Sporttreiben ist für viele die Möglichkeit, sich einen Ausgleich zu schaffen. Sie gehen joggen, um sich fit zu halten, gehen zur Physiotherapie um dort gesundheitssportliche Übungen zu machen oder einfach nur zum Fußballtraining um Bekannte und Freunde zu treffen. Gefühle, wie Freude, Erleichterung oder Spaß, sind hier vermutlich vorrangig. Spricht man dann von Angst in Verbindung mit Sport, stößt man zunächst auf Verwunderung. Diese Verwunderung gilt es in Verständnis umzuwandeln.
Wird man zum Beispiel mit Leistungssituationen konfrontiert, die im Sport unbestreitbar auftreten, können Ängste entstehen. Das Maß an Freude über eine gute Leistung im Sport oder das Maß der Enttäuschung über eine Niederlage, hängt von der Bedeutung des Leistungsergebnisses für den Sportler ab (vgl. Thomas, 1978, S. 250). Das heißt, dem Schüler beispielsweise, bedeutet sein Leistungsergebnis normalerweise sehr viel, da er sich vor der Klasse nicht blamieren will oder gute Noten braucht um das Schuljahr zu schaffen. An dieser Stelle kann es passieren, dass der Schüler bzw. Sportler Angstgefühle davor entwickelt, was geschieht, wenn er diese Leistung nicht erbringt. Aus diesem Grund spielt die Angst, gerade im Schulsport, eine sehr große Rolle.
Doch was ist Angst und wie wird sie in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben bzw. erklärt? Warum haben wir Angst? Wie entsteht sie und wo kommt sie her? Ist sie in uns verankert oder wird sie erlernt? Warum hat eine Person vor etwas Angst, wovor andere keine Angst haben? Und wenn es so etwas wie Angst gibt, kann man sie messen? Die Beantwortung dieser Fragestellungen ist besonders für angehende Sportlehrer höchst relevant und ist Inhalt der vorliegenden Arbeit.
Hinsichtlich des erläuterten Problems, befasst sich diese Arbeit also mit zwei Hauptschwerpunkten. Sie will im ersten Teil versuchen, die Angst zu definieren und eine umfassende Beschreibung zu liefern und im zweiten Teil Entstehungsmöglichkeiten der Angst aus Sicht der einzelnen theoretischen Ansätze der Psychologie aufzeigen. Zusätzlich werden Möglichkeiten zum Feststellen der Angst genannt.
Im folgenden Hauptteil wird nun in Hinblick sportbezogener Angstforschung inhalt-lichen Schwerpunkt auf (1) Angstdefinitionen und (2) Angstentstehung gelegt. Die Punkte Angstdiagnostik und Angstkontrolle werden im Anschließenden eher kurz ge-halten, da sie für die Beantwortung der zentralen Fragestellung weniger von Bedeutung sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung/Definitionen zur Angst
2.1 Unterschied Furcht – Angst
2.2 Ängstlichkeit als Persönlichkeitskonstrukt
2.3 Kognitionspsychologischer Definitionsansatz
2.4 Eigenschafts- und Zustandsangst
2.5 Zusammenfassender Definitionsversuch
3 Angstentstehung
3.1 2 – Phasentheorie nach Mowrer
3.2 Psychoanalytische Theorie nach Freud
3.3 Ängstlichkeitsentstehung während der Sozialisation
3.3.1 Primäre Sozialisation
3.3.2 Sekundäre Sozialisation
3.4 Ursachen der Angst
4 Angstdiagnostik
5 Angstkontrolle
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein umfassendes Verständnis von Angst und ihrer Entstehung im Kontext des Sportunterrichts zu entwickeln. Dabei steht die theoretische Fundierung der Angstphänomene im Vordergrund, um Sportlehrern und Trainern konkrete Hilfestellungen für den pädagogischen Umgang mit ängstlichen Sportlern zu bieten.
- Theoretische Abgrenzung von Furcht und Angst
- Analyse der Angstentstehung mittels lerntheoretischer und psychoanalytischer Ansätze
- Einflussfaktoren der Sozialisation auf die Ängstlichkeit
- Diagnostik von Angst im sportlichen Kontext
- Ansätze zur Angstkontrolle und -reduzierung
Auszug aus dem Buch
3.1 2 – Phasentheorie nach Mowrer (lerntheoretisch)
Mowrer geht davon aus, dass das Angstverhalten in zwei aufeinander folgenden Lernprinzipien erworben und aufrechterhalten wird. Die erste Phase folgt dem Prinzip der klassischen Konditionierung (vgl. Hackfort & Schwenkmetzger, 1980, S. 97). Dabei wird das Individuum mit einem bedingten Stimulus, den man kennt (z.B. Turngerät) und einem unbedingten, aversiven (Reiz, dem man abgewandt ist) Stimulus, den man bisher noch nicht kannte (z.B. Schmerz) konfrontiert.
Ein Schüler beispielsweise, der im Sportunterricht eine Oberarmrolle vorwärts am Barren vorführen soll, dabei einen Fehler macht, auf die darunter liegende Matte stützt und sich eine Gehirnerschütterung zuzieht, erfährt beide Reize. Ein anderes Beispiel könnte ein Nachwuchsfußballspieler sein, der nun im Wettkampf eingesetzt wird, d.h. im Punktspiel gegen eine andere Mannschaft spielt und dabei hauptsächlich Fehlabspiele, Ballverluste oder sogar Gegentore verursacht, also Misserfolg erntet.
Die Stimuli bedingter und unbedingter Art sind hierbei Wettkampf und Misserfolg. Im zeitgleichen oder zeitnahen Auftreten dieser beiden Reize zeigt das Individuum eine konditionierte emotionale Reaktion – die Angstreaktion. Nach einer oder mehrerer solcher Erfahrungen, die man durch Selbstausführung oder durch Beobachtung gewonnen hat, genügt der bedingte Stimulus, wie das Turngerät oder die Wettkampfsituation, um die Angstreaktion hervorzurufen. Mit dem klassischen Konditionieren von Angstreaktionen lässt sich auch erklären, warum manche Personen vor etwas Angst zeigen wovor andere keine Angst zeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Angst im Sportunterricht und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die theoretische Grundlagen für Trainer und Sportlehrer bereitstellt.
2 Begriffsklärung/Definitionen zur Angst: Dieses Kapitel differenziert zwischen Angst und Furcht sowie zwischen Angst als Persönlichkeitsmerkmal und als Zustand.
3 Angstentstehung: Hier werden verschiedene theoretische Modelle zur Entstehung von Angst, darunter lerntheoretische und psychoanalytische Ansätze sowie Sozialisationsfaktoren, erläutert.
4 Angstdiagnostik: Das Kapitel beschreibt verschiedene Ebenen der Angsterfassung, von physiologischen Parametern bis hin zum subjektiven Erleben und Ausdrucksverhalten.
5 Angstkontrolle: Dieser Abschnitt thematisiert Möglichkeiten zur Bewältigung und Reduzierung von Ängsten im sportlichen Kontext.
6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Erkenntnisse zu Angst als emotionalem und motivationalem Konstrukt sowie deren Bedeutung für das sportliche Handeln.
Schlüsselwörter
Angst, Sportunterricht, Angstentstehung, Ängstlichkeit, Furcht, Sozialisation, Angstdiagnostik, Angstkontrolle, klassische Konditionierung, Leistungsversagen, Sportpsychologie, Emotion, Motivation, Stress, Bewältigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Angst und ihrer spezifischen Entstehung im Kontext des Sportunterrichts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Angst, Theorien zur Entstehung (insbesondere lerntheoretische und psychoanalytische), Sozialisationseinflüsse, Diagnostik und Möglichkeiten der Angstkontrolle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Ursachen von Angst im Sport zu schaffen, um angehenden Sportlehrern und Trainern praktische Ansätze zur Angstbewältigung für ihre Schüler zu vermitteln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Vorgehensweise, bei der umfangreiche Sekundärliteratur aus der Sportpsychologie analysiert und zusammengeführt wird.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil legt den Fokus auf die Differenzierung von Angstbegriffen und die theoretische Herleitung der Angstentstehung durch verschiedene psychologische Ansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ängstlichkeit, Sozialisation, klassische Konditionierung, Angstdiagnostik und Angstkontrolle charakterisiert.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Furcht und Angst?
Die Arbeit folgt der Trennung, dass Furcht gegenstandsgebunden und auf eine bekannte Gefahr gerichtet ist, während Angst als unbestimmt und gegenstandslos beschrieben wird.
Welche Rolle spielt die Sozialisation bei der Entstehung von Ängstlichkeit?
Die Sozialisation, insbesondere innerhalb der Familie (primär) und der Schule (sekundär), prägt durch Erziehungsstile, Leistungsdruck und Konkurrenzsituationen maßgeblich das Ängstlichkeitsprofil eines Menschen.
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- Nils Freundl (Author), 2005, Angst und Angstentstehung im Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162702