Rassismus im Wandel? Zum Verbot der Sklaverei in Kolumbien


Hausarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Bedeutung von Rassismus
2.1 Rassismus in Kolumbien zur Zeit des Befreiungskampfes 2.2. Der Rassismus in Kolumbien nach 1852

3. Schluss

1. Einleitung

Vielfaltige Ursachen innen- wie auBenpolitischer Art hatten zur Abschaffung der Sklaverei in Hispanoamerika gefuhrt, innerhalb einer Dekade wurden in samtlichen Staaten des nord- lichen Sudamerika Gesetze erlassen welche die Sklaverei unter Strafe stellten.[1] Die Skla­verei in den Amerikas unterschied sich von anderen unfreien Arbeitsformen der Weltge- schichte, da die afrikanischen Sklaven durch eine radikale Entwurzelung aus ihrer sozialen und geographischen Umwelt entrissen wurden.[2] Sie konnten sich auf keinerlei Vertragsver- haltnisse mit ihren Herren berufen. Im Gegensatz zur Leibeigenschaft, der antiken und der afrikanischen Sklaverei, wurde die Versklavung von Afrikanern in der atlantischen Welt haufig mit ihrer "Fremdheit" gerechtfertigt. Sklave und Herr wurden als unterschiedliche Rassen imaginiert, so dass Sklaverei und Rassismus hier eng verbunden waren. Im 19. Jahrhundert wurde die vormals herrschende Vorstellung einer religiosen oder kulturellen Unterlegenheit der Sklaven zunehmend an biologisch begrundeten Unterschieden festge- macht.[3]

In dieser Arbeit soll der Rassismus bezuglich der afrikanischstammigen Bevolkerung in Kolumbien untersucht werden, dabei soll der Fokus auf die Zeit der Unabhangigkeitsbewe- gungen Anfang des 19. Jahrhunderts gelegt werden, durch die unter der Fuhrung von Simon Bolivar die Republik GroBkolumbien geschaffen wurde. Wie spater genauer darge- legt werden soll, setzte Bolivar die Abschaffung des Sklavenhandels durch und trieb die Entwicklung der Abolition zumindest voran. Jedoch ist seinen AuBerungen und denen der politischen Elite dieser Zeit zu entnehmen, das diese Bestrebungen nicht von der Anerken- nung einer gleichwertigen Wurde der afrokolumbianischen Bevolkerung abhingen sondern andere Grunde hatten. Das Verbot des Sklavenhandels durch den VerfassungskongreB von Cucuta im Jahre 1821, die Schaffung des "free-womb-law" und die Institution der "Juntas de manumision" stellten erste Gesetzesanderungen in die Richtung der Abschaffung der Sklaverei dar.[4] Die Umsetzung der Gesetze lief jedoch sehr schleppend und in manchen

Regionen gar nicht ab. Bis 30 Jahre nach der Schaffung der Juntas wurden zum endgul- tigen Verbot der Sklaverei in Kolumbien 1852 nur wenige Sklaven freigelassen, diese Frei- lassungenjedoch haufig besonders stark durch Zeremonien und Festakte betont.[5] Uber die Jahre hinweg nahm jedoch die Anzahl der freien Afrokolumbianer zu, nicht zuletzt durch die ofter erfolgten Freilassungen von Sklaven durch den Militardienst in der Befreiungs- armee, wenn sie denn uberlebt hatten. Man kann schon vor 1852 von einem wesentlichen Anteil afrikanischstammiger freier Menschen in der Demographie Kolumbiens sprechen. Doch wie wurden diese Menschen in das bestehende System der "Society of Castas" inte- griert? Wie wandelte sich der bestehende Rassismus gegenuber den ehemaligen Sklaven die durch das Erlangen einer Staatsburgerschaft normativ auch die gleichen Rechte besafien wie ihre fruheren Herren? Diese Fragen sollen hier untersucht werden, dabei wird nach dem Versuch einer Erklarung des Rassismusbegriffs der Fokus auf die Zeit der Unab- hangigkeitskampfe und der Etablierung der Republik Grofikolumbien und den dort beste- henden Rassismus gelegt. Hier soll auch nach einem Wandel des Rassismus geforscht werden der allerdings schon vor 1852 eingetreten sein muss, da schon Anfang des 19. Jahr- hunderts eine grofie Anzahl freier Afrokolumbianer in der kolumbianischen Gesellschaft entstand. Die Beschaftigung mit dem Rassismus soll hier eher auf die freien Menschen afrikanischer Abstammung in Kolumbien gelegt werden, als auf jene die sich noch in der Sklaverei befanden.

2. Definition und Bedeutung von Rassismus

In einer Definition des Brockhaus Anfang der neunziger Jahre wird zum Begriff der Menschenrassen festgestellt, es handele sich um "geographisch lokalisierbare Formen- gruppen des heutigen Menschen..., die charakteristische Genkombinationen besitzen". Im Beitrag zum Rassismus ist vermerkt, "dass der biologische Rassenbegriff nicht lediglich beschreibend ware, sondern eine ideologische Komponente enthielte".[6] Diese ideologische Komponente wird durch die Verwendung sozialer Tatsachen, Vorurteile, kulturelle Diffe- renzen und herrschaftsrechtfertigende Weltbilder erzeugt. Naturliche Elemente spielen eine eher untergeordnete Rolle. Nach Meinung Hunds ist es deshalb falsch, Definitionen des Rassismus vom angeblich naturlichen Tatbestand der Rasse wie der Schwarzen, Weifien, Gelben und Roten vorzunehmen, da die Rassen Resultat, nicht Vorraussetzung rassistischer Argumentation sind.[7] Dunkelhautige Menschen wurden durch die Europaer im Laufe der Jahrhunderte nicht schon immer gleich sozial oder rassistisch diskriminiert. Es kam viel- mehr zu einer Verlagerung ganz unterschiedlicher Typen und neben dem Bild des mittelal- terlichen Mohren der als "feindlicher Schwarzer" im muslimischen Heer gegen die Kreuz- fahrer kampfte, entstanden auch andere die mit Toleranz verbunden waren.[8] Der Gebrauch des Wortes "Rasse" war zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert nicht besonders verbreitet, wahrend es im 19. Jahrhundert durch pra-darwinistische Ideen des evolutionaren Wandels und des Polygenismus verbreiteter genutzt wurde.[9] So hat Carl von Linne 1735 in seinem Werk "Systema Naturae" in dem er eine Klassifizierung aller Lebewesen durchfuhrte, auch Untergruppen der Gattung "Homo" entwickelt. Dort charakterisiert er "Amerikaner" als "kupferrot, cholerisch, aufrecht. Bemalt sich. Abhangig von Gebrauchen".[10] Der Afrikaner wird bei Linne als schwarz und faul in einem bezeichnet, er ist phlegmatisch, schlaff, saumselig und nachlassig.[11] Physische und kulturelle Merkmale werden hier zusammenge- worfen, letztere werden als naturlich fur diese "Rasse" angesehen, das bedeutet sie werden "biologisiert". Der wissenschaftliche Rassismus begann bemerkenswerterweise gerade zu dieser Zeit wo der Sklavenhandel verboten wurde und auch die Institution der Sklaverei nach und nach abgeschafft wurde.[12] Diese Theorien versuchten die angebliche Minderwer- tigkeit der Sklaven auf wissenschaftlichem Wege zu beweisen um durch die Konstruktion einer Rasse des "Africanus niger", einer Zusammenwurfelung aus dem dunkelhautigen Volk der Athiopier aus der Antike und dem Mohren des Mittelalters den Neger der Neuzeit entstehen zu lassen. Die soziale Kategorie der Schwarzen wurde durch das Zusam- menschweiBen von dunkler Hautfarbe und der Sklaverei erzeugt um dem Sklavenhandel einen unerschopflichen Markt zu erschlieBen.[13] Durch die soziale Konstruktion der Rassen, entstand auch eine Hierarchie der Rassen, so nach Kants Einordnung:

" 1. Americaner unempfindlich. Ohne affect und Leidenschaft also blos vor Rache. Freyheitsliebe ist hier bloBe faule Unabhangigkeit. Sprechen nicht, lieben nichts, sorgen vor nichts . . . nehmen gar keine Cultur an.
2. Neger. Gerade das Gegentheil: sind lebhaft, voller affect und Leidenschaft. Schwatzhaft, eitel, dem Vergnugen ergeben. Nehmen die Cultur der Knechte an, aber nicht der freyen, und sind unfahig sich selbst zu fuhren. Kinder...
3. Indianer. Sind gelassen. ... nehmen die Cultur der Kunst an, aber nicht der Wissenschaft und Aufklarung. Sind immer Schuler, . . . kennen nur den Zwang und nicht das Recht und Freyheit. Gelangen nicht zu Begriffen der wahren Ehre und Tugend...
4. (Weisse:) Enthalten alle Triebfedern der Natur in affecten und Leidenschaften, alle Talente, alle Anlagen zur Cultur und Civilisierung und konnen sowohl gehor- chen als herrschen. Sie sind die einzige, welche immer in Vollkommenheit fort- schreiten."[14]

Wahrend sich die Konstruktion des Begriffs "Rasse" ganz offensichtlich primar auf pheno- typische Differenzen stutzt, bezieht sich der Begriff der Ethnizitat insbesondere auf kultu- relle Unterschiede.[15] Dabei versucht dieser Begriff komplexe kulturelle Gebrauche, Reli- gionen, Kleidungen, Sprachen und Erscheinungsbilder zu kategorisieren. Von einigen Autoren wird der Rassismus als "discourse and practice of inferiorizing ethnic groups" gesehen.[16] Die Forschung uber die Geschichte der Afrikaner in der Neuen Welt ist eine des Rassismus und der Rassenbeziehungen wahrend die Forschung uber Indios stehts eine der Ethnizitat und ethnischen Gruppen darstellt. Dies ist darauf zuruckzufuhren, dass sich die Kategorie "Indio" nicht auf phenotypische Merkmale bezieht sondern auf das Leben dessen in indigenen Gesellschaften, verlaBt der Indio seine Gesellschaft und legt dabei seine speziellen ethnischen Attribute wie Kleidung, Gebrauche und Sprache ab, ist er auf dem Weg als "Mestize" angesehen zu werden. Im Kontrast dazu wird der "schwarze Afrikaner" haufig als eine Kategorie gesehen die mehr phenotypische Kriterien enthalt die nicht auf dieselbe Weise manipulierbar sind.[17]

Die Einteilung von Menschen in rassistische Kategorien von okonomischer oder politi- scher Praferenz der jeweiligen Akteure bestimmt. So hatte der Fakt dass Afrikaner fur die Arbeit auf den Plantagen der Amerikas versklavt wurden und nicht die Ureinwohner Nord- amerikas, vor allem okonomische Grunde. Eine dieser Grunde waren die Uberle- benschancen der Afrikaner in den Amerikas. Wahrend die dort ansassigen Ureinwohner gegen eingeschleppte Krankheiten keine Resistenzen besaBen und durch Kriege und Krankheiten millionenfach starben,[18] hatten die Afrikaner aufgrund ihres Jahrtausende langen Kontaktes eine Abwehr gegen die Erreger Europas entwickelt. Da auch die nauti- schen Gegebenheiten die Verschleppung von Afrikanern in die neue Welt begunstigten, lag die Konstruktion rechtfertigender Theorien im politischen und okonomischen Sinne nahe.[19] So zeigten sozialgeschichtliche Studien, dass Rassismus eher eine Folge als eine Ursache der Sklaverei war.[20]

2.1 Rassismus in Kolumbien zur Zeit des Befreiungskampfes

Das soziale und okonomische Milieu Kolumbiens in dem die Sklaverei existierte unter- schied sich im 19. Jahrhundert deutlich von den Landern mit Zuckerindustrie wie zum Beispiel Brasilien oder Kuba. Die sparliche Besiedlung und die Schwierigkeiten bei dem Transport von Waren fuhrten zu einer langsamen Wirtschaftsentwicklung. In manchen Bereichen des Lebens fanden die Sklaven dort bessere Bedingungen als in anderen Gegenden der Amerikas vor. So wurde der Sklave durchaus als menschliches Wesen ange- sehen und konnte zumindest theoretisch Besitz erwerben und sich seine Freiheit erkaufen. Die katholische Kirche sah die Sklaverei als vertragliche Bindung zwischen dem Herrn und Sklaven, bei dem letzterer ein menschliches Wesen mit dem Recht zum Leben und zum eigenen Korper blieb. So durfte nach Sicht der Kirche der Sklavenbesitzer seine Sklaven nicht am Heiraten hindern und sollte ihm im katholisch dominierten Kolumbien eine christliche Familie ermoglichen.[21]

Um 1800 herum lebten ungefahr 70.000 Sklaven in Kolumbien, davon ein grofier Teil in den Provinzen Popayan, Antioquia, Mariquita und Choco wo die profitabelsten Goldminen Spanisch-Amerikas lagen.[22] Wie es auch die Wahl der Spanier gewesen war in den Kolo- nien die afrikanischstammige Bevolkerung zur Sklavenarbeit einzusetzen, hatten die Indios und die Afrikaner unterschiedliche Positionen im kolonialen System. Das ideale System der Spanier bestand dabei aus drei Kategorien: Spanier, Indios und Afrikaner: Gebieter, Untertanen und Sklaven. Durch die Gesetzgebung des "Codigo negro espanol" im Jahre 1789 wurden im spanischen Amerika Rechte fur den Sklaven festgeschrieben, dies jedoch eher um die rechtliche Kontrolle der Sklaverei zu verbessern als die Sklaven zu schutzen.[23] Das von den Spaniern erstrebte System der drei Kategorien warjedoch vom Start an unter- miniert. Die Moglichkeiten der Freilassung von Sklaven schuf die Klasse der freien Afri­kaner die bereits im Jahr 1800 in Kolumbien und Panama insgesamt 140.000 Menschen umfasste.[24] Daruberhinaus entstand durch die Geburt von Spaniern in den Kolonien eine weitere Klasse der Kreolen. Weitere rassische Bezeichnungen wie Mulatten, Mestizen und Zambos fuhrten zu dem System der "Society of Castas".[25] Das Konzept der "Reinheit des Blutes" bedeutete das die physische Schonheit und der psychische Charakter eines Menschen von seinen "Blutlinien" determiniert wurde. Das hiefi fur die Trager "unsauberer Wurzeln" das sie biologische Mangel aufwiesen und bei der Ubertragung des Konzepts auf die Kolonien eine Marginalisierung der wachsenden Bevolkerung von Mischlingen, die als person of color, als "pardos" bezeichnet wurden.[26]

[...]

[1] So in den 1850er Jahren in Ecuador, Argentinien, Peru und Venezuela, 1861 in Bolivien und 1852 in Kolumbien, ein Datum auf das in dieser Arbeit genauer eingegangen werden soll. Siehe Meissner, Jochen u.a.: Schwarzes Amerika. Eine Geschichte der Sklaverei. Munchen 2008: Beck Verlag, S. 165.

[2] Ebd. S. 13. So auch Morner, Magnus: Der historische Hintergrund der sozialen Situation des

Afroamerikaners in Lateinamerika, in: Grabener, Jurgen (Hg.): Klassengesellschaft und Rassismus. Zur Marginalisierung der Afroamerikaner in Lateinamerika, Dusseldorf 1971: Bertelsmann

Universitatsverlag, S. 18-35, hier S.18.

[3] Meissner: Schwarzes Amerika, S. 13, 30-31.

[4] Rout, Leslie B. Jr.: The African Experience in Spanish America. Princeton 2003: Cambridge University Press, S. 237. So auch Lohse, Russell: Reconciling Freedom with the Rights of Property. Slave Emancipationin Colombia, 1821-1852, with Special Reference to La Plata, in: The Journal of Negro History, 86, No. 3 (2001), S. 203-227, hier S. 206.

[5] Private Freilassungen durch Sklavenhalter wurden haufig in lokalen Zeitungen veroffentlicht und als Akt der "Liebe zur nationalen Unabhangigkeit und dem republikanischen System" gefeiert, wahrend sie vorher noch als Akte christlicher Barmherzigkeit galten. Siehe Lasso, Marixa: Race War and Nation in Carribean Gran Colombia, Cartagena, 1810-1832, in: The American Historical Review, 111, No. 2 (2006), S. 336-361, hier S. 348.

[6] Hund, Wulf D.: Rassismus. Die soziale Konstruktion naturlicher Ungleichheit. Munster 1999: Westfalisches Dampfboot. S. 7.

[7] Ebd. S. 10.

[8] Ebd. S. 26 - 28.

[9] Im Gegensatz zum biblischen Bild des Monogenismus das die Abstammung aller Menschen von einem Geschlecht propagiert, sieht der Polygenismus die verschiedenen "Menschenrassen" von unterschiedlicher Abstammung. Die Rassen werden hier nach Hautfarbe und anderen phenotypischen Erscheinungsmerkmalen konstruiert. Siehe Wade, Peter: Race and Ethnicity in Latin America. London 1997: Pluto Press. Hier S. 7, 10.

[10] Ebd. S. 7. Ubersetzung durch Verfasser.

[11] Hund: Rassismus. S. 20. So schrieb auch Immanuel Kant: "Der feuchten Hitze Afrikas entspringt der Neger ... seinem Klima wohl angemessen." Nicht nur schwarz sondern auch "stark, fleischig, gelenk, ... faul, weichlich und tandelnd." Ebd. S. 35. Die Beschreibung Kants der angeblich naturlichen Attribute an dieser Stelle lasst eine "Rechtfertigung" der unfreien Arbeit anhand der Kombination der Begriff"faul" und "stark" naheliegend erscheinen.

[12] Dies behauptet auch Meissner: "Nicht zufallig entstand der biologisch begrundete Rassismusjust zujener Zeit, in der die Sklaverei in der atlantischen Welt verboten wurde. Denn trotz alterer Wurzeln wurde der Rassismus erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einem der vorherrschenden ideologischen Ordnungsangebote. Angesichts der Zumutungen, Verunsicherungspotenziale und Auflosungstendenzen, die mit der Globalisierung einhergingen, ordnete er die sozialen Welten in Uberlegenheits- und Minderwertigkeitsverhaltnisse von vermeintlich biologisch bestimmten Abstammungsgemeinschaften kulturell neu und ermoglichte damit gleichzeitig, althergebrachte Privilegien auf neuer Grundlage abzusichern." Siehe Meissner: Schwarzes Amerika. S. 271.

[13] Hund: Rassismus. S. 33.

[14] Ebd. S. 41.

[15] Phenotypische Merkmale werden nach dieser Ansicht uber Generationen uber "das Blut" vererbt, die biologischen Vorfahren sind relevant. Ethnizitat bezieht sich dort eher auf eine kulturelle Geographie wo Gebrauche der Vorfahren "in das Blut ubergegangen" sind. Siehe Wade: Race and Ethnicity. S.21.

[16] Ebd. S. 16-17, 19.

[17] Peter Wade differenziert diese Unterscheidungjedoch aus. So stimmt er aus seiner Sicht nicht komplett zu, das Indios nur als ethnische Gruppe bezeichnet werden konnen. Aus makrohistorischer Perspektive muss allein schon durch die Verwendung der Worter "indian blood" und "black blood" in den Debatten des 19. und 20. Jahrhunderts in Kolumbien von einer rassistischen Komponente der Kategorie Indio ausgegangen werden. Siehe Wade: Race and Ethnicity. S. 37.

[18] Die Gesamtbevolkerung von Feuerland bis Mexiko konnte bei etwa 35 Millionen Menschen gelegen haben, bis 1640 war sie auf nur noch 4 Millionen geschrumpft. Die Bevolkerung der karibischen Inseln wurde weitgehend ausgeloscht. Vor allem diese demographische Katastrophe fuhrte durch die Etablierung von riesigen Zuckerrohrplantagen im 17. Jahrhundert zu einem drangenden Arbeitsmangel. Vertragsarbeiter aus dem Mutterland konnten schon Mitte des Jahrhunderts den Bedarf an Arbeitskraften nicht mehr decken, die schlechten Arbeitsbedingungen, das ungesunde Klima und die aufkommende merkantilistische Wirtschaftslehre in Europa fuhrte zum Import einer groBen Zahl von afrikanischen Sklaven. Siehe Meissner: Schwarzes Amerika. S. 17-19.

[19] Ebd. S. 31.

[20] Morgan, E.S.: American slavery - American freedom. New York 1975: W. W. Norton & Company, zit. nach: Meissner: Schwarzes Amerika. S. 79.

[21] Chandler, David L.: Family Bonds and the Bondsman: The Slave Family in Colonial Colombia, in: Latin AmericanResearch Review, 16No. 2 (1981), S. 107-131. Hier S. 107-108.

[22] Rout, Leslie B. Jr.: The African Experience in Spanish America. S. 95, 236.

[23] Die durch Charles IV von Spanien proklamierten "Instruktionen betreffend der Bildung, Behandlung und Beschaftigung von Sklaven" ubernahmen Ideen des franzosischen"Code noir" von 1685 und sollten die Beziehungen zwischen dem Sklavenhalter und seinem Sklaven regeln. So schrieb die Gesetzgebung religiosen Unterricht und christliche sittsame Kleidung fur den Sklaven vor, verbot aber auch die Verstummelung von Sklaven und begrenzte die Peitschenhiebe die fur jedes Vergehen als Strafe vorgesehenwaren auf 25 Stuck. Ebd. S. 83. Siehe auch Wade: Race and Ethnicity. S. 27.

[24] Rout, Leslie B. Jr.: The African Experience in Spanish America. S. 134.

[25] Wade: Race and Ethnicity. S. 28.

[26] Rout, Leslie B. Jr.: The African Experience in Spanish America. S. 126. So auch Bierck, Harold A. Jr.: TheStruggle for AbolitioninGranColombia, in:Hispanic American Historical Review, 33 No. 3 (1953), S. 365-386. Hier S. 367. Zu den angeblich "degenerierten Blutlinien" der Indios und Afrikaner,

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Rassismus im Wandel? Zum Verbot der Sklaverei in Kolumbien
Hochschule
Universität Bremen  (Institut für Geschichtswissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V162747
ISBN (eBook)
9783640764815
ISBN (Buch)
9783640765140
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Großkolumbien, Lateinamerika, Unabhängigkeitskriege, Kolumbien, Rassismus, Sklavenhandel, Postemanzipation, Cucuta, Republik, Society of Castas, Simon Bolivar, Afrokolumbianer, Cauca
Arbeit zitieren
Leon Keller (Autor), 2010, Rassismus im Wandel? Zum Verbot der Sklaverei in Kolumbien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162747

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