Die Totalitarismusansätze von Hannah Arendt und Carl Joachim Friedrich im Vergleich


Diplomarbeit, 2009
93 Seiten

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Aufbau / Methode
1.3 Der Begriff des Totalitarismus in der Politikwissenschaft
1.4 Begriffsgeschichte und Forschungsstand des Totalitarismus
1.5 Forschungsstand über Arendt und Friedrich im Speziellen

2 Das totalitäre System als neue Herrschafts- und Staatsform
2.1 Hannah Arendt: Die totale Herrschaft als neue Staatsform
2.2 Carl J. Friedrich: Die totalitäre Diktatur als neue Staatsform

3 Das totalitäre System: Die Wesensmerkmale und ihre unterschiedlichen Ausprägungen bei Arendt und Friedrich
3.1 Wesen und Funktion der totalen Ideologie
3.2 Bewegung & Partei
3.3 Terror, Propaganda und Organisation
3.4 Geheimpolizei und Konzentrationslager
3.5 Zentral gelenkte Wirtschaft

4 Die Machtergreifung und die Entwicklung der totalitären Diktatur

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert zweier Weltkriege, großer politischer, wirtschaftli- cher und sozialer Wandlungen, und damit eng verbunden, auch das Jahrhundert des Totalita- rismus. Die klassisch totalitären Staaten bildeten sich in Folge der „Ur-Katastrophe des 20. Jahrhundert“, dem Ersten Weltkrieg, für viele Totalitarismustheoretiker in Gestalt des Kom- munismus, des italienischen Faschismus und des deutschen Nationalsozialismus aus.1 Der tota- litäre Staat hatte spätestens 1991 - nachdem bereits 1943 und 1945 der faschistische und nati- onalsozialistische Staat beseitigt wurde -, mit dem Untergang der Sowjetunion, seine weltpoli- tische Brisanz verloren. Bei einer ersten oberflächlichen Betrachtung scheint der totalitäre Staat im 21. Jahrhundert nahezu ausgedient zu haben, bei näherer Betrachtung könnte eventu- ell nur das kommunistische Nordkorea die Kriterien eines klassisch totalitären Staates erfül- len.2 Die große außenpolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts, aus Perspektive der westlichen Welt und ihrer Verbündeten, ist nicht mehr die Bekämpfung der „totalitären zwei- ten Welt“, in Form des (Sowjet-)Kommunismus, wie im Kalten Krieg der Fall, sondern die Bekämpfung des internationalen Terrorismus und islamischen Fundamentalismus, und eng damit verbunden, die Herausforderung des sogenannten „asymmetrischen Kriegs“ - letzterer keineswegs ein Phänomen das erst im 21. Jahrhundert auftritt - wie er beispielsweise in Af- ghanistan und Irak geführt wird. Manche Wissenschaftler sehen in unserem Jahrhundert in der Islamischen Republik Iran und in dem Phänomen des Heiligen Krieges, der unmittelbar aus dem islamischen Fundamentalismus hervorgeht, eine „Spielart des Totalitarismus“ bzw. einen „Neuen Totalitarismus“ und verwenden dabei Wissen der klassischen Totalitarismusfor- schung, um die aktuelle Brisanz des politisierten Islamismus zu erklären.3

Totalitäre Systeme, die als Idealtypen den vollkommenen totalitären Herrschaftsanspruch verwirklichen und in der realen Welt bisher nicht vorgekommen sind, wurden beispielsweise in den negativen Utopien von Aldous Huxley und George Orwell, „Schöne Neue Welt“ und „1984“, literarisch dargestellt. Die Realtypen der totalitären Staaten - wie schon erwähnt Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus - haben formal gleiche oder sehr ähnli- che Merkmale, allerdings unterscheiden sich die Ausprägungen dieser Merkmale in den ein- zelnen totalitären Systemen erheblich, was die folgende Analyse auch aufzeigen will.

In jedem Fall taucht der totalitäre Staat in Form des Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus im 20. Jahrhundert als ein neuartiges Phänomen auf, welcher sich von allen bisher bekannten Herrschaftsformen abgrenzt. In diesem Punkt sind sich die Totalitarismustheoretiker, wenigstens ihre bekanntesten und wichtigsten Vertreter, einig.

1.1 Fragestellung

Diese Diplomarbeit behandelt die Totalitarismusansätze von Hannah Arendt und Carl Joachim Friedrich und vergleicht diese miteinander.

Die Untersuchung von totalitären Systemen ist für die Politikwissenschaft nach wie vor eine wichtige Aufgabe, um die Ursachen und das Wesen des Totalitarismus weiter zu erforschen, und um damit auch ein Wissen zu schaffen, welches dabei hilft, zukünftig totalitäre Tenden- zen, die sich zu totalitären Bewegungen und totalitären Staaten entwickeln könnten, einzu- dämmen bzw. zu verhindern. Nach Ansicht des Autors ist es ein interessantes und sinnvolles Projekt, die Totalitarismus-Studien von Arendt und Friedrich zu kontrastieren, um aus schein- bar gegensätzlichen Konzepten, die unterschiedliche Vorgehensweisen für sich beanspruchen und zum Teil unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen, auch Gemeinsamkeiten herauszu- kristallisieren. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass beide Konzepte fast zur selben Zeit ent- standen sind, und beiden die Studie des jeweils anderen bekannt war und in ihren beiden Ar- beiten berücksichtigt wurden.4

Diese Diplomarbeit hat jedoch nicht zum Ziel, die Studien von Hannah Arendt und Carl J. Friedrich vollständig zu bewerten und auf Tauglichkeit zu untersuchen, den Kommunismus oder Nationalsozialismus zu beschreiben und zu erklären. An einigen Stellen dieser Arbeit wird diese Thematik jedoch gestreift und auch Kritik geäußert.

1.2 Aufbau / Methode

In Kapitel 1.3 wird der Begriff des Totalitarismus vorgestellt, wie er allgemein in der Politik- wissenschaft verstanden wird und welche Bedeutung er hat. In Kapitel 1.4 folgt die Begriffs- geschichte sowie der Forschungsstand des Totalitarismus im allgemeinen. Hierbei sollen die wichtigsten Konjunkturen der Totalitarismustheorie dargestellt werden und die Bedeutung der Erkenntnisse der Totalitarismusforschung für die heutige Zeit aufgezeigt werden. Das Kapitel 1.5 behandelt den Forschungsstand der Totalitarismusansätze von Arendt und Friedrich im Speziellen.

In Kapitel 2 werden die Totalitarismusansätze von Arendt und Friedrich erst einmal umrissen, die Methodik der Autoren jeweils verdeutlicht und die allgemeinen Eigenschaften genannt. Zum besseren Verständnis von Hannah Arendts Totalitarismuskonzept wird auch ihr Macht- begriff verdeutlicht.

In Kapitel 3 werden die Wesensmerkmale der totalitären Systeme analysiert, wie sie in den totalitarismustheoretischen Konzeptionen von Hannah Arendt und Carl Joachim Friedrich beschrieben sind. Die Wesensmerkmale Ideologie, Bewegung & Partei, Terror, Propaganda, Organisation, Geheimpolizei und Konzentrationslager sowie die zentral gelenkte Wirtschaft sind Gegenstand der Analyse, wie sie jeweils von Arendt bzw. Friedrich interpretiert werden. In Kapitel 4 wird auf die Machtergreifung der totalitären Bewegung und auf den Verlauf der Entwicklung des totalitären Systems eingegangen.

Das Kapitel 5 schließt die Arbeit, die Untersuchungsergebnisse werden zusammengefasst - die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Konzepte werden aufgezeigt - und zuletzt folgt ein Schlusswort.

1.3 Der Begriff des Totalitarismus in der Politikwissenschaft

In der Politikwissenschaft gibt es keinen allgemein anerkannten Begriff des Totalitarismus, ebenso existiert keine unangefochtene Totalitarismustheorie, obwohl das 20. Jahrhundert von vielen Autoren als ein „Jahrhundert des Totalitarismus“5 oder als „totalitäres Zeitalter“6 be- zeichnet wird. Der Begriff Totalitarismus ist in der Politikwissenschaft sehr umstritten und wird im weitesten Sinne als Bezeichnung für eine Form der diktatorischen Herrschaft ver- wendet, die Gesellschaft und Individuen einer totalen Kontrolle unterwerfen will.7

In einer solchen Herrschaftsform gibt es weder Grundrechte noch eine Gewaltenteilung und auch keine demokratischen Wahlen, die die Herrschaft legitimieren. Die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts unterscheiden sich eindeutig von klassischen Autokratien / Despotien der Vergangenheit und von den demokratischen Staaten der Gegenwart und stellen damit eine Herrschaftsform sui generis dar.

Die meisten Totalitarismustheoretiker charakterisieren in jedem Fall das nationalsozialistische Deutschland und die Sowjetunion unter Führung von Josef Stalin als totalitär. Bei der Klassi- fizierung des italienischen Faschismus, der sowjetischen Satellitenstaaten und anderen kom- munistischen Systemen, gibt es Kontroversen - Friedrich sieht beispielsweise auch den italie- nischen Faschismus als totalitäres Herrschaftssystem an, während Arendt dies ablehnt. Inso- fern vertritt Arendt eine sehr enggeknüpfte Definition von Totalitarismus (im Gegensatz zu Friedrich, der eine sehr weite Definition vertritt), was im Hauptteil der Analyse noch verdeut- licht wird. Klassisch für ein totalitäres Herrschaftssystem ist eine „totale Ideologie“, die alle Lebensbereiche beeinflusst - die totalen Ideologien können inhaltlich und intentional sehr un- terschiedlich sein. Die Herrschenden beabsichtigen die gesellschaftlichen Verhältnisse radi- kal, und nach den Zielen der Ideologie, umzuwälzen, um so den propagierten Endzustand her- zustellen. Die Kommunisten strebten eine freie und gleiche Gesellschaft an, die Nationalsozi- alisten beabsichtigten eine „rassenhomogene“ Volksgemeinschaft und ein „Tausendjähriges Reich“ zu schaffen. Beide Regimes erhoben - auf unterschiedliche Weise - einen totalen An- spruch gegenüber der Gesellschaft, die Bevölkerung sollte gemäß der Ideologie homogenisiert und für die jeweiligen ideologischen Endziele mobilisiert werden. Alle Hindernisse, die der Verwirklichung der Endziele im Wege stehen, sollen beseitigt werden - aus diesem Grund sind für totalitäre Diktaturen auch Unterdrückung, Repression und Terror charakteristisch. Folglich sind Ideologie und Terror zwei konstituierende Wesensmerkmale totalitärer Syste- me, wie diese sich in den einzelnen totalitären Systemen äußern und entwickeln, und welche weiteren Wesensmerkmale für totalitäre Staaten charakteristisch sind, wird in dieser Arbeit anhand der beiden Konzepte aufgezeigt.

1.4 Begriffsgeschichte und Forschungsstand des Totalitarismus

Eine weitverbreitete und auch in der wissenschaftlichen Literatur beschriebene Ansicht ist, dass der Ursprung des (Kampf-) Begriffs Totalitarismus in Italien liege. Die älteste Verwendung des Begriffs „Totalismus“ auf eine Diktatur bezogen, von der man heutzutage Kenntnis hat, geht allerdings auf einen Korrespondenten der „Frankfurter Zei- tung“, Alfons Pacquet, im Jahre 1919 zurück. Er war damals in Moskau tätig und spricht in seinen Briefen aus Moskau vom „revolutionären Totalismus Lenins“8. Hierbei ist zu beachten, dass die Begriffe „Totalismus“ und „Totalitarismus“ als Synonyme angesehen werden kön- nen.9

Der Begriff wurde also zuerst von einem Korrespondeten auf den bolschewistischen russi- schen Staat angewendet, fand aber in späterer Zeit keine Rezeption und verschwand zunächst wieder.10

Anfang der 1920er Jahre haben italienische Antifaschisten Benito Mussolini (1883-1945) vorgeworfen, er strebe einen „totalen Staat“ an. Dieser Vorwurf wurde von Mussolini nicht bestritten - im Gegenteil, er rühmte sich bereits 1925 einen „stato totalitario“ errichtet zu haben. Die erste Verwendung des Begriffs „Totalitarismus“ in Italien, ist auf den Publizisten Giovanni Amendola im Jahre 1923 zurückzuführen.11 Er bezeichnete den faschistischen Staat als sistema totalitario in Abgrenzung zum sistema minoritario (klassische Diktatur) und systema maggioritario (freiheitliche Demokratie).12

Von politischen Gegnern - besonders aus dem konservativen, liberalen und katholischen La- ger - wurden daraufhin erstmals Vergleiche zwischen dem faschistischen und dem bolsche- wistischen Staat gemacht. Der Führer der katholischen Volkspartei, Luigi Sturzo, behauptete (1926) der Faschismus sei ein „Rechtsbolschewismus“ und der Bolschewismus sei ein „Linksfaschismus“. Er begründet seine Aussagen mit der Tatsache, dass beide Regimes die parlamentarische Demokratie ablehnen.13

Die Diskussion wurde in Deutschland aufgenommen und weiter geführt. In Deutschland gab es auch Forderungen, etwa von dem Staatsrechtler Carl Schmitt (1888-1985), einen „totalen Staat“ (1931) zu errichten.14 Nach dem der „totale Staat“ durch Adolf Hitler und seiner Natio- nalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in Deutschland verwirklicht wurde, verglichen Zeitgenossen aus verschiedenen politischen Lagern, z.B. dem Lager der Konserva- tiven und Liberalen15, den totalitären NS-Staat mit der ebenfalls als totalitär eingestuften Sow- jetunion. Diese These wurde in den 1930er Jahren von amerikanischen, englischen und fran- zösischen Politikwissenschaftlern aufgegriffen. Aus dem ehemaligen Kampfbegriff wurde so immer mehr eine politikwissenschaftliche Theorie. Ab dem Jahr 1936 erhält der Begriff „tota- litär“ eine Bedeutung im Sinne der späteren Totalitarismustheorie, indem er Merkmale des italienischen Faschismus, des deutschen Nationalsozialismus und des Sowjetkommunismus identifiziert und subsumiert.16

Im November 1939 fand in den USA nach dem Hitler-Stalin-Pakt, ein Symposium über den „totalitären Staat“ statt.17 Trotz aller Unterschiede zwischen Kommunismus und Nationalso- zialismus wurde die Annahme diskutiert, dass sich beide politische Richtungen gegen den li- beral-demokratischen Westen verbünden könnten. 1941 wurde die Totalitarismusdiskussion jedoch in Wissenschaft und Politik abrupt beendet, da die „westliche Welt“ sich nun - nach dem Angriff der Wehrmacht auf Russland - mit der stalinistischen Sowjetunion gegen Hitler- Deutschland verbündet hatte. Die neue politische Lage ließ es in der westlichen Welt nicht mehr zu, die von dem nationalsozialistischen Deutschland angegriffene Sowjetunion, mit ih- rem Angreifer zu vergleichen und gleichzusetzen. Sowohl die westliche Welt als auch der Kommunismus hatten nun ein existentielles Interesse daran, das imperialistische Nazi- Deutschland zu bekämpfen und zu besiegen.

Die Totalitarismusforschung bezog sich fortan vor allem auf den Nationalsozialismus, wobei die Arbeiten von deutschen Emigranten wie Franz Neumann, Ernst Fraenkel und Sigmund Neumann hervorzuheben sind.

Nach 1945, als Hitler-Deutschland kapituliert hatte und die stalinistische Sowjetunion einen aggressiven Herrschaftsanspruch vertrat, gab es in der westlichen Welt eine intensive wissen- schaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Totalitarismus. Nach dem Ausbruch des Kalten Krieges kam es zu einer Wiederbelebung der Totalitarismusdiskussion, Nationalsozia- lismus, Faschismus und Kommunismus wurden wieder miteinander verglichen und oft gleichgesetzt.18 Der Totalitarismusbegriff wurde nach dem zweiten Weltkrieg vor allem auch (wieder) zu einer ideologischen Waffe der demokratisch-kapitalistischen Staaten gegen die kommunistischen Staaten.19

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Totalitarismusansätzen - „die Zahl der Totalitarismustheorien ist Legion“20, wie Eckard Jesse sich ausdrückt - und ebenso wenig gibt es die Totalitarismustheorie.21

Außerdem schlagen verschiedene Autoren eine unterschiedliche Typisierung von Totalitaris- musansätzen vor. Meist wird die Einteilung in drei, bei einigen Autoren auch nur in zwei, un- terschiedliche Ansätze vorgeschlagen. Wippermann (1995) schlägt eine Aufteilung in geistes- geschichtliche, historisch beschreibende und idealtypische Totalitarismustheorien vor.22 Bei Rensmann (2004) findet sich eine Einteilung in herrschaftsstrukturelle, genealogische sowie demokratietheoretische Totalitarismusansätze . 23 Letzterer Ansatz bei Rensmann betont weniger die Gegensätze, sondern vor allem die gemeinsamen Ursprünge und die mögliche Entwicklung des Totalitarismus aus der Demokratie heraus.24 Dieser Ansatz wird überwie- gend von Arbeiten gestützt, die aus Frankreich stammen, wo die Totalitarismusdiskussion spät - ab den 1970er Jahren - begann, aber dafür um so intensiver geführt wurde.25

Der Einteilung nach Wippermann folgend wurden g eistesgeschichtliche Versuche, die mo- derne Erscheinung des Totalitarismus aus älteren Erscheinungen zu erklären, beispielsweise von Karl Popper (1951) in seinem Werk „Zauber Platons“26 gemacht. Eric Voegelin (1959) sah in der mittelalterlichen „Gnosis“27 den Vorläufer des Totalitarismus und Erwin Faul (1961) bezeichnete den Totalitarismus als „Machiavellismus“28 in moderner Form. In der französischen Revolution sah Jacob L. Talmon (1961) die „Ursprünge der totalitären Demo- kratie“29.

Neben den geistesgeschichtlichen Versuchen ist der historisch beschreibende Ansatz zu nen- nen, für den Hannah Arendt steht, die die Elemente der totalen Herrschaft30 (1951/55) im An- tisemitismus und Imperialismus des 19. Jahrhunderts zu finden glaubt. Die totalitäre Diktatur ist eine spezifisch neuartige Erscheinung, die vor allem durch Ideologie und Terror gekenn- zeichnet sei.

Carl J. Friedrich und Zbigniew K. Brzezinski 31 vertreten mit ihrem Totalitarismusmodell (1956/57) nach Wippermann die idealtypische (statische) Totalitarismustheorie. Dieses Mo- dell nimmt in der Totalitarismusforschung eine besondere Rolle ein.32 Nach Jänicke ist diese Studie die „einzig umfassende und vergleichsweise systematische Theorie totalitärer Herr- schaft“, die neben „der mehr essayistischen Totalitarismus-Studie Hannah Arendts“ das „meistzitierte Standardwerk der Fachliteratur“ ist.33 Die Studie über den Totalitarismus be- hauptet, u.a. aufgrund des Sechs-Punkte-Katalogs, Wesenszüge zu identifizieren, die für tota- litäre Systeme charakteristisch sind.

Die Werke von Arendt und Friedrich zählen zu den Klassikern der Totalitarismustheorie nach 1945 und nehmen einen zentralen Platz in der Totalitarismusforschung ein.

In den 1970er Jahren nahm das Interesse für die Totalitarismustheorie in der Bundesrepublik deutlich ab, ab Mitte der 1970er Jahre fand sie, mit dem Aufkommen des Terrorismus, aller- dings eine erneute Verwendung. Karl Dietrich Bracher (197634 und 198735 ) sprach sich ein- deutig für den Totalitarismusbegriff aus, da Deutschland von rechtem und linkem Terror be- droht werde. Brachers Argumentation beeinflussten Uwe Backes und Eckhard Jesse (1989)36 in der Absicht, unter Berücksichtigung der Totalitarismustheorie, die sogenannte „Extremismusforschung“ zu etablieren. Eine Etablierung der Extremismusforschung hat sich aber aufgrund der Unterschiede von Rechts- und Linksextremismus nicht allgemein in der Politikwissenschaft durchsetzen können.

Am Anfang der 1980er Jahre war die Totalitarismustheorie in Deutschland nur noch bei we- nigen Wissenschaftlern auf Akzeptanz gestoßen. Ernst Nolte versuchte die Totalitarismusthe- orie, nach Ansicht einiger seiner Kritiker37, im sogenannten „Historikerstreit“ 1986/87 zu re- habilitieren und gleichzeitig zu radikalisieren, indem er behauptete, dass der Faschismus nur aufgrund einer Angstreaktion auf den Bolschewismus entstand38, und der „Archipel Gulag“ ursprünglicher war als Auschwitz.39 Diese Behauptungen von Nolte wurden im Historiker- streit von den meisten teilnehmenden Wissenschaftlern abgelehnt bzw. als zu weitgehend bzw. zu einseitig interpretiert.40

Der Zusammenbruch des Kommunismus führte in den 1990er Jahren teilweise zu einer Re- naissance der Totalitarismustheorie, was sich auch darin äußerte, dass einige Forscher die Deutsche Demokratische Republik (DDR) mit dem Dritten Reich verglichen. Kritiker warfen diesen Leuten vor, die DDR zu dämonisieren und den Nationalsozialismus zu verharmlosen.41 Auch erfolgte in den 1990er Jahren beispielsweise eine Neuinterpretation des Friedrichschen Ansatzes.42

Aktuell wird in der Politikwissenschaft die Frage diskutiert, inwiefern das Wissen der Totali- tarismusforschung, eventuell unter Berücksichtigung der Religionswissenschaften, für die Un- tersuchung radikalisierter und politisierter Religionsvorstellungen, z.B. des radikalen Isla- mismus, verwendet werden kann. Die Gefahr des totalitären Denkens ist auch im 21. Jahr- hundert präsent, wobei zu berücksichtigen ist, dass fundamentalistische Religionsdeutungen strukturelle Gemeinsamkeiten mit den totalitären Ideologien aufweisen. Dabei ist zu berück- sichtigen, dass bisher keine fundamental-religiöse Bewegung die Staatsmacht ergreifen konnte.43 Beispielsweise wissen wir von den Totalitarismuskonzepten Arendts und Friedrichs, dass der ideologische Gehalt einer totalitären Bewegung sich nach der Machtergreifung nicht oder nur unwesentlich verändert.44 Außerdem analysieren Arendt und Friedrich die totalitären I- deologien relativ ausführlich.

Insofern findet die Totalitarismustheorie auch noch im 21. Jahrhundert Verwendung und kann für die Analyse von fundamental-religiösen Bewegungen, die einen totalen Herrschaftsan- spruch verfolgen, sehr hilfreich oder gar der Schlüssel zum Verständnis ihres Wesens sein.

1.5 Forschungsstand über Arendt und Friedrich im Speziellen

Die Werke von Hannah Arendt (1951/55) und Carl Joachim Friedrich (1956/57) entstanden in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg angesichts der vor wenigen Jahren gestürzten faschistischen bzw. nationalsozialistischen Staaten (Italien und Deutschland) und der Expansion des Sowjetkommunismus (Kalter Krieg).

Hannah Arendt gilt noch heute „als eine herausragende Gestalt des westlichen politischen Denkens im 20. Jahrhundert“45 und sah sich selbst nicht als Philosophin, wie sie meist wahr- genommen wurde, sondern als eine politische Theoretikerin an.46 Sie wurde 1906 in Linden (heute ein Stadtteil von Hannover) als Johanna Arendt geboren und entstammte einer jüdi- schen Familie, sie starb 1975 in New York. Sie studierte ab 1924 Philosophie, Evangelische Theologie und Griechisch in Marburg, Freiburg und Heidelberg, 1928 erfolgte ihre Promotion bei Karl Jaspers über den Liebesbegriff bei Augustin.47 Hannah Arendt sah sich aufgrund ih- rer jüdischen Herkunft gezwungen, im Jahre 1933 vor den Nationalsozialisten nach Paris zu flüchten.

1941 floh sie von Paris als Staatenlose nach New York - 1951 wurde sie amerikanische Staatsbürgerin - wo sie, abgesehen einiger Gastprofessuren in den Vereinigten Staaten und regelmäßigen Reisen nach Europa, bis zu ihrem Tod lebte, lehrte und wirkte.48 Ihre erstmals in englischer Sprache erschienene Studie ″The Origins of Totalitarianism″49 (1951), welche in von ihr überarbeiteter und erweiterter Form 1955 in deutscher Sprache als „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ erschien, gilt als das Hauptwerk der politischen Denkerin. Die gründlich überarbeitete Ausgabe von 1955 wurde bis zur dritten Auflage 1966 weiterhin von ihr bearbeitet und erweitert.50

In dem Buch, welches fast 800 Seiten umfasst und aus drei großen Teilen besteht, zeichnet Arendt im ersten Teil die Entwicklung des Antisemitismus im 18. und 19. Jahrhundert nach. Im zweiten Teil rekonstruiert sie die Funktionsweise des Rassismus und Imperialismus im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert bis zum Nationalsozialismus. Im dritten Teil be- schreibt sie schließlich die beiden Formen der totalen Herrschaft, für sie ausschließlich Natio- nalsozialismus und Stalinismus, wobei Ideologie und Terror für Arendt die wahren Wesens- merkmale des Totalitarismus sind.

Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ gilt, wie schon erwähnt, als Klassiker der Totalitarismustheorie und ist auch außerhalb der Totalitarismusforschung ziem- lich bekannt. Ein weiteres sehr bekanntes Werk Arendts ist das Buch „Eichmann in Jerusa- lem. Bericht von der Banalität des Bösen“, welches sie nach ihrer Tätigkeit als Reporterin für die Zeitung The New Yorker während des Eichmann-Prozesses in Jerusalem schrieb und 1963 in den Vereinigten Staaten von Amerika erstmals veröffentlicht wurde.51 Zu nennen ist außer- dem ihr Buch Vita Activa, welches auch in die Analyse miteinbezogen wird.52

Hannah Arendts Buch über den Totalitarismus (1951/1955) stieß in der gesamten westlichen Welt auf große Resonanz, Anerkennung und Würdigung, aber auch auf viel Kritik. Zentrale Kritikpunkte, die von vielen Autoren genannt werden, sind vor allem, dass sich die Studie ü- ber den Stalinismus und Nationalsozialismus überwiegend auf Quellen über den Nationalso- zialismus stützt. Ursprünglich wollte Arendt ein Buch über den Nationalsozialismus schrei- ben, wurde sich aber, als sie den Dritten Teil verfasste, bewusst, dass die Analogien zwischen Stalinismus und Nationalsozialismus aus ihrer Perzeption sehr groß waren. Ihr Schlüsseler- lebnis war dabei, dass sowohl für den Stalinismus als auch für den Nationalsozialismus Terror und Konzentrationslager notwendig waren und damit wichtige Gemeinsamkeiten vorlagen, um das spezifisch Neue der Systeme hervorzuheben.53

Darüber hinaus wird Arendts Methode in „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ als unkonventionell und nicht in der Tradition der bisherigen Geschichtsschreibung interpretiert. Kritisiert wird auch, dass die Genese des Totalitarismus sich vor allem auf West- und Mittel- europa bezieht und die russische Geschichte weitgehend ausgeblendet wird. Gelobt wird vor allem, dass sie das spezifisch Neue am Totalitarismus herausarbeitet und den „Bruch der Ge- schichte“, besonders durch die Verbrechen der totalitären Regimes, verdeutlicht.

Seit dem Erscheinen ihres Buches kommt kein Totalitarismustheoretiker herum, Arendts Werk zumindest zu erwähnen. Carl Joachim Friedrich bezieht sich bereits 1956/57 in seiner Totalitarismusstudie an vielen Stellen direkt auf Hannah Arendts Argumentation, z.B. auf A- rendts Interpretation des totalitären Terrors und auf die Interpretation der Ideologie, übernimmt diese zum größten Teil oder leistet Kritik.54

Insofern stellt Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955) eine Pio- nierarbeit dar, da sie schließlich mit dem Dritten Teil ihres Buches die erste anspruchsvolle Analyse der neuen totalen Staatsform vorlegt, sowie in den ersten beiden Teilen die histori- schen Erscheinungen untersucht, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass der Totalitaris- mus in Form des Nationalsozialismus und Stalinismus in Erscheinung treten konnte.55 Hannah Arendt gab mit ihrer Totalitarismuskonzeption der (wieder) entdeckten Totalitaris- musforschung nach dem zweiten Weltkrieg wichtige Impulse und ihr Ansatz wurde in den Jahrzehnten nach der Veröffentlichung bis zum Zusammenbruch des Kommunismus immer wieder rezipiert.56

In den 1990er Jahren kam es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, wie schon erwähnt, zu einer Renaissance der Totalitarismustheorien und auch Hannah Arendts Ansatz wurde neu belebt und reflektiert.57

Seyla Benhabib schreibt in ihrem Buch Hannah Arendt. Die melancholische Denkerin der

Moderne (2006), dass „trotz aller Mängel [..] Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft ohne Frage nach wie vor ein bedeutendes und meisterhaftes Werk“58 sei.

Der Amerikaner deutscher Herkunft Carl Joachim Friedrich, geboren 1901 in Leipzig, 1984 in New Hampshire (Vereinigte Staaten von Amerika) gestorben, gilt als einer der wichtigsten Staatsrechtler der Nachkriegszeit, als einer der Gründungsväter der deutschen Politikwissen- schaft nach 194559 und als der führende Theoretiker über den Totalitarismus. Friedrich, der aus einem großbürgerlichen Elternhaus stammt, studierte ab 1921 Nationalökonomie und promovierte 1930 an der Universität Heidelberg bei Alfred Weber, dem Bruder von Max We- ber. Im Jahre 1926 wurde er Lehrbeauftragter an der renommierten Harvard University - folg- lich war er nicht auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, wie etwa die jüdischen Em- migranten, z.B. Hannah Arendt - und wurde dort 1936 Professor für „Government“. Er unter- stützte nach dem zweiten Weltkrieg die Amerikaner bei der Entnazifizierung, außerdem war er bei der Ausarbeitung der deutschen Landesverfassungen beteiligt. Bis zu seiner Emeritie- rung im Jahre 1971, lehrte er von 1954 bis 1966 abwechselnd an der Universität Heidelberg und der Harvard University. Anschließend lehrte er u.a. an der Universität von Manchester sowie der Duke University.60

Darüber hinaus gilt Friedrich auch als ein Vordenker europäischer Integrationstheorien, die in der Europäischen Union bzw. Europäischen Gemeinschaft / Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft eine „Nation im Werden“ sehen.61

>>Wieder gelesen<<: Hannah Arendts >>Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft<<, in: Backes, Uwe / Jesse, Eckhard (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie. 7. Jahrgang. Baden-Baden 1995, S. 251-258; Gess, Brigitte: Zu Hannah A- rendts Totalitarismustheorie nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus, in: Saage, Richard (Hrsg.): Das Scheitern dikta- torischer Legitimationsmuster und die Zukunftsfähigkeit der Demokratie. Festschrift für Walter Euchner. Berlin 1995. S. 331-343; Ballestrem, Karl Graf: Der Totalitarismus in Osteuropa und seine Folgen - eine theoretische Betrachtung, in: Lehmbruch, Gerhard (Hrsg.): Einigung und Zerfall. Deutschland und Europa nach dem Ende des Ost-West-Konflikts. 19. Wissenschaftlicher Kongreß der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. Opladen 1995, S. 117-125; Tormey, Simon: Making sense of tyranny. Interpretations of Totalitarianism. Manchester and New York 1995, S. 38-68; Wippermann: Totalitarismustheorien, S. 26-32; Kraushaar, Wolfgang: Sich aufs Eis wagen, S. 487-504; Jesse, Eckhard: Die Totalitarismus- forschung und ihre Repräsentanten. Konzeptionen von Carl J. Friedrich, Hannah Arendt, Eric Voegelin, Ernst Nolte und Karl Dietrich Bracher, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B20/ 98, S. 3-18, hier S. 10-12; Jesse: Die Totalitarismusforschung im Streit der Meinungen, S. 9-40, hier S. 20; Benhabib, Seyla: Hannah Arendt - Die melancholische Denkerin der Moderne. Erweiterte Ausgabe. Frankfurt am Main 2006, S. 111-168. (Die englischsprachige Erstausgabe von Seyla Benhabib wurde 1996 veröffentlicht.)

Carl J. Friedrich und Zbigniew K. Brzezinski62 haben 1956/1957 die Studie ″Totalitarian

Dictatorship and Autocracy″63 veröffentlicht. 1957 erschien die deutsche Ausgabe „Totalitäre Diktatur“, die Friedrich an einigen Stellen überarbeitet und erheblich verändert hat, und des- halb alleine verantwortet. Noch kurz vor der Veröffentlichung der englischsprachigen Studie 1956/57, kam es zu entscheidenden theoretischen Differenzen zwischen beiden Autoren.64 In der deutschsprachigen Ausgabe (1957), welche über 300 Seiten umfasst, schreibt Friedrich im Vorwort, dass die Studie „ein Ergebnis engster Zusammenarbeit der beiden Verfasser [ist, A.F.]“65, jedoch ist der „wesentliche Rahmen“ der Arbeit von ihm bereits in den 1930 Jahren entwickelt worden. Damals war jedoch das Wissen über die totalitären Diktaturen noch so lü- ckenhaft, dass Friedrich seine Arbeit nicht veröffentlichte.66 Die große Gesamtkonzeption der Studie stammt also von Friedrich und wurde zum ersten Mal 1953 vorgestellt67 und 1954 in dem Band Totalitarianism veröffentlicht.68 Martin Jänicke behauptet (1971), dass Friedrich durch diese Konferenz der Totalitarismusforschung wesentliche Impulse gegeben hat.69

Die zweite englischsprachige Auflage erscheint (1965) - wie die erste englischsprachige - wieder unter beider Namen, jedoch wird diese von Friedrich alleine überarbeitet.70 Friedrich beschreibt in „Totalitäre Diktatur“ (1957) vorerst die allgemeinen Eigenschaften der totalitären Diktatur, es werden Wesenszüge und Thesen über die totalitäre Diktatur als neue Staatsform genannt bzw. aufgestellt - dieses Kapitel bildet den wesentlichen Rahmen der Studie. Es folgen noch sechs weitere Kapitel, in denen die Ausprägungen der Wesenszüge in den verschiedenen totalitären Diktaturen näher untersucht werden.

Da in dieser Diplomarbeit schwerpunktmäßig die deutsche Ausgabe „Totalitäre Diktatur“ (1957) verwendet wird, die von Friedrich zum Teil erheblich abgeändert und alleine verant- wortet wird, wird auch nur Friedrich als Autor genannt. Bei Literatur, die von Friedrich und Brzezinski gemeinsam verantwortet wird, werden selbstverständlich beide Autoren genannt.

Im Jahre 1968/69 verändert Friedrich sein Sechs-Punkte-Katalog, indem er die „terroristische Geheimpolizei“ zu einer „vollentwickelten Geheimpolizei“ relativierte. Er gab zu, dass der Terror in den totalitären Diktaturen, bzw. die Wandlungsfähigkeit der Systeme bezüglich des Terrors, von ihm nicht ganz richtig eingeschätzt wurde, da in den Jahren nach der stalinisti- schen Ära eine deutliche Reduktion des Terrors und der Repressionen in der Sowjetunion zu beobachten war.71

Eckhard Jesse bezeichnet das Werk „Totalitäre Diktatur“ von Carl J. Friedrich, in welchem eindeutig der herrschaftsstrukturelle Aspekt betont werde72, als locus classicus 73 der Totalita- rismustheorie, auch wenn er Friedrich dafür kritisiert, dass er 1968/1969 die terroristische Geheimpolizei relativiert und somit der wohl offensichtlichste Wesenszug wegfällt.74 Sehr viele Totalitarismustheoretiker beziehen sich auf Friedrich, besonders auf den Sechs- Punkte-Katalog, oft positiv, aber auch sehr kritisch, woraus wiederum Kontroversen um die richtige Interpretation des Konzeptes entstehen.75 Friedrich wird beispielsweise vorgeworfen, sein Modell sei statisch, berücksichtige nicht genügend die Unterschiede in den totalitären Systemen, sei nicht in der Lage die Wandlungsfähigkeit zu berücksichtigen und zu erklären. Außerdem sei das Modell in der post-stalinistischen Ära, als der Terror deutlich zurück ging, nicht mehr vertretbar, da ein Wesensmerkmal in Friedrichs Konzept die terroristische Ge- heimpolizei bis 1967 war. Friedrich veränderte bzw. passte seine Studie 1967/1968, wie schon erwähnt, an die gegebene Situation an.

Darüber hinaus streiten sich die Totalitarismustheoretiker darüber, ob das Modell Friedrichs als idealtypisch oder realtypisch interpretiert werden soll. Friedrich macht in seinem Werk keine direkte Aussagen darüber, hat aber an anderer Stelle den Idealtypus abgelehnt.76 Diese Kontroverse soll aber nicht Gegenstand dieser Arbeit sein, da diese viel zu komplex wäre, um sie auf wenigen Seiten abzuhandeln.77

In den 1990er Jahren wird Friedrichs Modell - im Zuge der Wiederbelebung der Totalitaris- mustheorie - wiederentdeckt78 und auch neu interpretiert.79

1995 und 1996 wird der Friedrichsche Totalitarismusansatz von Lothar Fritze und Achim Siegel neu interpretiert. Während Fritze nachzuweisen versucht, dass Friedrich durch seine Korrektur (Terror) sein eigenes Modell widerlegt hat und zu einer „Chaotisierung der heutigen Totalitarismusdiskussion“80 wirkungsvoll beigetragen habe, sieht Achim Siegel hingegen das Modell von Friedrich als „idealtypisierende Theorie“ an, die durchaus verwendbar sei und nicht vorschnell ad acta gelegt werden dürfe.81

Hans J. Lietzmann versucht (1997 / 1999) durch den Vergleich von Werken Friedrichs und Carl Schmitts nachzuweisen, dass es gewisse Ähnlichkeiten gebe, und unterstellt Friedrich somit, dass es Friedrich angeblich weniger um freiheitliche Demokratie als vielmehr um den Erhalt des Verfassungsstaates gehe, der ebenso eine demokratische als auch eine diktatorische Form annehmen könne.82 Die Untersuchungsergebnisse von Lietzmann werden allerdings kritisch gesehen, zumindest von Eckhard Jesse.83

Die in diesem Kapitel aufgeführte Literatur, die sich mit den Totalitarismusansätzen von A- rendt und Friedrich im Speziellen beschäftigt, wird nach Möglichkeit in der Hauptanalyse berücksichtigt, sofern dies sinnvoll und hilfreich erscheint.

2 Das totalitäre System als neue Herrschafts- und Staatsform

2.1 Hannah Arendt: Die totale Herrschaft als neue Staatsform

Hannah Arendts Studie handelt von den Elementen und Ursprüngen der totalen Herrschafts- form, eine für die Autorin neue Staatsform, welche ihre Ausprägung in Form des nationalso- zialistischen und des stalinistischen Staates manifestierte. Die Elemente der totalen Herrschaft sind nach Arendt Antisemitismus und Imperialismus. Durch den Niedergang und Zerfall des Nationalstaates und den anarchischen Aufstieg der modernen Massengesellschaft - diese Er- eignisse bezeichnet Arendt als die Ursprünge der totalen Herrschaft - konnten sich schließlich Antisemitismus und Imperialismus in totalitärer Form kristallisieren.84 Der Antisemitismus und Imperialismus, beide sowohl als Ideologien als auch als soziale Phänomene zu bezeich- nen, sind selbst nicht totalitär.85 Erst durch die beschriebenen gravierenden Veränderungen, konnten sie sich in ihren totalitären Ausprägungen als Totalitarismus vollenden, so Arendt.

Für die neuen totalen Herrschaftsformen, für Arendt ausschließlich Nationalsozialismus und Stalinismus86, sind Ideologie und Terror die charakteristischen Wesensmerkmale. Der ideologische Gehalt des Stalinismus und Nationalsozialismus sind demzufolge Antisemitismus und Imperialismus, der durch Terror zur „sozialen Realität“ gemacht wird, so Arendt. Die Autorin will in ihrer Studie über den Totalitarismus keine Vorschläge und Programme geben, sondern als solche historische Erkenntnis.

In ihrem Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ analysiert Arendt in den ersten beiden Teilen ihrer Studie den Antisemitismus und Imperialismus (Elemente), unter Berück- sichtigung der beschriebenen historischen Ereignisse (Ursprünge), die schließlich zum Totali- tarismus in Russland und Deutschland führten. Im letzten Teil, „Totalitäre Bewegung und to- tale Herrschaft“, analysiert sie überwiegend - vor dem Hintergrund der Ergebnisse der beiden ersten Teile - die Wesensmerkmale 87 der beiden Formen der totalen Herrschaft. Der letzte Teil Hannah Arendts Analyse ist für diese Diplomarbeit entscheidend und wird schwerpunktmäßig mit der Studie Friedrichs kontrastiert.88

Um Arendts Totalitarismuskonzept richtig zu verstehen, ist es sinnvoll, den Machtbegriff 89 von Arendt kurz zu verdeutlichen.

Wo immer Menschen handeln und miteinander kommunizieren, entsteht ein sogenannter Er- scheinungsraum, der beispielsweise auch die Voraussetzung für staatliches Handeln ist. Die- ser Erscheinungsraum verschwindet bereits dann, „wenn die Tätigkeiten, in denen er entstand, verschwunden oder zum Stillstand gekommen sind“90, und nicht etwa erst, wenn die betreffenden Menschen nicht mehr vorzufinden sind. Dieser Erscheinungsraum ist Voraussetzung für den öffentlichen Bereich einer Gesellschaft, eines Staates, da er handelnde und sprechende Menschen voraussetzt.

Was einen politischen Körper letztlich zusammenhält, ist das jeweilige Machtpotential, wel- ches vorzufinden ist. Machtverlust, oder die Nicht-Realisierung von Macht, ist eine wesentli- che Ursache, dass politische Gemeinschaften zugrunde gehen und schließlich Ohnmacht vor- herrscht.91

Realisierte Macht hingegen ist immer dann vorhanden, wenn Worte zu Taten führen, mit anderen Worten, wenn das, was gesagt wird, auch tatsächlich in die Tat umgesetzt wird und somit eine neue Realität geschaffen wird.92

Letztlich ist Macht das, „was den öffentlichen Bereich, den potentiellen Erscheinungsraum zwischen Handelnden und Sprechenden, überhaupt ins Dasein ruft und am Dasein erhält“93. Das Wort Macht leitet sich letztlich von „mögen“ und „möglich“ ab, Macht ist immer ein Machtpotential und ist nichts Unveränderliches, Messbares oder Verlässliches, wie etwa Kraft oder Stärke.94

Die Stärke ist etwas, was jeder Mensch - in unterschiedlicher Ausprägung - von Natur aus besitzt. Macht hingegen besitzt eigentlich niemand, sondern Macht entsteht zwischen den Menschen, wenn sie zusammenkommen und Handeln.95 Arendt macht darauf aufmerksam, dass eine kleine Gruppe von Menschen, vorausgesetzt sie sind gut organisiert, für längere Zeit Staaten und unzählige Menschen beherrschen kann. „Die Macht der Wenigen kann sich wohl unter Umständen der Macht von Vielen als überlegen erweisen, niemals aber die Stärke des Schwachen der überlegenen Kraft des Starken.“96

In diesem Zusammenhang kommt Arendt auch auf Volksaufstände zu sprechen, die gegenüber einer materiell überlegenen Staatsmacht mit Gewaltmitteln, eine enorme Macht ausüben können, besonders dann, wenn sie nicht gewalttätig werden, da sie ohnehin unterlegen wären, und stattdessen passiven Widerstand leisten.97

Was Macht effektiv werden lässt und zusammenhält, ist die Organisation, da in ihr eine Gruppe von Menschen zusammenfindet und zusammenbleibt und sich nicht zerstreut. Die Zerstreuung der Gruppe wäre gleichbedeutend mit Machtverlust. Wer als Mensch die Isolierung sucht, und an dem Zusammensein der Mensch nicht teil hat, verzichtet auf Macht und wählt die Ohnmacht.98

Prinzipiell ist Macht unbeschränkt - ganz anders als die Stärke eines Menschen, die individuell variiert und begrenzt ist - da sie keine materiell-physische Begrenzung kennt, jedoch kann die Macht ganz gut durch Pluralität begrenzt werden:

„Die Grenze der Macht liegt nicht in ihr selbst, sondern in der gleichzeitigen Existenz anderer Machtgruppen, also in dem Vorhandensein von Anderen, die außerhalb des eigenen Machtbereichs stehen und selber Macht entwickeln. Diese Begrenztheit der Macht durch Pluralität ist nicht zufällig, weil ihre Grundvoraussetzung ja von vornherein eben diese Pluralität ist.“99

Arendt betont, dass unter menschlichen Verhältnissen, sich nur Gewalt mit Macht messen kann, nicht etwa mit Stärke, da Stärke wehrlos wäre, wenn sie mit Macht konfrontiert würde. Durch Gewalt kann tatsächlich ein Einzelner viele zu etwas zwingen, da die Gewalt in Form der Gewaltmittel anhäufbar und monopolisierbar ist. Gewalt kann sogar Macht zerstören, je- doch kann sie sich nicht an ihre Stelle setzen. Im politischen Bereich verbinden sich Macht und Gewalt.100

Arendt verweist auf die Tyrannis, wie sie von Montesquieu interpretiert wird. Nach ihm ist das hervorragende Merkmal der Tyrannis das Prinzip der Isolierung - sowohl die Isolierung des Herrschers von seinen Untertanen als auch die Isolierung seiner Untertanen gegeneinander, die letztlich durch Furcht und allseitiges Misstrauen entsteht.101

Die Tyrannis verhindert im gesamten politischen Bereich aktiv die Entstehung von Macht, durch das Prinzip der Isolierung wird Ohnmacht 102 erzeugt. Montesquieu gibt der Tyrannis aus diesem Grund eine besondere Stellung in der Theorie der Staatsformen und bescheinigt der Tyrannis auch eine gewisse Instabilität:

„sie allein [die Tyrannis, A.F.] ist unfähig, genügend Macht zu erzeugen, um sich überhaupt in dem Erscheinungsraum des öffentlichen Bereichs zu halten; sie erzeugt umgekehrt die Keime ihrer Ver- nichtung, und in ihrer Gründung, also in dem, was allen anderen Staatsformen die ihnen eigene Stabi- lität verleiht, liegen bereits die dann immer stärker sich auswirkenden Keime des Verfalls.“103

In der weiteren Analyse von Arendts Totalitarismuskonzept wird u.a. aufgezeigt, dass die to- talitären Systeme sich besonders durch Organisation auszeichnen, und die totalitären Regimes beabsichtigen, den Erscheinungsraum, in dem menschliches Handeln überhaupt erst möglich ist, durch Terror zu vernichten und damit die menschliche Spontaneität überhaupt.

2.2 Carl J. Friedrich: Die totalitäre Diktatur als neue Staatsform

Carl Joachim Friedrich versucht in seiner Studie eine allgemeine, beschreibende Theorie einer neuen Staatsform zu entwickeln.104 Diese Theorie soll nicht restlos klären, warum die totalitä- re Staatsform im 20. Jahrhundert aufgetreten ist, da eine solche Erklärung im Augenblick des Erscheinens der Studie (1956/57) für Friedrich nicht möglich scheint. Jedoch weist Friedrich in seiner Studie daraufhin, dass „bestimmte wesentliche Voraussetzungen aufgezeigt werden können“105:

„Man nehme z. B. den Fall Deutschlands. Hitlers Persönlichkeit, Schwächen in der deutschen Verfas- sungsüberlieferung, gewisse Züge im deutschen Nationalcharakter, der Versailler Vertrag und seine Folgen, die Wirtschaftskrise und die Widersprüche in einem veralteten Kapitalismus, die Gefahr des Kommunismus, das Absinken christlicher und anderer geistiger Rückhalte, - all diese und wohl noch eine ganze Reihe anderer Faktoren haben eine Rolle in dem Gesamtvorgang gespielt, der zur totalitä- ren Diktatur geführt hat. Wie auch sonst in der Geschichte ist nur dann ein Verständnis zu erhoffen, wenn man die Vielfalt der Ursachen und Einflüsse berücksichtigt. Aber daraus folgt natürlich, dass wir heute das Heraufkommen der totalitären Herrschaft noch nicht ganz erklären können. Nur eine teilwei- se Erklärung ist möglich, und zwar durch Feststellung gewisser Begleiterscheinungen. Die totalitäre Diktatur ist eine neuartige Entwicklung, noch nie hat es etwas ihr wirklich Entsprechendes in der Ver- gangenheit gegeben.“106

Friedrich setzt sich also ein bescheideneres Ziel, nämlich das „Modell der totalitären Diktatur zu zeichnen, wie es aus allgemein heute anerkannten Tatsachen zu begründen möglich ist“107. Ebenso macht sich Friedrich zur Aufgabe, die Gesellschaft, die der totalitären Diktatur zugeordnet ist, zu umreißen. Friedrich versucht ein verallgemeinertes Modell zu konstruieren, welches erklärt, was das Wesen der totalitären Diktatur ist und wie es sich in den „Rahmen unserer sonstigen Kenntnis von Herrschaft und Politik“ einordnen lässt.108

Friedrich verdeutlicht, dass die „totalitäre Diktatur“ sich von anderen Typen - etwa der Ty- rannis, der Despotie, des Absolutismus - unterscheidet:

„In Wahrheit schmeichelt man einer totalitären Diktatur, wenn man sie eine Tyrannei oder eine Despotie nennt, denn die Autokratien der Vergangenheit waren nicht annähernd so entsetzlich, wie die totalitäre Diktatur unserer Zeit es geworden ist.“109

Jedoch trifft diese Beschreibung, so Friedrich, das Phänomen der totalitären Diktatur nicht ganz, denn „man [tut, A.F.] der totalitären Diktatur auch wieder unrecht mit diesen Beschrei- bungen, denn die Tyrannis ist - jedenfalls nach der Kennzeichnung von Aristoteles zum Vor- teil des Tyrannen ausgeübt worden [..] es entspricht offensichtlich nicht den Tatsachen, wenn man die totalitäre Diktatur in einem solchen persönlich ausbeuterischen Sinn auffasst“110. Obwohl deutliche Unterschiede - die noch aufgezeigt werden - zwischen der totalitären Dikta- tur, einer Tyrannis und einer Despotie vorhanden sind, gibt es wichtige Ä hnlichkeiten, die es legitimieren, diese Staatsformen unter einer Kategorie einzuordnen: Die Autokratie.111 Friedrich stellt in seiner Studie vorerst drei Hypothesen auf: (1) Die totalitäre Diktatur ist his- torisch einzigartig und sui generis, (2) die faschistischen und kommunistischen totalitären Diktaturen sind in ihren wesentlichen Zügen gleich, d.h. dass sie sich untereinander ähnlicher sind, als andere Staatstypen, einschließlich älterer Formen der Autokratie und dass (3) die Ausprägung der totalitären Diktatur, wie sie sich letztlich entwickelte, von ihren Begründern nicht in dieser Form beabsichtigt und geplant wurde. Vielmehr sind die totalitären Diktaturen „aus der politischen Lage“ entstanden, in der sich die Bewegungen mit ihren Führern nach der „Machtergreifung“ fanden.112 Friedrich sieht die Entstehung der totalitären Systeme „im Ver- lauf der Bewältigung einer Reihe von Krisenlagen“113.

Außerdem weist Friedrich ausdrücklich in seiner Studie daraufhin, dass die totalitären Gesellschaften keine statischen und festumrissenen Gebilde sind. Vielmehr unterliegen sie einer ständigen Entwicklung, die „sowohl Wachstum wie Verfall“ beinhaltet.114 Friedrich stellt fest, dass die Autokratien der Vergangenheit sich nicht durch Stabilität auszeichneten, oft aber von langer Dauer gewesen sind.

[...]


1 Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur. Unter Mitarbeit von Professor Zbigniew K. Brzezinski Harvard University. Stuttgart 1957, S. 9.

2 Einigkeit besteht darin, dass Nordkorea zur Zeit der Herrschaft von Kim Il Sung bis 1994 als totalitär gekennzeichnet werden kann. Ab 1994 erfolgten einige Reformen, die zum verstärkten Abbau des totalitären Staates führten, weswegen diskutiert wird, ob Nordkorea heutzutage nicht besser als „post-totalitär“ bezeichnet werden sollte. Vgl. Gerschewski, Johannes: Weltweites Ende oder Renaissance des Totalitarismus? GIGA Focus Global 4/2008, S. 1-7, hier S. 1-3.

3 Vgl. hierzu Wahdat-Hagh, Wahied: „Die Islamische Republik Iran“. Die Herrschaft des politischen Islam als eine Spielart des Totalitarismus. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Ulrich Albrecht. Münster, Hamburg, London 2003 und Bassam, Tibi: Der Neue Totalitarismus. „Heiliger Krieg“ und westliche Sicherheit. Darmstadt 2004.

4 Sowohl in der Bibliographie von Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955) als auch in der von Friedrich (Totalitäre Diktatur, 1957), ist der jeweils andere genannt und damit in der jeweiligen Studie berücksichtigt. Bei Arendt ist das Grundkonzept von Friedrich in der deutschen Version (1955) berücksichtigt, welches Friedrich bereits 1953 vorstellte und ein Jahr später im Sammelband Totalitarianism veröffentlichte. Vgl. S. 16, Fußnote 67 dieser Arbeit.

5 Bracher, Karl Dietrich: Die totalitäre Erfahrung. München 1987, S. 14 und Jesse, Eckhard: Die Totalitarismusforschung im Streit der Meinungen, in: Jesse, Eckhard (Hrsg.): Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Eine Bilanz der internationalen Forschung. 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Baden-Baden 1999, S. 9-40, hier S. 9.

6 Vgl. dazu Hornung, Klaus: Das totalitäre Zeitalter. Bilanz des 20. Jahrhunderts. Berlin, Frankfurt am Main 1933 und Lindt, Andreas: Das Zeitalter des Totalitarismus. Politische Heilslehren und ökomenischer Aufbruch. Stuttgart u.a. 1981.

7 Vgl. Rieger, Günter: Totalitarismus, in: Nohlen, Dieter / Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Politische Begriffe. Band 7. München 1998, S. 647-648.

8 Kailitz, Steffen: Der Streit um den Totalitarismusbegriff. Ein Spiegelbild der politischen Entwicklung, in: Jesse, Eckhard / Kailitz, Steffen (Hrsg.): Prägekräfte des 20. Jahrhunderts. Demokratie, Extremismus, Totalitarismus. Baden-Baden 1997, S. 219-250, hier S. 221. Kailitz verweist in einer Fußnote auf die Veröffentlichung von Alfons Pacquet „Im kommunistischen Rußland. Briefe aus Moskau“ sowie auf die Tatsache, dass dieser Begriff zum ersten Mal von Ernst Nolte zitiert wurde. Vgl. Pacquet, Alfons: Im kommunistischen Rußland. Briefe aus Moskau. Jena 1919, S. 111 und Nolte, Ernst: Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus. Berlin, Frankfurt am Main 1987, S. 12 und S. 563.

9 Dies behauptet zumindest Steffen Kailitz und betont, dass auch in späteren Jahren die italienische Wendung „totalitarismo“ mit „Totalismus“ ins Deutsche übersetzt wurde. Kailitz vermutet, dass das Synonym „Totalitarismus“ ein „Reimport aus Ita- lien“ sei. Beispielsweise wird im Buch von Hans-Erich Kaminski „Fascismus in Italien“ (1925), der italienische Begriff „to- talitarismo“ mit „Totalismus“ übersetzt. Kailitz bemerkt dazu, dass ebenso der Titel des Buches von Kaminski zeigt, dass der Begriff „Fascismus“ in Deutschland gebräuchlich war, bis er später durch die eingedeutschte Version „Faschismus“ ersetzt wurde. Ebenso handelt es sich in diesem Fall um zwei Synonyme, die das gleiche Phänomen bezeichnen. Vgl. Kaminski, Hans-Erich: Fascismus in Italien. Grundlagen, Aufstieg, Niedergang. Berlin 1925, S. 105 und Kailitz: Der Streit um den To- talitarismusbegriff, S. 221.

10 Vgl. Kailitz: Der Streit um den Totalitarismusbegriff, S. 221.

11 Zur Entstehung und Gebrauch des Totalitarismusbegriffs in Italien vgl. Petersen, Jens: Die Entstehung des Totalitarismusbegriffs in Italien, in: Jesse: Totalitarismus im 20. Jahrhundert, S. 95-117.

12 Vgl. Maier, Hans: „Totalitarismus“ und „Politische Religionen“. Konzepte des Diktaturvergleichs, in: Jesse: Totalitarismus im 20. Jahrhundert, S. 118-134, hier S. 121 und Petersen: Die Entstehung des Totalitarismusbegriffs in Italien, S. 104.

13 Vgl. Sturzo, Luigi: Italien und der Fascismus. Köln 1926, S. 213 und vgl. Wippermann, Wolfgang: Totalitarismus / Totali- tarismustheorie, in: Nohlen, Dieter / Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Politische Theorien. Band I. München 1995, S. 670-673, hier S. 670.

14 Vgl. dazu Schmitt, Carl: Die Wendung zum totalen Staat, in: Schmitt, Carl: Positionen und Begriffe im Kampf mit Weimar-Genf-Versailles 1923-1939. Dritte Auflage. Berlin 1994, S. 166-178.

15 Das Lager der Konservativen und Liberalen war in Deutschland bezüglich der Meinung über den Nationalsozialismus / Faschismus gespalten. Einige sahen im Faschismus etwas Positives und einen potentiellen Bündnispartner gegen den gemeinsamen Feind, nämlich gegen die „Linken“. Jedoch gab es auch viele Konservative und Liberale, die den Faschismus / Nationalsozialismus kritisch sahen. Einige von ihnen lehnten ihn gerade deshalb ab, weil er angeblich viele Ähnlichkeiten mit dem Bolschewismus aufweise. Nachdem seien Faschismus / Nationalsozialismus und Kommunismus / Bolschewismus eine Erscheinung des Totalitarismus. Sowohl Kommunismus als auch Faschismus / Nationalsozialismus lehnen die freiheitliche Demokratie ab und wollen diese zerstören, um stattdessen einen totalitären Staat aufzubauen. Aus dieser konservativliberalen Faschismusdiskussion bildete sich die Totalitarismustheorie heraus. Vgl. Wippermann, Wolfgang: Faschismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anfängen bis heute. Darmstadt 1997, S. 51.

16 Vgl. Kraushaar, Wolfgang: Sich aufs Eis wagen. Plädoyer für eine Auseinandersetzung mit der Totalitarismustheorie, in: Jesse: Totalitarismus im 20. Jahrhundert, S. 487-504, hier S. 492.

17 Vgl. Symposium on the Totalitarian State. From the Standpoints of History. Political Science, Economics and Sociology, in: Proceedings of the American Philosophical society. Philadelphia 1940.

18 Vgl. Wippermann: Totalitarismus / Totalitarismustheorie, S. 671.

19 Vgl. Kraushaar: Sich auf Eis wagen, S. 491.

20 Jesse: Der Totalitarismusbegriff im Streit der Meinung, S. 19.

21 Vgl. ebenda, S. 20.

22 Vgl. Wippermann: Totalitarismus / Totalitarismustheorien, S. 671.

23 Vgl. Rensmann, Lars: Totalitarismus, in: Göhler, Gerhard / Iser, Mattias / Kerner, Ina (Hrsg.): Politische Theorie. 22 umkämpfte Begriffe zur Einführung. Wiesbaden 2004, S. 367-384.

24 Nach dieser Einteilung (Rensmann) in drei Varianten von Totalitarismusansätzen, zählt der Ansatz von Friedrich zu den „herrschaftsstrukturellen“ und der von Arendt zu den „genealogischen“ Ansätzen. Die dritte Einteilung - der demokratietheoretische Ansatz, der von einer Entwicklung des Totalitarismus aus der Demokratie ausgeht und diese untersucht - wird durch jüngere Arbeiten gestützt, so Rensmann. Interessanterweise hat Friedrich bereits (1956/57) die grundlegende These aufgestellt, dass die totalitären Systeme sich aus der Demokratie entwickelt haben.

25 Vgl. beispielsweise Gauchet, Marcel: Die totalitäre Erfahrung und das Denken des Politischen, in: Rödel, Ulrich (Hrsg.): Autonome Gesellschaft und libertäre Demokratie. Frankfurt am Main 1990, S. 207-238 und Lefort, Claude: Vorwort zu „Eléments d’une critique de la bureaucracie“, in: Rödel: Autonome Gesellschaft, S. 30-53 sowie Lefort, Claude: Die Frage der Demokratie, in: Rödel: Autonome Gesellschaft, S. 281-297.

Zur französischen Totalitarismusdiskussion allgemein vgl. Bosshart, David: Die französische Totalitarismusdiskussion, in: Jesse: Totalitarismus im 20. Jahrhundert, S. 252-260.

26 Popper, Karl: Der Zauber Platons. Bern 1951.

27 Voegelin, Eric: Wissenschaft, Politik und Gnosis. München 1959.

28 Faul, Erwin: Der moderne Machiavellismus. Köln, Berlin 1961.

29 Talmon, Jacob L.: Die Ursprünge der totalitären Demokratie. Köln, Opladen 1961.

30 Vgl. Arendt, Hannah: The Origins of Totalitarianism. New York 1951. Deutsche Ausgabe: Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Frankfurt am Main 1955. Die deutsche Ausgabe wurde von Arendt stark verändert und erweitert, alle weiteren englischen Ausgaben des Buches folgten inhaltlich der deutschen Ausgabe von 1955.

31 Vgl. Friedrich, Carl J. / Brzezinski, Zbigniew K.: Totalitarian Dictatorship and Autocracy. Cambridge 1956/57. Deutsche Ausgabe: Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur. Unter Mitarbeit von Professor Zbigniew K. Brzezinski Harvard University. Stuttgart 1957. Für die deutsche Ausgabe übernimmt Friedrich alleine die Verantwortung.

32 Vgl. Jesse: Die Totalitarismusforschung im Streit der Meinungen, S. 14 -15.

33 Vgl. Jänicke, Martin: Totalitäre Herrschaft. Anatomie eines politischen Begriffs. Berlin 1971, S. 126.

34 Vgl. Bracher, Karl Dietrich: Zeitgeschichtliche Kontroversen um Faschismus, Totalitarismus, Demokratie. München 1976.

35 Vgl. Bracher, Karl Dietrich: Die totalitäre Erfahrung. München 1987.

36 Vgl. Backes, Uwe / Jesse, Eckhard: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1989.

37 Vgl. Wippermann, Wolfgang: Totalitarismustheorien. Darmstadt 1997, S. 1.

38 Vgl. Nolte, Ernst: Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus. Berlin 1987.

39 Vgl. Nolte, Ernst: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juni 1986; dann in: „Historikerstreit“ - Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München, Zürich 1987, S. 39-47.

40 Vgl. „Historikerstreit“ - Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München, Zürich 1987.

41 Vgl. z.B. Jesse, Eckhard: War die DDR totalitär?, in: Politik und Zeitgeschichte B 40/7. Oktober 1994, S. 12-33 und Kocka, Jürgen: Die Geschichte der DDR als Forschungsproblem. Einleitung, in: Kocka, Jürgen. (Hrsg.): Historische DDRForschung. Aufsätze und Studien. Berlin 1993, S. 9-26.

42 Vgl. Fritze, Lothar: Unschärfen des Totalitarismusbegriffs. Methodologische Bemerkungen zu Carl Joachim Friedrichs Begriff der totalitären Diktatur, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (7) (1995), S. 629-641; dann abgedruckt bei: Jesse, Totalitarismus im 20. Jahrhundert, S. 305-319 und Siegel, Achim: Der Funktionalismus als sozialphilosophische Konstante der Totalitarismuskonzepte Carl Joachim Friedrichs. Methodologische Anmerkungen zur Entwicklung von Friedrichs Totali- tarismuskonzept in den sechziger Jahren, in: Zeitschrift für Politik 43 (1996), S. 123-144; dann abgedruckt bei: Jesse: Totali- tarismus im 20. Jahrhundert, S. 320-338.

43 Vgl. Gerschewski, Johannes: Weltweites Ende oder Renaissance des Totalitarismus? GIGA Focus Global 4/2008, S. 1-7, hier S. 1.

44 Vgl. dazu Kapitel IV (Machtergreifung und Entwicklung) dieser Arbeit, S. 69.

45 Sontheimer, Kurt: Hannah Arendt. Der Weg einer großen Denkerin. München 2005, S. 9.

46 Vgl. Ludz, Ursula (Hrsg.): Arendt, Hannah. Ich will verstehen. Selbstauskünfte zu Leben und Werk. 2. Auflage. München 1997, S. 44.

47 Vgl. Arendt, Hannah: Der Liebesbegriff bei Augustin. Berlin 1929.

48 Zu Leben und Werk Hannah Arendts vgl. Young-Bruehl, Elisabeth: Hannah Arendt. Leben, Werk und Zeit. Frankfurt am Main 1986.

49 In Großbritannien wurde ihr Buch unter dem Titel ″The Burden of Our Time″ veröffentlicht, der Inhalt ist mit der amerikanischen Ausgabe identisch.

50 Die deutsche Auflage von 1958 enthält „geringfügige bibliographische Zusätze“, z.B. wurde die Rede von Chruschtschow, die er auf dem zwanzigsten Parteitag der Kommunistischen Partei Russlands hielt, von Arendt berücksichtigt. Vgl. Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Frankfurt am Main 1958, Vorwort zur zweiten Auflage. Die letzte Auflage erfolgte zu Lebzeiten 1966.

51 Vgl. Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. München 1964.

52 Vgl. Arendt, Hannah: Vita Activa oder Vom tätigen Leben. Stuttgart 1960.

53 Vgl. Young-Bruehl: Hannah Arendt, S. 290-291.

54 Vgl. Friedrich: Totalitäre Diktatur, S. 129, S. 16, S. 273, Fußnote 4.

55 Vgl. auch Sontheimer: Hannah Arendt, S. 72-73.

56 Beispielsweise: Stammer, Otto: Aspekte der Totalitarismusforschung, in: Seidel, Bruno / Jenkner, Siegfried (Hrsg.): Wege der Totalitarismusforschung. Darmstadt 1968, S. 414-437, hier: S. 425; Canovan, Margaret: The Political Thought of Hannah Arendt. London 1974; Schlangen, Walter: Die Totalitarismus-Theorie. Entwicklung und Probleme. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1976, S. 45-59; Pross, Harry: Die Welt absoluter Selbstlosigkeit - Zu Hannah Arendts Theorie des Totalitarismus, in: Reif, Adelbert (Hrsg.): Hannah Arendt. Materialen zu ihrem Werk. Wien, München, Zürich 1979, S. 203-209; Buchheim, Karl: Totalitarismus - Zu Hannah Arendts Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, in: Reif: Hannah Arendt, S. 211-216; Crick, Bernard: Rückblick auf „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, in: Reif: Hannah Arendt, S. 217-238; Morgenthau, Hans: Hannah Arendt über den Totalitarismus und Demokratie, in: Reif: Hannah Arendt, S. 239-243; Whitfield, Stephen J.: Into the Dark. Hannah Arendt and Totalitariansim. Philadelphia 1980; Young-Bruehl: Hannah Arendt, S. 285- 301.

57 Beispielsweise: Bielefeldt, Heiner: Wiedergewinnung des Politischen. Eine Einführung in Hannah Arendts politisches Denken. Würzburg 1993, S. 21-37; Nordmann, Ingeborg: Hannah Arendt. Frankfurt am Main 1994, S. 50-81; Gess, Brigitte:

58 Benhabib: Hannah Arendt, S. 112.

59 Vgl. Beyme, Klaus von (Hrsg.): Theory and Politics. Theorie und Politik. Festschrift zum 70. Geburtstag für Carl Joachim Friedrich. Haag 1972 und Jesse: Die Totalitarismusforschung und ihre Repräsentanten, S. 9.

60 Zu biographischen Daten von Friedrich: Vgl. Lietzmann, Hans J.: Carl Joachim Friedrich. Ein amerikanischer Politikwissenschaftler aus Heidelberg, in: Blomert, Reinhard / Esslinger, Hans Ulrich / Giovannini, Herbert (Hrsg.): Heidelberger Sozial- und Staatswissenschaften. Das Institut für Sozial- und Staatswissenschaften zwischen 1918-1958. Marburg 1997, S. 267- 290 und Lietzmann, Hans J.: Carl Joachim Friedrich (1901-1984), in: Bleek, Wilhelm / Lietzmann, Hans J.: (Hrsg.): Klassiker der Politikwissenschaft. Von Aristoteles bis David Easton. München 2005, S. 179-191.

61 Vgl. Friedrich, Carl Joachim: Europa - Nation im Werden. Bonn 1972.

62 Der Amerikaner polnischer Herkunft Zbigniew Kazimierz Brzezinski, geboren 1928 in Warschau, Sohn eines polnischen Diplomaten, gehört noch heute zu den renommiertesten Politikwissenschaftlern und Politikberatern der Vereinigten Staaten von Amerika. 1956/57 war er Mitarbeiter von Prof. Friedrich und arbeitete mit ihm die englischsprachige Totalitarismusstudie aus. Derzeit ist er u.a. außenpolitischer Berater des US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama.

63 Friedrich, Carl J. / Brzezinski, Zbigniew K.: Totalitarian Dictatorship and Autocracy. Cambridge, Massachusetts 1956/57.

64 Vgl. dazu Lietzmann, Hans J.: Von der konstitutionellen zur totalitären Diktatur. Carl Joachim Friedrichs Totalitarismustheorie, in: Söllner, Alfons / Walkenhaus, Ralf / Wieland, Karin (Hrsg.): Totalitarismus. Eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts. Berlin 1997, S. 174-192, hier S. 176, Fußnote 10.

65 Friedrich: Totalitäre Diktatur, S. 7.

66 Vgl. ebenda.

67 Am 5. März 1953, zufälligerweise der Todestag von Josef Stalin, beginnt in Boston die Konferenz Totalitarianism, bei der Carl J. Friedrich den zentralen Beitrag hält und erstmals seinen Fünf-Punkte-Katalog (später wurde dieser zum Sechs-Punkte- Katalog, die zentrale gelenkte Wirtschaft als weiteres Merkmal wurde ergänzt) vorstellt. Zu den Teilnehmern der Konferenz zählten u.a. George F. Kennan, Hannah Arendt, Karl W. Deutsch, Leo Löwenthal, Sigmund Neumann. Vgl. Friedrich, Carl Joachim: Totalitarianism. Proceeding of a Conference held at the American Academy of Arts and Sciences, March 1953. Cambridge, Massachusetts 1954 und Kraushaar, Wolfgang: Sich aufs Eis wagen, S. 493 und Fußnote 16.

68 Vgl. Friedrich: Totalitäre Diktatur, S. 8.

69 Vgl. Jäni>

70 Vgl. Friedrich, Carl J. / Brzezinski, Zbigniew K.: Totalitarian Dictatorship and Autocracy. Second Edition, revised by Carl J. Friedrich. Cambridge, Massachusetts 1965.

71 Vgl. Friedrich, Carl Joachim: The Changing Theory and Practice of Totalitarianism, in: Il Politico 33 (1968), S. 53-74 und Friedrich: Totalitarianism: Recent Trends, in: Problems of Communism 17 (1969), S. 32-43.

72 Vgl. Jesse: Die Totalitarismusforschung und ihre Repräsentanten, S. 10.

73 Ebenda, S. 9.

74 Vgl. Jesse: Die Totalitarismusforschung im Streit der Meinungen, S. 20; Anmerkung: Hannah Arendt hat ihre Totalitarismusdefinition, die sehr eng ist, nicht verändert bzw. korrigiert. Der Nationalsozialismus endete 1945 und die Sowjetunion war in der post-stalinistischen Ära, als der Terror deutlich zurückging, nicht mehr totalitär, so Arendt.

75 Vgl. Ludz, Peter Christian: Offene Fragen in der Totalitarismus-Forschung, in: Seidel / Jenkner: Wege der TotalitarismusForschung, S. 466-512; Stammer, Otto: Aspekte der Totalitarismusforschung, S. 414-437; Jäni>76 Vgl. Friedrich, Carl Joachim: Die Politische Wissenschaft. Freiburg, München 1961, S. 19.

77 Zur Kontroverse vgl. Jäni>mann: Totalitarismustheorien, S. 34; Fritze: Unschärfen des Totalitarismusbegriffs, S. 305-319 und Siegel: Der Funktiona- lismus, S. 320-338.

78 Vgl. z.B. Ballestrem: Der Totalitarismus in Osteuropa und seine Folgen, S. 117-125; Schmalz-Bruns, Rainer: Totalitarismustheorie - eine vergessene oder verlassene Stufe der Reflexion? Anmerkung zu Graf Ballestrem, in: Lehmbruch: Einigung und Zerfall, S. 127-138.

79 Vgl. Fritze: Unschärfen des Totalitarismusbegriffs, S. 305-319 und Siegel: Der Funktionalismus, S. 320-338.

80 Fritze: Unschärfen des Totalitarismusbegriffs, S. 317.

81 Vgl. Siegel: Der Funktionalismus, S. 334.

82 Vgl. Lietzmann, Hans J.: Von der konstitutionellen zur totalitären Diktatur, S. 174-192 und Lietzmann, Hans J.: Politikwissenschaft im „Zeitalter der Diktaturen“. Die Entwicklung der Totalitarismustheorie Carl Joachim Friedrichs. Mit einem Vorwort von Klaus von Beyme. Opladen 1999.

83 Vgl. Jesse: Totalitarismusforschung und ihre Repräsentanten, S. 10.

84 Vgl. Elemente und Ursprünge, S. XII.

85 Vgl. ebenda, S. 740.

86 Arendt neigt auch dazu, China unter Mao als „totalitär“ zu bezeichnen, allerdings beschäftigte sie sich kaum mit China und macht keine klaren Aussagen darüber. Vgl. Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. München 1986, Vorwort zum Drittel Teils (Juni 1966), S. 478-479.

87 Hannah Arendt spricht davon, dass Ideologie und Terror das „eigentliche Wesen“ der totalen Herrschaftsform ausmachen. In dieser Arbeit werden Ideologie, Bewegung & Partei, Terror, Propaganda, Organisation, Geheimpolizei, Konzentrationslager, zentral gelenkte Wirtschaft in Arendts Studie als „Wesensmerkmale“ bezeichnet. Carl J. Friedrich verwendet hierfür den Begriff „Wesenszüge“. Vgl. Kapitel III dieser Arbeit. Vgl. Arendt: Elemente und Ursprünge, letztes Kapitel „Ideologie und Terror: Eine neue Staatsform“, S. 724-752 und vgl. Friedrich: Totalitäre Diktatur, S. 19.

88 Die Vorgehensweise von Arendt unterscheidet sich von der von Friedrich. Friedrich hat in seiner Studie nicht vor, die Entwicklungsfaktoren des Totalitarismus (restlos) aufzuzeigen - nach Friedrichs Aussagen war dies seinerzeit noch nicht möglich, auch wenn mögliche Voraussetzungen dafür aufgezeigt werden konnten - sondern er will (nur) ein allgemein be- schreibendes Modell über totalitäre Systeme zeichnen, wie sie damals vorzufinden waren. Dies tut Arendt im Dritten Teil ih- rer Studie.

89 Vgl. Arendt, Hannah: Vita Activa oder Vom tätigen Leben. Stuttgart 1960, S. 193-202.

90 Ebenda, S. 193.

91 Vgl. ebenda.

92 Vgl. ebenda, S. 193-194.

93 Ebenda, S. 194.

94 Vgl. ebenda.

95 Vgl. ebenda.

96 Ebenda.

97 Vgl. ebenda.

98 Vgl. ebenda, S. 195.

99 Ebenda.

100 Vgl. ebenda, S. 196.

101 Vgl. ebenda.

102 Arendt definiert Ohnmacht so, dass die Untertanen der Tyrannis, die menschlichen Fähigkeiten zum Kommunizieren und Handeln verlieren. Vgl. ebenda, S. 197.

103 Ebenda.

104 Vgl. Friedrich: Totalitäre Diktatur, S. 7.

105 Ebenda.

106 Ebenda, S. 16-17; Anmerkung: In der Aufzählung von Friedrichs Ursachen, die zur totalitären Diktatur geführt haben, hier bezogen auf Hitler-Deutschland, verweist Friedrich auf viele verschiedene Ursachen, die teilweise das Phänomen des Nationalsozialismus erklären können bzw. sollen, allerdings gebe es möglicherweise noch weitere Faktoren, die noch erkannt werden müssen. Interessant ist allerdings, dass Friedrich weder Antisemitismus noch Imperialismus als entscheidende Faktoren für die Entwicklung totalitärer Systeme, selbst nicht des Nationalsozialismus, nennt.

107 Ebenda, S. 7.

108 Vgl. ebenda.

109 Ebenda, S. 13.

110 Ebenda.

111 Vgl. ebenda.

112 Vgl. ebenda, S. 15-16; Anmerkung: Bei der Behauptung, dass der Totalitarismus nicht das Ergebnis wohlüberlegter Handlungen sein kann, stützt sich Friedrich auf die Studie „Hitlers Weg“ (1931) von Theodor Heuss, dem späteren Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings handelt die Studie von Heuss über den Nationalsozialismus, Friedrich hingegen weitet diese Behauptung auf alle totalitären Diktaturen aus, ohne dies für die kommunistischen Staaten zu begründen bzw. zu belegen. Vgl. ebenda, S. 15-16, S. 256 und Heuss, Theodor: Hitlers Weg. Eine historisch-politische Studie über den Nationalsozialismus. Stuttgart, Berlin, Leipzig 1932.

113 Friedrich: Totalitäre Diktatur, S. 16.

114 Vgl. ebenda.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Die Totalitarismusansätze von Hannah Arendt und Carl Joachim Friedrich im Vergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut )
Autor
Jahr
2009
Seiten
93
Katalognummer
V162876
ISBN (eBook)
9783640775460
ISBN (Buch)
9783640775309
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hannah Arendt, Carl Joachim Friedrich, Totalitarismus, Nationalsozialismus, Kommunismus, Stalinismus, Diktatur, Autokratie
Arbeit zitieren
Alexander Fichtner (Autor), 2009, Die Totalitarismusansätze von Hannah Arendt und Carl Joachim Friedrich im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162876

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