Die Täuferbewegung in den Niederlanden am Beispiel Amsterdams (1531 - 1535)


Hausarbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Amsterdam als Zentrum der täuferischen Aktivitäten (1530)
2.1. Einführung und Verbreitung des täuferischen Gedankenguts durch Melchior Hoffmann und Jan Volkerts Trijpmaker (1530)
2.2. Chronologische Darstellung der Ereignisse in Amsterdam zwischen 1531 und 1535
2.2.1. Jan Volkerts Trijpmaker und Melchior Hoffmann wirken in Amsterdam (1531)
2.2.2. Die Verfolgung durch den Hof von Holland, die ersten Hinrichtungen und der von Hoffmann angeordnete Taufstopp in den Niederlanden (Dezember 1531)
2.2.3. Jan Matthijs wird Oberhaupt der Amsterdamer Täufer, die Aussendung der Apostel und der Zug vieler Niederländer nach Münster (November 1533 bis Februar 1534)
2.2.4. Vorbereitung auf den 2. Zug nach Münster und die Schwertläufer von Amsterdam (März 1534)
2.2.5. Das Blutgericht als Reaktion der Obrigkeit und die Gegenwehr der Amsterdamer Täufer (März bis Oktober 1534)
2.2.6. Die Nacktläufer von Amsterdam (Februar 1535)
2.2.7. Der große Anschlag auf Amsterdam und dessen Folgen (Mai 1535)
2.3. Die Spaltung der Täufergemeinde
2.4. Das Verhältnis zwischen Obrigkeit und Täufern

3. Gründe für das Scheitern der Amsterdamer Täufer

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den Niederlanden verbreitete sich die Tauferbewegung in den Jahren 1530-1535 sehr schnell. Dieses religiose Gedankengut fiel gerade dort auf sehr fruchtbaren Boden, denn die politische und soziale Situation war fur das einfache Volk zu dieser Zeit sehr schlecht. Ab 1529 brachte eine „sich rasch ausbreitende Wirtschaftskrise"1 Armut, Krankheiten und Hungersnöte. Besonders stark betroffen waren die Bürger der großen Städte Hollands.

Dazu kam die wachsende Unzufriedenheit mit der Politik Karls V.2 Konflikte zwischen Kaiser Karl V. und den dänischen Königen Christian III. und Friedrich I. führten zu einer Blockade des Sundes für die holländischen Schiffe und damit zu einer starken Einschränkung des maritimen Handels.

Zusätzlich gab Lübeck die offizielle Kapererlaubnis für alle niederländischen Frachter und Fischerboote. So konnte die Fischerei nur noch in küstennahen Gewässern betrieben werden, was die Erwerbsfähigkeit sehr einschränkte. Diese Situation führte zu radikalen Preisanstiegen bei den Lebensmitteln. Auch die Textilindustrie verzeichnete durch den Handelsstopp zwischen England und den Niederlanden einen Gewinnverlust.

Besonders in den Hafenstädten und den Zentren der Tuchmanufaktur breitete sich Arbeitslosigkeit aus. Hunger und fehlende Hygiene begünstigten Epidemien wie z. B. Tuberkolose.3

In dieser Zeit wuchs die Kritik an der katholischen Kirche. Die Menschen fanden keinen Trost mehr in ihrer Religion und den reich ausgestatteten Kirchen. Das Täufertum war im Gegensatz zu den Sakramentistischen Lehren und denen der Devotio Moderna ein Glaube für das einfache Volk. Hier fanden jetzt die Einfachheit der Lehre und der Glaube an baldige Erlösung Anklang.4 Schon früh bildete sich ein täuferisches Zentrum, in dem sich Ordnung und Aktivitäten der Täufer zurückverfolgen lassen.

Amsterdam ist zwischen 1531 und 1535 als das Zentrum der Täufergemeinde in den Niederlanden zu sehen. Es sind uns auch aus Groningen und Friesland größere Gemeinden bekannt, in Monikendam waren sogar 2/3 der Einwohner Täufer.5 Jedoch blieb in den Jahren 1531-1535 Amsterdam die Metropole der Täufer-Aktivitäten und lässt sich mit der Stellung Münsters vergleichen.6

Die Reaktionen des großen Rats in Brüssel und des Hofes von Holland auf diese Entwicklung waren konsequent. Die Täufer wurden als Ketzer verfolgt und hingerichtet. Trotz dieser harten Verfolgung gelang es der Regierung jedoch nicht, die Verbreitung der Täufer völlig zu stoppen. Teilweise wurden die zu Anfang noch friedlichen Anhänger immer radikaler und versuchten sogar nach münsterischem Vorbild die Stadt Amsterdam einzunehmen. Dies gelang der Gruppe nicht, da ihrer Bewegung jegliche Struktur fehlte.

Es gab keine festen Anfuhrer, keine erkennbare Planung der einzelnen Aktionen und es fehlte das Geschick, ihre Stellung innerhalb Amsterdams politisch zu verankern. Es sind keine Quellen bekannt, die die gesellschaftliche Ordnung in der Amsterdamer Taufergemeinde belegen. Alle Feststellungen uber Planung und Durchfuhrung einzelner Aktionen und ihrer Ambitionen mussen aus der Durchfuhrung ruckgeschlossen werden. Ebenso sind viele Gerichtsakten uber Verurteilungen nicht mehr vorhanden. 7Einige der wenigen erhaltenen Quellen sind die „Bekentenisse" des Obbe Philips, die Briefe des Hofes von Holland, in denen jedoch wenig auf Hintergrunde einzelner Taten eingegangen wurde und die Schriften von Hortensius und Buyck. Jacob Buyck war Pastor der Alten Kirche in Amsterdam und Lambertus Hortensius ausgebildeter Theologe. Deshalb sind ihre Schriften sehr kritisch zu betrachten. Die Sekundarliteratur zu diesem Thema geht, bis auf die Bucher „Om de ware gemeente en de oude gronden" von Samme Zijlstra und die von A. F. Mellink, wenig detailliert auf die Ereignisse in Amsterdam zu dieser Zeit ein. Diese karge und einseitige Quellenlage macht eine Interpretation der Motive der Tauferbewegung in Amsterdam schwierig. Bekannt ist, dass es mehrere Versuche der Gemeinde gab, sich in Amsterdam durchzusetzen. Keiner dieser Anschlage fuhrte zu einem positiven Ausgang fur die Taufer. Auf jede Aktion der Taufer folgte eine grausame Reaktion der Regierung - vielleicht der Grund, warum sich die Taufer langfristig nicht in Amsterdam durchsetzen konnten. Diesen Aspekt, die Grunde fur den Misserfolg der Taufer, sich in Amsterdam durchzusetzen, werde ich im Folgenden behandeln.

2. Amsterdam als Zentrum der tauferischen Aktivitaten (1530-1535)

2.1. Einführung und Verbreitung des täuferischen Gedankenguts durch Melchior Hoffmann und Jan Volkerts Trijpmaker (1530-1531)

„Nirgendwo konnte Hoffmann grofiere Erfolge erzielen als in den Niederlanden.8

1530 kam der Straßburger Prediger Melchior Hoffmann nach Emden, um dort, sehr erfolgreich, seine täuferischen Lehren zu verbreiten.

Es ließen sich ca. 300 Menschen öffentlich von ihm taufen, unter ihnen auch viele Niederländer.9 Einer seiner ersten Anhänger wurde der Niederländer Jan Volkerts, ein Holzschuhmacher,10 der in Hoorn, unweit Amsterdams, geboren wurde.11 Er wurde sein Stellvertreter in Emden, nachdem Hoffmann von Enno II. aus Emden vertrieben worden war.

[...]


1 Robert Stupperich, Das Königsreich Zion in Münster (1534/35). Fragen zur Täuferherrschaft in einer belagerten Stadt, in: Bitter, Wilhelm Stuttgart 1965, S. 251.

2 bd, S. 251.

3 (Hg.), Massenwahn in Geschichte und Gegenwart, Samme Zijlstra, Om de ware gemeente en de oude gronden. Geschiedenis van de dopersen in de Nederlanden 1531±1675, Hilversum 2000, S. 126.

4 Klaus Deppermann, Melchior Hoffman, Göttingen 1979, S. 282.

5 C. A. Cornelius, Die niederländischen Wiedertäufer während der Belagerung Münsters 1534, in: Abhandlungen der Historischen Classe der Königlichen Bayerischen Akademie der Wissenschaften,

6 Samme Zijlstra, Om de ware gemeente, S. 130.

7 A. F. Mellink, De Wederdopers in de noordelijke Nederlanden 1531-1544, Groningen 1953, S. 102.

8 Klaus Deppermann, Hoffman, S. 278.

9 A.F. Mellink, De Wederdopers, S. 345.

10 Jan Volkerts wird auch oft mit dem Namenszusatz Trypmaker oder Trijpmaker erwähnt, was so viel KHL?W ZLH Ä+RO]VFKXKPDFKHU³

11 A. F. Mellink, Documenta Anabaptistica Neerlandica. Amsterdam (1531±1536), Bd. 5, Amsterdam 1985, S. 2.

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Details

Titel
Die Täuferbewegung in den Niederlanden am Beispiel Amsterdams (1531 - 1535)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V162764
ISBN (eBook)
9783640765782
ISBN (Buch)
9783640765720
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jan Matthijs, Täuferbewegung, Niederlande, Taeufer, Münster, Reformation, Amsterdam, Nacktlauf
Arbeit zitieren
Michaela Alba (Autor:in), 2006, Die Täuferbewegung in den Niederlanden am Beispiel Amsterdams (1531 - 1535) , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162764

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