Wortschatzarbeit im DaF-Unterricht


Hausarbeit, 2008

31 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung sowie Skizzierung von Problemen der Wortschatzarbeit im DaF- Unterricht

2. Konzept

3. Lehr- und Lernziele

4. Struktur der Unterrichtseinheit
4.1. Vorentlastung
4.2. Ausgangstext
4.3. Übungen und Aufgaben

5. Weiterführende Arbeit

6. Reflexion zu der Didaktisierung

7. Anlagen

8. Lektion Urlaub

9. Beispiellösungen

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung sowie Skizzierung von Problemen der Wortschatzarbeit im DaF- Unterricht

In den Anfängen häufen Fremdsprachenlernende im Rahmen des Unterrichts viele Vokabeln zu verschiedenen Themen an. Meist sind es formelhafte Ausdrücke, die themenbezogen und isoliert eingeprägt werden. Die Aufgabe und Relevanz der Arbeit am Wortschatz wäre nun, durch entsprechende Aufgaben das mentale Lexikon des Lerners leistungsfähiger zu machen und den Wortschatz zu erweitern, zu vertiefen und zu differenzieren. Der Lerner soll befähigt werden, über das Gelernte zu reflektieren, den Wortschatz in größere Zusammenhänge zu stellen und ihn variabel anwenden zu können.

In den meisten Publikationen zu Wortschatzarbeit ist jedoch die Rede von deren Vernachlässigung. Weshalb die Wortschatzarbeit auch heute noch ein „Sorgenkind“ im Fremdsprachenunterricht ist, wird meistens mit dem Umfang des Wortschatzes und dessen Dynamik erklärt sowie mit seiner Struktur (Bohn, 1999, S. 8). Auch Gairns und Redman (1993) listen die Aspekte auf, die bei der Vermittlung des Wortschatzes unbedingt berücksichtigt werden sollten, z. B. die Polysemie, Homonymie, Synonymie u. a. Diese Aspekte deuten schon von ihrem Wesen her an, dass Wortschatzarbeit mehr leisten muss als Vokabelpauken. Soll man beispielsweise bei der Vermittlung des Wortes leihen bereits auf das Verwechslungspotential mit Laien hinweisen? Ist es nicht zu verwirrend? Und wenn ja, auf welche Art und Weise sollte diese sprachliche Besonderheit präsentiert werden? Welche Behaltensstrategien sollen angewendet werden? Aber auch das weite Feld der Konnotationen, negative oder positive, muss bei der Wortschatzarbeit bedacht werden, will man die Sprachkompetenz des Lerners erhöhen. Ferner müssen auch subjektive Lernpräferenzen hinsichtlich der Lerner berücksichtigt werden. Neuere gedächtnispsychologische Forschungen haben z. B. ergeben, dass Informationen bei visueller Erfassung besser im Gedächtnis bleiben als bei auditiver Erfassung.

Davor muss aber noch die Frage geklärt werden, nach welchen Kriterien man Wortschatz überhaupt auswählen sollte. Diese Auswahl wiederum ist immer von dem größeren methodischen Kontext abhängig. Wird eher sprachsystemorientiert oder lernerorientiert gearbeitet? Gerhard Neuner z. B. schlägt als Auswahlkriterien die Lernbarkeit, die Brauchbarkeit und die Verstehbarkeit vor. Dabei ist jedoch zu beachten, dass, abhängig von der Ausbildungsstufe aber auch von subjektiven Voraussetzungen der Lernenden, die Gewichtung dieser drei Kriterien variiert werden muss (Bohn, 1999, S. 18-19). Martin Löschmann fordert im Sinne der Entwicklung von sprachlich-kommunikativer Kompetenz die „kommunikativ-funktionale, erfahrungsbasierte Einbettung der Wortschatzarbeit“, auch wenn die damit verbundene Arbeit an „Aussprache, Schreibweise, Semantik und Morphologie der lexikalischen Einheiten“ weit mehr Zeit und Mühe erfordert (Löschmann, 1993, S. 105). Ferner ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass aus gedächtnispsychologischen Gründen neue lexikalische Einheiten vorwiegend im entsprechenden Kontext angeboten werden sollten. Dabei „[sollten] verschiedene Arten von Zusammenhängen von Wörtern didaktisch praktiziert werden“. Auch Bedeutungssystemen wird in diesem Zusammenhang große Bedeutung beigemessen (Müller, 1994, S. 18-21). In der hier vorliegenden Arbeit möchte ich mich an den oben genannten Ansätzen orientieren.

Ein weiteres Problem der Wortschatzarbeit besteht darin, dass ein Wort in verschiedenen Kulturen nicht exakt die gleiche Bedeutung hat, also nicht auf dasselbe verweist. Und häufig können die im Unterricht verwendeten Materialien es gar nicht leisten, auf die sich unterscheidenden Bedeutungen in verschiedenen Kulturkreisen einzugehen. So herrschen die denotativen bzw. definitorischen Wortbedeutungen vor. Dies stellt für den Lerner jedoch ein Problem dar, da er sich manchmal etwas Falsches unter dem Begriff vorstellt oder sogar die Bedeutung gar nicht kennt. Auch diesem Problem muss methodisch begegnet werden.

Alles in allem muss es im Fremdsprachenunterricht darum gehen, Techniken herauszuarbeiten, die dem Lerner helfen sollen, eine lexikalische Einheit ‚global‘ zu erfassen. Bei der Einführung neuer Wörter sollten neben deren Bedeutung, Aussprache und Orthografie auch ihr kontextueller und emotionaler Gebrauch vermittelt werden. Ferner muss der Lerner auch die Gelegenheit bekommen, die neue Lexik konstruktiv anzuwenden und effektiv zu speichern und dies möglichst schon in der Aneignungsphase. Im Sinne des ganzheitlichen Lernens erscheint mir auch der Ansatz des mehrkanaligen Lernens von Kleinschroth sinnvoll, der wie folgt lautet:

„Unter mehrkanaligem Lernen verstehen wir einen mentalen Prozess, der mehr ist als die Kombination von Lesen, Sprechen, Hören und Schreiben. Wir aktivieren dazu unsere Vorstellung von Klängen, Rhythmen, Melodien, Farben, Formen, Gerüchen, Geschmacks- und Tastempfindungen, Mimik und Gestik. Wir können sie dank unserer Einbildungskraft lebhaft wahrnehmen.“ (Bohn, 1999, S. 87)

Ich möchte nun mit der hier vorliegenden Didaktisierung den oben genannten Problemen begegnen und ein möglichst ganzheitliches und nachhaltiges Lernerlebnis bieten.

2. Konzept

Die hier vorliegende Unterrichtskonzeption richtet sich an eine heterogene Lernergruppe. Dadurch können beim Thema Urlaub insbesondere landeskundliche Aspekte interessante Erkenntnisse in den Unterricht bringen. Es ist sicherlich sehr interessant und bereichernd zu erfahren, wie Lerner aus verschiedenen Kulturkreisen ihren Urlaub verbringen. Was verbindet jeder einzelne Lerner mit den Begriffen Urlaub und Freizeit? Es wäre sehr sinnvoll, diese differenzierten Ansichten und Vorstellungen zum Urlaub in den Unterricht zu integrieren. Dadurch würde das landeskundliche Wissen der Lerner aber auch ihr gegenseitiges kulturelles Verständnis entwickelt werden.

Es ist üblich, im Sinne des landeskundlichen Unterrichts, beim Thema Urlaub Städte, Sehenswürdigkeiten und interessante Landstriche des deutschsprachigen Raums als Hintergrund zu verwenden. Aus der Perspektive der ausländischen Touristen wird dann das Vokabular, das für einen Urlauber von Bedeutung ist, um z. B. ein Hotelzimmer zu reservieren oder eine Zugverbindung herauszusuchen, erarbeitet.

Der Ausgangstext für die hier konzipierte Lektion schlägt aber eine andere Perspektive vor. Bei der Ausrichtung der Arbeit mit diesem Thema sollte die Zusammensetzung der Lernergruppe berücksichtigt werden. Woher kommen die Lerner? Die ersten Fragen in der Vorentlastungsphase werden zeigen, was jeder einzelne mit Urlaub verbindet. Unter Umständen wird es so sein, dass die meisten Lerner aus Ländern oder Verhältnissen kommen, wo keine Urlaubsreisen möglich sind. Es kann also sein, dass sie ihre Deutschkenntnisse nicht brauchen, um sie als Touristen zu nutzen, sondern um sich mit Touristen in ihrem Heimatland verständigen zu können. So wird im Ausgangstext versucht zu vermitteln, wie eine Begegnung mit (deutschsprachigen) Ausländern in einer Urlaubssituation aussehen könnte.

Nichtsdestotrotz erlauben der Text und die dazu gestellten Aufgaben auch einen allgemeinen Zugang zum Thema Urlaub.

Die Lernergruppe, die mit der hier vorliegenden Unterrichtseinheit angesprochen wird, befindet sich auf dem Weg zum Niveau B2. Die Thematik und Gestaltung der Unterrichtseinheit erfordert keine nähere Spezifizierung der Herkunft der Lerner und würde Lerner im Alter zwischen 18 und 30 Jahren am besten ansprechen.

Die Arbeit auf der Grundlage der hier vorgestellten Aufgabenstruktur soll sich auf 4 Unterrichtsstunden à 45 Minuten erstrecken. Das Tempo ist jedoch u. a. von den Fortschritten der Lerner abhängig.

Als Materialien werden mehrere Blanko-Kärtchen zum Beschreiben und Magnete benötigt sowie ein Overheadprojektor. Ferner kommen Informationsbroschüren für Urlauber der entsprechenden Stadt oder Reiseführer zum Einsatz. Dazu werden die Lerner im Vorfeld der Unterrichtseinheit aufgefordert, entweder einen Stadtführer (des Unterrichtsortes) in ihrer Sprache zu finden und mitzubringen oder, wenn sich ein solcher in ihrer Sprache nicht finden lässt, im Internet nach Informationen zu der Stadt in ihrer Sprache zu suchen und auszudrucken.

3. Lehr- und Lernziele

Die anvisierte Lernergruppe strebt das Niveau B2 an. Für diese Stufe fordert der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen: Der Lerner „kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen; versteht im eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen. Kann sich so spontan und fließend verständigen, dass ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist. Kann sich zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben.“ (Goethe-Institut, 2008).

Nach dem in der Anfängerstufe das Thema Urlaub schon in Grundlagen behandelt wurde, soll es hier, in der Fortgeschrittenenstufe, aktualisiert, vertieft, und um einen weiteren Aspekt, nämlich um die Thematik Urlaub und Arbeit, ergänzt werden. In der Fortgeschrittenenstufe soll es nicht so sehr darum gehen, den Wortschatzerwerb „additiv-elementarisch“ zu gestalten (Löschmann, 1993, S. 105), sondern darum, andere Stilebenen zu erkunden und intensiver an der Vernetzung und qualitativen Vertiefung des Wortschatzes zu arbeiten (Ulrich, 2007, S. 7). Im produktiven Bereich sollen sowohl die mündlichen als auch die schriftlichen Fertigkeiten fokussiert werden. Dabei soll der erarbeitete Wortschatz in die Sprachtätigkeit integriert werden. Unter Abwägung des individuellen Nutzens für die Lerner und der potentiellen Anwendungssituationen habe ich mich für einen schriftlichen Zieltext entschieden, jedoch stellt die mündliche Leistung in der Vorentlastungsphase und in der Dialog-Aufgabe als Vorbereitung auf reale Begegnungen einen wichtigen Teil dieser Unterrichtseinheit dar. Die Vorentlastungsphase bietet sich an, an der Aussprache einzelner Wörter zu arbeiten. Im weitesten Sinne versteht man unter Aussprache die Fähigkeit, Spracheinheiten zu erkennen und zu reproduzieren. Hinsichtlich der Arbeit an der Aussprache bin ich grundsätzlich der Meinung, dass sie einen sehr wichtigen Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts darstellt. Denn eine der Erkenntnisse der kontrastiven phonetischen Untersuchungen ist, dass z. B. die suprasegmentale und besonders die rhythmische Interferenz einen großen negativen Einfluss auf die Perzeption der gesprochenen Sprache haben. Es ist deshalb wichtig, schon im Anfangsunterricht auf korrekte Aussprache zu achten und an elementaren Ausspracheschwierigkeiten zu arbeiten, da sich Fehler leicht einschleifen und später nur schwer korrigiert werden können. In fortgeschrittenen Stufen kann man dann an besonderen Phänomenen der gesprochenen Sprache arbeiten wie an der Emotionalität beim Sprechen oder an Besonderheiten der Satzintonation. Die Dialog-Aufgaben werden dann Gelegenheit geben, diesen Bereich der Aussprache zu entwickeln.

Es ist die Aufgabe des Lehrers, bereits vor dem Unterricht die Intentionen und Ziele für die anstehende Unterrichtseinheit zu formulieren. Er muss sich und den Lernern Richtziele vorgeben und daran seine Methoden und Aufgabenstellungen ausrichten. Ferner muss er genau im Bilde sein, welcher Bedarf an Wiederholung oder Intensivierung auf Seiten der Lerner besteht. Und er muss die nächste zu erklimmende Kompetenzstufe im Auge behalten.

Die Lehr- und Lernziele für die in dieser Arbeit vorgestellte Unterrichtseinheit Urlaub sind:

Lehrziele:

- Wiederholen des Wortschatzes zu Freizeitaktivitäten, Ortsbeschreibung und Wetter
- Sensibilisierung für landeskundliche Aspekte
- Förderung der Fertigkeiten Lesen, Schreiben und Sprechen
- Arbeit an Aussprache
- Herausarbeiten von im Text enthaltenen Komposita
- Vertiefung der Arbeit an der Wortbildung
- Wiederholen der Vergangenheitsformen
- Erarbeitung der Textform Prospekttext

Lernziele:

- Fokus auf die Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Sprechen (dialogisch/berichtend)
– Wiederholung, Aneignung und Festigung von Wortschatz zum Thema Urlaub, wobei folgende Sach-, Begriffsfelder bedient werden:
Ort, Wetter, Tourismus, Urlaub, Arbeit, Tagesablauf
- Wortschatzerweiterung durch Arbeit an Komposita
- Verbesserung der Aussprache
- Wiederholung der Vergangenheitsformen
- Vergleichen des eigenen Verständnisses von Urlaub mit dem deutschen
- Üben des Erzählens chronologischer Ereignisse in der Vergangenheit
- Kennenlernen der Textform Prospekttext
- Verfassen eines Prospekttexts

4. Struktur der Unterrichtseinheit

Bei Bernd Kast heißt es, dass man „Schreiben nicht durch Schreiben, sondern durch Lesen“ lernt. Er zitiert dabei Stephen Krashen, der die Input-Hypothese aufstellt und meint, dass man Textkompetenz besonders durch das Lesen erwerbe (Kast, 1999). Im Unterricht mit Fortgeschrittenen wird verstärkt Fokus auf Textarbeit gelegt. Nachdem auch der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen als eine wichtige sprachliche Kompetenz das Verstehen komplexer Texte verlangt, soll auch in der hier vorliegenden Unterrichtskonzeption das Lesen und Schreiben verknüpft werden. Da es sich um eine Fortgeschrittenengruppe handelt, soll es bei der Produktion des Zieltextes nicht um eine bloße Paraphrasierungsleistung gehen. Vielmehr sollen die Lerner, ausgehend vom vorliegenden Text und den während des Unterrichtsprozesses erbrachten hinführenden Teilleistungen, einen eigenen Text produzieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Wortschatzarbeit im DaF-Unterricht
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Germanistik/DaF)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
31
Katalognummer
V162596
ISBN (eBook)
9783640763955
ISBN (Buch)
9783640764365
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch als Fremdsprache, Wortschatz, mehrkanaliges Lernen, B1, B2, Komposita, Vergangenheitsformen, Aussprache
Arbeit zitieren
Oksana Rucker (Autor), 2008, Wortschatzarbeit im DaF-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162596

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