Die Geschichte der Erwachsenenbildung


Hausarbeit, 2009

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erwachsenenbildung vor dem Ersten Weltkrieg

3. Erwachsenenbildung in der Weimarer Republik
3.1. Volkshochschulbewegung
3.2. Neue Richtung

4. Phasen der Entwicklung

5. Erwachsenenbildung in der Zeit des Nationalsozialismus
5.1. Bildungspraxis der Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus
5.2. Phasen des Nationalsozialismus

6. Erwachsenenbildung nach 1945 und ihr demokratischer Aufbau

7. Erwachsenenbildung in der DDR

8. Die Ostdeutsche Erwachsenenbildung nach der Wiedervereinigung

9. Rechtsgrundlagen der Erwachsenenbildung

10. Lernorte der Erwachsenenbildung

11. Lernen im Lebenslauf

12. Bilanz

13. Zusammenfassung

14. Anhang

Endnoten

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Bildungsbegriff nimmt mit der Zeit einen enorm wichtigen Platz in allen gesellschaftlichen Bereichen und im Alltagsleben der Menschen ein. Heutzutage treffen Menschen oft auf private oder berufliche Herausforderungen, die sie allein durch ihre schulische Ausbildung teilweise nicht meistern können. Dementsprechend sind immer mehr Menschen dazu gezwungen, immer wieder neue Wege zu gehen und sich weiterzubilden, also ihr Leben lang zu lernen. Nur so können die ständig erneuernden Anforderungen der Gesellschaft erfüllt werden.

Der Begriff Erwachsenenbildung kann aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Die eine Perspektive ist die Bildung Erwachsener und die andere ist die gesellschaftliche Ausdrucksform geschichtlicher Verhältnisse.

In dieser Hausarbeit geht es darum, die beiden Perspektiven zu berücksichtigen und die Geschichte der Erwachsenenbildung/Weiterbildung in einigen auf einander folgenden zeitlichen Abschnitten darzulegen. Hierbei soll auf die Anfänge, die Entwicklung und die Perspektiven der Erwachsenenbildung eingegangen werden, wobei anzumerken ist, dass sich die Erwachsenenbildung zum Teil historisch schwer identifizieren lässt, da sie ihres Gegenstandes nicht immer bewusst ist.

Zumal sich die Bundesrepublik Deutschland in einem Umbruch von einer industrialisierten zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft befindet und hohe Arbeitslosenzahlen und Strukturkrisen den Alltag beherrschen, steht die Erwachsenenbildung/ Weiterbildung vor einer ungewissen Zukunft.

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Entwicklung der Erwachsenenbildung nachzuvollziehen und zu verstehen, was in der Vergangenheit geschehen ist und von welchen Vorstellungen diese Geschehnisse bestimmt waren. Außerdem soll dargestellt werden, was die moderne Erwachsenenbildung beinhaltet und ebenso soll auch auf die Zukunftsaussichten eingegangen werden.

2. Erwachsenenbildung vor dem Ersten Weltkrieg

Um den Aufbruch der Erwachsenenbildung aufzuspüren, muss man sich die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert vor die Augen führen. Zu dieser Zeit herrschte ein großer Wandel, da die ständischen Unterschiede aufgehoben wurden und die Städte das Recht zur Selbstverwaltung erhielten, überdies die freie Berufswahl und Gewerbefreiheit herrschte. Während dieses Entwicklungsganges gewannen die Erziehung und Bildung an Bedeutung, da sie zum Medium der eigenen Selbstvergewisserung und Universalität wurden. Während der Zeit der Aufklärung ist ein neues Selbst- und Weltverständnis des Menschen aufgekommen, aus dem dieser als eine von Natur aus gleichberechtigte und zur persönlichen Entwicklung hinsteuernde Kreatur resultierte.1

Demzufolge wurde Bildung als ein Anrecht aller Menschen, also aller Schichten und aller Lebensstufen, und somit auch der Erwachsenen, betrachtet. Dadurch kann man die Erwachsenenbildung als eine sich etappenweise gestaltende Bildungsagentur ansehen, die versuchte, zeitgemäße Ansprüche an die Bildung zu erfüllen.2 Dieser Wandel wirkte sich unter anderem auch auf die bürgerlichen Bildungsvereine wie Lese- und Harmoniegesellschaften, Arbeiterbildungsvereine der Handwerker, kleinbürgerliche Schichten und Gewerbevereine aus.3

Nennenswert ist auch die Gründung der „Gesellschaft für Verbreitung der Volksbildung“ im Jahre 1871 in Berlin, die 1915 in „Gesellschaft für Volksbildung“ umbenannt wurde. Ihre Bildungsarbeit war auf Breitenwirkung angelegt, was die Errichtung von vielen Bibliotheken beweisen kann. So konnten sich auch bildungsferne Bevölkerungsschichten durch den Einsatz von Wandellehrern den Zugang zu wissenschaftlichen Fragestellungen verschaffen.4

Bedeutend ist auch die Gründung der „Deutschen Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung“. Diese war für die Konstituierung der Erwachsenenbildung als Wissenschaft von großem Einfluss, da sich dort Anbrüche erwachsenenbildnerischer Professionalisierung und Verwissenschaftlichung zeigten.5

3. Erwachsenenbildung in der Weimarer Republik

Die Staatskrise, die sich nach dem Verlust des Ersten Weltkrieges verbreitete, gab einen Impuls für eine neue Volksbildung, durch die die Arbeitsgemeinschaft als methodische Grundform der Bildung mündige Menschen aller Schichten zu einem politischen Konsens führen sollte.6

Abgesehen davon sollte die Erwachsenenbildung die im Ersten Weltkrieg verloren gegangenen Ressourcen durch geistige und nationale Erneuerung der Volksbildung aller Volksschichten kompensieren. So erhielt sie ein übergeordnetes bildungs- und sozialpolitisches Ansehen und diente als Veranlassung für die Umgestaltung des gesamten Bildungs- und Erziehungssystems. Während der Weimarer Zeit konnte man ein neues Verhältnis von Bildung und Staat feststellen, da sie sich näherten. Durch den Artikel 148,3 erhielt die Erwachsenenbildung Verfassungsrang, da er diese förderte und sie somit zu einer verpflichtenden Aufgabe machte.

Das Weimarer System sah in der Erwachsenenbildung einen bedeutenden gesellschaftlichen Partner, der einen Beitrag zur Festigung des demokratischen Bewusstseins in breiten Bevölkerungsschichten zu verrichten versuchte.7

3.1. Volkshochschulbewegung

Für die Entwicklung der Erwachsenenbildung war die Volkshochschulbewegung, die sich aus zwei Institutionen zusammensetzte, sehr bestimmend. Einerseits war es die Abendvolkshochschule in der Stadt, die zu den freien Formen der Erwachsenenbildung zählte, da sie keine politische oder religiöse Richtung vertrat und auf das liberale Bürgertum ausgerichtet war. Andererseits war es die Heimvolkshochschule auf dem Land, die einer bestimmten gesellschaftlichen oder religiösen Ausrichtung unterlag.8

3.2. Neue Richtung

Die Neue Richtung bezeichnete die Hauptrichtung der bürgerlichen Erwachsenenbildung, die durch zwei gesellschaftstheoretische und pädagogische Grundpositionen bestimmt war: durch den Gedanken einer radikalen Gesellschafts-, Zivilisations- und Kulturkritik und durch pädagogisch- didaktische Neuorientierung. Für die Neue Richtung schafften die Bedürfnisse und Wissbegierden der Lernenden das Fundament für Lernprozesse.9

4. Phasen der Entwicklung

Josef Olbrich fasst die Entwicklung der Erwachsenenbildung vor dem Beginn des Nationalsozialismus in vier Einheiten zusammen, die allerdings keine klaren Trennungslinien beinhalten.

Die erste Phase ist die des rapiden institutionellen Auf- und Ausbaus sowie der Herausarbeitung theoretischer Grundpositionen zwischen 1918 und 1923. Diese Phase ist durch eine organisatorisch- institutionelle Ausweitung und eine fundamentale, theoretische und bildungspolitische Neuorientierung gekennzeichnet. Die Erwachsenenbildung sollte bei der Entfaltung einer Gesellschaft helfen, die die Chancengleichheit emporragen sollte.

Die politisch- ökonomische Krise und ihre Auswirkungen auf die Erwachsenenbildung in den Jahren 1923 und 1924 stellen die zweite Phase dar. Während dieser Phase litt die Erwachsenenbildung unter der Inflation und der Weltwirtschaftskrise. Es wurde eine neue Form der Erwachsenenbildung verfolgt, die sich durch eine Beteiligung in polemischen gesellschaftlichen und politischen Fragen hervortun sollte.

Die dritte Phase ist die der Konsolidierung und Neuorientierung zwischen 1925 und 1930. Olbrich bezeichnet diese auch als pragmatische Wende. In dieser Phase wurden Systematik und langfristige Lehrplanung angestrebt. Außerdem sollten Schule und Erwachsenenbildung sich vervollkommnen, da sich die Erwachsenenbildung als Weiterbildung im Sinne der Fortsetzung von schulischen Lernprozessen verstand. Überdies wurde das Prinzip der Interessensvertretung der Arbeiterschaft aufgegeben und ein neues Prinzip der bewussten politischen Entscheidungen aufgenommen.

In der vierten Phase zwischen 1930 und 1933, die als die Phase des Niedergangs und des beginnenden Endes der demokratischen Erwach]senenbildung bezeichnet wird, setzte sich die Erwachsenenbildung kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander.10

5. Erwachsenenbildung in der Zeit des Nationalsozialismus

Durch die Machtergreifung des Nationalsozialismus entstand eine neue Ära in der deutschen Geschichte. Viele Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen und Universitäten wurden der nationalsozialistischen Kultur-, Wissenschafts- und Bildungspolitik unterworfen, da sich die so genannte Gleichstellungspolitik der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei maßgeblich auf das Erziehungs- und Bildungssystem richtete.11 So wurde beispielsweise der „Freiwillige Arbeitsdienst“ zum „Reichsarbeitsdienst“ umgewandelt. Das was früher als Weiterbildungsangebot für arbeitlose Jugendliche und junge Erwachsene existierte, wurde zur sozialen Weiterbildung für Berufstätige umgewandelt.12

Neben der Unterwerfung oder einer illegalen Existenz gab es Auflösungen der marxistischen, christlich- sozialistischen oder demokratisch-parlamentarischen Einrichtungen. Außerdem wurden bedeutungsvolle Erziehungstheoretiker und Erziehungsorganisatoren, unter anderem wegen ihrer jüdischen Herkunft, ins Exil gedrängt, was einer der Gründe für den großen Verlust in den Jahren von 1933 bis 1945 war und zum Beständigkeits- und Traditionsbruch der Pädagogik und der Erwachsenenbildung beisteuerte.13

Während dieser Zeit entstand eine neue Pädagogik, dessen Schwerpunkt die Idee des neu zu rangierten Menschen bildete und in dessen Mittelpunkt der Rassenbegriff stand. Im Gesamtgefüge nationalsozialistischer Ideologie und Bildungspolitik blieb der Erwachsenenbildung eine kompensatorische Aufgabe der Integrationsarbeit. Angrenzend sollte die Volksbildung der Unterhaltung und der Steigerung der nationalsozialistischen Gesinnung dienen und außerdem die Arbeitsmoral und die berufliche Qualifizierung vervielfachen.14

[...]


1 vgl. Olbrich 2001, S.26

2 vgl. Olbrich 2001, S.28-32

3 vgl. Olbrich 2001, S.52-55

4 vgl. Olbrich 2001, S.89

5 vgl. Olbrich 2001, S.103-137

6 vgl. Friedenthal- Haase (2001), S.36-37

7 vgl. Olbrich 2001, S.139-148

8 vgl. Olbrich 2001, S.148-164

9 vgl. Olbrich 2001, S.200-203

10 vgl. Olbrich 2001, S.213-216

11 vgl. Olbrich 2001, S.217-227

12 vgl. Seitter 2007, S.41

13 vgl. Olbrich 2001, S.217-227

14 vgl. Olbrich 2001, S.228-233

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Erwachsenenbildung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V162786
ISBN (eBook)
9783640770823
ISBN (Buch)
9783640771288
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwachsenenbildung
Arbeit zitieren
Alla Ujkanovic (Autor), 2009, Die Geschichte der Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162786

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