Alleinerziehend - Was nun? Probleme alleinerziehender Mütter und Väter


Vordiplomarbeit, 2002

23 Seiten, Note: Zwei


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebensform Allein erziehend

3. Finanzielle Probleme
3.1 Einkommenssituation
3.1.1 Unterhalt
3.1.2 Sozialhilfe

4. Soziale Probleme
4.1 Vorurteile
4.2 Das soziale Netzwerk
4.2.1 Netzwerkorientierte Trennungsberatung – Networking

5. Psychische Probleme

6. Eltern - Kind – Beziehung

7. Alleinerziehende Mütter und Väter – Ein Vergleich

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Zahl der allein erziehenden Mütter und Väter steigt von Jahr zu Jahr mehr an, weil Ehen und Beziehungen zerbrechen, Frauen ohne Partner sich in der Schwangerschaft für ihr Kind entscheiden oder der Partner plötzlich stirbt. Im Jahr 2000 gab es im früheren Bundesgebiet insgesamt 1 415 000 allein erziehende Mütter oder Väter mit einem oder mehreren Kindern unter 18 Jahren (einschließlich Alleinerziehende, die Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft sind). Diese Situation war in 111 000 Fällen auf den Tod des Partners und in 854 000 Fällen auf Scheidung oder Trennung zurückzuführen. 451 000 der Alleinerziehenden waren nie verheiratet. In den neuen Ländern und Berlin-Ost wurden 2000

rund 583 000 Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren ermittelt, was einen Anteil von 33,2% an allen Familien mit Kindern unter 18 Jahren bedeutete, während dieser im früheren Bundesgebiet bei 18,8% lag.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den allein erziehenden Vätern, deren Zahl sich im früheren Bundesgebiet von 87 000 im Jahr 1972 auf 247 000 im Jahr 2000 erhöht hat. Von ihnen hatten rund 182 000 für ein Kind, 54 000 für zwei und 11 000 für drei und mehr Kinder unter 18 Jahren zu sorgen.[1]

Zurzeit ist in Deutschland ungefähr jede fünfte Familie eine so genannte Einelternfamilie, Tendenz steigend. Etwa 85 % aller Alleinerziehenden sind Frauen, erwartet wird aber, dass der Anteil der allein erziehenden Väter in den nächsten Jahren weiter steigen wird.

Allein erziehend bedeutet, den Alltag mit Kindern alleine bewältigen zu müssen. Alleinerziehende haben meist einem tiefen Einschnitt in ihr Leben, eine starke Krise erlebt, sei es durch Trennung oder Tod. Neben der Verarbeitung der eigenen Lebenssituation müssen sie gleichzeitig versuchen, ihrem Kind oder ihren Kindern ein weitestgehend normales Familienleben zu garantieren. Für Alleinerziehende spielen spezifische familienrechtliche, wirtschaftliche und soziale Probleme eine sehr große Rolle im Leben.

2. Lebensform Allein erziehend

Zunächst ist festzustellen, dass Personen, die sich für die Lebensform Allein erziehend entscheiden, dies aus unterschiedlichen Gründen und zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Biographie tun und sich durch diese Entscheidung völlig unterschiedliche Lebensziele setzen.

Die Lebensform Allein erziehend bedeutet nicht zwangsläufig „allein erziehen“. Zwischen der klassischen „Normal“-Familie und der typischen Einelternfamilie liegen eine Vielzahl von nicht normierten Formen der Einelternfamilie.

Verschiedene Menschen entscheiden sich freiwillig für diese Lebensform – insbesondere junge Paare bilden diese neue Generation der Familie, auf die der Begriff allein erziehend angewendet wird. Allein erziehend bedeutet in diesen Fällen eine nicht eheliche Eltern-Kind-Konstellation, es bedeutet also nicht, wirklich allein, auf sich gestellt und ohne Partner zu leben. Das Bürgerliche Gesetzbuch bezieht sich auf die formale Sorgerechtsbeziehung, wonach als allein erziehend Elternteile gelten, die das alleinige Sorgerecht haben. Nach dieser Abgrenzung gelten allein sorgeberechtigte Elternteile auch dann als allein erziehend, wenn sie in Haushaltsgemeinschaften mit einem Partner leben.

Nach wie vor führen jedoch in erster Linie unfreiwillige Notlagen zu der Lebensform allein erziehend. Dieser Typus ist mit der freiwilligen Entscheidung für das Alleinerziehen nicht zu vergleichen und soll in dieser Hausarbeit explizit behandelt werden. Hierbei lassen sich verschiedene Formen nach Art des Zustandekommens unterscheiden. Alleinerziehende waren entweder nie verheiratet, haben sich von ihrem Partner getrennt, sind geschieden oder verwitwet.

Ebenfalls variiert die Belastung dahingehend, wie viele Kinder unter achtzehn Jahren von einem Alleinerziehenden versorgt werden müssen.

Ferner muss zwischen Einelternfamilien, die auf Dauer bestehen, und Einelternfamilien, die nach einer gewissen Zeitspanne in eine Zweitfamilie umgewandelt werden, differenziert werden. Generell scheint festzustehen, dass allein erziehende Väter schneller und häufiger wieder heiraten als allein erziehende Mütter.[2]

Charakteristisch für die typische Einelternfamilie ist und bleibt jedoch die Tatsache, dass eine einzige Person alleine für die Aufgaben zuständig ist, die in „normalen“ Familien zwischen zwei Personen aufgeteilt werden. Selbst wenn sich der Elternteil, der die Kinder nicht in seiner Obhut hat, aktiv an der Erziehung beteiligt, unterscheidet sich Arbeitsteilung und Arbeitsorganisation wesentlich von der Aufgabenteilung zusammen lebender Eltern. Alleinerziehende müssen versuchen, Familie und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren, Vater- und Mutterrolle ausfüllen, somit „gegengeschlechtliche“ Rollen übernehmen, und stehen unter der Belastung der Alleinverantwortung. Sie müssen Einbußen in ihrem Lebensstandard hinnehmen, haben mit Zeitproblemen und Vorurteilen zu kämpfen. Meist sind sie finanziell benachteiligt. Doch trotz vieler Nachteile sehen die meisten Alleinerziehenden ihre Lebensform durchaus positiv an. Dies resultiert daraus, dass die Lebensform „Allein erziehend“ meist aus einem stark belastenden vorherigen Zustand entsteht und eine verbessernde Reaktion darauf darstellt. Die Mehrzahl der Alleinerziehenden hat die Trennung von ihrem Partner selbst herbeigeführt. Sie wünschten sich nicht, allein erziehend zu sein, sondern sahen dies als bessere von zwei unerwünschten Alternativen oder sogar als einzigen Ausweg aus einer unhaltbar gewordenen Beziehung. Bei allen Problemen und Schwierigkeiten, die eine Trennung zur Folge hat, kann sie doch die notwendige und verantwortliche Lösung eines Elternteils von aussichtslosen intrafamiliären Zuständen sein. Als Vorteile des Alleinerziehens sehen viele allein stehende Mütter und Väter das Fehlen dauerhafter Konflikte und ständigen Streitverhaltens, ihre Entscheidungsfreiheit und eigene persönliche Entwicklungschancen an.

3. Finanzielle Probleme

Nach wie vor gehören allein erziehende Mütter und Väter zu einer der größten Gruppen mit Armutsrisiko in der Bundesrepublik Deutschland. So beziehen über 25% der Alleinerziehenden in Deutschland Sozialhilfe.[3] Alleinerziehende verfügen im Durchschnitt eher über geringes Einkommen und weisen einen geringeren Lebensstandard auf als „normale“ Familien.

3.1 Einkommenssituation

Wie schon erwähnt sind Alleinerziehende finanziell deutlich schlechter gestellt als vollständige Familien. Die Einkommens- und auch die Lebenssituation werden oft dadurch bestimmt, ob sie erwerbstätig sind oder nicht. Nach einer Trennung, Scheidung oder dem Tod des Partners stehen viele vor den Alternativen, entweder trotz geringer Stellenangebote, schlechten Verdienstmöglichkeiten und der zusätzlichen Belastung durch die Suche nach einer verlässlichen Kinderbetreuung, arbeiten zu gehen oder zuhause zu bleiben, sich von staatlichen Transferzahlungen abhängig zu machen und den meist niedrigeren Lebensstandard zu akzeptieren, der damit verbunden ist.

Für Alleinerziehende gibt es eine Reihe von Unterstützungen, z.B. das Kindergeld, der Kinderfreibetrag und das Erziehungsgeld. Außerdem haben viele Alleinerziehende ein Recht auf Unterhalt von dem nicht betreuenden Elternteil. Wenn die betreuende Person vom anderen Elternteil keinen oder zu wenig Unterhalt erhält, gibt es die Möglichkeit, vom Jugendamt einen Unterhaltsvorschuss zu bekommen. Kosten für Kinderbetreuung können Alleinerziehende steuerlich geltend machen, und Alleinerziehende, die wegen der Kinderbetreuung nicht berufstätig sein können, haben Anspruch auf Sozialhilfe.

[...]


[1] http://www.destatis.de/download/veroe/1_01.pdf, 30.8.2002, 12:25

[2] Swientek, C.: Alleinerziehende - Familien wie andere auch? Zur Lebenssituation von Ein-Eltern-Familien. Theorie und Praxis der Frauenforschung, Band 1, Kleine, Bielefeld, 1984

[3] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Ressourcen und Risiken einer Lebensform - Dokumentation der Fachtagung "Alleinerziehen in Deutschland" am 23. Juni 2000, Humboldt-Universität zu Berlin, Mai 2001, S. 5

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Alleinerziehend - Was nun? Probleme alleinerziehender Mütter und Väter
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
Zwei
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V16263
ISBN (eBook)
9783638211635
ISBN (Buch)
9783638644525
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alleinerziehend, Probleme, Mütter, Väter
Arbeit zitieren
Kristina Niemann (Autor), 2002, Alleinerziehend - Was nun? Probleme alleinerziehender Mütter und Väter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16263

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