Es ist das Jahr 64 nach Christus: Rom brennt. Drei von vierzehn Stadtvierteln werden völlig zerstört, sieben sind unbewohnbar. Tausende Menschen verlieren alles, was sie besaßen. Doch was war die Ursache für diese verheerende Katastrophe? Seit fast 2000 Jahren beschäftigen sich Historiker mit genau dieser Fragestellung.
Eine der ältesten und detailliertesten Schilderungen der Ereignisse findet sich bei dem antiken Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus, der zum Zeitpunkt des Brandes zehn Jahre alt gewesen ist. Neben der Überlieferung bei Tacitus wird der Brand auch in anderen antiken Quellen geschildert, deren Autoren den Brand jedoch alle nicht persön-lich miterlebt haben können. Dazu gehören u. a. Sueton mit seiner Nero-Vita und Cassius Dio mit seiner Römischen Geschichte, deren Werke mit denen des Tacitus in dieser Arbeit verglichen werden sollen. Problematisch ist dabei allerdings die Intention, mit denen die drei genannten Autoren geschrieben haben. Sie stammen alle aus der senatorischen Geschichtsschreibung und müssen daher entsprechend kritisch gelesen und bewertet werden. Da sich alle Autoren bereits auf andere Quellen beziehen, müssen ihre Werke zudem als Sekundärquellen eingestuft werden.
Weitere mögliche Schriftquellen wären Plinius der Ältere mit seinem Werk naturalis historia und der Satiriker Juvenal. Einen guten Überblick über die verschiedenen Quellen findet man – wenn auch schon sehr alt – bei Kurfess .
Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Darstellung von Tacitus, Sueton und Cassius Dio auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, dabei die Interpretationen der modernen For-schung zu berücksichtigen, um somit eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Ursache des Brandes zu entwickeln. Dabei sollen die drei Autoren zunächst getrennt voneinander betrachtet werden, um sie anschließend möglichst effektiv und gebündelt miteinander vergleichen zu können.
In der modernen Forschung haben sich drei wesentliche Forschungsmeinungen zu dieser Frage entwickelt. Einige wenige Historiker schließen sich den antiken Quellen an, die Nero die Schuld am Brand Roms geben. Gegenargumente dazu finden sich vor allem bei Robichon, Grant und Scheda. Eine weitere Interpretationsmöglichkeit ist es, den Christen die Schuld an dem Brand zu geben, so wie es z. B. Bishop, Grant und Schwier getan haben. Am häufigsten findet sich jedoch die Meinung, dass der Brand zufällig ausgebrochen sei, z. B. bei Robichon und Hanslik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Brand Roms in den antiken Quellen
2.1 Die Darstellung bei Tacitus
2.1.1 Inhalt (Tac. ann. 38-44)
2.1.2 Interpretation
2.2 Die Darstellung bei Sueton
2.2.1 Inhalt (Suet. Nero 38)
2.2.2 Interpretation
2.3 Die Darstellung bei Cassius Dio
2.3.1 Inhalt (Cass. Dio 62, 16-18)
2.3.2 Interpretation
2.4 Vergleich der Darstellungen
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
4.1 Quellen
4.2 Forschungsliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Schuldfrage bezüglich des großen Brandes von Rom im Jahr 64 n. Chr. durch eine vergleichende Analyse der antiken Quellen von Tacitus, Sueton und Cassius Dio unter Einbeziehung moderner Forschungsmeinungen.
- Kritische Analyse der antiken Geschichtsschreibung zur Ära Neros.
- Untersuchung der Zufallshypothese versus vorsätzlicher Brandstiftung.
- Bewertung der Rolle der Christen in den Überlieferungen zum Brand.
- Vergleich der inhaltlichen Divergenzen zwischen Tacitus, Sueton und Cassius Dio.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Interpretation
Tacitus beginnt seinen Abschnitt über den Brand mit der Information, dass sowohl die Zufallshypothese als auch die Brandstiftung durch den Kaiser durch Geschichtsschreiber überliefert sei. Im weiteren Verlauf sagt er, dass die Löscharbeiten durch einige Leute behindert worden seien, die im Auftrag handelten. Nero habe des Weiteren den Brand Roms besungen. Außerdem nennt Tacitus die Vermutung, dass Nero mit der Gründung einer neuen Stadt, benannt nach seinem Namen, Ruhm erwerben wollte und sich die Zerstörung Roms zunutze mache wollte, indem er sich eine Palastanlage baute. Diese Aspekte scheinen Nero zwar zu belasten, doch bin ich der Meinung, dass Tacitus nicht wirklich an die Schuld des Kaisers glaubt. Er möchte Nero im Zuge der aristokratisch-senatorischen Geschichtsschreibung zwar als schlechten Kaiser darstellen, nennt gleichzeitig aber auch die unzähligen und durchaus wirksamen Maßnahmen, die Nero getroffen hat, um die Menschen nach dem Brand zu helfen und einem erneuten Brand vorzubeugen.
Hanslik führt in diesem Zusammenhang eine Zwei-Quellen-Theorie ein, nach der Tacitus einerseits eine nerofeindliche Quelle, vermutlich Plinius den Älteren, und eine nerofreundliche Quelle, wahrscheinlich Cluvius Rufus, ein Freund Neros, für diese Passage verwendet hat. Wenn Tacitus also Nero die Schuld hätte geben wollen, hätte er die Ausführungen der nerofreundlichen Quelle drastisch straffen können, um so das Nerobild nicht zu positiv darzustellen.
So geht man in der modernen Forschung größtenteils davon aus, dass Nero nicht der Brandstifter gewesen ist. Dafür sprechen die Gründe, die man u.a. bei Robichon, Grant und Scheda findet. Nero habe bei dem Brand alles verloren, was ihm wichtig gewesen sei, nämlich seinen frisch renovierten Palast mit allen Kunstgegenständen. Tacitus berichtet, dass Meisterwerke griechischer Kunst zerstört worden seien. Bedenkt man, dass Nero die griechische Kunst sehr schätzte – man denke nur an seine Griechenlandfahrt – so fällt es einem schwer zu glauben, er habe die Vernichtung dieses Schatzes in Auftrag gegeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert den historischen Kontext des Brandes von Rom im Jahr 64 n. Chr. und stellt die Zielsetzung der Arbeit dar, die Glaubwürdigkeit antiker Quellen zu hinterfragen.
2. Der Brand Roms in den antiken Quellen: In diesem Hauptteil werden die Berichte von Tacitus, Sueton und Cassius Dio analysiert, interpretiert und miteinander auf ihre historische Plausibilität hin verglichen.
3. Fazit: Das Fazit schließt die Untersuchung mit der begründeten Einschätzung ab, dass der Brand höchstwahrscheinlich ein zufälliges Ereignis war und eine Schuld Neros oder der Christen nicht haltbar ist.
4. Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die verwendeten antiken Primärquellen sowie die moderne Forschungsliteratur auf.
Schlüsselwörter
Nero, Brand von Rom, Tacitus, Sueton, Cassius Dio, Schuldfrage, Christenverfolgung, Zufallshypothese, Antike, Geschichtsschreibung, Brandstiftung, Kaiser, Rom, Forschungsmeinungen, 64 n. Chr.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Schuldfrage bezüglich des Roms-Brandes von 64 n. Chr. und analysiert die Darstellung dieser Katastrophe in antiken Texten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Glaubwürdigkeit antiker Historiker, die Rolle von Kaiser Nero sowie die historische Aufarbeitung von Verschwörungstheorien rund um den Brand.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Prüfung der antiken Darstellungen durch Tacitus, Sueton und Cassius Dio, um eine fundierte Aussage über die tatsächliche Ursache des Brandes zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-kritische Quellenanalyse, bei der die Texte getrennt betrachtet und anschließend miteinander verglichen werden, ergänzt durch moderne Forschungsergebnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Wiedergabe und die anschließende Interpretation der Quellen sowie einen detaillierten Vergleich der unterschiedlichen Autorensichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Nero, Brand von Rom, Antike, Quellenkritik, Zufallshypothese und die jeweiligen antiken Historiker.
Warum bezweifelt der Autor die Schuld Neros?
Der Autor argumentiert mit logischen Gegenbeweisen, wie dem Verlust von Neros eigenen Kunstschätzen und seiner Abwesenheit aus Rom, sowie der Unwahrscheinlichkeit einer absichtlichen Zerstörung reicher Viertel.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Christen?
Er lehnt die Theorie ab, dass die Christen den Brand aus religiösem Fanatismus gelegt hätten, und sieht sie als Sündenböcke einer antiken, voreingenommenen Geschichtsschreibung.
- Arbeit zitieren
- Marcel Teiner (Autor:in), 2010, Brand Roms unter Kaiser Nero, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162847