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Sprachanalytische Betrachtungen zu "Définitionnel" aus Raymond Queneaus "Exercices de style"

Title: Sprachanalytische Betrachtungen zu "Définitionnel" aus Raymond Queneaus "Exercices de style"

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Susann Schrödter (Author)

Didactics for the subject French - Pedagogy, Literature Studies
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In kaum einem zweiten Werk kommt die sprachliche Experimentierfreudigkeit eines Autors deutlicher zum Tragen, als in Raymond Queneaus Exercices de style. Die triviale Geschichte eines jungen Mannes im Bus, der zwei Stunden später vor dem Bahnhof Saint-Lazare wieder gesehen wird, wo ihm ein Freund rät, einen zusätzlichen Knopf an seinen Überzieher zu nähen, wird in unzähligen Versionen neu bearbeitet und macht Queneaus Leser zu „témoins d’un acte de création littéraire; à travers différents genres et styles littéraires, diverses voix narratives et de simples jeux langagiers […].“
Im Fokus der Betrachtungen bezüglich Queneaus Werk steht fast immer sein außerordentlicher Sinn für die Sprachentheorie. Ohne Zweifel ist er ein „hervorragender Kenner der fran-zösischen Gegenwartssprache […].“ In seinen 98 Varianten von Notations experimentiert Queneau mit Fachsprachen und Jargons, verwendet unterschiedliche rhetorische Figuren und variiert mithilfe wechselnder Vers- und Zeitformen.
Der Autor selbst rechtfertigt seine Vorliebe für sprachtheoretische Betrachtungen in Bâtons, chiffres et lettres. Hier schreibt er: „[…] [L]es formes subsistent éternellement.“ Außerdem seien in der Literatur alle möglichen Themen zur Genüge ausgeschöpft und „alles Sagbare [sei] schon gesagt.“ Aufgrund dessen könne man nur innovatorisch arbeiten, wenn die formale Komponente im Vordergrund stehe.
Queneau ist interessiert „à toutes les questions […] du langage en tant que jeu avec des règles, disons un jeu de raisonnement, ou un jeu de hasard avec un maximum de raisonnement.“ Sein ausgeprägter Sinn für regelhafte, von formalen Zwängen geprägte Literatur führt 1960 zur Gründung des Autorenkreises Ouvroir de Littérature Potentielle, kurz OuLiPo. Die Gruppe macht es sich zur Aufgabe, neue literarische Strukturen mathematischer Natur, mehr noch künstliche oder mechanische Verfahren, zu entwickeln, die die Inspiration der Schriftsteller sowie deren Kreativität fördern sollen. Sie widmet sich der sogenannten littérature potentielle, deren Vielfältigkeit in den Exercices de style in vollem Maße zur Geltung kommt.
Ein Beispiel hierfür ist die Variante Définitionnel, die in unseren weiteren Ausführungen näher analysiert werden soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Queneau und die littérature potentielle

2.1. Spracherweiterung durch formale Zwänge

2.2. Die Verbindung von Spieltrieb und contraintes

3. Sprachliche Analyse von Définitionnel

3.1. La littérature définitionnelle

3.2. Queneaus Definitionsweise

3.3. Semantische und syntaktische Besonderheiten

3.4 Deutung in Bezug auf das „néo-français“

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Experimentierfreudigkeit von Raymond Queneau, insbesondere am Beispiel der Variante „Définitionnel“ aus seinen Exercices de style. Ziel der Analyse ist es, das Verhältnis zwischen den formalen Zwängen der OuLiPo-Gruppe, der angewandten Definitionslehre und der satirischen Wirkung auf den Leser vor dem Hintergrund des von Queneau propagierten „néo-français“ kritisch zu beleuchten.

  • Die literarische Gruppe OuLiPo und das Prinzip der littérature potentielle
  • Die Rolle formaler Zwänge (contraintes) in der modernen Literatur
  • Methodische Untersuchung des Definitionsstils in „Définitionnel“
  • Syntaktische und semantische Analyse der Texte
  • Kritik an der sprachlichen Hyperkorrektheit und Rationalität

Auszug aus dem Buch

3.1 La littérature définitionnelle

Die Gruppe OuLiPo und deren Prinzip der littérature potentielle ist wohl einer der Gründe, die Queneau 1973 dazu bewegen, seine Exercices de style zu überarbeiten. Er ersetzt einige Varianten seiner Geschichte durch solche, die die entwickelten Verfahren von OuLiPo repräsentieren. In Définitionnel handelt es sich um jenes der littérature définitionnelle, das er in seinem Artikel im gleichnamigen Werk folgendermaßen erklärt:

Étant donné un texte, on substitue à chaque mot signifiant (verbe, substantif, adjectif, adverbe en –ment), sa définition dans « le » dictionnaire, puis on itère l’opération. Une phrase de six mots ainsi traitée donne un texte de près de 180 mots au troisième traitement.

Auch diese Art von Literatur ist keine Erfindung Queneaus, sondern ursprünglich die Idee von Stefan Themerson, dessen semantische Poesie bereits die gleichen Strukturen aufwies.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in Queneaus Werk Exercices de style und Vorstellung der OuLiPo-Gruppe sowie deren Bedeutung für literarische Experimente.

2. Queneau und die littérature potentielle: Analyse der Ursprünge von OuLiPo und der theoretischen Konzepte wie formale Zwänge und mathematische Strukturen in der Literatur.

2.1. Spracherweiterung durch formale Zwänge: Untersuchung der Bedeutung des Begriffs „potentielle Literatur“ und wie contraintes als Regeln die literarische Kreativität fördern.

2.2. Die Verbindung von Spieltrieb und contraintes: Erörterung der spielerischen Komponente in der Literatur, die trotz mathematischer Strenge den seriösen Charakter oulipotischer Arbeiten unterstreicht.

3. Sprachliche Analyse von Définitionnel: Detaillierte Untersuchung der Variante „Définitionnel“ als konkretes Beispiel für literarische Definitionen.

3.1. La littérature définitionnelle: Vorstellung des Konzepts der littérature définitionnelle und dessen theoretische Herleitung.

3.2. Queneaus Definitionsweise: Analyse von Queneaus Umgang mit Begriffen und Definitionen in Anlehnung an die Definitionslehre von Walter Dubislav.

3.3. Semantische und syntaktische Besonderheiten: Betrachtung der sprachlichen Gestaltung, insbesondere des Einsatzes von Partizipien und Schachtelsätzen in Queneaus Texten.

3.4 Deutung in Bezug auf das „néo-français“: Auseinandersetzung mit Queneaus Sprachkonzeption und der Parodie der strengen französischen Schriftsprache.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, wonach Queneaus Definitionsstil die Alltäglichkeit ironisch übersteigert und die Leser-Autor-Beziehung stärkt.

Schlüsselwörter

Raymond Queneau, OuLiPo, Littérature potentielle, Exercices de style, Définitionnel, formale Zwänge, contraintes, Definitionslehre, Walter Dubislav, néo-français, Sprachanalyse, Literaturtheorie, mathematische Literatur, Syntaktik, Semantik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die literarischen Experimente von Raymond Queneau, speziell die Anwendung der „littérature définitionnelle“ in seinen Exercices de style und deren theoretischen Hintergrund bei der Gruppe OuLiPo.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die Bedeutung formaler Regeln (contraintes), die Definition von Literatur durch mathematische Strukturen und die kritische Auseinandersetzung mit Sprachnormen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt, wie Queneaus Definitionsstil in „Définitionnel“ als Mittel eingesetzt wird, um die französische Schriftsprache zu parodieren und eine spezifische Form der literarischen „Potenzialität“ zu schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine linguistische Textanalyse durchgeführt, die Queneaus Schreibweise mit den theoretischen Lehren von Walter Dubislav über Definitionen vergleicht.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil analysiert die syntaktischen und semantischen Besonderheiten von Queneaus Texten, insbesondere die Verwendung von Partizipien und die bewusste Kompliziertheit der Satzstrukturen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie OuLiPo, contraintes, néo-français und die Theorie der littérature potentielle geprägt.

Inwiefern beeinflusst der Leser das Verständnis des Textes?

Die Arbeit betont, dass Queneaus Literatur auf einer aktiven Mitarbeit des Lesers basiert, um die „Potentialität“ des Textes überhaupt erst zu realisieren.

Warum wirkt die Variante „Définitionnel“ auf den Leser komisch?

Durch die übermäßige Kompliziertheit und die exzessive Definition eigentlich trivialer Vorgänge erzeugt Queneau eine satirische Wirkung, die das alltägliche Geschehen übersteigert.

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Details

Title
Sprachanalytische Betrachtungen zu "Définitionnel" aus Raymond Queneaus "Exercices de style"
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Romanistik)
Course
Raymond Queneaus "Exercices de style" - Sprachwissenschaftliche Interpretationen
Grade
2,0
Author
Susann Schrödter (Author)
Publication Year
2009
Pages
19
Catalog Number
V162716
ISBN (eBook)
9783640774982
ISBN (Book)
9783640774913
Language
German
Tags
Sprachanalytische Betrachtungen Définitionnel Raymond Queneaus Exercices
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susann Schrödter (Author), 2009, Sprachanalytische Betrachtungen zu "Définitionnel" aus Raymond Queneaus "Exercices de style", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162716
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