Der Untersuchungsraum des südöstlichen Transdanubiens, das in die deutsche Sprache übersetzt das Gebiet „jenseits der Donau“ bedeutet, befindet sich im Südwesten Ungarns, umfasst die Komitate Baranya (Branau), Tolna (Tolnau) und Somogy (Schomodei) mit einer gesamten Fläche von ca. 15.000 km² und soll im weiteren Verlauf der Arbeit nur noch als Transdanubien benannt sein. Es wird geografisch begrenzt durch den Plattensee im Norden und die Flüsse Donau und Drau im Osten bzw. Süden. Das Gebiet wird auch als „Schwäbische Türkei“ bezeichnet. Diese Terminologie lässt sich erstens dadurch erklären, dass die Bevölkerung dieses Areal im 18. Jahrhundert im Gedenken an die Zeit unter der türkischen Hegemonie im Verlauf der Türkenkriege „Türkei“ genannt hatte, und zweitens im 18. Jahrhundert schwäbische Deutsche als Siedler im Untersuchungsgebiet überhand nahmen. Geologisch betrachtet bildet die Schwäbische Türkei die Donau-Drau-Platte, das transdanubische Nachbargebiet der Großen Ungarischen Tiefebene. Es handelt sich hier um ein von einzelnen Wäldern durchsetztes Hügelland. Die wirtschaftliche Struktur der Schwäbischen Türkei ist gekennzeichnet durch das Vorherrschen von Landwirtschaft, für die die natürlichen Voraussetzungen gegeben sind. Die 20 bis 100 cm dicke Lößdecke der Hügellandschaft liefert fruchtbaren Ackerboden und auch die klimatischen Verhältnisse ermöglichen intensiven Weizen- und Mais-, aber auch Reis-, Wein- und Tabakanbau, da sich das Gebiet im Übergang von Gebirgs- zu Flachlandklima befindet. Welchen Anteil deutsche Siedler an diesen durchaus günstigen geografischen und ökonomischen Faktoren in Transdanubien hatten, soll im Folgenden untersucht werden.
Zunächst sollen die Voraussetzungen für die Ansiedlung deutscher Kolonisten im Untersuchungsgebiet unmittelbar nach den Türkenkriegen beschrieben werden, bevor der eigentliche Zulauf deutscher Einwanderer im 18. Jarhundert, unterteilt in zwei Siedlungsetappen, genauere Beachtung findet. Schließlich soll das Ergebnis der Ansiedlung anhand der Lebensbedingungen der Siedler in ihrer neuen Heimat gedeutet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Voraussetzungen für deutsche Siedlungsunternehmungen
2. 1. Die Situation nach den Türkenkriegen
2. 2. Die Landnutzung nach den Türkenkriegen
3. Die deutsche Einwanderung in Transdanubien
3. 1. Die Einwanderung der Deutschen von 1689 bis 1720
3. 2. Die Einwanderung der Deutschen von 1720 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
3. 3. Lebensbedingungen der deutschen Siedler und Gemeindestruktur in der Schwäbischen Türkei im 18. Jahrhundert
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die deutsche Auswanderung nach Südosttransdanubien im 18. Jahrhundert, wobei der Fokus auf den historischen Bedingungen, dem Verlauf der Siedlungsbewegungen und den daraus resultierenden Lebensumständen der Kolonisten liegt.
- Historische Voraussetzungen der Region nach den Türkenkriegen
- Struktur und Verlauf der zweiphasigen Einwanderung deutscher Siedler
- Rolle der Grundherren und kaiserlicher Impopulationspatente
- Lebensbedingungen und Gemeindestrukturen in der Schwäbischen Türkei
Auszug aus dem Buch
3. 1. Die Einwanderung der Deutschen von 1689 bis 1720
Die Wiederbelebung Ungarns mit deutschen Kolonisten ergab sich aus einer Haltung des Merkantilismus, der den Reichtum des Landes in der Vermehrung der Bevölkerung sah – gemäß dem Grundsatz „ubi populus, ibi obulus“ („wo das Volk, dort das Geld“). Mit dem ersten kaiserlichen Impopulationspatent von 1689 war den Grundherren eine staatliche Anregung und Richtlinie gegeben, ausländische Siedler in der Schwäbischen Türkei anzusiedeln. Alle Nationalitäten und Religionen sollten sich als freie Bauern ansiedeln können. Privilegien wie günstige Grundstückspreise und Steuerfreiheit während der ersten Jahre sollten hörige Bauern anlocken. Die eigentliche Ansiedlung der Grundherren wurde jedoch ohne staatliche Beteiligung durchgeführt.
Die Siedler in Transdanubien waren hauptsächlich deutsche Bauern und Handwerker und stammten größtenteils aus der Abtei Fulda, aus Hessen, Württemberg und dem Oberrhein. Gründe für die Auswanderung der deutschen leibeigenen Bauern waren Missernten und Not durch hohe Steuern sowie Kriegszüge im Deutschen Reich. Bei der Auswanderungsbewilligung wurde eine sog. Manumissionsurkunde gegen die Entrichtung einer Gebühr ausgestellt, die von der Leibeigenschaft befreite. Viele Bauern zogen daraufhin willkürlich los, um sich in Ungarn anzusiedeln. Die meisten von ihnen scheiterten.
Die erste private Ansiedlung wurde im Jahr 1689 von Franz Jány, dem Abt von Pécsvárad, unternommen. Sein Agent, der Augsburger Gerichtsassessor Dionysius von Rehling, brachte etwa 30 Familien aus der Umgebung von Augsburg auf die Güter der Abtei. Im Jahr 1701 wurden auf dem Territorium der Abtei bereits 101 deutsche Familien registriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Untersuchungsraum Südosttransdanubien (auch Schwäbische Türkei genannt) ab und definiert die thematischen Schwerpunkte der Arbeit im Rahmen des Proseminars.
2. Voraussetzungen für deutsche Siedlungsunternehmungen: Dieses Kapitel analysiert die desolate Ausgangslage nach den Türkenkriegen, insbesondere die demografische und wirtschaftliche Situation sowie die Neuordnung der Landnutzung durch den Adel.
3. Die deutsche Einwanderung in Transdanubien: Hier wird der Verlauf der Einwanderung in zwei Phasen unterteilt und die Lebensbedingungen der Siedler sowie ihre soziale und administrative Gemeindestruktur detailliert erläutert.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Migration nach anfänglichen Schwierigkeiten und mangelnder Organisation ab 1720 erfolgreich verlief und eine nachhaltige Existenzgrundlage schuf.
Schlüsselwörter
Südosttransdanubien, Schwäbische Türkei, deutsche Auswanderung, 18. Jahrhundert, Türkenkriege, Grundherrschaft, Kolonisten, Landnutzung, Impopulationspatent, Siedlungsgeschichte, bäuerliche Lebensbedingungen, Konfessionen, Ansiedlungskontrakte, Baranya, Tolna.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die systematische Einwanderung und Ansiedlung deutscher Kolonisten im südwestungarischen Gebiet, bekannt als Schwäbische Türkei, während des 18. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen nach den Türkenkriegen, die Motivation der Auswanderer sowie die vertragliche und praktische Organisation der Ansiedlung durch Grundherren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Verlauf und Erfolg der Siedlungsbewegungen zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch die Kooperation zwischen Grundherrschaft und Kolonisten eine neue Lebensgrundlage geschaffen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Literatur- und Quellenanalyse, bei der zeitgenössische Berichte, Steuerlisten und Ansiedlungskontrakte ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Rahmenbedingungen nach den Kriegen, die Analyse der zwei Siedlungsetappen und eine Untersuchung der sozioökonomischen Struktur der Siedler.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transdanubien, Schwäbische Türkei, Merkantilismus, Kolonisation, Grundherrschaft, Ansiedlungskontrakte und Bevölkerungsentwicklung.
Welche Rolle spielte der Adel bei der Ansiedlung?
Der Adel war der primäre Motor der Ansiedlung, indem er Werber einsetzte, Land zur Verfügung stellte und die rechtlichen Rahmenbedingungen mittels Ansiedlungskontrakten definierte.
Warum war die Ansiedlung vor 1720 oft schwierig?
Die frühe Phase war durch mangelnde Organisation, unzureichende Vorbereitung der Grundherren, Epidemien und eine hohe Fluktuation der Siedler geprägt.
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- Joschka Riedel (Autor), 2006, Die deutsche Auswanderung nach Südosttransdanubien im 18. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162872