reich und dem Reich der Phönezier belegen bereits erste Arten von Termingeschäften. Angesichts unsicherer Weltlagen wurden Terminkontrakte auf Waren ausgehandelt die über den Seeweg geliefert wurden. Auch aus dem Mittelalter sind Termingeschäfte aus England und Frankreich übermittelt. Die „Mutter aller Terminbörsen“ stellt das 1848 gegründete Chigago Board of Trade dar. Hier konnten sich Käufer und Verkäufer treffen um ihre Verträge abzuschließen und auszuhandeln. 1864 wurde der weltweit erste börsengehandelte Terminkontrakt gelistet und gehandelt.

Diese Terminkontrakte sichern nicht nur die Handelspartner ab, sondern ermöglichen es mit den Risiken beispielsweise fallender Währungskurse zu spekulieren. Die klassischen Termingeschäfte werden Future oder Forward genannt. Ein Forward ist ein zwischen zwei Vertragsparteien individuell ausgehandelter Vertrag. Ein Future ist standardisiert und damit an der Börse handelbar. Im Unterschied zum Forward können darin enthaltene Bestandteile nicht individuell verändert werden. Ein Future ist somit im Gegensatz zum Forward jederzeit an einen anderen Investor übertragbar. Um nun mit einem Future spekulieren zu wollen, setzt der Käufer eines solchen Terminkontraktes auf ein Steigen des Underlying, also des Basiswertes. Der Verkäufer setzt dementsprechend auf ein Fallen. Futures und Fowards sind im Gegensatz zu Optionen, unbedingt zu erfüllende Termingeschäfte. Steigt nun der Basiswert eines Futures im Laufe der Zeit an kann der Käufer nun einen Gewinn realisieren. Der Hauptgrund für die Gründung von Terminbörsen stellte aber das Absichern von Risiken dar. Am Chicago Mercantile Exchange wurden 1972 die ersten Währungsfutures auf die wichtigsten Weltwährungen gehandelt. Im weiteren Verlauf entwickelten Finanzexperten immer mehr und komplexere Konstrukte. 1982 kamen die ersten Kontrakte auf den S&P500 an der CME hinzu. Im Jahr 1988 wurde in Deutschland die erste Terminbörse mit dem Namen DTB gegründet, die später mit der Schweizer SOFFEX zur EUREX fusionierte. Der Siegeszug der Derivate nahm seinen Lauf.6

3.1 Termingeschäfte

Termingeschäfte sind Geschäfte, bei denen Abschluss (T0) und Erfüllung (T0+X) zeitlich auseinander klaffen. Dies ist der grundlegende Unterschied zwischen den sogenannten Kassageschäften, bei denen die Erfüllung „unmittelbar“ nach dem Abschluss erfolgt. Wie bereits beschrieben versteht man unter einem Termingeschäft eine für beide Vertragsparteien bindende Verpflichtung über die Lieferung und Abnahme eines Gutes mit einer bestimmten Qualität und Quantität zu einem im Vorfeld festgelegten Preis und zu einem festen Zeitpunkt.7 Futures und Forwards sind unbedingt zu erfüllende Termingeschäfte. Diese müssen unbedingt erfüllt und ausgeübt werden. Es bedarf keiner weiteren Willenserklärung, ob eine Ausführung stattfindet oder nicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 3: Bedingte und unbedingte Termingeschäfte

Das Gegenteil der unbedingten Termingeschäfte stellen die Optionen dar. „Die Option beinhaltet also das Recht, eine bestimmte Menge eines zugrunde liegenden Gegenstandes innerhalb eines bestimmten Zeitraums oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem im Vorfeld festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.“8

Bei Optionen unterscheidet man zwei verschiedene Optionstypen. Die Call- Option und die Put-Option. Zusätzlich gibt es die Long-Position (den Käufer) dem die Short-Position (der Verkäufer) entgegen steht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Optionen

Dem „Long Call“ steht also der „Short Put“ entgegen. Mit einem „Call“ setzt der Käufer einer solchen Option darauf, dass die Kurse bzw. das Underlying des Basiswertes in Zukunft steigt. Mit einem „Put“ würde man auf ein Fallen setzen. Ein Beispiel: Der Schmuckhändler M glaubt das die Preise für Gold in den nächsten zwei Monaten sehr stark steigen werden. Er erwirbt deshalb die Option für 500.000 Euro 15 Goldbarren zu erwerben. Zwei Monate später sind diese Goldbarren tatsächlich 650.000 Euro wert. Da er aber die Option hat die Barren für 500.000 Euro zu erwerben, macht er einen Gewinn von 150.000 Euro.

Dem Gewinn des Einen, steht jedoch immer der Verlust eines Anderem gegenüber. Die Preisbildung von Optionen beruht jedoch nicht nur auf der Veränderung des Underlying. Die Volatilität, der Zeitwert, der Marktzins und Dividendenauszahlungen beeinflussen ebenfalls den Preis. Die Preisberechnung ist sehr komplex und wird entweder nach dem Black- Scholes-Modell oder dem Binomial-Modell durchgeführt.

[...]


1 Vgl. NZZ Folio 01/09, Die Finanzkrise Teil 3, Seite 1

2 Vgl NZZ Folio 01/09, Die Finanzkrise Teil 3

3 Vgl. Kempa, 2009 S.139-140

4 Vgl. Bundeszentrale für Politische Bildung Online

5 Vgl. NZZ Folio 01/09, Die Finanzkrise Teil 3, Seite 3-6

6 Vgl. Bloss/Ernst, 2008, Seite 1-4

7 Vgl. Bloss/Ernst, 2008, Seite 3

8 Bloss/Ernst, 2008 Seite 4

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Hedgefonds, Derivate, Optionen und strukturierte Produkte – zur prinzipiellen Funktionsweise liberalisierter Finanzmärkte
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (BWL)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V162575
ISBN (eBook)
9783640779932
ISBN (Buch)
9783640780846
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Derivate, Optionen, strukturierte Produkte, Finanzmärkte
Arbeit zitieren
Lars Strozinsky (Autor:in), 2010, Hedgefonds, Derivate, Optionen und strukturierte Produkte – zur prinzipiellen Funktionsweise liberalisierter Finanzmärkte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162575

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