Soziologischer und historischer Institutionalismus

Thesenpapier


Ausarbeitung, 2010

4 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

SS 2010: Seminar Markt, Staat, Soziale Institutione II Sonja Uhl

Was sind Soziologischer und historischer Institutionalismus?

I) Institutionalismus und Neo-Institutionalismus

Soziologischer und historischer Institutionalismus sind Strömungen des Institutionalismus oder Neo-Institutionalismus. Der Neo-Institutionalismus entwickelte sich seit den 70ger Jahren als eine neue Richtung des Institutionalismus als Gegenbewegung zu herkömmlichen behaviouristischen Theorieansätzen und der Rational-Choice-Theorie. Der Neo-Institutionalismus umfasst im Gegensatz zum Institutionalismus auch nicht-formale Institutionen.

2. Institutionalismus

2.1 Institution und Institutionalismus

Eine Institution sind Regeln, die Verhalten strukturieren, das die Grundlage für eine bestimmte Ordnung bildet. Institutionalismus untersucht die Art und Weise, in der Institutionen Verhalten strukturieren. Gesetze, Regeln und Normen bestimmen das strategische Verhalten innerhalb der Institutionen.Institutionalistische Ansätze gehen davon aus, dass Institutionen ein zentraler Stellenwert bei der Erklärung von gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Prozessen zukommt.

Der Neo-Institutionalismus ist eine Richtung der sozialen Theorie, die sich mit Institutionen und der Weise, wie sie auf die Gesellschaft wirken, beschäftigt. Er bildet einen alternativen Blick auf Institutionen im Gegensatz zu Wirtschaftswissenschaftlichen Ansätzen und leistet einen Beitrag zur Aufklärung der Strukturen in Organisationen.

2.2 Gemeinsamkeiten der Institutionalismustheorien:

Vertreter des Institutionalismus/Neo-Institutionalismus lehnen individuelle Ansätze der Institutionsbildung wie die Rational-choice-Theorie ab. Soziale Institutionen werden nicht als das Ergebnis sozialen Handelns, sondern als deren Vorbedingung betrachtet. Eine größere Betonung liegen auf Gewohnheit und Struktur als auf selbstbestimmtes und instrumentelles rationales Handeln. Institutionalismustheorien sind Middle-Range-Theorien im Sinne von K.Merton.

3. Anwendungsgebiete des Neo-Institutionalismus:

Der Neo-Institutionalismus ist eine weitreichende Bewegung in den Sozialwissenschaften, die viele Themenbereiche und Anwendungsgebiete umfasst. Einige Wichtige sind die Organisationssoziologie nach Mark Granovetter und Flingstein, Internationale Beziehungen in der Politikwissenschaft, Volkswirtschaft, und Wirtschaftssoziologie, die den Markt als soziale Institution erforscht

4. Exkurs: Geschichte des Institutionalismus

Schon immer machten sich Gelehrte Gedanken darüber,wie Institutionen interagieren.

Max Weber fokussierte die Überlegungen, inwieweit Bürokratie und Institutionen unser Leben dominieren, mit der Metapher des „Eisernen Käfigs“. Die beiden Strömungen des Institutionalismus, Soziologischer und historischer Institutionalismus, sind sehr moderne (ab den 90ger Jahren) gebräuchliche Begriffe. Sie sind jedoch auf Gedankenkonstrukte von Max Weber und Karl Polanyi zurückzuführen.

Die Klassiker der Wirtschaftssoziologie Max Weber, Durkheim, Polanyi, Schumpeter und Vertreter der neueren Wirtschaftssoziologie wie Granovetter und Fligstein sehen soziale Institutionen als relevante Faktoren für wirtschaftssoziologische Diskurse. Dies führte so weit, Wirtschaftssoziologie als eine Soziologie der sozialen Institutionen zu betreiben.

In der protestantischen Ethik existiert die These, dass der moderne rationale Kapitalismus sowie der moderne kapitalistische Betrieb vor allem durch soziale Institutionen ins Leben gerufen wurde.

5) Verschiedenen Richtungen des Neo-Institutionalismus

Insgesamt können vier Typen des Neo-Institutionalismus unterschieden werden:

Die Rational-Choice, soziologischer und historischer Neo-Institutionalismus nach Steinmo und

diskursiver Institutionalismus nach Campbell und Pederson.

Das Spektrum der Neo-Institutionalismus-Ansätze reicht von rational-Choice -Ansätzen auf der einen Seite der Wirtschaftswissenschaften bis zu soziologischen Ansätzen auf der Gegenseite. In der Mitte befindet sich der historische Ansatz, der die beiden extremeren Strömungen integriert.

Als kleinster gemeinsamer Nenner kann man Institution als ein Regelsystem verstehen, dass eine bestimmte Ordnung hervorruft.

6. Der Soziologische Institutionalismus

Dem soziologischen Institutionalismus werden viele Ansätze mit sozialkonstruktivistischer Grundlage zugerechnet. Der soziologische Institutionalismus ist weiter gefasst als die wirtschaftswissenschaftliche Sichtweise und schließt Normen und kognitive Systeme mit ein.

6.1. Soziale Perspekte der Akteure

Der soziologische Institutionalismus, auch Organisationsinstitutionalismus genannt, geht von

einer grundlegend sozialen Orientierung der Individuen aus. Für die soziologischen Institutionalisten steht das Werte-und Normensystem der Institutionen im Vordergrund. Auch kulturelle Gegebenheiten und Legitimierungen spielen eine wichtige Rolle, sowie kognitive Handlungsrahmungen und Bedeutungssysteme. Institutionen formen die Weltsicht und Wahrnehmung und stellen nicht nur Handlungsalternativen dar. Sie bestehen aus formellen und informellen Regeln, sozialen Normen formen das kulturelle Wertesystem und kognitive Verhaltensmuster.

6.2. Merkmale des soziologischen Institutionalismus

Die Individuen handeln nur beschränkt rational und vor allem gewohnheitsmäßig. Sie wählen ihre Handlungen nach der Adäquatheit (apropriatness) der Handlung in der jeweiligen Situation aus. So gesehen, sind die wichtigsten Institutionen soziale Normen, die das tägliche Leben regeln. Es wird die angemessenste Lösung gesucht und nicht die Beste. Die Akteure möchten vor allem ihr Bedürfnisse befriedigen.

Die Institution reproduziert sich durch das Festhalten an kollektiven Deutungsmustern wie Normen und Werte. Dabei handelt es sich um historisch gewachsene Handlungsmuster und die Pfadabhängigkeit spielt eine Rolle.

Institutionen liefern Handlungsmuster, mit Hilfe derer sowohl das eigene als auch das Handeln anderer Akteure interpretiert werden. Institutionen beeinflussen so die Identitätsbildung bis zur Formung der Weltsicht und Sinnstiftung.

6.3 Entstehung und Wandel von Institutionen

Laut soziologischen Institutionalisten entstehen Institutionen zur Legitimierung der Handlungen der Akteure. Wenn sich die Handlungslogik der Akteure verändert, die Leitmotive und Handlungsorientierung kommt es zum institutionellen Wandel.Als Folge davon verändern sich die Legitimitätsgrundlagen.

Im soziologischen Institutionalismus wird angenommen, dass sich Institutionen unter erhöhter Unsicherheit der Umwelt und politischen Veränderungen wandeln. Studien des Wandels von Institutionen können einen wichtigen Einblick geben über politische Stabilität und Evolution im allgemeinen. Pfadabhängigkeit und positives Feedback stabilisieren die Institution.

6.4 Abgrenzung von anderen Ausprängungen des Institutionalismus

Soziologische Institutionalisten werfen anderen Richtungen des Institutionalismus vor, die Wichtigkeit der Werte und des kulturellen Systems nicht genügend zu berücksichtigen.

Im Gegensatz zur ökonomischen Theorie der Rational-Choice-Ansätze sind soziale Faktoren wie Beziehungen, Netzwerke und Normen sowie das kulturelle Wertesystem von großer Bedeutung.

Es wird bewiesen, dass auch irrationale Institutionen oder ineffiziente Institutionen entstehen und sich reproduzieren können.

6.5 Kritik am Soziologischen Institutionalismus:

Übersozialisierung: Überbetonung der sozialen Komponenten und Einflüsse wie die Einflüsse von Normen und Wert, kulturelle Einflüsse auf das tatsächliche Geschehen.

7) Historischer Institutionalismus

Der historische Institutionalismus integriert sowohl den soziologischen als auch den rational-Choice-Institutionalismus und bildet eine Vermittlerposition. Für Vertreter des historischen Institutionalismus sind Institutionen sowohl formelle als auch informelle Prozesse.

7.1 Merkmale des historischen Institutionalismus

Der historische Institutionalismus vereinigt sowohl eine rationale Komponente des Rational Choice Institutionalismus als auch eine kulturelle Komponente des soziologischen Institutionalismus. Für den historischen Institutionalismus sind die Akteure sowohl Individuen, die Normen befolgen, als auch rational handelnde Akteure mit exogenen Präferenzen.

Genauso wie im soziologischen Institutionalismus, vertritt der historische Institutionalismus die These, dass die Akteure nur bedingt rational handeln und die Institution die Weltsicht des Individuums bestimmt. Institutionen können so Entscheidungen beeinflussen und Konflikte unterdrücken.

Das besondere des historischen Institutionalismus im Gegensatz zum soziologischen Institutionalismus ist die „Geschichtlichkeit“, eine vermehrte Betonung auf eine Zeit- und Pfadabhängigkeit. Dies bedeutet eine besondere Präferenz auf die Auswirkungen des Vergangenen auf die Gegenwart und der Gegenwart auf die Zukunft. Vertreter des historischen Institutionalismus erklären viele gegenwärtige Erscheinungen aus den Ereignissen der Vergangenheit und ihrer Kontinuität.

Der historische Institutionalismus ist gekennzeichnet durch seine empirische Ausrichtung und kann als ein Ansatz zur Analyse politischer Strategien betrachtet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Soziologischer und historischer Institutionalismus
Untertitel
Thesenpapier
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Soziologie )
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
4
Katalognummer
V162781
ISBN (eBook)
9783640770755
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologischer, Institutionalismus, Thesenpapier
Arbeit zitieren
Sonja Uhl (Autor), 2010, Soziologischer und historischer Institutionalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162781

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